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Pflanzliche Mittel aus der Apotheke

Phytotherapie – In der Apotheke erhalten Verbraucher geprüfte Präparate aus Heilpflanzen. Vom Selbersammeln raten Experten ab

von Ute Essig, 22.03.2019
Johanniskraut

Phytotherapeutika oder synthetische Arzneimittel? Eine gute Beratung aus der Apotheke kann die Entscheidung erleichtern - und gleichzeitig auf beträchtliche Nebenwirkungen aufmerksam machen


Viele Menschen vertrauen auf Heilpflanzen – vor allem in der Selbstbehandlung von leichteren Beschwerden. Doch manche der Gewächse enthalten bedenkliche Stoffe, die vor allem in hoher Dosierung und bei Langzeitanwendung giftig wirken können.

"Diese Substanzen kommen überwiegend als Neben- und Begleitstoffe in pharmazeutisch genutzten Heilpflanzen vor", erklärt Matthias Melzig, Professor für Pharmazeutische Biologie an der Freien Universität Berlin. Dazu gehören zum Beispiel Pyrrolizidinalkaloide, die die Pflanze gegen Krankheitserreger und Schädlinge schützen, beim Menschen aber die Leber schädigen können. Größere Mengen dieser Substanzen sind zum Beispiel in Huflattich, Beinwell und Pestwurz enthalten.

Vorsicht bei vorgeschädigter Leber

Wie riskant kann die Einnahme von Präparaten sein, die diese Heilpflanzen enthalten? "Leberschäden durch Heilpflan­zenextrakte sind extrem selten", sagt Professor Christian Trautwein von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.

Ein besonderes Risiko haben laut Trautwein Patienten mit einer Fettleber oder einer alkoholbedingten Leberschädigung. In Fertigarzneimitteln werden riskante Substanzen durch spezielle Extraktionsverfahren herausgefiltert. Vom Selbersammeln von Heilpflanzen und der Eigenzubereitung von Tees und Salben rät Matthias Melzig daher dringend ab.

Auf gute Beratung kommt es an

"Phytotherapeutika sind in der Regel gut verträglich und haben eher weniger Neben- und Wechselwirkungen als synthetische Arzneimittel", bestätigt die Apothekerin Angela Maier aus Miesbach. Die Pharmazeutin beschäftigt sich intensiv mit Inhaltsstoffen und Anwendungsbereichen bewährter Arzneipflanzen.

In der Beratung von Kunden, die für die Selbstmedikation pflanzliche Arzneimittel bevorzugen, klärt sie zur Sicherheit immer folgende Fragen ab: "Welche Vor- und Grunderkrankungen bestehen? Welche Medikamente werden eingenommen? Liegt eine Schwangerschaft vor?"

Ein Vorgehen, das Sinn macht. Beispielsweise hat sich Johanniskraut bei depressiven Störungen bewährt, geht jedoch zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln ein. Es trägt dazu bei, dass synthetische Arzneimittel schneller verstoffwechselt werden und dadurch ihre Wirkung verlieren. "Bei der Einnahme von Arzneimitteln wie zum Beispiel Ciclosporin, das bei Transplantierten eingesetzt wird, kann es bei zusätzlicher Einnahme von Jo­han­niskraut zu einer gefährlichen Abstoßungskrise kommen", erläutert Experte Matthias Melzig.

AU Wirkt Lokal

Ein Rat aus der Apotheke

Pflanzliche Heilmittel sind beliebt und bewährt. Ihr Apotheker berät Sie gerne, welches Präparat ihre Beschwerden lindern kann.

Informationen über Vor- und Grunderkrankungen sowie die ­aktuelle Medikation sind für Ihren Apotheker äußerst wichtig. Falls Sie nicht Stammkunde sind und Ihre Präparate registriert werden, bringen Sie bitte die Namen Ihrer Medikamente mit in die Apotheke.

Nebenwirkungen

Die Arzneimittelforschung versucht, mögliche Risiken von Medikamenten mit Pflanzenextrakten noch stärker als bisher einzudämmen. So züchten Forscher die bewährte, aber wegen ihrer hohen Alkaloidbelastung kritische Hustenpflanze Huflattich in einer Variante ohne leberschädliche Stoffe.

Kontaminationen, wie etwa durch Beikräuter in Teemischungen, lassen sich dennoch nicht ausschließen. Das Jakobskreuzkraut, das als Unkraut auch in Teekräuterplantagen sprießt, kann die Alkaloidwerte in Arzneitees drastisch erhöhen.

Problematisch sind nach Trautwein Kräutermischungen, die häufig mehrere Kräuter teils unklarer Herkunft und Zusammensetzung enthalten. Mediziner des Klinikums Hanau und der Universität Frankfurt identifizierten mehrere Kräutermischungen und Einzelkräuter aus der traditionellen chinesischen Medizin, die Leberschäden hervorrufen können.

Qualitätsvorgaben

Wer Heilpflanzenmittel einnimmt, erhält in der Apotheke sichere und geprüfte Präparate, die pharmakologisch aktive Substanzen stets in der gleichen Dosierung und Zusammen­setzung enthalten. "Die Präparate entsprechen den Qualitätsvorgaben des Deutschen Arzneibuchs", sagt Apothekerin Maier. Das ist besonders wichtig, weil Heilpflanzenextrakte Vielstoffgemische sind. Das heißt, in den Pflanzenauszügen kommt nicht nur ein bestimmter Wirkstoff zum Tragen, sondern viele verschiedene.

Da in Blättern, Stielen und Stängeln zudem unterschiedlich hohe Anteile dieser Stoffe enthalten sind, braucht es standardisierte und kontrollierte Extrakte, die stets den gleichen Anteil an Wirksubstanz enthalten.

Heilkräuter