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Digitale Medizin: Videosprechstunden

Arztbesuch per Computer: Videosprechstunden können den Weg in die Praxis sparen. Was nützen sie, wo stoßen sie an ihre Grenzen, wer trägt die Kosten und wie findet man Telemediziner? Wir beantworten diese Fragen

von Tina Haase, aktualisiert am 30.01.2020
Frau mit Laptop

Krank zu Hause: Für manche Fragen kann man sich den Arzt inzwischen per Videochat ins Wohnzimmer holen


Wie funktioniert eine Videosprechstunde?

Der Patient kommt nicht wie üblich in die Praxis, sondern telefoniert per Videoschaltung mit dem Arzt. So können Mediziner und Patient viele Kilometer weit entfernt sein: Sie sehen sich aber und reden miteinander.

Wer eine digitale Sprechstunde nutzen möchte, benötigt dafür ein Smartphone, Tablet oder einen internetfähigen Computer mit Kamera und Mikrofon.

Wie gut lässt sich eine Krankheit per Videoschaltung behandeln?

"In manchen Fällen sehr gut", sagt Allgemeinmediziner Erik Bodendiek aus Wurzen in Sachsen. Er ist Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer und erklärt: "Ärzte können zum Beispiel den Heilungsverlauf von Wunden begutachten, mit Diabetikern die Blutzuckerwerte besprechen oder Erkältungen behandeln."

Es ist von Vorteil, wenn der Arzt den Kranken bereits kennt. Mediziner dürfen Patienten in den meisten Bundesländern inzwischen aber auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt per Videosprechstunde behandeln, so Bodendieck.

Wann stößt die Videomedizin an ihre Grenzen?

Sind die Beschwerden aus der Ferne nicht eindeutig zu beurteilen, muss der Patient nach wie vor in die Praxis kommen. Mediziner haben vor Ort ganz andere Untersuchungsmöglichkeiten. Sie können zum Beispiel tasten, riechen, Blut abnehmen, einen Ultraschall machen.

Infografik Telemedizin Digital

In der Praxis

Der Arzt kann seine Patienten zu einem vereinbarten Termin per Video anrufen und zum Beispiel den Verlauf der Therapie kontrollieren. So muss der Kranke nicht extra in die Praxis kommen.

"Behandlung per Video geht nur, wenn sie ärztlich vertretbar ist", betont Bodendieck. Und solange das elektronische Rezept nicht eingeführt wird, muss der Patient ohnehin weiter in die Praxis kommen, um sich seine Verordnung ausstellen zu lassen. In manchen Regionen Deutschlands ist auch die schlechte Internetverbindung ein Hindernis.

Schaut und hört auch wirklich niemand mit?

Damit das nicht passiert, muss der Arzt die Sprechstunde über einen zertifizierten Videoanbieter laufen lassen. Dieser gewährleistet, dass die Schaltung sicher verschlüsselt ist. Das heißt: Nur Patient und Arzt können sich sehen und hören.

Wer trägt die Kosten für Videosprechstunden?

Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung die Krankenkasse. Privatpersonen sollten mit ihrer Versicherung klären, ob diese zahlen.

Wie findet man Telemediziner?

Dafür gibt es noch keine Register. Generell führen erst wenige Mediziner Videosprechstunden durch. Fragen Sie Ihren Arzt, ob er den Service anbietet.

Bei Angeboten aus dem Internet genau schauen, ob sie seriös sind. Erkundigen Sie sich vorher bei der Krankenkasse danach und ob sie die Kosten übernimmt. Manche Angebote gelten nur für Selbstzahler oder Privatpatienten.

Gibt es Modellprojekte für gesetzlich Versicherte?

Ja, einige. Manche sind aber noch im Aufbau. Vorreiter ist "Docdirekt" in Baden-Württemberg: Gesetzlich Versicherte aus diesem Bundesland können seit knapp zwei Jahren bei akuten Erkrankungen, sofern sie ihren Arzt nicht erreichen, montags bis freitags zwischen 9 und 19 Uhr diese Stelle anrufen. Die Kosten trägt die jeweilige Krankenkasse.

"Medizinische Fachangestellte nehmen Personalien und Krankheitssymptome auf. Ein Arzt ruft per Telefon oder Video zurück", sagt Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Baden-Württemberg. "Die Teleärzte können oft abschließend helfen." 250 bis 300 Patienten im Monat nutzen diesen Service.


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