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Der Weg zur Reha: 5 Schritte zum Erfolg

Rehabilitation: Sie kann der Gesundheit einen großen Schub nach vorne geben – vor allem, wenn die Patienten sich aktiv einbringen

von Dr. Achim G. Schneider, 10.01.2020
Seniorin macht Übungen an einem Fitnessgerät

Dran bleiben: Um die Reha müssen sich Patienten selbst kümmern. Zahlreiche Beratungsstellen bieten jedoch Unterstützung


Es ist eine eigene Welt im deutschen Gesundheitssystem: Knapp 1.200 Kliniken mit 120.000 Angestellten führen jedes Jahr circa zwei Millionen Rehabilitationen durch. Patienten sollen profitieren, indem die Folgen ihrer Erkrankungen gemindert und sie wieder fit werden für Alltag und Arbeit.

Rehas sind keine Kuren, auch wenn sie oft so bezeichnet werden. Kuren zählen zur Vorsorge. Ihr Ziel: drohende Krankheiten, etwa durch chronische Überlastung, zu verhindern. Dazu gehören zum Beispiel Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen. Offiziell wurde der Begriff Kur bereits mit der Gesundheitsreform im Jahr 2000 aus dem Sozialgesetz verbannt. Im Alltag sowie bei den Krankenkassen ist er nach wie vor geläufig.

Auf dem Weg zur Besserung

Für eine Reha gilt grundsätzlich: Sie bietet kranken Menschen die Möglichkeit, ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Das belegen viele Studien. Und wer einen Bedarf hat, hat auch einen Anspruch auf eine Rehabilitation.

Dafür gelten grundsätzlich folgende Bedingungen: Ambulante Maßnahmen wurden ausgeschöpft, brachten aber nicht die gewünschte Verbesserung. Außerdem sind die Chancen gut, dieses Ziel mit einer Reha zu erreichen.

Eine Sonderform der Reha ist die sogenannte Anschlussheilbehandlung. Sie muss spätestens 14 Tage nach einer Versorgung im Krankenhaus oder einer ambulanten Operation beginnen. Sie hilft zum Beispiel Menschen nach einem Herzinfarkt oder nach dem Einbau eines künstlichen Gelenks bei der Genesung.

Anschlussheilbehandlungen machen rund 40 Prozent aller Rehas aus. Den Antrag darauf stellt der Sozialdienst im Krankenhaus.

Wann ein Anspruch besteht

In allen anderen Fällen muss sich der Patient um seine Reha selbst kümmern. Den Antrag füllt er mit dem behandelnden Arzt aus; zudem bieten zahlreiche Beratungsstellen Unterstützung.

Es gibt Reha-Angebote für eine Vielzahl chronischer Leiden, darunter Diabetes, Asthma und Krebs. Zahlenmäßig stehen Rehas wegen orthopädischer und psychischer Beschwerden an erster Stelle.

Für Arbeitnehmer ist die Deutsche Rentenversicherung zuständig, für Beamte die Beihilfestelle und die Krankenversicherung, für Rentner meist die Krankenversicherung, bei onkologischen Erkrankungen jedoch die Deutsche Rentenversicherung. Und es gibt weitere mögliche Kostenträger, etwa die Unfallversicherung für Arbeitsunfälle.

Wird der Antrag an die falsche Stelle geschickt, muss der Adressat ihn binnen zwei Wochen an die zuständige Stelle leiten. Doch dadurch geht Zeit verloren - einer von vielen Gründen, sich vorher zu erkundigen. Dieser Beitrag hilft dabei.

Schritte zum Erfolg

Eigeninitiative ist gefragt, um seine Geusndheitsziele mit einer Reha zu erreichen. Das beginnt mit dem Antrag. Und auch nach der Reha sollte man aktiv bleiben. Lesen Sie hier, worauf es ankommt:

Illustration Reha Ablaufdiagramm Antrag stellen

1. Antrag

Der wichtigste Verbündete für einen Antrag mit guter Erfolgsausicht ist der behandelnde Arzt. Er kennt die Begründung für den Rehabilitationsbedarf, hilft beim Aufüllen des Antrags oder stellt ihn gleich selbst. Oft ist es sinnvoll, sich zustätzliche Unterstützung zu holen.

Im Vorfeld sollte der Patient sich über ein paar Punkte klar werden, zum Beispiel darüber, welche Reha für ihn die richtige ist. Je nach Problem kommt bei Rückenschmerzen etwa ein orthopädisches oder psychosomatisches Angebot infrage. Zudem muss entschieden werden, ob die Reha ambulant, teilstationär oder stationär erfolgt.

Wer Kinder zu versorgen hat, muss überlegen, ob diese mitkommen sollen. Viele Häuser bieten eine Betreuung an, auch Schulunterricht kann organisiert werden. Der Patient sollte sich zudem kundig machen, welche Klinik sich fachlich für ihn am besten eignet. Hierfür hilft der Arzt weiter - und auch das Internet.

Illustration: Abgelehnt, was nun? Widerspruch einlegen

2. Widerspruch

Abgelehnten Anträgen kann man binnen eines Monats widersprechen. Dazu ist es nötig, die Argumente für die Ablehnung zu entkräften. Zum Beispiel damit, dass eine vom Kostenträger geforderte ambulante Maßnahme bereits erfolgt ist. Der behandelnde Arzt kann hierbei helfen. Wer mehr Zeit braucht, sollte im Widerspruch schreiben, dass die Begründung folgt, und diese nachreichen.

Manche Kassen versuchen, Antragsteller am Telefon zu überreden, den Widerspruch zurückzuziehen. Darauf sollte sich niemand einlassen, sondern eine schriftliche Entscheidung verlangen. Bei einer Ablehnung bleibt noch die Klage vor dem Sozialgericht. Dazu fachkundig beraten lassen.

Illustration Reha Ablaufdiagramm erledigen organinieren

3. Vorbereitung

Die Reha ist genehmigt. Der Antragsteller erhält von seiner Kasse und der Klinik Unterlagen. Sie informieren darüber, was vor und bei der Anreise zu beachten ist. Passt der vorgeschlagene Reha-Termin nicht, kann man ihn problemlos um einige Tage verschieben.

Kniffliger wird es, wenn einem nicht die Wunschklinik zugewisen wird. Bei der Rentenversicherung kann man einen Umstellungswunsch vorbringen. Bei der gesetzlichen Krankenkasse besteht der Anspruch auf die medizinisch geeignete Wunschklinik. Sogar ohne Mehrkosten, wenn die gewählte Einrichtung besser geeignet ist, als die von der Krankenkasse vorgesehene.

Es lohnt sich, die Mehrkostenforderung seiner Kasse fachkundig überprüfen zu lassen. Die Chancen, sie abzuwenden, sind am größten, wenn man bereits im Reha-Antrag die Wahl der Wunschklinik gut begründet. Etwa damit, dass man die Einrichtung aus einer früheren Behandlung kennt, oder damit, dass Angehörige einen dort besuchen können. Doch an erster Stelle stehen fachliche Argumente.

Hilfe im Internet

  • Die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung unterstützt in allen Fragen der Teilhabe, unabhängig von einem Leistungserbringer: www.teilhabeberatung.de
  • Die Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation informiert unter www.bar-frankfurt.de. Dort sind Ansprechstellen für Leistungen der Reha und Teilhabe sowie ein hilfreicher Fristenrechner zu finden.
Illustration Reha Ablaufdiagramm erfolgreiche Teilnahme

4. Rehabilitation

Eine Reha dauert drei bis sechs Wochen - je nach Krankheit und persönlichem Bedarf. Jeden Tag erfolgen mehrere therapeutische Maßnahmen. Bei orthopädischen Patienten etwa ist das Trainieren der Rumpfmuskulatur ein wichtiges Element, bei Menschen mit Rheuma gehören Kälte- oder Wärmeanwendungen zum Programm.

Rehas beinhalten zudem Maßnahmen, die auf einen gesünderen Lebensstil abzielen und später zu Hause in den Alltag integriert werden können. Dazu zählen Methoden der Stressbewältigung sowie Informationen zu Ernährung und körperlicher Aktivität. Eine Reha bietet meist die Chance, neue Dinge kennenzulernen und auszuprobieren, die die Lebensqualität verbessern und Beschwerden lindern sollen.

Mitzumachen und das Angebot bestmöglich zu nutzen eröffnet die größten Chancen auf Erfolg. Und wenn etwas wirklich nicht passt, sollte man das möglichst frühzeitig mit einem Klinikarzt besprechen. Das gilt auch, wenn einem das vorgegebene Pensum zu klein oder zu groß erscheint.

Illustration Reha Ablaufdiagramm weiter machen dran bleiben

5. Nachsorge

Der Reha-Prozess sollte nicht mit dem Verlassen der Klinik enden. Am besten besprechen Patienten schon dort mit ihren Therapeuten, wie es im Anschluss weitergehen soll.

Dazu gibt es viele Möglichkeiten, zum Beispiel Nachsorgeprogramme der Deutschen Rentenversicherung. Je nach Gesundheitsproblem beinhalten sie Physio-, Bewegungs- und Sporttherapie, Schulungen zur gesunden Ernährung, psychische und soziale Unterstützung. Die Durchführung erfolgt in der Regel ambulant in einer wohnortnahen Reha-Klinik.

Reha-Sport ist eine weitere Option. Die Verordnung stellt die Reha-Klinik oder der behandelnde niedergelassene Arzt aus. Im Internet kann man sich darüber informieren, ob es ein geeignetes Angebot in der Nähe gibt. Auch die Reha-Träger unterstützen ihre Versicherten bei der Suche.

Sportvereine und Selbsthilfegruppen organisieren ebenfalls Angebote. Natürlich kann man auch in Eigenregie oder im Fitnessstudio trainieren. Was sinnvoll ist, weiß am besten der behandelnde Therapeut.

Der Arbeitskreis Gesundheit berät zum Thema stationäre medizinische Reha:

08 00/100 63 50 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz)

www.arbeitskreis-gesundheit.de


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