Was ist eine Sedierung?

Die "Schlafspritze" ermöglicht einen Dämmerschlaf auch während nicht so angenehmen Untersuchungen wie einer Magen-Darm-Spiegelung

von Dr. Katharina Kremser, 04.12.2018
Sedierung

Spritze, Tablette, Infusion: Sedierende Wirkstoffe gibt es in unterschiedlichsten Darreichungsformen


Die Schmerzgrenze des einzelnen kann sehr unterschiedlich sein. Während manche am liebsten bei jedem Zahnarztbesuch eine "Schlafspritze" erhalten würden, lassen andere sich Füllungen machen und Weisheitszähne ziehen ohne mit der Wimper zu zucken.

Was aber hat es mit der Spritze auf sich, die einen müde macht und Schmerzen vergessen lässt?

Wenn Ärzte von einer "Sedierung" sprechen, meinen sie, dass der Patient mit Medikamenten schläfrig und ein wenig benommen gemacht wird. Sein Nervensystem funktioniert nicht mehr so wie normal, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab.

Verschiedene Wirkstoffe kommen dazu infrage, einer der gängigsten ist Midazolam. Diese Stoffe erhalten Patienten beispielsweise als Spritze, Infusion oder Tablette – abhängig davon, für welchen Eingriff die Sedierung notwendig ist, wie schnell und wie lange sie genau wirken sollen. Die Folge ist eine Art Dämmerschlaf. Wie stark sich die Wirkstoffe bemerkbar machen, ist von der Dosierung abhängig und kann von Mensch zu Mensch sehr verschieden ausfallen. Manche sind zwar ansprechbar und antworten auf Fragen, empfinden aber kaum Schmerzen. Andere schlafen tief und fest. Je nach Medikament kann es auch sein, dass ein Patient, obwohl er während der Untersuchung klar mit den Ärzten gesprochen hat, anschließend gar keine Erinnerungen mehr daran hat.

Welche Nebenwirkungen hat eine Sedierung?

Welche Nebenwirkungen vorkommen können, sollte Ihr Arzt vorab mit Ihnen besprechen. Denn Wirkung und Nebenwirkungen sind je nach verwendetem Mittel etwas unterschiedlich. Allen gemeinsam ist, dass sie benommen und müde machen – und zwar mehr oder weniger lange über die Zeit der Untersuchung hinaus. Daher gilt man in diesem Zeitraum zum Beispiel als nicht geschäftsfähig und darf nach der Sedierung je nach verwendetem Mittel für etwa 24 Stunden kein Fahrzeug steuern. Wer einen ambulanten Eingriff im Dämmerschlaf plant, sollte also am besten eine Person bitten, ihn zu begleiten und anschließend nach Hause zu bringen.

Daneben behindern die Medikamente die Nervenfunktion. Das kann dazu führen, dass beispielsweise Schutzreflexe wie der Hustenreflex bei Verschlucken verlangsamt oder außer Kraft gesetzt sind. In seltenen Fällen kann auch die Atmung während des Eingriffs beeinträchtigt werden, so dass eine Sauerstoffgabe oder gar eine Beatmung notwendig wird.

Wann kommt eine Sedierung infrage?

Eine Sedierung kann dazu beitragen, unangenehme Untersuchungen oder Eingriffe leichter erträglich zu machen und den Patienten Furcht und Schmerzen zu nehmen. Angewendet wird die Sedierung in den verschiedensten Situationen: Beim Zahnarzt wird sie insbesondere sehr ängstlichen Menschen angeboten, bei Magen-Darm-Spiegelungen kommt sie sehr häufig zum Einsatz, bei MRT-Untersuchungen kann sie beispielsweise bei Kindern und Personen mit Platzangst (Klaustrophobie) gute Dienste leisten. Viele kennen auch die beruhigende Tablette vor der Operation.

Wer übernimmt die Kosten?

Ob ein Patient für eine Sedierung selbst zahlen muss oder nicht, hängt davon ab, warum der Dämmerschlaf nötig ist. Bei zahnärztlichen Behandlungen sind die Kosten zum Beispiel üblicherweise ganz oder mindestens teilweise selbst zu tragen. Bei der Magen-Darm-Spiegelung bezahlen die Krankenkassen sie in der Regel hingegen und ebenso wenn die Sedierung aus medizinischen Gründen unbedingt erforderlich ist. Führt nicht der Untersucher oder Therapeut selbst die Sedierung durch, sondern kommt ein Narkosearzt extra dafür dazu, kann es jedoch anders aussehen. Wer die Kosten übernimmt, sollte man daher im Einzelfall vorab klären.

Muss man für die Sedierung nüchtern sein?

Wie lange man vor und nach einem Eingriffv nichts essen und trinken darf, sollte man immer mit dem Arzt besprechen. Als Faustregel gilt: Normalerweise sollte sechs Stunden vor dem Dämmerschlaf nichts mehr gegessen werden. Bis zwei Stunden vor der Sedierung können Patienten aber noch klare Flüssigkeiten zu sich nehmen.