Nebenwirkung

Einkehr-Schwung ins Kloster

Barbara Kandler-Schmidt

Nicht selten ernte ich verständnislose Blicke. "Urlaub im Kloster? Aha. Und was macht man da so? Was, den ganzen Tag auf einem Hocker sitzen und schweigen? Wie öde ist das denn!" Für meine Kinder jedenfalls war der Fall schnell klar, als ich auch noch die Frage: "Habt ihr dort wenigstens einen Pool?", verneinte. Ja, es gibt wenig. Zumindest von dem, was heute selbstverständlich ist. Keinen Fernseher, keinen Laptop, kein Handy. Im Idealfall auch keine Bücher, was ich aber noch nie durchgehalten habe. Doch dafür gibt es umso mehr von dem, was so rar geworden ist: Ruhe, Stille, Zeit. Zeit für mich. Zeit zum Durchatmen. Zeit für das ganz andere ...

Auf dem Weg nach innen stoßen viele erst mal auf ein großes Vakuum. Die Versuchung, die ungewohnte Leere mit ständig neuen Reizen zu füllen, ist groß. Auch ich tigerte anfangs ruhelos durch die Klosterbuchhandlung, den Dritte-Welt-Laden, den Klostergarten, das Labyrinth … Und wenn nichts half, gab es am Nachmittag wenigstens Kuchen.
Nach mehreren "Einkehr-Schwüngen" fällt es mir inzwischen leichter, einfach nur dazusitzen. Einen Baum zu betrachten, den Vögeln zuzuhören, Wind und Sonne auf der Haut zu spüren. Nichts reden, nichts tun, nichts leisten. Ich muss mich nicht behaupten, keine Rolle spielen. Ich darf einfach da sein. So, wie ich bin. Hier und jetzt. Für die Seele ist das Wellness pur. Und die Kinder haben ja schließlich auch was davon: Schlechte Schulnoten regen mich nämlich ebenso wenig auf wie der Münchner Berufsverkehr. Und ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Einkehr-Schwung. Auch wenn es dann wieder heißt: "Mama, wie oft musst du denn noch üben, auf einem Hocker zu sitzen? Kannst du's denn immer noch nicht?"