Worauf es bei Funktionskleidung ankommt

Ausrede schlechtes Wetter? Zählt nicht – wenn man Kleidung anzieht, die den Körper vor den Elementen schützt! Darauf sollten Sie achten
von Ute Essig, aktualisiert am 09.05.2017

Freitzeitglück: Unterwegs in den Berchtesgadener Alpen

imago/imagebroker/MaraxBrandl

Es ist Frühling, aber es nieselt, und es ist noch ziemlich kühl. Eigentlich sollte man jetzt raus und der Winterträgheit davon­laufen. Wenn da bloß nicht der innere Schweinehund wäre, der statt zu sportlichen Aktivitäten zu einer Marathonsitzung mit der neuen schwedischen Krimiserie motiviert.

Wer sich gerade ultraleichte Laufschuhe und eine modische Funk­tionsjacke gekauft hat, mag die neuen Stücke vielleicht trotz aller Bequemlichkeit endlich ausführen. "Sport macht einfach mehr Spaß, wenn der Körper sich gut anfühlt", meint Dr. Lutz Graumann, Sportmediziner aus Rosenheim. Das heißt: wenn man durchs Schwitzen nicht auskühlt, wenn der Stoff nicht unangenehm feucht auf der Haut klebt und wenn der nächste Regenschauer einen nicht bis auf die Haut durchnässt, sondern jeder Tropfen auf der Überjacke abperlt.

Um Wind und Wetter zu trotzen, sollte die Kleidung dicht sein

Getty Images/simonkr/E+

Gut ausgerüstet läuft’s besser

"Funktionskleidung unterstützt die Thermoregulation des Körpers", sagt Graumann. Im Sommer verhindere sie Hitzestaus, im Winter Kälteschäden. "Am besten fährt man mit der Zwiebeltaktik: Je kälter es ist, umso mehr Lagen trage ich übereinander", erklärt der Sportmediziner. Drei halten einen trocken und warm: Basis-, Isolations- und Wetterschutzschicht.

Bei Funktionskleidung haben sich in der Vergangenheit synthetische Materialien aus Mineralöl bewährt, zum Beispiel Polyester, Polypropylen oder Acryl. Sie transportieren Schweiß schnell von der Haut weg auf die Außenseite der Kleidung und trocknen rasch. Sind die atmungsaktiven Fasern aufgeraut, wärmen sie zudem gut.

Kunstfasern oder Naturmaterial?

Allerdings haben Kunstfasern auch Nachteile: Sie riechen schon nach relativ kurzem Tragen intensiv nach Schweiß. Zudem können sie die Umwelt belasten, denn manche Gewebearten verschmutzen die Meere in Form von Mikroplastik. Der Wissenschaftler Niko Hartline von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara (USA) und sein Team wiesen nach, dass ein Fleecepulli bei einem einzigen Waschgang ein bis zwei Gramm Mikrofasern freisetzt. Durch das Abwasser werden die winzigen Faserbestandteile in die Kläranlagen gespült und gelangen mit den Flüssen ins Meer.

Doch es gibt Alter­nativen: Funktionskleidung aus Naturmaterial wie Merinowolle, Seide und Daune. Sie ist nicht nur wegen der Nachhaltigkeit so beliebt, auch die Trageeigen­schaften überzeugen viele Sportler. Die fein verarbeiteten Stoffe liegen federleicht auf der Haut und kratzen nicht. Sie wärmen, wenn es kalt ist. Sie kühlen angenehm, wenn es heiß ist. "Auch feuchte Wolle hat noch eine gute Wärmeisolation", sagt Graumann.

Für ein angenehmes Gefühl

"Wolle kann bis zu 30 Prozent des eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen – sofern sie nicht mit einer konventionellen Ausrüstung ver­sehen wurde, die ihre Fasereigenschaften verändert", sagt Heike Hess, Koordi­natorin des Richtlinienausschusses beim Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft in Berlin. Daneben wird dem Keratin, dem ­Faserprotein der Wolle, eine selbstreinigende Wirkung zugesprochen. Ein nicht chemisch behandelter Wollpullover kann nach dem Tragen über Nacht draußen ausgelüftet werden. "Dann riecht er morgens wieder frisch", so Hess.

Neuartiger Materialmix

Die Materialien aus der Natur werden oft nicht mehr solo verwendet, sondern zu Hy­brid­materialien gemixt. Manche Unternehmen verarbeiten für direkt auf der Haut liegende Texti­lien Wolle zusammen mit Seide, damit auch auf sehr sensibler Haut nichts juckt oder kratzt. Andere setzen auf Merinofasern mit Polyester- oder Nylonkern, die Socken und Shirts noch elastischer und strapazierfähiger machen. Oder verarbeiten sie zusammen mit wind- und wasserabweisenden Materialien, sodass sie nicht nur für untendrunter, sondern auch in der ­stärker schützenden mittleren Isolationsschicht oder bei günstigem Wetter sogar als äußere Schicht eingesetzt werden können.

Natürliche Materialien wie Merinowolle und Daunen haben allerdings auch ihre Schatten­seiten: Sie sind relativ teuer und empfindlich. Zudem stammen die Rohstoffe von Tieren, die selten artgerecht gehalten werden.

Für den Tierschutz auf Zertifikate achten

Doch hat es der Verbraucher selbst in der Hand, Produkte zu kaufen, die den Tierschutz bestmöglich berücksichtigen. Einige Markenhersteller arbeiten inzwischen mit Zuliefer­betrieben zusammen, die auf umstrittene Praktiken verzichten wie beispielsweise das Entfernen parasitenanfälliger Hautbereiche ohne Betäubung bei Merino­schafen oder den Lebendrupf von Gänsen. Entsprechende Zertifikate informieren den Käufer, der nicht nur Natur tragen, sondern auch verantwortungsbewusst mit ihr umgehen möchte.

So bleibt die Funktionskleidung in Schuss

  • Beim Waschen gilt: so oft wie nötig, aber so selten wie möglich
  • Die Imprägnierung von Membranjacken im Trockner bei 60 Grad aktivieren oder bei Bedarf nach dem Waschen nachbehandeln
  • Textilien aus Merinowolle über Nacht auslüften
  • Spezielle Waschmittel für Sport- und Funktionskleidung verwenden


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