Impfpass verloren: Was tun?

Die nächste Impfung steht an, doch Sie können das gelbe Heftchen nicht finden. Wie Sie nun am besten vorgehen

von Katharina Bauer, aktualisiert am 11.05.2020

Der Impfpass ist ein wichtiges, internationales Dokument. Aus ihm ist ersichtlich, welche Impfungen Sie bereits erhalten haben oder noch brauchen. Erwachsene etwa sollten zum Beispiel Impfungen gegen Tetanus und Diphterie alle zehn Jahre auffrischen, so die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin. Ab dem sechzigsten Geburtstag empfehlen die Experten zudem die Pneumokokkenimpfung und jedes Jahr eine Impfung gegen Grippe. Aber auch spezielle Immunisierungen werden in den Impfpass eingetragen – zum Beispiel Reiseimpfungen.

Haben Sie den Impfpass einmal verloren, sollte das kein allzu großes Problem darstellen. Normalerweise erfolgen die meisten Impfungen nach der Kindheit beim Hausarzt. Dieser sollte Aufzeichnungen über alle relevanten Impfungen haben, die er bei seinen Patienten vorgenommen hat. Er darf diese früheren Impfungen dann auf einem Ersatzdokument eintragen.

Kommt ein Patient zum ersten Mal in die hausärztliche Sprechstunde, erkundigt sich der Arzt nach der Krankengeschichte und in diesem Rahmen meist auch nach dem Stand der Impfungen. Eventuell verwendet er ein spezielles Impfprogramm in der Praxissoftware, das auch an die notwendigen Impfungen erinnert.

Reiseimpfungen macht häufig ein spezialisierter Reisemediziner. Auch diese Impfungen werden im Ausweis dokumentiert und lassen sich von diesem Arzt nachtragen. Wer eine Gelbfieberimpfung erhalten hat und den Ausweis nicht mehr findet, kann sich dies vom entsprechenden Reisemediziner erneut mit einem Impfsiegel bestätigen lassen.

Was tun, wenn man Impfungen auf diese Weise nicht nachvollziehen kann?

Sind frühere Impfungen nicht in Erfahrung zu bringen, müssen notwendige, aber nicht dokumentierte Impfungen nachgeholt und ergänzt werden. Laut Dr. Britta Reckendrees, Impf-Expertin bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), gilt: "Was nicht dokumentiert ist, sollte als nicht durchgeführt gedeutet werden." Die STIKO rät in solchen Fällen, die empfohlenen Impfungen nachzuholen, um den Patienten bestmöglich zu schützen.

Bluttests, sogenannte Antikörperbestimmungen, sollten als Alternative nur bei Menschen mit einer Kontraindikation gegen Impfungen vorgenommen werden, zum Beispiel bei einem geschwächten Immunsystem. "Die Ergebnisse können dann vom Arzt auch informell in den neuen Impfausweis eingetragen werden", erklärt Dr. Nikolaus Frühwein, Facharzt für Allgemeinmedizin und Impfexperte aus München.

Schadet es, eine Impfung doppelt zu bekommen?

"Impfungen können Sie fast beliebig oft wiederholen, ohne dass eine große Gefahr besteht", sagt Dr. Nikolaus Frühwein. Impfungen, die mehrere Injektionen erfordern, sollten vervollständigt werden. Ansonsten ist der Schutz womöglich nicht komplett aufgebaut oder hält nicht lange genug. Ist nicht sicher, wie es um den Impfstatus steht, wird mit der Immunisierung üblicherweise von vorne begonnen.

Trotzdem: Idealerweise sollten Impfungen natürlich so erfolgen wie empfohlen – und sicher auffindbar dokumentiert werden. Tipp: Legen Sie den Impfpass zu anderen wichtigen Unterlagen wie Geburtsurkunde und Steuernummer.

Vieles dokumentieren wir heute nicht mehr analog. Auch im Gesundheitsbereich gibt es mittlerweile etliche digitale Anwendungen. Die vom Bundesgesundheitsministerium geplante elektronische Patientenakte soll voraussichtlich ab dem Jahr 2022 auch die Möglichkeit bieten, den Impfausweis elektronisch zu hinterlegen (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pdsg.html). Da es sich um sensible Gesundheitsdaten handelt, müssen sie allerdings bestmöglich gegen unberechtigte Zugriffe gesichert werden. Datenschutz und Hoheit über die eigenen Daten sind entscheidende Aspekte. Zudem muss die Anerkennung durch ausländische Behörden geklärt sein, wenn beispielsweise Pflichtimpfungen wie eine Gelbfieberimpfung bei der Einreise gefordert sind.