Wohnen im Alter: Diese Optionen gibt es

Manch Ältere möchten ihren Ruhestand in einem Mehrgenerationenhaus verbringen. Andere wollen die Ruhe im Eigenheim genießen oder bei Bedarf im Seniorenstift versorgt sein. Wir stellen die drei Möglichkeiten vor

von Silke Droll, 24.07.2018
Generationen

In einem Mehrgenerationenhaus helfen sich die Parteien nicht nur gegenseitig, sondern genießen auch die gemeinsame Zeit


Mehrgenerationenhaus: Vom Baby bis zum Senior

Gabriele Poelchau (68) erlebte, wie ihre Mutter im Alter unter Einsamkeit litt. "Das war mir eine Warnung." Sie selbst hat keine Kinder und nur wenige Verwandte. Deshalb wollte sie frühzeitig vorsorgen und sich ein Umfeld mit vielen Kontakten schaffen. Poelchau und ihr Mann schlossen sich einer Gruppe an, die solidarisches, gemeinschaftliches Wohnen verschiedener Generationen anstrebte.

Nach mehreren Jahren, vielen Treffen und dem Zusammenschluss mit anderen Gruppen verwirklichte sich der Traum. Ein sozial orientiertes Wohnungsunternehmen baute in Nürnberg eine Anlage mit 62 barrierefreien Wohnungen – plus Garten, Gruppenraum, Café und Kita. "Es war eine lange Anlaufphase, aber gleichzeitig war es wichtig, dass wir uns vorher schon kannten", meint Poelchau. 

Gegenseitige Unterstützung im "Martha-Projekt"

Seit 2014 leben etwa 100 Bewohner im "Martha-Projekt". Sie stammen aus 14 Nationen, sind Familien, Alleinerziehende, Singles, Paare – vom Baby bis zum Senior. Das Gemeinschaftsleben ist in vielen Arbeitskreisen organisiert. Poelchau etwa engagiert sich im AK Moderation, der das monatliche Treffen aller Bewohner vorbereitet. Mit ihrem Mann kümmert sie sich zudem um einen Teil des Gartens. Die Bewohner planen viele Aktivitäten, wie Yoga, Bauchtanz, Kochen und Gesprächskreise. Sie feiern zusammen Geburtstage und andere Feste. Praktisch: Im Café gibt es an drei Tagen günstige vegetarische Mittagessen.  

Gegenseitige Unterstützung ist in dem Wohnprojekt selbstverständlich. "Wir sind zusammengezogen, um das Leben zu teilen", so Poelchau. "Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen." Sie selbst versorgt eine Nachbarin, die nach einer OP nicht mobil ist, oder holt ein Kind von der Schule ab, wenn die Eltern verhindert sind. Von alleine läuft es aber nicht, wie Poelchau betont: "Man hat zwar hier beste Chancen auf Kontakte, muss aber wie überall etwas dafür tun." Und man könne sich auch mal ausgeschlossen fühlen – gerade weil so viel in Gruppen um einen herum passiert.

Wohnen im Alter

Wie findet man einen Platz in einem Mehrgenerationenhaus?

Wer sich für gemeinschaft­liches Wohnen interessiert, sollte sich nicht erst im Alter umsehen. Oft sind eher jüngere Bewohner gesucht, damit aus einem Mehrgenerationen- Haus kein Altersheim wird. Neu entstehende Wohnprojekte und weitere Informationen finden sich online etwa unter www.fgw-ev.de und www.wohnprojekte-portal.de

Das Zuhause zu einer barrierefreien Wohnung umbauen

Bis zum Ende hier bleiben, das wünscht sich Ulrich Nickolaus (77). So wie die meisten Senioren hoffen er und seine Frau Emmi, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung leben zu können. Im ersten Stock eines Hauses mit Garten im Münchner Stadtteil Trudering ist das Paar schon mehr als 50 Jahre zu Hause. Die zwei lieben ihren Blick ins Grüne.

Probleme machte ihnen aber lange Zeit ihr unpraktisches Bad. Emmi Nickolaus erlitt vor neun Jahren einen Schlaganfall. Seitdem kann sie ihre linke Körperhälfte nur noch schwer bewegen und braucht im Alltag viel Unterstützung. Ihr Mann hilft ihr bei der Körperhygiene, beim Anziehen, stützt sie beim Gehen, kümmert sich um die Mahlzeiten. Für ihn ein klarer Fall: "Ich liebe meine Frau."

Den Pflegedienst schickte er nach einer Woche wieder weg. "Die wussten gar nicht, wie sie in diesem Bad meine Frau waschen sollten." Jahrelang hievte er Emmi immer wieder unter großem Kraftaufwand in die Dusche mit dem hohen Einstieg.  Aber erst vor einem Jahr entschloss sich das Paar zu einem Umbau. "Hätte ich das nur früher gemacht. Der jetzige Komfort ist sagenhaft", sagt ­Ulrich Nickolaus rückblickend.

Bei der Beantragung von Fördergeldern Hilfe suchen

Doch er traute sich lange nicht an die komplizierte Beantragung von Förder­geldern heran. Dank einem intensiven Informationsgespräch in der Beratungsstelle Wohnen des Vereins Stadtteilarbeit in München konnten schließlich fast die gesamten Kosten in Höhe von 20 000 Euro aus unterschiedlichen Töpfen des Landes Bayern, der Stadt München und der Krankenkasse finanziert werden. 

Wohnen im Alter

Jeden Morgen freut sich das Ehepaar nun über das Bad mit Schiebetür, über die bodengleiche Dusche mit Haltegriffen, herunterklappbarem Sitz, über die rutschfesten Fliesen, das erhöhte WC, das unterfahrbare Waschbecken. Emmi Nickolaus kann jetzt in Ruhe vor dem Spiegel sitzen und sich hübsch machen. Ihr Mann rät anderen Betroffenen, sich unbedingt an eine Beratungsstelle zu wenden. "So wusste ich, was beim Umbau genau zu beachten ist, und konnte die vollen Fördermöglichkeiten ausschöpfen."

Fördergelder: Wohnberatungsstellen helfen bei der Beantragung

Wer einen Umbau plant, kann sich an Wohnberatungsstellen wenden, aufgeführt etwa unter www.bag-wohnungsanpassung.de. Viele Berater  klären nicht nur über Fördermöglichkeiten auf, sondern bieten auch Vor-Ort-Besuche in der Wohnung an. Die regionalen Handwerkskammern und Innungen wissen, welche Betriebe sich mit solchen Umbauten auskennen. Wer sich in das Thema einlesen möchte, findet in der Broschüre "Daheim wohnen bleiben!" umfassende Informationen: kostenloses PDF unter www.verein-stadtteilarbeit.de/downloads

Ein Seniorenstift bietet Rundum-Versorgung

Vor 16 Jahren zog Josef Stöcher (93) ins "Wohnen mit Service" im MünchenStift – und hat es nie bereut: "Man fühlt sich hier sorglos und sicher." Er ist sogar überzeugt, dass diese Entscheidung sein Leben verlängert hat. Der frühere Experte für internationale Wirtschaftsbeziehungen lebt in einem barrierefreien Apartment im vierten Stock, tolle Aussicht inklusive. Eingerichtet ist es mit einigen Möbeln aus seiner früheren Wohnung, vielen Pflanzen und exotischen Erinnerungsstücken von seinen Reisen.  

Viel Zeit verbringt er aber außerhalb seiner vier Wände. Zum "Wohnen mit Service" gehören nicht nur ein Notrufknopf und das tägliche Mittagessen in der Cafeteria, sondern auch zahlreiche Freizeitangebote. Stöcher macht Gymnastik, Qigong und Yoga. Er besucht Konzerte, spielt Karten, geht Kegeln und übt sich in Gedächtnisspielen – alles innerhalb der Wohnanlage, zu der auch ein Park mit Ententeich gehört. 

Wohnen im Alter

Seine Wohnung hält Stöcher selbst sauber, er wäscht seine Kleidung und bereitet sich Frühstück und Abend­essen zu. Doch wenn es ihm einmal zu viel werden sollte, kann er entsprechende Leistungen dazubuchen. Vor Kurzem hatte er eine Augen-OP. "Danach brauchte ich Tropfen. Also kam ein paar Tage lang alle zwei Stunden eine Pflegerin, die mir die Tropfen korrekt eingeträufelt hat", berichtet Stöcher. Ein kostenpflichtiges Extra, für das er nur kurz Bescheid geben musste. Stöcher ist immer noch fit. Sollte er aber einmal dauerhaft Unterstützung benötigen, kann er innerhalb des Hauses in den Pflegebereich ziehen.   

Leistungen und Kosten von betreutem Wohnen können variieren

Die Begriffe Wohnen mit Service und betreutes Wohnen sind nicht geschützt. Die Leistungen und Kosten können stark variieren. Ein Beispiel: Im MünchenStift kostet das ­Wohnen mit Service in einem 25-Quadratmeter-Apartment monatlich 1768 Euro. Einfachere Einrichtungen von Kommunen können günstiger sein.

Bernhard Reindl von der Beratungsstelle Wohnen des Vereins Stadtteilarbeit in München rät: "Oft kann man Dienstleistungen auch für die angestammte Wohnung buchen." Gerade in Ballungsgebieten gebe es viele Anbieter für Unterstützung im Haushalt oder sogar Betreuungspauschalen.