Zöliakie: Ursachen

Durch Gluten, das in zahlreichen Getreidearten und Lebensmitteln vorkommt, wird im Darm eine Entzündungsreaktion ausgelöst. Hierbei spielt eine verbreitete genetische Veranlagung eine Rolle

von Dr. Dagmar Schneck, aktualisiert am 20.04.2017

Verschiedene Faktoren spielen bei der Entstehung der Zöliakie eine Rolle. Eine genetische Veranlagung, die bei 30 bis 40 Prozent der Bevölkerungen vorkommt, in denen eine Zöliakie auftritt, ist eine entscheidende (notwendige) Voraussetzung für die Darmkrankheit. Es handelt sich dabei um das Vorhandensein bestimmter Eiweißstoffe auf Immunzellen – den Proteinen HLA-DQ2 oder DQ8.  Finden sie sich nicht, kann der Arzt eine Zöliakie ausschließen. Liegt die genetische Veränderung vor, haben Betroffene ein zirka dreifach erhöhtes Risiko, eine Zöliakie zu entwickeln.

Der Verzehr glutenhaltiger Nahrungsmittel (Weizen, Roggen, Gerste) führt bei Zöliakiepatienten im Dünndarm zu einer Entzündung (Aktivierung von Immunzellen = T-Zellen), welche die Dünndarmschleimhaut schädigt. Folge ist der Verlust der Darmzotten (der mikroskopischen Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut), über welche die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm ins Blut erfolgt. Diese Entzündung ist nur vorhanden, solange der Betroffene glutenhaltige Lebensmittel isst. Sie geht zurück, sobald der Dünndarm nicht mehr mit Gluten konfrontiert wird. Nach einigen Wochen baut sich wieder eine normale Schleimhaut mit intakten Darmzotten auf.

Insbesondere durch die erwähnte genetische Voraussetzung besteht eine familiäre Veranlagung für die Zöliakie. Ist bereits ein Verwandter ersten Grades (Geschwister, Eltern oder Kinder) an einer Zöliakie erkrankt, besteht für die Familienmitglieder ebenfalls ein erhöhtes Risiko (zirka 10 bis 15 Prozent), eine Zöliakie zu haben oder zu entwickeln.

Was ist Gluten und was passiert damit im Darm?

Gluten ist das vorwiegende Eiweiß in Getreiden wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. Wird das Getreide zu Mehl gemahlen und mit Wasser vermischt, dann erhält es durch Gluten seine typische zähe Masse. Dieses Eiweiß wirkt wie ein Kleber und wird daher auch als "Klebereiweiß" bezeichnet.

Gluten wird nicht vollständig im Magen und oberen Dünndarm verdaut. Unverdaute Bruchstücke der Glutenmoleküle werden von der Dünndarmschleimhaut aufgenommen und und können die Immunzellen von Patienten aktivieren, bei denen die genetische Veranlagung (HLA-DQ2 und HLA-DQ8) dazu besteht. Diese Aktivierung erfolgt noch ausgeprägter, wenn die Glutenbruchstücke mit dem körpereigenen Enzym Gewebetransglutaminase (tTG) reagieren, welches im gesamten Darm vorkommt. Gegen dieses Enzym entstehen dann auch die Antikörper, die bei Patienten mit aktiver Zöliakie erhöht im Blut gemessen werden. Die Gluten-Bruchstücke werden also vom Immunsystem als "Feind" erkannt – ähnlich einem Erreger einer bakteriellen oder viralen Infektion.

Durch die anhaltende Entzündung bilden sich die Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut (Schleimhautzotten) zurück. Da über sie normalerweise die Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden, können die verschiedenen Nahrungsbestandteile (z. B. Fette, Eiweiß,  Milchzucker, Kalzium, Eisen, Vitamine) im Darm nur noch unzureichend verwertet und aufgenommen werden. Stattdessen gelangen die lebenswichtigen Nährstoffe in den Dickdarm und werden mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Das kann unter anderem zu  Mangelerscheinungen (z. B. Eisenmangel, Knochenschwund) führen.