Tattooentfernung mit Risiko

Wer seinen permanenten Körperschmuck loswerden will, lässt ihn oft weglasern. Das ist nicht nur schmerzhaft, neue Untersuchungen belegen, dass dabei giftige Stoffe entstehen
von Sophie Kelm, aktualisiert am 18.10.2016

Nicht jeder liebt seine Tattoos ein Leben lang

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Ein schwülstiges Schmetterlings-Tattoo, eine fiese Hundefratze, ein großes Tribal oder der falsche Name am Arm: "Viele Menschen wollen ihre Tattoos irgendwann wieder loswerden", berichtet Professor Wolfgang Bäumler, Physiker und Tattoo-Forscher an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie der Universität Regensburg. Zur Entfernung existieren mehrere Methoden, sehr gängig ist das Lasern. Jetzt hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erstmals bei der Rubinlaserbehandlung blauer Tattoos giftige und krebserregende Stoffe gefunden – darunter Blausäure. Sie entstehen als Spaltprodukte bei der Bestrahlung des kupferhaltigen Pigments Phthalocyanin-Blau.

"Wir konnten zum ersten Mal zeigen, dass bei der Laserbehandlung eines Tätowierungspigments in wässriger Suspension Stoffe in Konzentrationen entstehen, die hoch genug wären, in der Haut Zellschäden zu verursachen", sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. Mögliche Risiken können je nach Größe der Tätowierung, Pigmentkonzentration, Körperstelle, Bestrahlungsdosis sowie der verwendeten Wellenlänge des Lasers unterschiedlich sein. Das BfR rät, ein anerkanntes Verfahren in einer entsprechend qualifizierten Einrichtung zu wählen und sich vor der Tattooentfernung über die Risiken aufklären zu lassen. 

Häufig bleiben Reste zurück

Schon ohne dieses neu entdeckte Risiko ist die Tattooentfernung mit dem Laser nicht zu unterschätzen. "Oft bleiben unschöne Reste stehen", erklärt Bäumler. Das Lasern sollte am besten ein ausgebildeter Hautarzt übernehmen. Der Ablauf ist wie folgt. Der Arzt beschießt das Tattoo aus kurzer Entfernung. Das rote Licht, das man sieht, dient lediglich dem Zielen. Der eigentliche Laserimpuls ist ein nur Nano- oder Picosekunden andauernder, so gut wie unsichtbarer Lichtblitz. Er ist aber so intensiv, dass sowohl Arzt als auch Patient eine Spezialbrille tragen müssen, um ihre Augen zu schützen.

Die Farbpigmente platzen

Das Laserlicht dringt zwei bis drei Millimeter tief in die Haut ein. Die Kristalle aus den Farbpigmenten, die der Tätowierer einst schmerzhaft mit der Nadel eingebracht hat, absorbieren das Licht. Durch die aufgenommene Energie zerplatzen die Pigmente. Die kleinen Bruchstücke transportiert der Körper über Lymphe oder Blutbahn ab und scheidet sie über Niere oder Darm aus. "So wie viele anderen Fremdkörper auch", vergleicht der Experte. So weit zur Theorie. In Wirklichkeit bleibt aber immer ein Teil der Pigmente im Körper hängen. Dass diese schädlich sein können, haben Experten schon länger vermutet.

Tattoo-Spaltprodukte entstehen nicht nur beim Lasern: Auch UV-Strahlen – zum Beispiel von der Sonne – können Tattoofarben zerstören und Enzyme im Körper zersetzen die Farben. Diesen stetigen Abbau sieht man allerdings nicht, da die Pigmente beim Stechen in großen Mengen in die Haut eingebracht werden. Potenziell gesundheitsschädlichen Stoffen sind Tattoo-Träger also nicht nur ausgesetzt, wenn sie eine Verzierung entfernen lassen, sondern auch, wenn sie diese behalten.

Schwarz kann man am besten weglasern

Wie vollständig der Arzt ein Tattoo entfernen kann, hängt von der Menge der Farbe ab und auch von der Art der verwendeten Pigmente. "Kein seriöser Mediziner wird eine hundertprozentige Entfernung versprechen. Am besten lässt sich schwarz entfernen, gelb bleibt oft komplett stehen", erklärt Bäumler.

Die Stechnarben werden sichtbar

Nach dem Lasern kann die Haut von Narben gezeichnet sein. Diese entstehen aber oft schon durch die Nadeln beim Tätowieren und waren unter der Farbe lediglich nicht sichtbar. Das Lasern selber verursacht nur selten bleibende Hautschäden. "In 98 Prozent der Fälle bleibt die Haut beim Lasern heil", so Bäumler. Die betroffene Stelle rötet sich erst und beruhigt sich dann nach zirka zwei Tagen wieder. Selten kommt es zu Blutungen oder Wasserbläschen und Schorfbildung.

Aber das Lasern tut weh. "Etwa so, wie wenn man mit einem Gummiband auf die Haut schnalzt", erklärt der Tattoo-Forscher. Man kann eine betäubende Creme auftragen, aber meistens wird ohne Betäubung gelasert. Die behandelte Haut muss man nach der Behandlung mehrere Wochen vor der Sonne schützen.

Was kostet die Entfernung?

"Die Entfernung eines zirka handtellergroßen Tattoos kostet pro Sitzung ungefähr 100 bis 200 Euro. Genau lässt es sich nicht sagen, da es sich um eine Privatleistung handelt", erklärt Bäumler. In der Regel muss der Hautarzt die gleiche Stelle sechs bis zwölf Mal behandeln, bis die Farbpigmente weitestgehend zerstört sind. Zwischen den einzelnen Sitzungen sollten drei bis vier Wochen vergehen, da der Körper den Abtransport organisieren muss.

Die Kosten einer Tattoo-Entfernung trägt der Patient selber. Die Preise schwanken von Praxis zu Praxis. Nur in sehr seltenen Ausnahmen übernimmt die Kasse die Rechnung. "Zum Beispiel wenn jemand resozialisiert werden soll und im Gesicht oder an anderen sichtbaren Stellen tätowiert ist und deswegen keinen Job bekommt", nennt Bäumler ein Beispiel.


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