Nebenwirkung

Sich krank fühlen geht immer


Hypochonder, dachte ich früher, sind diese aufmerksamkeitssüchtigen Menschen, die von einem Arzt zum anderen rennen, statt einfach mal mit ihrem Friseur zu reden. Bis zu dieser Reise in den ecuadorianischen Dschungel.

Eines Tages entdeckte ich plötzlich Bläschen auf meinem rechten Arm, unheimlich große, runde, wassergefüllte Etwasse. Wahrscheinlich kein schlimmes Zeichen, sagte ein Bekannter, vermutlich war ich nur einer Art Monsterbrennnessel zu nah gekommen. Aber im Auge behalten sollte ich die Bläschen schon, es könnte auch sein, dass ein Insekt Eier unter meine Haut gelegt habe, quasi ein Parasiten-Tattoo. Falls die Bläschen wandern, sei das ein Indiz dafür. Was man in diesem Fall tun könnte, sagte er nicht. Googeln konnte ich nicht. In diesem Moment verspürte ich eine große Lust, von einem Arzt zum anderen zu rennen – doch die nächste Praxis war eine Tagesreise weit weg.

Es wird die Pflanze sein, sagte ich mir – und starrte meinen Arm an. Ununterbrochen. Bewegten sich die Bläschen? Das dort, das war doch gerade einen Millimeter nach rechts gehüpft! Wenn man nur lange genug auf seinen Arm starrt, beginnen sogar Sommersprossen zu marschieren.
Statt zu schlafen zählte ich in der Nacht Bläschen und ­malte mir aus, wie mein Körper zu einer Kita für Insekten wird. Ich müsste nur an etwas anderes denken, sagte ich mir. An Schokolade zum Beispiel. Für einen Moment gelang es. Doch schnell sprangen meine Gedanken auf Schokolade, in die eine Motte Eier gelegt hatte. Und schon fragte ich mich, ob ich schlüpfende Insekten überhaupt schmecke.
Morgens war klar: Es war die Pflanze. Die Bläschen waren weg –­ und auch mein Unverständnis für eingebildete Kranke. Das Erste, was ich tat, als ich zurück war: ins Tropeninstitut rennen, mich komplett durchchecken lassen.