Rosazea

Die Rosazea ist eine entzündliche Hauterkrankung, bei der die feinen Äderchen im Gesicht geweitet sind und die Haut gerötet ist. Immer wieder treten Knötchen und Eiterpickel auf. Ein Teil der Betroffenen entwickelt eine knotige Verdickung der Nase. Neben der Haut können auch die Augen betroffen sein

aktualisiert am 18.04.2013

Überblick

Die Rosazea (englisch: Rosacea) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen im Erwachsenenalter. In Deutschland sind etwa zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen von der Rosazea betroffen. Frauen erkranken häufiger als Männer. Bei Männern sind die Symptome jedoch stärker ausgeprägt.

Die Hauterkrankung beginnt üblicherweise im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Vorstufen, insbesondere plötzlich auftretende Gesichtsrötungen, sind oft schon früher sichtbar. Die Namensgebung der Erkrankung geht auf die Ähnlichkeit der Gesichtsrötungen mit dem Aufblühen von Rosengewächsen zurück (rosaceus, lateinisch: rosenfarbig). Die Veranlagung für die Rosazea ist vererbbar. Dabei erkranken helle Hauttypen häufiger als dunkle.

Bei der Rosazea sind die feinen Äderchen (Kapillaren) der Gesichtshaut zum Teil dauerhaft geweitet (Teleangiektasien). Das führt zu einer Rötung der Haut. Weitere Anzeichen der Rosazea sind Knötchen (Papeln) und Eiterpickel (Pusteln) im Gesicht. Diese gehen auf eine Entzündung zurück. Im Verlauf der Erkrankung kann sich gelegentlich auch eine knotige Verdickung der Nase (Rhinophym, umgangssprachlich: Knollen-, Kartoffel- oder Säufernase) bilden.

Es besteht kein Zusammenhang mit einer Akne. Mitesser (Komedonen) fehlen. Acne rosacea und Akne des Erwachsenen sind daher unzutreffende Bezeichnungen.

Die Rosazea ist eine chronische Erkrankung. Auch wenn sie nicht vollständig heilbar ist, lassen sich die Symptome meist gut behandeln. Hautpflege, Sonnenschutz und Gesichtsmassagen lindern die Beschwerden. Faktoren, welche die Gesichtsrötungen begünstigen, sollten vermieden werden. Medikamente können bei der Rosazea äußerlich und/oder innerlich angewendet werden. Rötungen und Gefäßerweiterungen im Gesicht können mit Laser oder Blitzlampe behandelt werden. Bei einem Rhinophym kommt in erster Linie eine Operation in Betracht.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Die Ursachen der Rosazea sind noch nicht endgültig geklärt. Fest steht, dass es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt, bei der es zu einer übermäßigen Erweiterung der feinen Äderchen und zu Rötungen im Gesicht kommt.

Als Ursachen der Entzündung werden unter anderem eine Immunreaktion gegen die Haarbalgmilbe (Demodex folliculorum), welche die Haut von Rosazea-Patienten dicht besiedelt, sowie eine gestörte Temperaturregulierung im Gehirn diskutiert. Dagegen ist ein ursächlicher Zusammenhang der Hauterkrankung mit Bakterien (Helicobacter pylori) in der Magenschleimhaut zweifelhaft.

Die Entzündung der Haut bei Rosazea ist nach neuen Forschungsergebnissen Folge einer überzogenen Immunantwort. Leicht veränderte und stark vermehrte sogenannte antimikrobielle Peptide, die ein Teil des Immunsystems sind, sollen für die Entstehung entzündlicher Prozesse verantwortlich sein.

Knötchen und Eiterpickel (Pusteln) sind die sichtbaren Anzeichen der Entzündung. Die in die betroffenen Hautareale einwandernden Abwehrzellen schütten Botenstoffe aus. Diese führen wiederum dazu, dass sich die Gefäße weiten. Als Folge der Entzündung teilen sich die Zellen von Bindegewebe und Talgdrüsen übermäßig oft. Die Haut ist stellenweise verdickt und wirkt außerdem grobporig.

Faktoren, welche die Gefäße erweitern, begünstigen die Symptome einer Rosazea oder können sie verschlimmern. Dazu zählen zum Beispiel Stress, Alkohol oder scharf gewürzte Speisen.

Eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Rosazea spielt die chronische Schädigung der Gesichtshaut durch Sonneneinstrahlung. Sie beeinflusst sowohl das Bindegewebe als auch die Blut- und Lymphgefäße und trägt so zur Gefäßerweiterung und Entzündung bei.

Genetische Faktoren scheinen eine Rolle bei der Entstehung der Rosazea zu spielen. Viele Betroffene haben Familienmitglieder, die ebenfalls erkrankt sind. Hellhäutige Menschen west- und nordeuropäischer Herkunft erkranken bevorzugt.

Die Rosazea konzentriert sich meist in der Mitte des Gesichtes: Wangen, Nase, Kinn und Stirn sind häufig betroffen. Selten zeigen sich auch an Hals und Dekolleté die typischen Hautveränderungen. Der Bereich unmittelbar um Mund und Augen bleibt meist von der Erkrankung ausgespart. Je nach Ausprägung werden verschiedene Formen und/oder Stadien der Rosazea unterschieden, wobei die Stadien nicht zwangsläufig ineinander übergehen:

Die Rosacea erythemato-teleangiectatica (deutsch: Kupferfinne, französisch: Couperose) ist das erste Stadium der Rosazea. Die Haut ist gerötet und weist deutlich sichtbare erweiterte Gefäße auf. Besonders Wangen und Nase sind betroffen. Die Haut brennt oder sticht, manchmal juckt sie auch. Anfangs klingen die Rötungen wieder ab, später bleiben sie dauerhaft bestehen.

Die Rosacea papulopustulosa ist das zweite Stadium der Erkrankung. Dabei treten zusätzlich zu den Rötungen und Gefäßerweiterungen Knötchen und Eiterpickel auf. Das Krankheitsbild kann jetzt an eine Akne erinnern.

Im dritten Stadium der Rosazea, der Rosacea hypertrophica, wuchern Bindegewebe und Talgdrüsen (Hyperplasie) verstärkt. Fast ausschließlich bei Männern bildet sich in diesem Stadium eine knotige Verdickung der Nase (Rhinophym). Selten treten vergleichbare Hautwucherungen an Ohr (Otophym), Kinn (Gnatophym), Nasenwurzel (Metophym) oder Augenlidern (Blepharophym) auf.

Es gibt auch eine Form der Rosazea, bei der die Augen betroffen sind (Ophthalmo-Rosazea). Neben einer Trockenheit des Auges können verschiedene Augenentzündungen auftreten. So können die Bindehaut (Konjunktivitis), der Lidrand (Blepharitis) und die Regenbogenhaut (Iritis, Iridozyklitis) entzündet sein. Selten ist die Hornhaut von einer Entzündung betroffen (Keratitis). Diese kann sogar zur Erblindung führen.

Manchmal finden sich bräunlich-rote Knötchen, die auf Glasspateldruck ein Apfelgelee-artiges Infiltrat zeigen (lupoide oder granulomatöse Rosazea), oder zum Teil schmerzhafte Knoten (Rosacea conglobata, bei rascher Entwicklung: Rosacea fulminans). Steht eine bleibende, derbe Gesichtsschwellung und -rötung im Vordergrund, spricht man auch von einem Morbus Morbihan.

Die Haut bei der Rosazea ist äußerst empfindlich und irritierbar. Sie reagiert auf aufgetragene Hautpflegepräparate, Kosmetika und Medikamente oft sehr sensibel. Durch die Lokalisation im Gesicht kann die Rosazea zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Um die Rosazea zu diagnostizieren, wird der Hautarzt (Dermatologe) die Haut genau betrachten und den Betroffenen zu seiner Krankengeschichte und zu Faktoren befragen, welche die Symptome der Erkrankung verschlimmern.

In seltenen Fällen ist es sinnvoll, zusätzlich eine Hautprobe (Biopsie) aus der Gesichtshaut zu entnehmen und unter dem Mikroskop untersuchen zu lassen. So kann man ähnlich aussehende Erkrankungen wie zum Beispiel einen Lupus erythematodes (auch als roter Wolf bezeichnet) oder eine periorale Dermatitis (auch Mundrose oder Stewardessenkrankheit genannt) ausschließen. Zusätzlich können Blutuntersuchungen erforderlich sein.

Besteht der Verdacht, dass die Rosazea auch die Augen betrifft, wird der Hautarzt den Patienten zusätzlich an einen Augenarzt (Ophthalmologe) überweisen.

Bereits mit der richtigen Hautpflege können Betroffene einiges tun, um die Symptome einer Rosazea zu mildern. Um die empfindliche Haut zu schonen, ist es hilfreich, nur milde, seifenfreie, pH-neutrale Waschlotionen oder Syndets für das Gesicht zu verwenden.

Auch bei der Auswahl der Kosmetika ist Vorsicht geboten. Es ist ratsam, die Inhaltsstoffe sorgfältig zu prüfen. Menthol und Kampfer sind Beispiele für Substanzen, welche Betroffene besser meiden sollten. Präparate, die Glycerin oder Silikonöl enthalten, werden meist gut vertragen. Um Schwellungen zu vermindern, sind Gesichtsmassagen empfehlenswert.

Dermatokosmetika mit Aktivstoffen, deren Wirksamkeit bei Rosazea in Studien nachgewiesen wurde, können die medikamentöse Behandlung sinnvoll ergänzen. Dazu zählen zum Beispiel Dermatokosmetika mit Pflanzenstoffen, die eine Verminderung der Röte und der sichtbar erweiterten Blutgefäße im Gesicht bewirken.

Auch anderen Faktoren, welche die Symptome der Rosazea verschlimmern, sollten Betroffene besser aus dem Weg gehen. Sie sollten auf Alkohol weitgehend verzichten, da er gefäßerweiternd wirkt. Auch von heißen Getränken und scharf gewürzten Speisen ist besser abzusehen. Bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Calciumantagonisten können die Gesichtsrötungen verstärken. Wenn Sie das Gefühl haben, dass eines Ihrer benötigten Arzneimittel eine solche Wirkung hat, sprechen Sie mit den behandelnden Ärzten darüber. Setzen Sie auf keinen Fall eigenmächtig Medikamente ab!

Starke Sonneneinstrahlung und Stress verschlimmern bei vielen Betroffenen ebenfalls die Symptome. So ist es ratsam, ausgiebige Sonnenbäder zu meiden und Sonnenschutzmittel mit einer Wirkung gegen UV-A und UV-B zu verwenden. Da der chronischen Sonneneinstrahlung eine wichtige Bedeutung in der Entstehung der Erkrankung zukommt, sollte der Lichtschutz ganzjährig eingehalten werden. Physikalische Lichtschutzfilter wie zum Beispiel Titandioxid oder Zinkoxid werden meist besser vertragen als chemische.

Um Stress zu bewältigen, gibt es viele Möglichkeiten. Neben individuellen Strategien eignen sich Entspannungsverfahren wie zum Beispiel Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training.

Für viele Betroffene stellen die Hautveränderungen der Rosazea ein kosmetisches Problem dar. Hautrötungen können mit speziellen Produkten abgedeckt werden (Camouflage). Besonders geeignet sind Produkte, die grüne Farbpigmente enthalten und damit optisch die Gesichtsrötungen abschwächen.

Meist wird eine Rosazea außerdem mit Medikamenten äußerlich und/oder innerlich behandelt. Am gängigsten ist der Einsatz des Wirkstoffes Metronidazol als Creme, Gel oder Lotion. Der Wirkmechanismus ist derzeit noch nicht völlig geklärt; wahrscheinlich wirkt Metronidazol entzündungshemmend. Ein weiteres gängiges Medikament zur Behandlung der Rosazea ist Azelainsäure.  Dieser Wirkstoff hemmt ebenfalls die Entzündung und kann als Gel oder Creme auf die Haut aufgetragen werden.

Achtung: Rosazea sollte auf keinen Fall über längere Zeit mit kortisonhaltigen Präparaten behandelt werden, da sie zur Verschlimmerung des Hautbefundes führen.

Wenn durch die äußerliche Behandlung keine Besserung der Symptome eintritt oder eine schwerere Entzündung vorliegt, kann der Arzt zusätzlich bestimmte Antibiotika als oral einzunehmende Medikamente verordnen. Hierbei haben sich Tetracycline, wie Doxycyclin, bewährt. Sie werden in speziellen Zubereitungen und niedrigen Dosen, welche keinen Einfluss auf das Bakterienwachstum haben, empfohlen. Auf diese Weise sind sie ausschließlich entzündungshemmend wirksam und gut verträglich.

Retinoide, Abkömmlinge von Vitamin A, sind ebenfalls gegen die Entzündung wirksam und werden äußerlich und - in schweren Fällen - innerlich angewandt. Auch ein gering ausgeprägtes Rhinophym kann innerlich mit Retinoiden behandelt werden, da dadurch das Volumen reduziert wird. Allerdings gilt bei einer innerlichen Therapie, dass bei Frauen im gebährfähigen Alter eine Schwangerschaft unbedingt ausgeschlossen und eine sichere Verhütung gewährleistet sein muss, da der Wirkstoff Fehlbildungen beim Ungeborenen hervorrufen kann. Außerdem sind regelmäßige Blutuntersuchungen (Leberwerte, Blutfette) während der Behandlung erforderlich.

Ist eine Besiedlung mit der Demodex-Milbe erwiesen, kann die Anwendung des gegen den Parasiten wirksamen Wirkstoffes Permethrin erwogen werden, um die Anzahl der Milben zu reduzieren. Allerdings handelt es sich dabei um eine Anwendung außerhalb des Zulassungsbereiches, die Arzt und Patient genau miteinander besprechen und abstimmen müssen. Für eine Dauertherapie bei Rosazea ist Permethrin ungeeignet.

Eine Therapie mit Laser oder Blitzlampe kann helfen, die Hautrötungen und Gefäßerweiterungen zu verringern. Als Nebenwirkungen dieser Therapie sind Narben, helle oder dunkle Flecken auf der Haut sowie Schmerzen möglich. Abtragende Laser wie der CO2-Laser können auch zur Behandlung eines Rhinophyms verwendet werden. Der Nutzen einer photodynamischen Therapie (PDT) bei Hautrötungen und Gefäßerweiterungen der Rosazea ist bisher nicht erwiesen.

Bei einem Rhinophym oder anderen Wucherungen der Haut- und Talgdrüsen können auch chirurgische Maßnahmen wie die Abtragung mit dem Skalpell oder Kryochirurgie (Kältebehandlung) mit Flüssigstickstoff helfen.

Am schwierigsten sind die plötzlich auftretenden Gesichtsrötungen therapeutisch zu beeinflussen. Bisher ist es nicht gelungen, Wirkstoffe zu entwickeln, die bei allen Betroffenen zu einer geringeren Häufigkeit und Intensität der Gesichtsrötungen führen. Eine einfache, aber wirksame Möglichkeit, die Gesichtsrötungen zu beeinflussen, besteht in kalten Getränken oder Lutschen von Eisstücken.

Dr. Thomas Jansen ist Hautarzt (Dermatologe) mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Phlebologie. Von 1990 bis 1992 war er als Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hautklinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig. Von 1992 bis 1999 arbeitete er an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2000 bis 2004 hatte er eine Stelle als Oberarzt an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Univerität Bochum inne. Von November 2004 bis zum Jahr 2011 war er Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universität Essen, anschließend Chefarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen. 2010 habilitierte PD Dr. Jansen zum Thema "Untersuchungen zur Pathogenese der verschiedenen Formen der Rosazea unter besonderer Berücksichtigung ihrer fulminanten Verlaufsform (Rosacea fulminans)" an der Universität Duisburg-Essen. Inzwischen ist er als niedergelassener Hautarzt in eigener Praxis tätig.