Kosmetik: Wie Schminken richtig geht

Krummer Lidstrich, verklebte Wimpern, Nagellackpatzer – hier verraten Experten, wie beim Make-up nichts mehr schiefgeht

von Julia Jung, 29.10.2018
Make-up

Nicht nur die Farbwahl spielt beim Schminken eine große Rolle; auch auf die Reihenfolge sollte geachtet werden


Reihenfolge ist alles

Profis halten sich beim Schminken strikt an eine Routine. Los geht es mit einer gründlichen Reinigung und Pflege. Anschließend wird die Grundierung aufgetragen. Rötungen, dunkle Augenschatten oder Unreinheiten lassen sich dabei mit einem Abdeckstift ausbessern. Nun mit transparentem losem Puder die Grundierung fixieren.

Dann erst die Augenbrauen betonen, Lidschatten und Wimperntusche auftragen. Jetzt kommt der Frische- Kick: mit Bräunungspuder die Wangen konturieren und mit Rouge betupfen. Erst als letzten Schritt die Lippen schminken.

Eine gute Foundation-Wahl

Experten legen beim Schminken viel Wert auf die individuell passende Foundation. Für mehr Frische reichen leichte Texturen, zum Kaschieren von Pigmentflecken, Unebenheiten und Narben braucht es eine reichhaltigere Beschaffenheit.

Auch die richtige Farbe ist entscheidend. "Hier hilft ein Blick auf die Innenseiten der Handgelenke", sagt Silja Bertermann, pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) aus München. Schimmern eher bläuliche Venen durch, hat man einen kühleren Hautton. Wirken die Gefäße grünlich, ist der Hautton warm. Foundations mit einem gelben Ton eignen sich für warme Hauttypen, roséstichige Töne schmeicheln einem kühlen Teint.

Weiterer Tipp: "Neue Grundierungen nicht am Handrücken, sondern am Kieferknochen testen und mit einem Spiegel vor der Tür im Tageslicht kontrollieren."

Augenbrauen nicht vergessen

Die Augenbrauen kommen in Ihrer Schmink-Routine nicht vor? Schade. Richtig gestylt, tragen sie zu einer jugendlichen Ausstrahlung bei. Brauenpuder sind perfekt, um Lücken aufzufüllen. Mehr Definition erzielen Profis mit einem feinen Brauenstift. "Spezielle Gele, die mit einem Bürstchen aufgetragen werden, halten lange und fixieren die Form", erklärt Alisa Kolb, Visagistin aus München.

Achtung bei der Farbe: Kühle, aschige, graubraune Töne stehen fast jeder Frau. Rotstichige Nuancen aber können leicht unnatürlich aussehen.

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So sitzt der Lidstrich

Auch Profis wissen: Damit ein flüssiger Lidstrich gelingt, bedarf es der vollen Konzentration. Stützen sie den Ellenbogen ab, das gibt mehr Stabilität. "Dann den Eyeliner in der Mitte des Wimpernkranzes ansetzen und zunächst bis zum äußeren Augenwinkel ziehen. Dann nach vorne bis zum inneren Augenwinkel ziehen", sagt PTA Bertermann.

Viele Frauen tun sich mit weichem Kajal leichter. Diesen jeweils unterhalb des unteren und oberhalb des oberen Wimpernkranzes auftragen. Zum Schluss leicht verblenden. Das sieht natürlicher aus als ein harter Strich.

Keine verklebten Wimpern

Wer Klümpchen und Brösel vermeiden will, tuscht so: das Bürstchen direkt am Wimpernkranz ansetzen und im ersten Schritt bis zum Wimpernende ziehen.

"Wer sich mehr Fülle wünscht, kann beim zweiten Durchgang die Tusche mit kleinen Zickzack-Bewegungen auftragen", so Bertermann. Je mehr Schichten, desto voluminöser wird es. Wenn es doch verklebt, hilft ein Wimpernkamm.

Lidschatten mit Hallo-wach-Effekt im Blick

Niemand will aus Versehen zur Lidschatten-Nachteule werden. Für einen frischen Blick braucht es natürliche, helle Farben.

"Zunächst das bewegliche Lid mit dem hellsten Ton schminken. Dann die Lidfalte mit einem etwas dunkleren Ton ausschattieren", sagt Kolb.

Vorsicht mit Glitzer: Wer Augenfältchen hat, sollte auf Schimmer verzichten. Die Glanzpartikel können sich absetzen und die Fältchen betonen. Matte Texturen sind dann die bessere Wahl.

Wer Lust auf Farbe hat, kann bei grünen Augen zu Apricot und bei blauen Augen zu Rosé greifen. Dunklen Augen stehen alle Farben.

Kussechte Tricks

Wichtigste Voraussetzung: gut gepflegte Lippen. Profis sind da streng. Jede Woche ein Peeling und jeden Tag feuchtigkeitsspendende Pflege. Dann kann die Farbe ins Spiel kommen.

  • Schritt 1: Die Lippen mit einem Konturenstift nicht nur umranden, sondern komplett ausmalen. "Die feste Textur hält länger als ein cremiger Lippenstift", erklärt Bertermann.
  • Schritt 2: Die Lippen leicht abtupfen und mit einem Hauch transparentem Puder abstäuben.
  • Schritt 3: Lippenstift auftragen. Je matter die Textur, desto besser hält er.
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Meine Lippenfarbe

Die Nummer sicher: Ein natürlicher Rosenholz-Ton steht jeder Frau. Wer mutiger ist, sucht sich einen Klassiker in Rot aus. Am besten blaustichige Nuancen wählen, da sie die Zähne heller wirken lassen.

Lippenstifte am Handrücken zu testen hat einen Nachteil: "Die Haut ist dort heller als die Lippen. Daher im Zweifel auf einen dunkleren Ton setzen, zu helle Nuancen wirken schnell unnatürlich", sagt Visagistin Kolb.

Die richtige Stelle für Rouge

Profis schwören auf den Frische-Kick. Rosé steht hellen, kühlen Hauttypen. Zu leicht gebräuntem Teint sieht ein frischer Himbeerton toll aus. Warmen Typen schmeicheln Nuancen von Apricot bis Koralle.

So platziert man Rouge richtig: "Wenn man sich im Spiegel anlächelt, treten die sogenannten Apfelbäckchen hervor. Dort mit dem Rougepinsel ansetzen und die Farbe in kleinen Kreisbewegungen nach hinten ausblenden", sagt Visagistin Kolb.

Contouring-Kunst

Experten tricksen an der Gesichtskontur. Eine definierte Wangenpartie gelingt ganz einfach mit mattem Bräunungspuder. "Die Kontur wird sichtbar, wenn man einen Fischmund macht. Diese mit dem Puder unterhalb der Wangenknochen betonen", so Kolb.

Die Nase wirkt schmaler, wenn man den Puder links und rechts neben
dem Nasenrücken verteilt. Der Effekt wird mit heller Abdeckcreme auf dem
Nasenrücken verstärkt.

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Makellose Nägel bis in die Spitzen

Profis raten: dünne Nägel nicht schneiden, sondern nur in eine Richtung feilen. Dann brechen sie nicht so leicht ab. "Wenn es mal schneller gehen muss, einen Knipser verwenden", rät PTA Bertermann.

Die Nagelhaut regelmäßig mit einem speziellen Öl pflegen – am besten abends im Bett einmassieren, damit das Präparat über Nacht wirken kann.

Experten-Tipps für Farbe ohne Patzer: zuerst eine Schicht Unterlack auftragen, um Unebenheiten zu reduzieren. Dann erst folgt der eigentliche Lack. Dabei darauf achten, dass nicht zu viel Farbe am Pinsel ist. Vorsichtig von unten nach oben streichen und zwei Minuten warten, bis die Schicht getrocknet ist. Überlack versiegelt die Farbe und sorgt für längere Haltbarkeit.

SOS-Tipps für Sensibelchen

Wie deckt man Rötungen gut ab? Mit einem grünlichen Abdeckstift neutralisieren, erst dann mit der Grundierung beginnen. "Mineral-Make-up ausprobieren", rät Visagistin Kolb. Es enthalte keine Konservierungsstoffe und sei besonders sanft zur Haut.

Darf man gereizte Augen überhaupt schminken?  "Beim Auftragen von dekorativer Kosmetik sollte die Augenpartie gesund sein und frei von Rötungen", sagt PTA Bertermann. Für empfindliche Augen gibt es spezielle Wimperntuschen, die sich etwa für Kontaktlinsenträgerinnen und Allergikerinnen anbieten. "Wer zu tränenden Augen neigt, sollte wasserfeste Wimperntusche nehmen", so Kolb.

Lippenstift trotz Bläschen. Geht das? Es kommt drauf an, wie aktiv die Bläschen sind. "Sind sie frisch, sollte man auf Lippenstift verzichten, um die Viren nicht unnötig zu verteilen", sagt Bertermann. Sind die Bläschen am Abklingen oder nicht sehr groß, kann man spezielle Herpespflaster aufkleben. Sie sind transparent, helfen beim Abheilen und halten auch, wenn man darüber Lippenstift aufträgt.