{{suggest}}


Wie man Haustiere über Silvester begleitet

Jahreswechsel: Silvester ist wegen der Böller kein guter Tag für viele Hunde und Katzen. Tipps für einen angstfreien und entspannten Abend

von Ute Essig, 30.12.2019
Haustiere

Was hilft der Mieze an Silvester? Aufmerksamkeit ist gut, zu viel Trösten schadet eher


Amrum ist ein Paradies für Angsthasen. Wegen der Brandgefahr für die vielen Reetdächer ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern wie Raketen und Kanonenschlägen dort tabu. Auch Tierärztin Dr. Dagmar Vogel aus Hamburg ist am Jahresende mit ihrem Blue-Terrier Pablo regelmäßig Gast auf der Nordseeinsel. Wie viele andere Hunde - und seltener auch Katzen - leidet der Vierbeiner unter Silvesterangst.

Auf den Lärm und den Geruch des Feuerwerks am Jahresende reagieren diese Tiere mit extremem Stress - bis hin zu Todesangst. Sie zittern am ganzen Körper, hecheln sich die Zunge aus dem Leib, verkriechen sich in Schränken und unter Betten.

Trösten ist tabu

Nicht nur für die Tiere selbst ist das belastend. "Auch die Tierhalter leiden mit", weiß Vogel. Das Schlimmste, was die Besitzer tun können: "Das Tier trösten", so die Veterinärmedizinerin. "Denn das verstärkt das Verhalten. Man sollte es einfach in Ruhe lassen." Schwer fürs Herz, aber besser für das Tier.

Das heißt natürlich nicht, dass man die panische Katze oder den verängstigten Hund komplett ignorieren sollte. Sucht der Vierbeiner die menschliche Nähe, sollte man bei ihm bleiben und ihn streicheln. Sucht er dagegen eine ruhige und dunkle Ecke, etwa unter dem Esstisch, hilft es manchmal, die Möbel zusätzlich mit einer Decke abzuhängen. Auch leise Hintergrundgeräusche aus dem Radio oder Fernseher wirken häufig beruhigend.

Böller-Angst mit Medikamenten unterdrücken

Bei leichteren Ängsten können elektrische Verdampfer helfen, die Pheromone in die Raumluft abgeben. Diese Duftstoffe erinnern Vierbeiner an den Geruch ihrer Muttertiere. In schweren Fällen helfen Psychopharmaka mit angstlösenden Substanzen, die als Tablette oder als Gel in die Backenschleimhaut von Hund oder Katze verabreicht werden.

Diese Arzneien sind verschreibungspflichtig und beim Tierarzt erhältlich. "Die Verordnung setzt eine Untersuchung voraus, denn wir müssen wissen, ob das Tier herzgesund ist", sagt Vogel.

Professionelle Beratung kann weiterhelfen

Viele Hundebesitzer schwören auf ein Löffelchen Eierlikör, um ihrem Liebling die Silvesterangst zu nehmen. Denn wie beim Menschen wirkt Alkohol in geringen Mengen auch bei Vierbeinern angstlösend.

Die Tierärzteschaft ist in dieser Frage gespalten, die Meinung der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie (GTVMT) jedoch eindeutig: Sie rät strikt davon ab.

Am besten fragen Sie Ihren Tierarzt oder auch Ihren Apotheker, was er zur Beruhigung Ihres Haustieres empfehlen kann. Manchen Vierbeinern helfen pflanzliche Heilmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel Baldrian.

Die Heilkräuter sollten jedoch keinesfalls auf eigene Faust dosiert und verabreicht werden, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden. Zudem muss die Dosis des jeweiligen Präparats auf das akuelle Körpergewicht des Vierbeiners abgestimmt sein.

Lassen Sie sich deshalb unbedingt professionell beraten!

Von der Gabe reiner Beruhigungsmittel rät die Tierärztin eher ab. Diese Substanzen dämpfen zwar das Reaktionsvermögen der Tiere, die angstauslösende Situation erleben sie jedoch unverändert. Eine Alternative zu Last-Minute-Strategien in der Silvesternacht sind langfristige Maßnahmen zum Verlernen der Böller-Angst. Diese ist übrigens nicht rassetypisch.

"Das geht querbeet und kann auch einen Deutschen Schäferhund treffen", berichtet Vogel. Allgemein seien jedoch eher Hunde betroffen, die zurückhaltender und sehr auf ihren Menschen fixiert sind.

Feuerwerkspanik abtrainieren

Damit Strategien für eine sogenannte Gegensensibilisierung Erfolg haben, beginnt man am besten schon im Sommer damit - und übt mit speziellen Geräusch-CDs, die Feuerwerkslärm simulieren.

"Man ermittelt die Lautstärke, bei der der Hund noch nicht reagiert und dreht dann graduell lauter, während man den Hund auf angenehme Art und Weise mit Leckerlis oder Spielzeug beschäftigt", erklärt Vogel. Auch manche Hundeschulen und auf Verhaltenstherapie spezialisierte Tierärzte bieten Trainings gegen die Geräuschangst an.

Der Knallerei entfliehen

Oder aber man macht es wie Dagmar Vogel: packt den Vierbeiner kurz vor Silvester ins Auto und fährt irgendwohin, wo es geräuscharm zugeht. Das kann etwa die Insel Amrum sein oder auch ein anderer Ferienort an der Nord- oder Ostsee. An der Küste findet die Böllerei oft nur an einigen wenigen Stränden oder Häfen statt.

Auf einer einsamen Hütte in den Bergen kann man der Knallerei ebenfalls entfliehen - sofern einem nicht gerade der Nachbar einen Strich durch die Rechnung macht. Sicherheitshalber sollten alle Türen sowie Fenster im Haus verschlossen bleiben und Hunde an der Leine ausgeführt werden - auch dann, wenn sie Medikamente gegen die Angst bekommen.


Ändern Sie Ihr Verhalten aufgrund der stark gestiegenen Zahl an Corona-Neuinfektionen?
Zum Ergebnis