Der Giftnotruf in Erfurt rechnet in diesem Winter mit mehr Anrufern wegen des Verdachts auf Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Angesichts der hohen Energiepreise würden viele Verbraucher beim Heizen auf alternative Brennstoffe wie Holz zurückgreifen, sagte die Leiterin des Giftinformationszentrums in Erfurt, Dagmar Prasa, der Deutschen Presse-Agentur. „Schon bei der Lagerung von Holzpellets im Keller gast Kohlenmonoxid aus.“

Vergiftungsgefahren bestünden aber auch beim unsachgemäßen Betrieb von dieselbetriebenen Notstromaggregaten oder von Holzkohlegrills zum Heizen in geschlossenen Räumen – also bei Geräten, die eigentlich für den Außenbereich bestimmt sind. Bereits Ende Oktober hätten die Experten einen Fall gehabt, bei dem ein Mann wegen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ins Krankenhaus musste. „Bislang ist das aber eher selten vorgekommen.“

Kohlenmonoxid wird nicht durch Rauchmelder angezeigt

Vor den Gefahren hatte auch schon das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR/Berlin) gewarnt. „Kohlenmonoxid verursacht in Deutschland jedes Jahr mehrere tausend Vergiftungen, darunter mehrere hundert Todesfälle“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR.

Kohlenmonoxid ist ein farb-, geschmack- und geruchloses Gas, das sich rasch in geschlossenen Räumen ausbreitet und nicht durch Rauchmelder angezeigt wird. Laut BfR entsteht es bei der chemisch unvollständigen Verbrennung organischen Materials wie Holz, Kohle, Heizöl oder Erdgas. Heizungsanlagen, Kaminöfen und Gasthermen können bei unsachgemäßer Installation oder unzureichender Wartung eine Quelle für Kohlenmonoxid-Vergiftungen sein. Kohlenmonoxid verhindert im Körper die Bindung von Sauerstoff an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Dadurch kann das Blut den lebenswichtigen Sauerstoff nicht mehr transportieren. Das Gas kann zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Kohlenmonoxid-Melder erhöht die Sicherheit

„Heizungsanlagen, Kaminöfen und Gasthermen müssen daher regelmäßig überprüft werden“, so Hensel. „Die Installation von Kohlenmonoxid-Meldern kann helfen, Unfälle zu vermeiden.“ Um ein Zuviel an Kohlenmonoxid in der Raumluft zu erkennen, muss laut BfR besonders in Wohnungen mit Feuerstellen ein entsprechendes Warngerät eingerichtet werden. Bei Verdacht auf technische Mängel an Heizungsanlagen – wie zum Beispiel schlecht abziehende Kamine – sei der Schornsteinfeger zu informieren, bei Mietwohnungen Vermieterin oder Vermieter.

Treten Schwindel, Unwohlsein oder Kopfschmerzen auf und ist eines der genannten Geräte im Raum, sofort lüften oder den Raum verlassen. Schläft das Warngerät Alarm, unverzüglich alle Personen im Haus evakuieren und die Feuerwehr rufen. Bei schweren Vergiftungen muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden. Bei leichten Symptomen und in unklaren Fällen empfiehlt das BfR, zunächst ein Gift­informationszentrum zu kontaktieren.

Wie Giftinformationszentren arbeiten

Bei den auf Hilfe in Vergiftungsfällen spezialisierten Ärzten und Apothekern in Erfurt klingelt laut Prasa täglich 60 bis 120 Mal das Telefon. Am häufigsten wird der Giftnotruf nach wie vor wegen Vergiftungsgefahren im Haushalt (rund 86 Prozent der Fälle) kontaktiert. Insgesamt meldeten sich bei dem Beratungszentrum bis Mitte Dezember den Angaben nach knapp 26 900 Anrufer. Das waren 2,9 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. In mehr als jedem dritten Fall ging es dabei um Kinder vom Baby- bis zum Vorschulalter, die sich möglicherweise vergiftet hatten.

Das Informationszentrum wird von den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam betrieben – es erfasst aber auch Fälle in weiteren Bundesländern. Bundesweit gibt es sieben solcher Beratungsstellen.

Zur systematischen Erfassung der bei den Giftinformationszentren eingehenden Fälle wird derzeit von der Bundesregierung die Einrichtung eines nationalen Vergiftungsregisters vorbereitet. Dort sollen künftig die Daten zentral erfasst und ausgewertet werden. Damit sollen Gesundheitsgefahren, die von Produkten wie Chemikalien, Haushaltsmitteln, Pilzen oder Kosmetika ausgehen, frühzeitig erkannt werden.

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