Sonnenempfindlich durch Arzneien

Manche Medikamente machen die Haut extrem empfindlich gegenüber Sonnenlicht. So können sich Patienten schützen

von Konstanze Faßbinder, 03.09.2018
Mann am Meer

Schattenplatz: Die Sonne besser erst abends genießen


Drei Stunden pralle Sonne. Mittags. Im August. Ohne Schutz ist dunkelrote, brennende Haut nebst Hitzebläschen fast gewiss. Manche Medikamente können eine ähn­liche Reaktion verursachen. "Wie ein sehr, sehr starker Sonnenbrand", erklärt Professor Percy Lehmann, Direktor der Hautklinik am Helios-Uniklinikum Wuppertal. Derzeit habe er einmal pro Woche einen Patienten mit solch einer krankhaft lichtempfindlichen Haut, die sich deshalb rötet, juckt, brennt, teils Blasen wirft.

Sogenannte fotosensibilisierende Arzneien, die in sonnenarmen Zeiten gut vertragen werden, können gerade im Sommer zu unerwünschten Reaktionen führen. Dabei gelangen Wirkstoffmoleküle in die Haut. Treffen sie dort auf energiereiche UV-A-Strahlen, spalten sie Teilchen ab. Diese reagieren mit dem umliegenden Gewebe. Die Folge: Hautzellen werden beschädigt oder zerstört. "Die Haut entzündet sich", sagt Lehmann – und das oft schon nach einem Sonnenbad, durch das sie sich sonst lediglich röten würde.

Das passiert in der Haut: UV-A-Strahlen treffen Arzneimittelmoleküle. Ihre Energie löst chemische Reaktionen aus, die wiederum Entzündungssymptome verursachen (Klick auf Pfeil startet die Animation)

Nach Sonnenbad: Rötung, Brennen, Juckreiz

"Es gibt fotoallergische und fototoxische Reaktionen", sagt die Apothekerin Petra Liekfeld aus Mülheim an der Ruhr. Eine genaue Unterscheidung sei manchmal schwierig.

Bei der deutlich selteneren Fotoallergie treten die Symptome meist erst nach dem zweiten oder dritten Kontakt mit der betreffenden Sub­stanz auf. "Bereits geringe Wirkstoff­dosen und Strahlenmengen reichen aus, dass sich Rötungen, Juckreiz, Knötchen, Krusten oder verstärkte Pigmentierung ausbilden", sagt Liekfeld. Auch nicht unmittelbar der Sonne ausgesetzte Hautareale können betroffen sein.

Oft Gesicht und Hals betroffen

Fototoxische Reaktionen sind häufiger und bereits bei Erstkontakt möglich. Sie finden sich nur auf Stellen, die ungeschützt der Sonne ausgesetzt werden. Besonders betreffen sie Gesicht, Hals, Unterarme, Hand- und Fußrücken. Ihre Ausprägung ist mengenabhängig – in Hinblick auf Substanz und Strahlungsintensität. Hauttyp und Bräunungsgrad spielen ebenfalls eine Rolle.

Bei Aktivitäten unter freiem Himmel – im Urlaub oder beim Sport, im Garten oder im Beruf – gilt es deshalb vorzusorgen, um unerwünschte Hautreaktionen zu vermeiden. Denn: Auch jedes neue Arzneimittel oder eine Akutmedikation – zum Beispiel ein im Urlaubs-Notfall eingenommenes Antibiotikum – kann durch unerwünschte Hautreaktionen die Sonnenfreude trüben. "Weisen Sie daher immer auf Ihre bevorstehenden Aktivitäten hin, und Ihre Apotheke wird Sie umfassend beraten", empfiehlt Liekfeld.

Schutz mit Sonnen-Abc

Eine erhöhte Lichtempfindlichkeit kann bei der Einnahme und der äußerlichen Anwendung von Arzneimitteln auftreten und ist unter anderem beschrieben im Zusammenhang mit vielen Antibiotika und Johanniskraut sowie schmerz- und entzündungslindernden Wirkstoffen wie Naproxen oder Diclofenac.

Das sollte man auch bei der Anwendung der häufig eingesetzten Schmerzgele bedenken. "Die gute Nachricht: Patienten müssen die Sonne nicht meiden, wenn sie sich an das Sonnenschutz-Abc halten", sagt Apothekerin Liekfeld.

Diese Medikamente machen die Haut empfindlicher für Sonnenschäden

  • Antibiotika: zum Beispiel Tetrazykline. Sie bekämpfen bakterielle Infektionen.
  • Diuretika: etwa Hydrochlorothiazid (HCT). Der Stoff regt die Harnproduktion an.
  • Herz-Kreislauf-Medikamente: Amiodaron gegen Rhythmusstörungen, ACE-Hemmer ­sowie ATI-Antagonisten gegen Bluthochdruck
  • Psychopharmaka: Antidepressiva wie ­Amitriptylin, Antipsychotika wie Chlorpromazin
  • Krebsmedikamente: Anti-Tumor-Therapien mit monoklonalen Antikörpern
  • Schmerzmittel: Wirkstoffe wie Diclofenac, die etwa Arthrose-Patienten oft nutzen
  • Diabetesmittel: Sulfonylharnstoffe
  • Pflanzliches: Johanniskraut-Präparate

Das bedeutet: A – Ausweichen, also insbesondere in der Mittagszeit nicht in die Sonne gehen. Und Vorsicht: Auch Wasser und Glasscheiben sind UV-durchlässig. B – Bedecken mit Kleidung, Mütze und Sonnenbrille. Und C – Cremen, immer vor und nicht erst in der Sonne, mit hohem Lichtschutzfaktor und in ausreichender Menge.

Das heißt bei einem Erwachsenen circa 30 Milliliter für einmal eincremen. Nach dem Baden oder starkem Schwitzen sollte nachgecremt werden.

Video, wie Sonnencreme funktioniert und was man beim Eincremen beachten sollte: Wie viel Sonnencreme nötig ist, was der Hinweis „wasserfest“ tatsächlich bedeutet und ob die Lotion vom Vorjahr noch was taugt, erfahren Sie hier

Erste Hilfe bei Hautschäden

Nimmt die Haut doch Schaden, helfen kühlenden Lotions, bei stärkeren Symptomen mit Glukokortikoiden und Antiseptika. Die Hautschäden durch Medikamente sind nicht nur stärker als Sonnenbrand, sie halten auch länger an. Experte Lehmann: "Drei bis vier Tage haben Sie damit schon zu tun."