Narben effektiv behandeln

Eine Verbrennung oder Operation hinterlässt meist eine Narbe auf der Haut. Was hilft, damit sie möglichst unauffällig bleibt
von Maria Haas, 27.10.2015

Zart, prall und makellos ist die Haut eines Babys. Doch im Lauf eines langen Lebens wird wohl die eine oder andere Verletzung nicht ausbleiben. Die Platzwunde auf der Stirn, die genäht werden muss. Der erste chirurgische Eingriff, der eine größere Narbe hinterlässt. Im Idealfall erinnert daran eine kaum sichtbare hellere Linie, unter Umständen aber auch ein verbreiteter oder ein wulstiger, rötlicher Strich. Narben können schmerzen, jucken, spannen oder die Beweglichkeit einschränken. Wie sich das neu gebildete Gewebe entwickelt, ist unter anderem Veranlagung. Doch Patienten und Mediziner können das Erscheinungsbild günstig beeinflussen.

Wie Chirurgen Narben beeinflussen können

Manche Narben lassen sich geschickt verbergen. "Bei einer Leistenoperation beispielsweise können wir den Schnitt in der Intimzone setzen, wo die Narbe später kaum zu sehen ist", sagt Professor Dietmar Lorenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Führt der Chirurg einen Schnitt entlang der Hautspannungslinien, wird dieser nach der Heilung ebenfalls weniger auffallen. Die Wahl der Nahtmaterialien und -techniken beeinflusst genauso wie der Zeitpunkt des Fädenziehens, welche Spuren zurückbleiben werden. Für endoskopische Eingriffe sind nur kleine Schnitte nötig. Der entscheidende Vorteil: Die Patienten erholen sich rascher.

Kann eine Wunde gut heilen und treten keine Infektionen auf, sind die Chancen auf eine unauffällige Narbe besonders groß. "Entscheidend dafür ist zum einen, dass wir keimfrei oder -arm operieren", sagt Lorenz. "Zum anderen sollte eine Wunde steril verbunden sein, bis sie verklebt ist." In der Regel ist dies bereits nach 24 Stunden der Fall. Bei nicht nässenden Wunden wird man in den ersten zwei Tagen nach der OP den Verband daher nicht wechseln. Gibt es keine Probleme, heilt die Wunde in wenigen Wochen.

Narbe massieren

Das neu gebildete Gewebe bleibt lang aktiv. Es dauert bis zu ein Jahr, bis Narben ganz zur Ruhe kommen. Auf das Rauchen sollte man in dieser Zeit möglichst verzichten, denn Nikotin verringert die Durchblutung, erschwert die Wundheilung und erhöht so das Risiko, dass sich störende Narben bilden.

Leichte Bewegung kann vorteilhaft sein. Aber beim Sport, Heben und Tragen wird das frische Gewebe eventuell überstrapaziert – und die Narbe kann sich unschön verbreitern. Vorsicht: Entzündungen, die mit Rötung oder Schwellung einhergehen, sind immer ein Grund für einen Besuch beim Arzt.

Schon früh – rund zwei bis drei Wochen nach der Operation – können Patienten mit einfachen Massagen das spätere Erscheinungsbild des Schnitts selbst beeinflussen: das frische Gewebe mit leichtem Druck bearbeiten. "Die Narbe kann so flacher und weicher werden", sagt Dr. Claudia Borelli von der Universitätshautklinik Tübingen.

Schmerzen, Spannungsgefühl und Juckreiz können ebenfalls nachlassen. Die Leiterin der Einheit für Ästhetische Dermatologie und Laser empfiehlt für die Massage zum Beispiel eine nicht zu fette Wundheilungscreme. In jedem Fall ist Geduld gefragt. Bis zu ein halbes Jahr, mindestens aber vier Wochen sollte man täglich fünf bis zehn Minuten die Narbe behandeln.

So heilen Wunden: 1. Blutplättchen und Fibrinfasern lassen das Blut gerinnen. Schorf verschließt die Wunde. Neues Gewebe bildet sich. 2. Bindegewebszellen und Kollagenfasern füllen die Wunde aus. Das endgültige Narbengewebe besitzt weder Talg- noch Schweißdrüsen.

W&B/Szczesny

Pflaster aus Silikon oder Polyurethan

Ein Sunblocker schützt das frische Gewebe vor direkter Sonne und verhindert, dass es sich auffällig braun verfärbt: über mehrere Monate täglich morgens auftragen. Vorsichtshalber werden viele ästhetisch-chirurgische Eingriffe – falls möglich – in den Winter verlegt.

Auch die beste Pflege kann jedoch nicht verhindern, dass manche Narben wuchern. "Vor allem im Dekolletébereich, auf den Schultern, dem oberen Rücken und den Oberarmen können sich wulstige Narben bilden", sagt Borelli. Bei erhabenen Narben können Pflaster mit Silikon oder Polyurethan bewirken, dass die störenden Wülste bis auf das Hautniveau abflachen. Zwei bis sechs Monate muss das Pflaster möglichst 24 Stunden getragen und täglich gewechselt werden. "So erreicht man erstaunlich viel", sagt Borelli. Selbst bei alten Narben lohne sich ein Versuch.

Spezialbehandlung gegen wucherndes Gewebe

Bei wuchernden Narben, die auf die Pflasterbehandlung nicht ansprechen, rät Borelli, frühzeitig einen Facharzt aufzusuchen: "Man kann erhabene Narben vereisen oder wucherndes Gewebe abtragen und die Wunde noch während des Eingriffs vereisen." Bei sehr wulstigen Narben oder Wucherungen, die sich sogar ausbreiten, können Injektionen mit Kortison das übermäßige Wachstum hemmen.

Bildet sich zu wenig Bindegewebe, entstehen oft kraterförmige Narben, zum Beispiel nach einer Akne. Eine relativ neue Behandlung stellt hier das sogenannte Microneedling dar. Eine kleine Walze, die mit feinsten Nadeln gespickt ist, rollt dabei über die Haut. Durch die Miniverletzungen, die so entstehen, wird die Haut angeregt, vermehrt Kollagen zu bilden. "Selbst bei alten Narben verbessert sich das Hautbild dadurch noch", berichtet Borelli.

Auch eine operative Korrektur ist möglich – etwa bei sehr breiten OP-Spuren. Das geht aber erst, wenn die Narbe nicht mehr aktiv und nicht mehr gerötet ist.


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