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Wie oft sollte man Impfungen auffrischen?

Durch eine Impfung können sich Menschen vor bestimmten Krankheiten schützen. Was viele nicht wissen: Der Schutz hält nicht immer das ganze Leben vor

von Christian Krumm, Redaktion: Anja Kopf, aktualisiert am 08.04.2019
Impfpass

Wichtig: Den Impfpass regelmäßig überprüfen


Eigentlich klingt es mehr als zufriedenstellend: Rund 95 Prozent aller Schulanfänger in Deutschland sind gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Allerdings – der Impfschutz gegen viele Infektionen ist nicht von Dauer.

Warum müssen Impfungen aufgefrischt werden?

"Auffrischimpfungen sind nötig, da die Menge der schützenden Antikörper mit der Zeit abnimmt", erklärt Dr. Christian Schönfeld, Impf­experte am Tropeninstitut der Berliner Charité. Doch mit zunehmendem Alter sinkt die Impfquote deutlich, wie die Zahlen der DEGS-1-Studie, die das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) erhoben hat, zeigen.

So sind ungefähr ein Viertel der Menschen zwischen 18 und 79 Jahren nicht mehr ausreichend gegen Tetanus geimpft, knapp die Hälfte hat keinen genügenden Schutz gegen Diphtherie, und nur jeder Zehnte aus dieser Altersgruppe ist noch immun gegen Keuchhusten. Der Grund: Viele Menschen denken schlicht und einfach nicht daran. "Leider werden auch nicht alle von ihren Ärzten gezielt auf Impfungen angesprochen oder aufgefordert, ihre Impfbücher beim nächsten Besuch mitzubringen", sagt Dr. Schönfeld.

Wie oft brauche ich eine Auffrischung?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Erwachsenen Auffrisch­impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten im Abstand von zehn Jahren. "Dieser Zeitraum hat sich als praktikabler Mittelwert erwiesen", sagt Professor Gérard Krause, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Wie lange die Wirkung einer einzelnen Impfung tatsächlich vorhalte, sei nämlich individuell unterschiedlich.

Meistens wird eine Kombinationsimpfung verwendet, die gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten gleichzeitig wirkt. Einzelimpfungen seien kaum noch auf dem Markt, so Dr. Schönfeld.

Noch besser sind Vierfach-Impfstoffe, die zusätzlich Antikörper gegen Kinderlähmung (Polio) enthalten. Zwar gilt die Infektionskrankheit als weitgehend ausgerottet, doch in manchen Ländern Asiens und Afrikas tritt sie immer wieder auf. So empfiehlt die Impfkommission eine Polio-Auffrischung, wenn Reisen in betroffene Länder geplant sind und die letzte Impfung gegen Kinderlähmung mehr als zehn Jahre zurückliegt. "Solange Polio nicht ausgerottet ist, wird weiterhin geimpft werden müssen", meint Gérard Krause.

Was mache ich, wenn ich eine Impfung vergessen habe?

Liegen mehr als zehn Jahre zwischen den Impfungen, muss nicht wieder neu mit der Impfung begonnen werden. Eine verspätete Auffrischung kann den Impfschutz wieder herstellen – allerdings ist der Körper in der Zwischenzeit eben nicht gegen die Erreger geschützt, so Professor Krause.

Eindeutig ist: Allgemein auf einen Impfschutz zu verzichten, ist lebensgefährlich. So können Tetanus-Erreger bereits bei Bagatellverletzungen wie Schürfwunden bei der Garten­arbeit in den Körper eindringen und dort tödliche Giftstoffe produzieren.

Auch Diphtherie ist eine Krankheit, die noch lange nicht besiegt ist. Die schwere Infektion des Atemtrakts tritt in Deutschland zwar sehr selten auf, wird aber manchmal aus dem Ausland eingeschleppt. Menschen, die in Entwicklungsländer reisen, können die Krankheit nach Europa bringen. Tückisch dabei: Manche Infizierte zeigen keine Symptome, können aber ungeimpfte Menschen in ihrer Umgebung anstecken.

Keuchhusten wird ebenfalls häufig unterschätzt, er gilt noch immer als typi­sche Kleinkinderkrankheit. "Die Infektion tritt aber nicht nur bei Kindern auf", warnt Christian Schönfeld. Eine lang anhaltende Immunität nach einer überstandenen Erkrankung gebe es nicht. Besonders empfiehlt er Erwachsenen eine Auffrischung, wenn sie Kontakt zu kleinen Kindern haben.

Welche Impfungen sind sonst noch wichtig für Erwachsene?

  • Pneumokokken: Menschen ab 60 Jahren rät die Impfkommission zu einer Impfung gegen die Erreger der Lungenentzündung. Bei bestehenden Immundefekten sind zwei Impfungen auch bei Unter-60-Jährigen und eine Auffrischung im Abstand von sechs Jahren erforderlich.

  • Masern: Eine Impfung wird allen Erwachsenen empfohlen, die nach 1970 auf die Welt kamen, bei denen der Impfstatus unklar ist oder die höchstens eine Impfung in ihrer Kindheit hatten.

  • Grippe: Die Grippeschutzimpfung sollten alle Menschen ab 60 Jahren sowie bestimmte chronisch Kranke in Anspruch nehmen. Ratsam ist sie unter anderem auch für alle, die beruflich mit vielen Menschen in Kontakt kommen oder mit immungeschwächten Patienten zu tun haben sowie für Schwangere. Die Impfung muss jedes Jahr aufgefrischt werden, um gegen neu auftretende Virusstämme wirksam zu sein.

  • Gürtelrose: Auch für diese Erkrankung empfiehlt die Impfkomission allen Menschen ab 60 Jahren eine Impfung. Personen mit Grundkrankheiten, die das Risiko erhöhen oder Immunschwäche sollten sich bereits ab einem Alter von 50 Jahren impfen lassen.

  • Sonstige: Bestimmte Personengruppen können auch von Impfungen gegen Hepatitis A und B, gegen die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) oder andere Erkrankungen profitieren. Lassen Sie sich vom Arzt beraten.

Einen Überblick über alle Impfempfehlungen der STIKO können Sie hier herunterladen:


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