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So gefährlich ist eine Pilzvergiftung

Warum ruft der Verzehr einiger Pilze Vergiftungen hervor? Der Toxikologe Professor Thomas Zilker erklärt, weshalb Pilzsammler vorsichtig sein müssen

von Sophie Kelm, aktualisiert am 05.09.2014
Giftpilze

Fliegenpilze (vorne im Bild) sind sehr giftig und auf keinen Fall zum Verzehr geeignet


Pilze sammeln ist wieder modern. Es ist allerdings nur etwas für Kenner – denn auch in unseren heimischen Wäldern gibt es gefährliche Giftpilze. Natürlich findet man aber auch viele schmackhafte, zum Verzehr geeignete Pilze.

Was eine gute Pilzsaison ausmacht? "Ein warmer Sommer, gefolgt von starkem Regen. Das mögen Pilze besonders gerne", sagt Thomas Zilker, ehemaliger Abteilungsleiter der toxikologischen Abteilung der Technischen Universität München. Die Kehrseite der Medaille: Je mehr Pilze wachsen, desto mehr Fehler passieren und umso mehr Patienten müssen die Ärzte behandeln.

Immer wieder schnippeln fleißige Feinschmecker auch giftige Exemplare in ihre Pilzpfanne. Zu den gefährlichsten Vertretern gehören in Deutschland der Knollenblätterpilz, der Pantherpilz und der spitzkegelige Rauhkopf. Der Knollenblätterpilz wird häufig mit dem Champignon verwechselt. Im Gegensatz zu dem harmlosen Doppelgänger kann der giftige Knollenblätterpilz einen Menschen aber das Leben kosten.

Knollenblätterpilz: Dem Champignon zum Verwechseln ähnlich

Woran erkennt man eine Knollenblätterpilz-Vergiftung? Das Gift zeigt eine relativ lange Latenzzeit. In der Regel treten erst etwa zehn Stunden nach dem Verzehr Durchfälle und Erbrechen auf. "Bei diesen Symptomen muss man sofort eine Klinik aufsuchen", so Zilker. Denn nur wer rechtzeitig kommt, kann noch von einem Gegengift profitieren. Mediziner setzen hier Silibinin ein, welches sie aus der Mariendistel gewinnen.

Das Medikament hat die Gefährlichkeit des Knollenblätterpilzes deutlich gesenkt. "In den siebziger Jahren starb noch ungefähr jeder vierte Patient an der Vergiftung, heute liegt die Letalität nur noch bei rund sechs Prozent", erklärt Zilker. Kommt ein Patient sehr spät in die Klinik, setzt ein bis zwei Tage nach der Vergiftung der Leberschaden ein. Kommt es zum völligen Leberversagen, kann nur noch eine Transplantation des Organs helfen. Bei manchen Menschen kommt es auch zu Nieren- oder Kreislaufversagen. "Das Ausmaß der Symptome und die Überlebenschancen hängen auch immer direkt mit der Menge des konsumierten Giftes zusammen", ergänzt der Toxikologe.

Vorsicht auch vor Risspilz, Fliegenpilz und Pantherpilz

Im Gegensatz zu den erst spät auftretenden Symptomen bei Knollenblätterpilzen gibt es auch Pilze, deren giftige Wirkung sich schneller zeigt. Als Beispiele hierfür nennt Zilker den Risspilz. Bereits innerhalb von ein bis zwei Stunden leidet der Vergiftete unter Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen und extremen Schweißausbrüchen. Diese sind derart charakteristisch, dass Mediziner sie als Erkennungsmerkmal der Vergiftung nutzen.

Auch die Wirkung von Fliegen- oder Pantherpilzen zeigt sich ziemlich bald nach dem Verzehr. Die Patienten leiden aber unter anderen Symptomen: "Oft wechseln Verwirrtheitszustände mit Tobsuchts- oder gar epileptischen Anfällen", erläutert Zilker.

Ebenfalls gefährlich ist der spitzkegelige Rauhkopf. Sein Gift setzt mit einer sehr starken Verzögerung ein, die Latenzzeit kann Tage bis Wochen betragen. Die Folgen sind schwerwiegend. Die Vergiftung führt zu einem Nierenversagen, welches die Notwendigkeit einer Dialyse oder Nierentransplantation nach sich ziehen kann.

Kein Trick, um giftige Exemplare zu erkennen

Gibt es eine Daumenregel, um giftige Pilze gleich zu erkennen? "Nein, so etwas gibt es nicht. Und alle anderen Behauptungen sind Hokuspokus", warnt Zilker. Alle Geschichten von angelaufenen Silberlöffeln im Kochwasser oder andere Ammenmärchen sind schlicht und einfach ausgedacht und schützen in keinem Fall vor einer Vergiftung. Toxikologen identifizieren einen Giftpilz zum Beispiel anhand von Sporen unter dem Mikroskop.