Können künstliche Fingernägel schaden?

Fingernägel aus Kunststoff sehen schick aus, können jedoch auf Dauer Risiken bergen. Worauf Sie achten sollten

von Christine Wolfrum, aktualisiert am 07.02.2018

Klassische Nagelpflege mit Lack und Pinsel


Ebenmäßige, schöne Fingernägel finden alle Frauen toll. Die einen verstehen darunter fein in Form gefeilte Nägel, vielleicht noch mit einem dezenten Lack geschmückt. Andere ziehen eher dekorative, manchmal knallbunte Hingucker vor, gern auch künstliche Exemplare. Wer jedoch dauerhaft solche Kunststoffblenden trägt, schadet den Nägeln – und möglicherweise sogar der Gesundheit. Gelangt kein Sauerstoff mehr an den Nagel, verschlechtert sich die Qualität dieser Hornschicht erheblich. "Außerdem können sich zwischen Natur- und Kunststoffnagel Spalten und Hohlräume bilden, in die Pilze und Bakterien eindringen", erklärt Dr. Ellen Meyer-Rogge, Dermatologin in Karlsruhe.

Diese Erreger bleiben lange unentdeckt und zersetzen die angerauten und aufgeweichten Hornstrukturen. Der natürliche Nagel färbt sich im Verborgenen gelb bis braun. Schließlich bröselt er und löst sich auf. "Aufgrund des feuchten Milieus überwiegen Infektionen mit Hefepilzen, gefolgt von Schimmel- und Fadenpilzen, aber auch Bakterien", sagt Professorin Christiane Bayerl, Direktorin der HSK-Hautklinik in Wiesbaden.

Erst wenn der Finger schmerzt und so auf eine fortgeschrittene Infektion hinweist, suchen die Frauen einen Hautarzt auf. Manchmal entwickelt sich rund um den Nagel eine deutliche, von Juckreiz begleitete Rötung, und es bilden sich Bläschen. "Das kennzeichnet eine Kontaktallergie. Vor allem Acrylate, die in manchen Mitteln zur Nagelmodellage enthalten sind, bergen ein sehr hohes Sensibilisierungsrisiko", erläutert Allergologin Bayerl.

Gefährliche Dämpfe und Stäube

Neben dem Acrylat-System bieten Nagelstudios viele weitere Methoden an, beispielsweise aufklebbare Netzauf­lagen aus Fiberglas oder Seidengewebe sowie Gelnägel. Auch Produkte zum Selbstaufkleben gibt es.

Gelnägel härten erst nach wenigen Minuten unter UV-A-Licht. Manche Frau fragt sich bei dieser Methode jedoch, ob zu viel UV-A-Strahlung der Haut schaden könnte. Bayerl beruhigt: "Das Risiko für Hautkrebs wird nicht durch Kunstnägel beeinflusst, auch nicht durch die Härtung mit ultravioletten Strahlen." Um sich vor den schädlichen Acrylatdämpfen und dem Feinstaub zu schützen, der beim Feilen und Anpassen anfällt, arbeiten Nagel­­designerinnen mit Mundschutz und Dunstabzugshauben.

Heißt es also: Finger weg von Kunstnägeln? "Es spricht nichts dagegen, sich für einen besonderen Anlass damit zu schmücken", sagt Dermatologin Bayerl. "Der Kunstnagel kann sogar eine große Hilfe sein, wenn Frauen nach einer Chemotherapie ihre Nägel verloren haben." So sind Blenden, die Frauen selbst mit Klebstoff anbringen, deutlich weniger gefährlich. Sie dichten jedoch nicht besonders gut ab und halten nur für kurze Zeit.

In Medizin und Lebensmittelbranche unerwünscht

Wegen der Infektionsgefahr, die Kunstnägel mit sich bringen, dürfen Mitarbeiter im medizinischen Bereich keine tragen. Denn Hände, die damit geschmückt sind, können nicht richtig desinfiziert werden. Auch in der Lebensmittelbranche ist der Fingerschmuck unerwünscht, allerdings nicht eindeutig verboten.

Meyer-Rogge fragt sich, warum es überhaupt ein künstlicher Nagel sein muss. "Seit Kurzem gibt es ein neues Material aus Lack und Gel, sehr kompakt und lange haltbar." Obwohl die Ärztin auch schon allergische Reaktio­nen darauf beobachtet hat, meint sie, dass die natürliche Nagelplatte darunter wohl weniger belastet werde als bei den Klebevarianten. Aber: "Es gilt ebenfalls abzuwarten, was die Langzeitergebnisse zeigen."