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Originelle Studien übers Schwitzen

Läuft bei Dir? Schwitzen ist den meisten Menschen unangenehm – dabei hat das Thema Schweiß durchaus interessante Aspekte. Es gibt viele überraschende Studienergebnisse dazu

von Dr. Nicole Lauscher, 31.07.2019
Schweiß

Sportler schwitzen mehr: Training erhöht auch die Leistungsfähigkeit der Schweißdrüsen


Schwitzen ist überlebenswichtig. Trotzdem wünschen wir uns regelmäßig, wir würden es nicht tun. Wenn wir einer anderen Person zur Begrüßung unsere feuchte Hand entgegenstrecken zum Beispiel. Wenn wir mit dunklen Flecken unter den Armen eine Präsentation halten. Oder wenn wir mit dem Rad im Büro ankommen und feststellen, dass wir das Deo vergessen haben. Denn Schweiß kühlt nicht nur unseren Körper, damit wir bei Anstrengung nicht überhitzen. Er zeigt sich auch verstärkt, wenn wir nervös sind oder gestresst. Selbst wer schläft, schwitzt.

Zu 99 Prozent besteht Schweiß aus Wasser, der Rest sind Salze, Aminosäuren und Harnstoff. Die Zusammensetzung ist individuell, und sie unterscheidet sich je nach Situation genauso wie der Geruch. Dieser kann uns unangenehm sein – auf andere hat er eine Signalwirkung, wie Studien zeigen. Das Thema hat jedenfalls Unterhaltungswert.

Schweißgeruch macht glücklich

Glücksschweiß ist wie ein Lächeln – ansteckend, erklären Forscher im Fachblatt Psychological Science. Mittels Videoaufnahmen und kognitiver Tests maßen sie bei Frauen eine positive Stimmung, wenn sie den Schweißgeruch fröhlicher Männer wahrnahmen. Die Probandinnen mussten an Lappen riechen, die die männlichen Teilnehmer zuvor unter den Achseln getragen hatten, während sie komische Filme anschauten.

War dagegen ein spannender oder anstrengender Clip zu sehen, zeigte sich ein anderer Effekt: Denn auch Angst ist über den Schweißgeruch ansteckend. Forscher der Rice-University in Houston (USA) zeigten, dass er andere wachsamer macht, und Wissenschaftler der Uni Düsseldorf entdeckten, dass er die Hirnregion besonders aktiviert, die für Empathie zuständig ist, sodass sich Angst in Gruppen schnell ausbreiten kann.

Leistungssportler schwitzen mehr

Selbst, wenn wir entspannt sind, verdunstet am Tag ein halber Liter Schweiß auf unserer Haut. Bei Anstrengung ist es deutlich mehr: Spitzensportler können auf bis zu drei Liter pro Stunde kommen. "Zwar schwitzen Untrainerte bei gleicher Leistung mehr", erklärt Professor Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Athleten schaffen es aber in viel höhere Belastungsbereiche. Mit dem Training verbessern sie nicht nur ihre Leistung, sondern auch ihre Fähigkeit zu schwitzen."

Diese sei in Sachen Ausdauer der Schlüssel zum Erfolg: "Indem Schweiß unseren Körper kühlt, ermöglicht er uns eine extrem lang anhaltende körperliche Anstrengung – das macht uns belastbarer als alle anderen Säugetiere." Urmenschen brachte diese Eigenschaft auf der Jagd einen ungeheuren Vorteil.

Ein verschwitztes Shirt beruhigt

Die Versuchsanordnung im Journal of Personality and Social Psychology mit 96 heterosexuellen Paaren mutet etwas rückschrittlich an: Die Männer trugen ein Shirt 24 Stunden lang. Die Frauen bekamen entweder das Hemd ihres eigenen, das eines fremden Mannes oder ein ungetragenes, um daran zu riechen. Anschließend absolvierten sie einen Stresstest, zum Beispiel ein simuliertes Vorstellungsgespräch oder eine Mathematikprüfung.

Die Probandinnen, die am Shirt ihres Partners gerochen hatten, blieben entspannter und wiesen im Blut ein niedrigeres Level des Stresshormons Cortisol auf, als die Teilnehmerinnenmit ungetragenem Schnüffel-Hemd. Die höchsten Stresswerte hatten dagegen Frauen, die am Shirt eines Unbekannten gerochen hatten. Die Wissenschaftler schließen: "Unsere Forschung legt nahe, dass allein der Geruch eines Partners, auch wenn er physisch nicht anwesend ist, Stress deutlich reduzieren kann."

Botox hilft gegen Schwitzen

Das Nervengift reduziert nicht nur Falten. Bei Menschen, die übermäßig schwitzen (Hyperhidrose), kann Botox die Schweißproduktion mindern und die Lebensqualität deutlich verbessern, so eine Studie im British Journal of Dermatology. "Botox kann im Achselbereich und an den Hand- und Fußflächen eingesetzt werden. Der Effekt hält etwa ein halbes Jahr an", sagt Leitlinienautor Dr. Konstantin Feise von den Sophienklinik Stuttgart. "Allerdings sind die Stiche an Händen und Füßen sehr schmerzhaft."

Bei extremem Achselschweiß kann ein Eingriff mit Laser und Saugkürettage Abhilfe schaffen. "In harmloseren Fällen kann ein Deo mit Aluminiumchlorid ausreichen." Die Angst, dass Antitranspirants Krebs auslösen könnten, hält der Dermatologe für etwas übertrieben: "Es gibt keine Studie, die das eindeutig belegt." Um Hautreizungen zu vermeiden, sollte man sich beim Kauf in der Apotheke beraten lassen.

Das Geschlecht spielt eine Rolle

Männerschweiß riecht meist stärker und stechender als der von Frauen. Das liegt an unterschiedlichen Bakterien auf der Haut und nicht daran, dass Männer mehr schwitzen. Zudem: Für die Schweißmenge sei nicht das Geschlecht, sondern die Größe entscheidend, schreiben Forscher im Blatt Experimental Physiology: Kleinere Menschen – egal ob Frau oder Mann – schwitzen weniger als große.

Ihr Körper setze auf die Kühlung durch eine verstärkte Blutzirkulation an der Hautoberfläche, sie werden eher rot. Sportmediziner Diel hält diese Erklärung zwar für zu kurz gegriffen, da auch die Körperzusammensetzung eine wichtige Rolle spiele. Trotzdem: "Training und Fitness sind entscheidend und nicht das Geschlecht. Eine gut trainierte kleine Frau wird mit thermischem Stress viel besser umgehen können als ein untrainierter großer Mann."