Was Sie selbst gegen Gicht tun können

Eine Gicht ist sehr schmerzhaft. Wer die Auslöser kennt, kann einen Ausbruch der Krankheit verhindern

von Gerlinde Gukelberger-Felix, aktualisiert am 27.04.2016

Schmerzen im Gelenk: Ursache kann eine Gicht sein


Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die mit Entzündungen einhergeht und heftige Schmerzen in den Gelenken verursacht. Auslösend ist eine erhöhte Harnsäuremenge im Blut. Manchmal wird vermehrt Harnsäure gebildet. Viel häufiger scheidet der Körper aufgrund einer Fehlfunktion der Nieren zu wenig Harnsäure aus. "Letzteres ist bei gut zwei Drittel der Patienten der Fall", so der Gichtexperte Bernhard Manger, Oberarzt an der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen-Nürnberg.

Ab etwa 6,5 Milligramm pro Deziliter kristallisiert die Harnsäure und lagert sich beispielsweise an der Gelenkinnenhaut, an Sehnen, Schleimbeuteln, in Knochen und inneren Organen wie den Nieren ab. Es kommt jeweils zu einer Entzündung und starken Schmerzen. Typisch sind akute Gichtanfälle am großen Zeh oder Nierenkoliken.

Gicht hat eine starke erbliche Komponente

Inzwischen sind zahlreiche erbliche Faktoren bekannt, die mit einem erhöhten Harnsäurespiegel einhergehen. Interessanterweise sind ein Großteil der von der klassischen Gicht betroffenen Patienten Männer. Frauen erkranken meist erst nach den Wechseljahren. Dies wird auf eine Schutzwirkung der weiblichen Geschlechtshormone zurückgeführt.

Häufig sind die Transportmechanismen in der Niere genetisch bedingt so verändert, dass zu wenig Harnsäure ausgeschieden wird. "Bei etwa 30 bis 40 Prozent der Gicht-Patienten liegt eine genetische Anfälligkeit vor", sagt Manger. Allerdings nehmen Umweltfaktoren, insbesondere die Ernährungsweise, starken Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit. In dem Zusammenhang sind noch weitere Faktoren wichtig, die eine Gicht begünstigen:

•    Übergewicht durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel
•    Bluthochdruck
•    Hohe Blutfettwerte
•    Diabetes mellitus

Beispiel ungesunde Ernährung: Ein Übermaß an Fleisch, Fruchtzucker, Alkohol oder Fett in der Ernährung bringt ein deutlich erhöhtes Gichtrisiko mit sich. Auf verschiedenen Wegen beeinflussen diese Lebensmittel den Harnsäurespiegel ungünstig. "Eine ernährungsbedingt hohe Fettzufuhr begünstigt die Entstehung der sogenannten Ketonkörper. Diese hemmen die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere", warnt der Gichtexperte. Überdies gehört Fleisch zu den purinreichen Lebensmitteln. Der Körper baut Purine zu Harnsäure ab.

Auch bei einer Nulldiät entstehen Ketonkörper. Solche Diäten, bei denen Menschen eine Zeit lang komplett auf feste Nahrung verzichten, erhöhen das Gicht-Risiko bei entsprechender Veranlagung.

Gesünder leben, Gichtrisiko senken

Wer die Risiken kennt, kann viel tun, um einer Gicht vorzubeugen. Einen großen Einfluss hat der Lebensstil: Trinken Sie Alkohol nur in Maßen oder verzichten darauf. Essen Sie nicht zu viel Fettiges. "Die tägliche konsumierte Fettmenge sollte 70 Gramm nicht überschreiten", rät Manger. Gehen Sie sparsam mit Lebensmitteln um, die viele Purine enthalten.

Größere Mengen an Purinen finden sich zum Beispiel in Fleisch, Wurst, Innereien, Bierhefe, Anchovis, Hering, Sprotten, Sardinen, der Haut von Fisch und Geflügel. Auch pflanzliche Nahrungsmittel wie Linsen, Erbsen, weiße Bohnen, Kohl, Spinat und Rosenkohl enthalten viele Purine. Andere Gemüsesorten, Salat, Obst, Kartoffeln und Reis bereiten keine Probleme. Auch fettarme Milch und Milchprodukte sowie Eier sind purinarm. Das Milchprotein fördert zudem die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren.

Durch eine ausgewogene, kalorienarme Ernährung fällt es leichter, das Gewicht zu halten oder abzunehmen. Gleichzeitig sollten Sie sich im Alltag viel bewegen und Sport treiben. So beeinflussen Sie einen nicht unwichtigen Teil der Faktoren positiv, die das Risiko für eine Gicht erhöhen.

Gicht durch nächtliche Atemaussetzer?

Eine im Fachmagazin Arthritis & Rheumatology kürzlich veröffentlichte Studie hat einen weiteren Faktor ausfindig gemacht: die obstruktive Schlafapnoe (OSA), bei der der Schlaf immer wieder durch kleine Atempausen gestört wird. Der Körper reagiert auf jeden Atemaussetzer mit einer Weck-Alarmreaktion und setzt bestimmte Hormone in erhöhten Mengen frei – und das viele Male während des Schlafes. Diese Hormone haben gesundheitlich negative Folgen, insbesondere im Hinblick auf Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck – aber auch auf das Gichtrisiko. "Die Schlafapnoe gehört zum sogenannten metabolischen Syndrom, die Bezeichnung für die Kombination von Übergewicht, einem gestörten Glukose- und Fettstoffwechsel sowie Bluthochdruck", erläutert Mediziner Manger. Eine Schlafapnoe lässt sich jedoch effektiv behandeln.

Wenn die Harnsäurewerte bereits erhöht sind

Bereits erhöhte Harnsäurewerte sind für den Körper bedenklich. Effektive Lebensstiländerungen können viel dazu beitragen, dass der Harnsäurespiegel auf unter sechs Milligramm pro Deziliter sinkt. "Das reicht für viele Betroffene, sodass sie trotz genetischer Anfälligkeit gute Chancen haben, dass die Erkrankung nicht ausbricht", betont Manger. Medikamente werden eingesetzt, wenn die Lebensstiländerungen nicht ausreichen, um den Harnsäurewert zu normalisieren. Und, wenn bereits ein Gichtanfall aufgetreten ist.