Apotheker beraten Herzpatienten

Eine Allianz fürs Herz: Ärzte und Apotheker wollen bei der Behandlung und Betreuung von Patienten mit Herzschwäche enger zusammenarbeiten

von Barbara Kandler-Schmitt, 08.06.2018
Apotheker berät einen Kunden

"Wie messe ich meinen Blutdruck selbst?" Dieser Apotheker weiß auch darauf eine Antwort


Darauf haben Deutschlands Apo­theker lange gewartet: Erstmals empfiehlt eine medizinische Leitlinie ausdrücklich, sie in die multidisziplinäre Versorgung chronisch Kranker einzubinden. Um bestmögliche Erfolge zu erzielen, sollen Arzt und Apotheker die Therapie künftig gemeinsam abstimmen und auf Arzneimittelrisiken prüfen, fordert die erst kürzlich aktualisierte Na­tionale Versorgungsleitlinie (NVL) Chronische Herzinsuffizienz.

Leitlinie mit Quantensprung

"Dass alle beteiligten Fachgesellschaften sich auf diese Empfehlung einigen konnten, ist ein echter Quantensprung", betont Leitlinien-Co-Autor Professor Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Vor allem sollen sich Apotheker um Prävention, Früherkennung, Arzneimittel-Therapiesicherheit und Therapietreue kümmern.

"Patienten mit Herzschwäche brauchen mehrere Medikamente", sagt Kardiologe Laufs. "Wenn Apotheker sämtliche Arzneimittel erfassen, prüfen und die Patienten bei der Einnahme unterstützen, ist das für uns eine große Hilfe." Dass die Patienten von der intensivierten Kommunikation zwischen Ärzten und Apotheken profitieren, soll derzeit eine interdisziplinäre Studie wissenschaftlich belegen.

Margit Schlenk

Viele Medikamente, viele Fehler

Margit Schlenk begrüßt die aktuelle Entwicklung: "Herzpatienten haben ein besonders hohes Beratungsbedürfnis und profitieren von einem strukturierten Medikationsmanagement", sagt die Apothekeninhaberin aus Nürnberg. Je nach Stadium und Symptomen umfasst die international empfohlene Basismedikation bei chronischer Herzinsuffizienz bis zu vier dauerhaft einzunehmende Präparate, darunter ACE- Hemmer, Betablocker und Diuretika.

Wegen anderer Erkrankungen kommen häufig weitere Arzneien hinzu – manchmal bis zu zwölf Wirkstoffe. Da ist die Gefahr von Einnahmefehlern groß. "Deshalb müssen wir die von verschiedenen Ärzten verordneten und zusätzlich zur Selbstmedikation gekauften Mittel auf Wechselwirkungen, Doppelverordnungen und zu vermeidende Wirk­stoffe überprüfen", erklärt Margit Schlenk. "Jedes über­flüs­­sige Medikament schadet dem Patienten und der Solidargemeinschaft."

Oder sie schlucken zusätzlich rezeptfreie Präparate, ohne den Arzt zu informieren. Keine gute Idee, denn auch diese verursachen Neben- und Wechselwirkungen. "So können rezeptfreie Schmerz- und Erkältungsmittel die Wirkung von Herzmedikamenten abschwächen", sagt Schlenk. Deshalb empfiehlt die Leitlinie, dass Apotheker die Patienten über Nutzen und Risiken rezeptfreier Arzneien informieren und bei unkontrollierter Selbstmedikation eingreifen.

Auf den Arzt hören 

Andererseits sollten Apotheker mit ihrer Beratung darauf hinwirken, dass die Patienten wichtige Präparate auch tatsächlich einnehmen. "Obwohl der Verlauf einer chronischen Herzinsuffizienz durch geeignete Medikamente und Dosierungen günstig beeinflusst werden kann, nehmen viele Patienten ihre Arzneimittel nicht ein wie vom Arzt verordnet", bedauert Kardiologe Laufs.

Wie Apotheker helfen

Die Nationale Versorgungsleitlinie Chronische Herzinsuffizienz rät, Apotheker folgendermaßen einzubinden:

  • Prävention: Bei Risikofaktoren wie Bluthochdruck achten sie auf konsequente Behandlung. 
  • Früherkennung: Bei "ver­dächtigen" Symptomen und Präparatewünschen verweisen sie Patienten zum Arzt.
  • Medikationsanalyse: Sie ­erkennen Wechselwirkungen, Doppelverordnungen und unnötige Arzneimittel.
  • Therapietreue: Sie achten ­darauf, dass Patienten die An­wei­sungen des Arztes befolgen.

Vorsorgeprogramme von Apotheken

Auch in puncto Vorsorge und Früh­erkennung sind Apotheker gefordert: Bei bereits bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes können sie die Therapietreue fördern, die Patienten zu Lebensstiländerungen motivieren und sie bei Symptomen, die auf eine Herzschwäche hindeuten, zum Arzt schicken. "Als Heilberufler und Gesundheitsberater sind wir eine ideale und niedrigschwellige Anlaufstelle für Risikopatienten", sagt Schlenk.

Schon jetzt bieten viele Apotheken Vorsorgeprogramme an. Zum ­Beispiel "Herzensangelegenheit 50 plus", ein Projekt, das vom Wissenschaftlichen Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) der Bayerischen Lan­­desapothekerkammer konzipiert und in einer Studie auf Praxistauglichkeit geprüft wurde.

Positives Fazit

Margit Schlenk hat an dieser Studie teilgenommen. Ihr Fazit: "Die indi­­viduelle Beratung in der Apotheke reduziert Risikofaktoren und stärkt die Gesundheitskompetenz. Deshalb sollten wir künftig auch bei anderen chronischen Erkrankungen eingebunden werden."