Fünf Irrtümer über Hämorriden

Über das Problem am After spricht kaum jemand gern. Entsprechend groß ist die Unkenntnis. Wir klären über häufige Fehlannahmen auf

von Maria Haas, aktualisiert am 27.03.2017

Probleme am Po, zum Beispiel Hämorriden, können sehr unangenehm sein


Irrtum 1: Nur ältere Menschen bekommen Probleme mit Hämorriden

"Schon Dreißigjährige sind betroffen", sagt Dr. Bernhard Strittmatter, Vorsitzender des Berufs­verbands der Coloproktologen Deutschlands. Schwangerschaft und Geburt erhöhen das Risiko, dass sich die Hämorriden teilweise vergrößern und Beschwerden bereiten. Jeder Zweite über fünfzig hat bereits einmal darunter gelitten. In höherem Alter tritt das Problem seltener neu auf.

Irrtum 2: Hämorriden sind immer sehr schmerzhaft

Das Hämorridalgeflecht ist ein gefäßreiches Polster oberhalb des Schließmuskels, das den Feinabschluss des Afters bildet. Wenn knotige Ausbuchtungen entstehen, spricht man landläufig von "Hämorriden". Dann kann dieser Feinabschluss gestört sein. Schleim kann austreten und die empfindliche Haut am After reizen. Daher sind Jucken und Brennen am Darmausgang typische erste Beschwerden. Ekzeme, Blutungen und Fremdkörpergefühl sind weitere Folgen. Akute starke Schmerzen bereitet eine eingeklemmte Hämorride. "Damit gehen die Patienten gleich zum Arzt", sagt Strittmatter. Schmerzhaft sind auch Einrisse in der Afterhaut (Analfissuren) und Analthrombosen.

Irrtum 3: Scharfes Essen kann die Beschwerden auslösen

"Wenn die Haut bereits wund ist, schmerzt Scharfes zusätzlich. Es kann aber kein Hämorridalleiden auslösen", stellt der Münchner Proktologe Professor Werner Kauer klar. Neben der erblichen Veranlagung gelten chronische Verstopfung und starkes Pressen beim Stuhlgang als begünstigend. Bei langen Toilettensitzungen hängt der Beckenboden durch, und das belastet die Hämorridalkissen. "Nicht länger als drei Minuten auf der Toilette bleiben", rät Strittmatter. Auch erhöhter Druck im Bauchraum aufgrund von Übergewicht oder Schwangerschaft strapaziert das Adergeflecht, ebenso chroni­scher Durchfall.

Irrtum 4: Meistens verschwinden die Beschwerden von selbst wieder

Nur in einem frühen Stadium reicht manchmal die Selbstbehandlung. Sie beginnt mit sorgfältiger Hygiene: weiches Toilettenpapier benutzen, mit klarem, lauwarmem Wasser nach­spülen und trocken tupfen. Keine Feuchttücher verwenden, sie können Kontaktekzeme fördern. Juckreiz und Brennen lassen sich mit Zinksalbe oder speziellen Hämorridensalben und -zäpfchen lindern, die wundheilend, entzündungshemmend oder leicht betäubend wirken. Vorsicht: Vom Arzt verodnete kortisonhaltige Mittel nach Vorschrift und nicht dauerhaft anwenden. Wenn zusätzlich auf genügend Bewegung, eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Trinkmengen geachtet wird, können die Beschwerden wieder zurück­gehen. "Stellt sich nach 14 Tagen keine Besserung ein, sollte man einen Arzt aufsuchen", sagt Kauer. Er muss auch abklären, ob eine andere Erkrankung, im schlimmsten Fall ein Tumor, die Symptome verursacht. Blutspuren im Stuhl sind ein Alarmzeichen, bei dem in jedem Fall ein Arztbesuch nötig ist.

Irrtum 5: Der Arztbesuch ist sehr unangenehm

Die Untersuchung beim Proktologen ist in der Regel nicht schmerzhaft. Der Arzt kann den Analkanal mit einem kleinen Rohr, dem Proktoskop, inspizieren und die Hämorriden in frühen Stadien gleich behandeln. In fortgeschrittenen Stadien muss operiert werden, meist im Krankenhaus. Kauer rät: "Die Patienten sollten sich einen erfahrenen Proktologen suchen, der alle Operationsmethoden beherrscht." In höchstens zehn Prozent der Fälle muss operiert werden. Ein Teil davon ließe sich vermeiden, wenn die Patienten frühzeitig zum Arzt gingen.