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Kältekick für die Schönheit

Minusgrade machen nicht jeden fröhlich - aber schöner. Wie Kälte gegen Falten, Pickel und Speckröllchen wirkt

von Céline Tognon-Hofer, aktualisiert am 04.02.2019
Frau im Winter

Kaltes im Gesicht macht die Haut geschmeidig


Sobald das Thermometer fällt, ziehen sich viele ins warme, gemütliche Nest zurück, verbringen so wenig Zeit wie möglich vor der Tür. Dabei wären Bewegung und frische Luft nicht nur gesund – sie ­machen auch schön.

"In unseren beheizten Häusern ist die Luftfeuchtigkeit sehr gering, was der Haut und dem Haar nicht guttut", erklärt Peter Schneiderbanger, Kurarzt in Bad Wörishofen. Die Haut reduziert ihre Talgproduktion. Sie trocknet aus, ihr pH-Wert steigt, sie wird anfälliger für Krankheiten und Entzündungen. Auch das Haar leidet. Die Talgdrüsen der Kopfhaut versorgen es nur noch ungenügend mit Fett. Die Schuppenschicht wird spröde und rau. Die unschönen Folgen: strohiges, glanzloses Haar und ein fahler, blasser Teint.

Temperaturreize zur Anregung

"Dagegen hilft es, die Durchblutung und den Fettstoffwechsel durch kurze Temperaturreize anzukurbeln", sagt Schneiderbanger. Dadurch ziehen sich Hautporen und Blutgefäße plötzlich zusammen und füllen sich im nächsten Moment wieder stark mit Blut. Reaktive Hyperämie nennen Fachleute diesen Effekt. Im Anschluss zirkulieren Blut und Lymphe stärker, Zellernährung und Sauerstofftransport verbessern sich, mehr Talg wird produziert. "Wer sich regelmäßig der Kälte aussetzt, erhöht die Elastizität der Haut und der Gefäße", sagt Professor Thomas Kurscheid, Spezialist für Kälte­therapien in Köln.

Ab in den Kühlschrank!

Eine Oberschenkelmassage mit kaltem Gummiroller regt die Durchblutung an. Gekühlte AUgencremes und Gelmasken wirken abschwellend. Eyeliner aus dem Kühlschrank lassen sich besser spitzen und auftragen. In angefeuchtetem Haar zaubern eiskalte Papilloten tolle Locken. Nagellack hält im Kühlschrank länger, sollte beim Auftragen aber Raumtemperatur haben.

Doch Kälte kann noch mehr. Hält sie länger an, sendet sie dem Körper eine Art Notfallsignal. Die Blutgefäße verengen sich, der Blutstrom in die äußeren Körper­areale wird gedrosselt. Hände, Füße und Ohren frieren. ­Dadurch verlieren wir weniger Wärme, die lebens­wichtigen inneren Organe sind vor dem Auskühlen ­geschützt.

Minusgrade gegen überflüssige Pfunde?

Beinahe 80 Prozent seiner Energie benötigt der Körper, um seine Temperatur konstant auf etwa 37 Grad zu halten. Braunes Fettgewebe unterstützt ihn dabei. "Im Gegensatz zum weißen besitzt braunes Fett Mitochondrien. Das sind die Kraftwerke unserer Zellen. In braunem Fett wandeln sie Energie, also Kalorien, in Wärme um", erläutert Kurscheid. Minusgrade gegen überflüssige Pfunde?

Zumindest bei Mäusen scheint das zu funktionieren, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt. Bei übergewich­tigen Tieren, die Kälte ausgesetzt waren, sanken beispielsweise gefährliche Blutfettwerte, und die Nager verloren Gewicht. Die Wissenschaftler nehmen an, dass aktivierte braune Fettzellen Signale an die Leber senden und Cholesterin abbauen. Noch ist unklar, ob sich die Untersuchungsergebnisse auf den Menschen übertragen lassen.

Frau im Winter

Frieren macht glücklich

Fest steht, dass Kälte die Produktion bestimmter Hormone anheizt. "Ist der Temperaturreiz extrem, schüttet der Organismus verstärkt Endorphine, körpereigene Schmerzsubstanzen, aus", erklärt Kurscheid, "und das Glückshormon Dopamin. Das hebt die Stimmung." Wer hart im Nehmen ist und mit Badesachen in den winterlichen Gebirgssee springt, dem bleibt zwar kurz die Luft weg. Doch der Schock weckt die Lebensgeister, verbrennt eine Menge Kalorien und soll gegen Orangenhaut helfen. Experten raten jedoch vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen und Durchblutungsstörungen, sich vorher vom Arzt das Okay geben zu lassen.

Wer es weniger intensiv mag, läuft ein paar Minuten barfuß durch frischen Schnee. Das fördert die Durchblutung und hilft bei Fußschweiß. Zurück im warmen Haus, die Füße nicht abtrocknen. "Wasser wird bei Kneipp grundsätzlich nur abgestreift", erklärt Kurarzt Schneiderbanger. Anschließend Wollsocken anziehen.

Den Kälte-Kick gibt es natürlich auch fürs Gesicht. Ein kalter Guss kräftigt die Muskulatur rund um die Augen. Bei regelmäßiger Anwendung wird die Haut geschmeidiger, Mimikfältchen gehen angeblich zurück, Entzündungen heilen schneller ab. Effekte zeigen sich deshalb vor allem bei unreiner Haut und Akne.

Kalte Dusche

Mediziner Schneiderbanger nutzt Kälteanwendungen nicht nur bei seinen Kurgästen, sondern auch privat, zum Wachwerden am frühen Morgen. Seine Empfehlung: den Duschkopf des Badewannenschlauchs abschrauben und einen sanften Strahl eiskaltes Wasser kreisförmig übers Gesicht gleiten lassen, bis die Schläfen unangenehm zu ziehen anfangen.

Noch effektiver sind Wechselgüsse. "Herzfern für ein paar Minuten mit einem warmen Wasserstrahl beginnen, danach für wenige Sekunden kaltes Wasser folgen lassen", rät der Kneipp-Arzt. "Zweimal durchführen, immer kalt abschließen." Anschließend das Wasser nur mit den Händen abstreifen. Auch hierfür sollten Risikopatienten vorher ihren Arzt konsultieren.

Die richtige Hautpflege im Winter

Rückfettende Cremes und Lotionen, etwa mit pflanzlichen Ölen, spenden jetzt Feuchtigkeit. Mit Glycerol und Harnstoff kann die Haut sie zudem besser halten. Lotionen mit hohem Wasseranteil bei Kälte eher meiden – ebenso wie Produkte mit Alkohol, Parfüm und Konservierungsstoffen. Sie reizen und trocknen aus. Dermatologen raten auch von zu viel Fett ab, das die Poren verstopft und die Haut nicht ­atmen lässt. Duschen am besten mit rückfettenden Zusätzen, die einen niedrigen pH-Wert aufweisen. ­Baden nicht über 39 Grad und nicht mit zu viel Schaum. Anschließend die Haut nur abtupfen, nach jeder Reinigung eincremen.

Tee-Eiswürfel, Quark-Wickel, kalter Föhn

Nur punktuell kalte Reize setzen zum Beispiel Massagen mit Eiswürfeln aus grünem Tee oder Kamillenblütensud. Grüner Tee wirkt antibakteriell und antientzündlich, Kamillenblüten beruhigen die Haut. Beides bekämpft Pickel. Würfel vorher antauen lassen, damit sie nicht scharfkantig sind. Dann kreisförmig von außen nach innen über Gesicht und Dekolleté führen. Die Augen wegen der Zusätze besser aussparen. Sind sie geschwollen, helfen gefrorene Gurkenscheiben.

Kalte Quarkwickel wiederum kühlen nicht nur größere Hautpartien. Die enthaltene Milchsäure reinigt die Haut auch sanft und löst Verhornungen.

Wer seinen Haaren etwas Gutes tun will, bewahrt einen kühlen Kopf. Den Föhn auf kalt stellen, Shampoo und Spülung kalt auswaschen. Kopfhaut und Wurzeln werden so besser durchblutet, die Schuppenschicht schließt sich.