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Karpaltunnelsyndrom: Spritze oder Schiene?

Für die Linderung des Karpaltunnelsyndroms gibt es neben der Operation zwei konservative Behandlungsmöglichkeiten: Kortisonspritze oder eine Schienung des Handgelenks. Was hilft besser?

von Diana Faust, 30.04.2019
Spritze oder Schiene? Laut einer Studie verringert eine einmalige Injektion mit Kortison die Schmerzen schneller. Langfristig zeigen Schienen eine größere Wirkung

Spritze oder Schiene? Laut einer Studie verringert eine einmalige Injektion mit Kortison die Schmerzen schneller. Langfristig zeigen Schienen eine größere Wirkung


Nachts schlafen die Hände ein, am Morgen fühlen sie sich steif und geschwollen an: typische Symptome eines sogenannten Karpaltunnelsyndroms (siehe Grafik unten). Patienten haben zwei Möglichkeiten, um die Beschwerden ohne Operation zu lindern: nachts eine Schiene tragen oder sich Kortison­spritzen geben lassen. Das Mittel hemmt die Entzündung und wirkt abschwellend.

Mit der Frage, welche Therapie besser hilft, beschäftigten sich jüngst britische Wissenschaftler. Für ihre Studie, veröffentlicht im Fachblatt The Lancet, trug die eine Hälfte der 212 Teilnehmer eine Schiene, die andere erhielt eine Spritze in den Karpaltunnel. Ergebnis: Die einmalige Injektion mit Kortison verringerte die Schmerzen in den Händen bei leichten Krankheitsverläufen schneller.

Schiene oder Spritze?

Allerdings bezog sich die positive Wirkung der Spritze auf eine Spanne von sechs ­Wochen. Nach einem halben Jahr hatten sich auch die Beschwerden der Probanden mit Schiene verringert. Damit relativierte sich der Unterschied also über einen längeren Zeitraum.

Karpaltunnelsyndrom, Hand

Laut Professorin Margot Wüstner-Hofmann hat die Schiene bei leichten Ausprägungen des Karpaltunnel­syndroms durchaus ihren Stellenwert. "Sie verhindert, dass die Hand abgeknickt wird. So gehen nächtliche Beschwerden vorübergehend zurück", erklärt die Ulmer Handchirurgin. Jedoch: Lässt man die Schiene weg, kommen die Beschwerden wieder. Und manchen Patienten raubt das Hilfsmittel den Schlaf, weil sie sich dadurch gestört fühlen.

Die Probleme treten vor allem nachts auf, da man im Schlaf die Hände häufig anwinkelt. Diese Bewegung erhöht den Druck im Karpaltunnel und auf den eingeengten Mittelhandnerv. Der Neurologe Professor Christian Bischoff aus München setzt Schienen vor allem nach Verletzungen oder starken Schwellungen ein. "Dann bietet es sich an, das Handgelenk auf diese Weise ruhig zu stellen."

Der Vorteil einer Kortisongabe: Die Symptome lassen sich schnell lindern. Am besten wird das Medikament direkt in die schmerzende Stelle gespritzt. Alternativ können Patienten Tabletten nehmen. Aber: "Systemisch aufgenommen, kommt der Wirkstoff nicht gut an", sagt Ärztin Wüstner-Hofmann.

Arbeiten mit Handgelenkschiene am Computer

Weil beim Spritzen umliegende Nerven oder Sehnen beschädigt werden können, empfiehlt sich nur die einmalige Kortisongabe. Wüstner-Hofmann rät, sich von einem Therapeuten mit viel Erfahrung behandeln zu lassen, der eine sichere Technik beherrscht. Allerdings scheint es weniger Verletzungen durch die Injek­tion zu geben, als Ärzte befürchten. "Studien, in denen solche Fälle tatsächlich beschrieben werden, kenne ich nicht", sagt Christian Bischoff.

Operative Eingriffe

Inzwischen zeigen neue wissenschaftliche Arbeiten eher, dass Patienten auch zwei oder drei Injektionen gut vertragen – mit längeren Zeitabständen innerhalb eines Jahres. Darauf deutet etwa eine Studie im Fachblatt Journal of Hand Surgery (European Volume) hin. "Bei 60 Prozent der Patienten verbesserte sich die Symptomatik so deutlich, dass man auf eine Opera­tion verzichten konnte", berichtet Wüstner-Hofmann.

Insgesamt kommen die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ohne chirurgischen Eingriff nur für leichte Formen des Karpaltunnelsyndroms infrage. "Wenn es Ausfallerscheinungen gibt und die Finger ständig pelzig sind, sollte operiert werden", betont Wüstner-Hofmann. Dann durchtrennt der Operateur das Karpalband, das über dem Karpaltunnel liegt. So erhält der Nerv wieder mehr Platz und wird entlastet. In der Regel verlaufen diese Eingriffe gut.

Allerdings sieht Wüstner-Hofmann häufig Betroffene, die erst zu ihr kommen, wenn die Beschwerden bereits sehr ausgeprägt sind. Dann kann es selbst nach einer Operation passieren, dass sich der gereizte Nerv nicht mehr vollständig erholt und Gefühlsstörungen zurückbleiben. Deshalb rät die Handchirurgin, bereits bei leichten Symptomen einen Arzt aufzusuchen.