Matcha-Tee: Wie gesund er wirklich ist

In Japan ist er Mittelpunkt von Teezeremonien. Auch hier leisten sich immer mehr Menschen das teure Trendgetränk. Ernährungswissenschaftler beurteilen das grüne Pulver kritisch. Plus: Leckere Rezepte mit Matcha
von Dr. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 21.11.2016

Grünes Pulver: Matcha-Tee wird traditionell mit Bambusbesen schaumig geschlagen

istock/Studio Annika

In intensivem Grün leuchtet Matchatee. Alleine dadurch hebt er sich schon von anderen Teesorten ab. Damit sich die Teeblätter tiefgrün färben, haben Teebauern vorher die Pflanzen zwei bis vier Wochen lang beschattet. "Dadurch bildet sich besonders viel vom Farbstoff Chlorophyll und bestimmten Aromastoffen, andere Stoffe nehmen hingegen durch das Beschatten ab", erklärt Professor Ulrich Engelhardt vom Institute of Food Chemistry der Technischen Universität Braunschweig. Auch der Fakt, dass im Gegensatz zu anderen Tees das Matcha-Pulver komplett im Wasser gelöst wird, spielt für die Farbe eine Rolle.

Die Zubereitung ist eine regelrechte Zeremonie. Das Pulver wird mit 80 Grad heißem Wasser übergossen. Dann schlagen Kenner es traditionell mit einem Bambusbesen auf, oder modern per Milchschäumer. Das Pulver stammt von den zermahlenen Blättern bestimmter Grünteesorten, dem Tencha. Genau genommen nur aus dem Blattfleisch, denn die Adern der Blätter entfernen die Teebauern in Japan und China vorher.

Teuer: 30 Gramm kosten bis zu 50 Euro

Eine so aufwendig hergestellte Kostbarkeit hat ihren Preis. 30 Gramm Matcha einer hohen Qualitätsstufe können durchaus 50 Euro kosten. Dafür soll der Tee frisch, mild und intensiv schmecken. Vor allem bei der dickflüssigeren Variante namens Koicha, bei der ungefähr 2,5 Gramm in 50 Milliliter Wasser gelöst werden, ist Pulver guter Qualität eine wichtige Voraussetzung für die Genießbarkeit. Denn minderwertigeres Matchapulver schmeckt deutlich bitterer. Letzteres benutzen Teeliebhaber höchstens für den dünnflüssigeren Usucha (bis zu 1 Gramm pro 60 Milliliter) oder zur Zubereitung anderer Speisen. Auch in Speiseeis, Smoothies, Joghurts und Schokolade fungiert Matcha als Geschmacksträger.

Wie schmeckt Matcha-Tee? Die Redaktion hat es getestet:

"Mit zu heißem Wasser angerührt, verströmte der Matcha-Tee einen Algen-Geruch und sah aus wie Spinatsuppe. Manch einer bekam sogar einen Würgereiz. Als der Tee aber etwas abgekühlt war, roch er neutral und schmeckte lecker, wenn auch ein Stück weit nach Wiese. Er war deutlich cremiger als normaler grüner Tee. Die meisten Redakteure würden den Tee gelegentlich wieder trinken. Tipp: Gut umrühren! Sonst kann es passieren, dass Sie beim letzten Schluck eine geballte Ladung nicht gelöstes Pulver im Mund haben."


Matcha-Tee kühl lagern

Um den Geschmack und die Inhaltsstoffe möglichst lange zu erhalten, rät Ernährungswissenschaftlerin Silke Gulder vom Verbraucherservice Bayern, das Matcha-Pulver luftdicht verpackt im Kühlschrank aufzubewahren. "Dann bleibt eine angebrochene Packung nach dem Öffnen mindestens drei bis vier Wochen frisch", erklärt die Expertin. Wichtig: Vor dem Öffnen die Packung wieder auf Zimmertemperatur erwärmen, damit sich nicht durch den Temperaturunterschied Kondenswasser im Pulver niederschlägt.

Gulder empfiehlt, beim Kauf auf ein Ökosiegel zu achten: "Bei anders erzeugtem Matcha-Tee wären Pestizid-Rückstände denkbar, auch wenn uns dazu keine Untersuchungen vorliegen."

Darüber hinaus enthält Grüntee und damit auch Matcha Oxalsäure. Dieser Stoff kann die Aufnahme von Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium und Eisen behindern. "Wer ganz sicher gehen will, dass die Eisenresorption nicht beeinträchtigt wird, sollte am besten zwischen dem Matcha-Genuss und der Essenszeit eine Stunde Abstand einhalten", empfiehlt Gulder.

Ist Matcha-Tee ein Superfood?

Man sollte sich von einem einzigen Lebensmittel keine Wunder erwarten, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Außerdem können sich günstige Effekte auf die Gesundheit nur einstellen, wenn man den Tee längerfristig trinkt und mit einer ausgewogenen Ernährung verbindet. Trotz dieser Einschränkungen zählt die Expertin Matcha-Tee durchaus zu den "Superfoods". Denn er beinhaltet viele gesunde Inhaltsstoffe wie Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. "Bezogen auf die Wassermenge wird bei der Zubereitung von Matcha deutlich mehr Tee eingesetzt als bei normalen grünen Tees", sagt auch Engelhardt. Deshalb steckt im fertigen Getränk eine höhere Konzentration an Antioxidanzien. Diese sollen die Zellen schützen und Schäden am menschlichen Erbgut verringern. Zu den Stoffen gehören Polyphenole und Catechine – im Matcha, sowie auch anderen grünen Tees, vor allem das Epigallocatechingallat (EGCG).

Studien zufolge soll EGCG...

  • die Neubildung von Blutgefäßen hemmen und ein Tumor-Unterdrückungsprotein unterstützen. Beides bremst möglicherweise die Entstehung und das Wachstum von Tumoren
  • sich bei Endometriose günstig auswirken
  • die Elastizität der Blutgefäße positiv beeinflussen und dadurch einer Arteriosklerose entgegenwirken
  • die Bildung von Amyloidfibrillen verringern und dadurch möglicherweise das Voranschreiten von Alzheimer und Parkinson verlangsamen
  • das Immunsystem beim Kampf gegen manche Viren unterstützen
  • die Freisetzung von Cortisol hemmen und so Stress-Reaktionen des Körpers abmildern

"Recht gut belegt ist die vorbeugende Wirkung von EGCG auf Herz-Kreislauferkrankungen, und auch bei Schlaganfällen", sagt Gulder. Auch Untersuchungen zur Verhinderung von Amyloidablagerungen seien durchaus vielversprechend. "Außerdem kann EGCG verschiedene Entwicklungsstadien von Krebs günstig beeinflussen." Aber: Viele Studienergebnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen und sind damit nur bedingt aussagekräftig. Ob sich die Inhaltsstoffe aus Matcha-Tee also wirklich positiv auf die Gesundheit auswirken, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig beantworten.

Fazit: Matchatee ist, wie andere Grüntees auch, gesund. Aufgrund der speziellen Zubereitungsart enthält er im Vergleich zu anderen grünen Tees sogar mehr potenziell gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe. Nachteil ist, dass Matcha zum Teil sehr teuer ist und der Geschmack – je nach Sorte – gewöhnungsbedürftig ist.


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