Biologika bei Schuppenflechte

Neue Therapien für die Haut: Biologika blockieren Botenstoffe und lassen eine schwere Psoriasis schnell abheilen, wo herkömmliche Behandlungen oft versagt haben

von Monika Holthoff-Stenger, 02.01.2020

Wer sie hat, fühlt sich unwohl und leidet unter den Blicken anderer: Schuppenflechte (Psoriasis) geht unter die Haut. Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland sind von der chronisch entzündlichen Erkrankung betroffen.

Ihre Hautzellen erneuern sich bis zu viermal schneller als bei gesunden Personen. Die Folge: dicke rote Stellen mit weiß­lichen Schuppen, meist an Ellenbogen, Knien, hinter dem Ohr oder in der Analfalte, die oft jucken oder brennen.

Für Betroffene ein großer Leidensdruck

Zwar ist die Schuppenflechte nicht ansteckend, die Anlage dafür kann allerdings vererbt werden. Auf einen Auslöser hin – Stress, Infekte oder mechanische Reize – greift das Immunsystem dann fälschlicherweise körpereigene Zellen an.

Die chronische Entzündung kann auch Gefäße und Organe in Mitleidenschaft ziehen, außerdem erhöht sie das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden oder Depressionen. Bei einem Teil der Betroffenen kommt es zu schmerzhaften Gelenkentzündungen, der sogenannten Psoriasis-Arthritis.

Der Leidensdruck ist groß – vor allem bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis: Mehr als ein Zehntel ihrer Haut ist mit schuppigen Stellen bedeckt, oft sind besonders empfindliche und stark ­beanspruchte Körperregionen wie Hände oder Füße beteiligt.

Revolution der Psoriasis-Therapie

57 Prozent der insgesamt 400.000 Betroffenen in Deutschland haben nie eine symptomfreie Haut, weil die herkömmlichen Thera­pien versagen: Hautsalben und -cremes auf Harnstoff-, Salicylsäure- oder Kortisonbasis wirken bei ihnen genauso wenig wie Lichttherapie oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.

Seit einigen Jahren sind Medikamente mit einem neuen Wirkprinzip auf dem Markt, sogenannte Biologika. Sie haben die Psoriasis-Therapie revolutioniert. "Biologika greifen in die fehlerhafte Abwehrreak­tion des Körpers ein: Sie hemmen die Botenstoffe, die Schuppenflechte und Begleiterkrankungen auslösen, und stoppen die Entzündung vor Ort", erläutert Professor Knut Schäkel.

Biologika unterdrücken Botenstoffe

Der Dermatologe leitet das Interdisziplinäre Zen­trum für chronisch entzündliche Erkrankungen am Universitätsklinikum Heidelberg. Seit mehr als zehn Jahren therapiert er erfolgreich Menschen mit Schuppenflechte, bei denen die bislang üblichen Medikamente versagt haben: "Dank der Biologika erreichen die meisten innerhalb weniger Wochen eine symptomfreie oder nahezu symptomfreie Haut."

Mithilfe eines Pens spritzen sich Patienten die Präparate selbst direkt unter die Haut, ähnlich wie Diabetiker ihr Insulin. Diese Medikamente unterdrücken nicht das gesamte Immunsystem, sondern blockieren lediglich die Entzündungsbotenstoffe, die die Schuppenflechte verursachen: TNF Alpha, Interleukin-23 oder Interleukin-17.

Vielversprechendes Arzneimittel

Die noch jungen Interleukin-23- und -17-Blocker sind besonders effektiv: "Die Zahl der Patienten, bei denen sich die Schuppenflechte um 90 bis 100 Prozent verbessert, liegt deutlich ­höher als bei älteren Biologika. Das ­­bedeutet für viele schwer Betroffene eine symptomfreie Haut", freut sich Knut Schä­kel.

Biologika sind nicht nur wirksam, sondern auch sicher, bestätigen Studien. TNF-Alpha-Blocker erhöhen zwar das Risiko für Atemwegsinfekte, und Interleukin-17-Hemmer begünstigen leichte bis moderate Hefepilzinfektionen. Der Befürchtung hingegen, dass die Arzneimittel auch das Krebs­risiko erhöhen könnten, widersprechen Wissenschaftler, die im Jahr 2018 vier Stu­dien dazu ausgewertet hatten.

Günstigere Tabletten am Start

Ärzte dürfen deshalb einige Biologika mittlerweile sofort und ohne Einschränkungen verschreiben, um eine mittelschwere bis schwere Psoriasis zu behandeln. Allerdings werden die Medikamente zu selten verordnet. Die Gründe sind meist wirtschaftlicher Natur: Biologika sind teuer. Pro Patient und Jahr können bis zu 20.000 Euro anfallen. Zum Vergleich: Die Kosten herkömmlicher Therapien bewegen sich zwischen 1.000 und 5.000 Euro.

Neue Medikamente könnten in naher Zukunft das Dilemma lösen: Sogenannte Small Molecules, Wirkstoffe mit kleiner Molekülmasse, sind günstiger als Biologika, meist gut verträglich und als Tabletten erhältlich. Der erste Vertreter, Apremilast, ist bereits auf dem Markt. Das Mittel, das für Psoriasis und Psoriasis-Arthritis zugelassen ist, stoppt die Entzündung auf der Haut, in Gelenken, der Wirbelsäule und inneren Organen.