Gürtelrose (Herpes zoster)

Die Gürtelrose ist die Zweiterkrankung nach einer Windpocken-Virus-Infektion. Eine Gürtelrose tritt meist Jahrzehnte nach der Ansteckung mit dem Virus auf

aktualisiert am 29.10.2018

Gürtelrose - kurz zusammengefasst

Typisch für die Gürtelrose ist ein gürtelförmiger, aus Rötung und Bläschen bestehender Hautauschlag, der stark schmerzen und praktisch jeden Körperbereich betreffen kann. Es handelt sich dabei um eine Reaktivierung im Körper verbliebener Windpocken-Viren. Der Bläscheninhalt ist ansteckend. Gürtelrose tritt vor allem bei einer Abwehrschwäche und in höherem Alter auf. Insbesondere bei Menschen unter 50 Jahren sollte daher nach den Gründen für einen Ausbruch gesucht werden. Um zu verhindern, dass bleibende Nervenschmerzen, eine sogenannte postzosterische Neuralgie, oder andere Komplikationen entstehen, ist eine frühzeitige Behandlung wichtig. Dazu stehen Medikamente, die die Virusvermehrung hemmen sowie Schmerzmittel zur Verfügung.

Was ist eine Gürtelrose und was sind die Ursachen?

Gürtelrose ist ein halbseitiger, gürtelähnlicher, stark schmerzender Hautausschlag. Die Ursache für die Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine Infektion mit dem Windpocken-Virus (Varicella-Zoster-Virus). Dieses Virus gehört zur Familie der Herpes-Viren und kann zwei verschiedene Krankheitsbilder auslösen.

Zunächst können Windpocken (Varizellen) entstehen, eine Krankheit, welche die meisten Menschen vor der Einführung der Windpocken-Impfung bereits als Kinder durchgemacht haben. Wenn der Windpocken-Ausschlag verschwunden ist, ist es das Virus jedoch noch nicht: Wie andere Herpes-Viren überdauert es lebenslang im menschlichen Organismus und nistet sich in den Hirnnerven und in den Nervenwurzeln des Rückenmarks (Spinal- und Hirnnervenganglien) ein.

Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel mit zunehmendem Alter und bei einer geschwächten Immunabwehr, beginnen sich die Viren erneut zu vermehren, wandern den Nerv entlang nach außen an die Haut. Im Versorgungsgebiet des Nerven, in den sich die Viren zurückgezogen hatten, tritt dann Gürtelrose auf. Es können alle Körperregionen, das Gesicht und auch Organe wie zum Beispiel die Augen oder das Gehirn betroffen sein.

 

Die Animation zeigt, wie es zur Gürtelrose kommt:

 

 

Das Windpockenvirus kommt weltweit vor. Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir für Varicella-Zoster-Viren.

Ansteckung

Windpocken sind sehr ansteckend und breiten sich schnell aus. Die Viren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das bedeutet, ansteckend sind die beim Atmen oder Husten ausgeschiedenen Tröpfchen. Außerdem kann der Erreger durch den Kontakt mit virushaltigem Bläscheninhalt oder Krusten (Schmierinfektion) übertragen werden.

Ist eine Gürtelrose ansteckend?

Ja, auch Patienten mit einer Gürtelrose können das Virus über eine Schmierinfektion übertragen, wenn sie auch bei Weitem nicht im selben Maß ansteckend sind wie zum Beispiel ein windpockenkrankes Kind.

Risikofaktoren für eine Reaktivierung

Das Virus wird nur unter bestimmten Umständen wieder aktiv. Dies ist insbesondere bei einer vorübergehenden oder krankheitsbedingten Abwehrschwäche sowie bei höherem Lebensalter, was ebenfalls zu einer Abnahme der Abwehrfunktionen des Immunsystems führt, der Fall. Auch Traumata, Stress, UV-Strahlung und die Abwehr schwächende Medikamente können das Auftreten einer Gürtelrose begünstigen. Gelegentlich tritt Herpes zoster auch spontan bei jungen, gesunden Menschen auf.

Symptome der Gürtelrose

Bei der Gürtelrose treten die Symptome örtlich begrenzt auf. Während bei Windpocken der gesamte Körper befallen ist, bilden sich die Symptome der Gürtelrose einseitig nur in dem Hautgebiet aus, das vom jeweils betroffenen Hirn- oder Rückenmarksnerv versorgt wird. Erste Anzeichen der Krankheit sind meist Abgeschlagenheit, eventuell leichtes Fieber sowie brennende Schmerzen in dem entsprechenden Hautgebiet. Manchmal kann Juckreiz hinzukommen.

Ein paar Tage nach dem Auftreten der Schmerzen bilden sich einseitig in einem umschriebenen Hautbezirk die typischen Hauterscheinungen: Rötung, Bläschen auf gerötetem Grund, die in Gruppen und manchmal auch in Form von Rosetten zusammenstehen und teilweise blutgefüllt sein können. Nach einigen Tagen platzen und verkrusten die Bläschen, manchmal lassen sie auch Narben und verfärbte oder entfärbte Hautstellen (Pigmentierung oder Depigmentierung) zurück. Die volle Rückbildung der Symptome kann bei der Gürtelrose bis zu einen Monat dauern.

Komplikationen

Obwohl das Varizella-Zoster-Virus vor allem die Nerven der Brust- und Lendenwirbelsäule und bei älteren Menschen oft auch die Nerven des Gesichtes befällt, können grundsätzlich auch andere Regionen als Arme, Beine, Brust, Bauch, Rücken und Kopf von einer Gürtelrose betroffen sein. In seltenen Fällen treten schwerwiegende Formen der Erkrankung auf. Dies geschieht insbesondere dann, wenn die Hirnnerven beteiligt sind und sich zum Beispiel ein Herpes zoster des Auges (Zoster ophthalmicus mit Augenbefall) oder des Ohrs (Zoster oticus) entwickelt. Wenn die Hornhaut oder die Regenbogenhaut des Auges oder vor allem der Sehnerv betroffen ist, kann es zu bleibenden Sehstörungen bis hin zur Erblindung kommen. Eine Gürtelrose im Bereich des Ohrs führt häufig zu einer Gesichtslähmung (Fazialisparese). Eine solche Lähmung der Gesichtsmuskulatur entwickelt sich manchmal auch bei einer Herpes zoster-Infektion im Bereich des Halses.
Bei ausgeprägter Immunschwäche kann sich eine Gürtelrose auch auf die gesamte Haut und auf die inneren Organe ausbreiten (disseminierter Zoster) und lebensgefährliche Komplikationen verursachen. In sehr seltenen Fällen entwickelt sich eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns (Meningitis und Enzephalitis).

Bei Kindern verläuft eine Gürtelrose im allgemeinen harmlos und ohne Komplikationen und heilt fast immer vollständig aus. Bei Erwachsenen kann die Erkrankung durch eine akute Nervenentzündung starke Schmerzen verursachen, die in manchen Fällen chronisch werden können und auch Monate und Jahre nach Ausbruch der Gürtelrose noch bestehen (postzosterische Neuralgie). Das Risiko, an einer postzosterische Neuralgie zu erkranken ist vor allem bei einer Gürtelrose im Kopfbereich groß und nimmt mit steigendem Alter zu.

Diagnose

Die Medikamente, welche die Vermehrung des Varicella-Zoster-Virus behindern, wirken besonders gut, wenn sie frühzeitig verabreicht werden. Daher sollte beim Verdacht auf eine Gürtelrose nicht lange gezögert, sondern sofort ein Arzt – idealerweise ein Facharzt für Hauterkrankungen – aufgesucht werden. Er kann die Gürtelrose meist bereits anhand einer Befragung des Betroffenen (Anamnese) sowie der typischen Symptome diagnostizieren.

In unklaren Fällen sind Labor-Untersuchungen nötig, um das Varicella-Zoster-Virus sicher nachzuweisen. Mit Hilfe einer Labormethode wie dem direkten Immunfluoreszenztest oder durch die sogenannte PCR – Polymerase-Ketten-Reaktion – lassen sich die Viren oder selbst winzige Mengen des Erbguts des Erregers in Bläschenflüssigkeit oder Nervenwasser (Liquor) feststellen.

Beim Verdacht auf eine Beteiligung des Auges oder des Ohrs ist es sinnvoll, zusätzlich einen entsprechenden Facharzt (Augen- oder Ohrenarzt) aufzusuchen, damit möglichen Komplikationen, wie Hör- oder Sehstörungen, vorgebeugt werden kann.

Wichtig ist auch, zu klären, was zum Ausbruch der Erkrankung geführt hat. Liegen keine offensichtlichen Gründe vor, kann es sich unter Umständen lohnen, nach Krankheiten zu fanden, die zunächst keine eigenständigen Symptome, aber trotzdem eine Abwehrschwäche hervorrufen, wie zum Beispiel Krebserkrankungen oder eine Infektion mit dem humanen Immunschwäche-Virus (HIV). Ein Ausschluss einer HIV-Infektion sollte bei Patienten mit Herpes zoster erfolgen, die jünger als fünfzig Jahre sind.

Wie kann man Gürtelrose behandeln?

Mit Schmerzmitteln sowie austrocknenden und antiseptischen Lösungen zum Auftragen auf die befallenen Körperstellen können die Symptome einer Gürtelrose gelindert werden. Zusätzlich müssen fast immer spezielle Medikamente, welche die Vermehrung des Virus hemmen, in Tablettenform oder als Infusion über die Vene verabreicht werden.
Diese sogenannten Virustatika, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir oder Brivudin, sorgen für eine schnellere Abheilung der Bläschen und können das Risiko für eine postzosterische Neuralgie (siehe Abschnitt Symptome) reduzieren.

Die Therapie mit diesen Arzneimitteln sollte möglichst innerhalb von zwei bis drei Tagen nach dem Auftreten der ersten Symptome beginnen. Bei Patienten die jünger als fünfzig Jahre sind und nur sehr leichte Symptome der Gürtelrose zum Beispiel im Brustbereich aufweisen, kann eventuell auch auf eine antivirale Therapie verzichtet werden. Bei älteren Patienten mit Zoster im Kopfbereich (Zoster ophthalmicus mit Augenbefall und Zoster oticus) ist immer eine antivirale Therapie über die Vene vorzuziehen, da sich so starke Schmerzen rasch abmildern und Komplikationen verhindern lassen.

Besonders wichtig ist die frühzeitige und ausreichende Schmerztherapie, um eine postzosterische Neuralgie (siehe Abschnitt Symptome und Komplikationen) gar nicht erst entstehen zu lassen. Ist es dennoch dazu gekommen, dass anhaltende Nervenschmerzen als Folge der Gürtelrose auftreten, helfen Wirkstoffe wie zum Beispiel Pregabalin, Gabapentin, Carbamazepin, Desipramin oder Amitriptylin, die keine Schmerzmittel im eigentlichen Sinne sind, sondern in die Gruppe der Antiepileptika beziehungsweise Antidepressiva gehören. Dies bedeutet nicht, dass Menschen, welche diese Mittel einnehmen Epileptiker oder depressiv sind. Es hat sich herausgestellt, dass eine postzosterische Neuralgie sich mit diesen Arzneimitteln relativ gut verhindern und auch behandeln lässt.

Einer Gürtelrose vorbeugen

Die meisten Menschen infizieren sich schon in ihrer frühesten Kindheit mit Varicella-Zoster-Viren. Die Erreger verbleiben dann zeitlebens im Körper.

Auch nach einer Windpocken-Impfung kann es zu einer Gürtelrose kommen, allerdings geschieht dies sehr viel seltener als ohne Immunisierung. Außerdem verläuft die Erkrankung bei geimpften Personen meist weniger schwer. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut seit 2004 für alle Kinder eine Impfung gegen Windpocken.

In Deutschland stehen inzwischen zwei zugelassene Impfstoffe gegen Gürtelrose für Personen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr zur Verfügung. Diese Impfung erfolgt mit dem Ziel, einen erneuten Ausbruch des Varizella-Zoster-Virus und damit die Krankheit Gürtelrose zu unterdrücken. Neben dem bereits vor einigen Jahren zugelassenen attenuierten Lebendimpfstoff, der einmalig unter die Haut verabreicht wird, gibt es seit Frühjahr 2018 einen weiteren Impfstoff, der in zwei Dosen in den Muskel gespritzt wird. Die Wirksamkeit dieses neuen Impfstoffes beträgt nach klinischen Patientenstudien über 90 Prozent in allen Altersklassen. Es handelt sich um einen Totimpfstoff, einen sogenannten rekombinanten Subunit Impfstoff. Mit ihm können im Gegensatz zum Lebendimpfstoff auch Patienten mit einem geschwächten Immunsystem geimpft werden.
Die Ständige Impfkommission der Ärzteschaft (STIKO) hat sich im Sommer 2018 dafür ausgesprochen, dass eine Impfung mit diesem neuen Impfstoff nach Abwägung des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses sinnvoll sein kann. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, falls Sie über 50 Jahre alt sind.

Beratender Experte

Universitätsprofessor Dr. med. Gerd E. Gross ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie und ehemaliger Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie der Universität Rostock. Professor Gross promovierte 1976 an der Universität Freiburg und habilitierte sich dort 1986. Anschließend war er von 1987 bis 1996 C3-Professor und leitender Oberarzt an der Hautklinik des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf. Von dort erhielt er 1996 einen Ruf an die Universität Rostock, wo er bis 2013 Ordinarius für Dermatologie und Venerologie und Direktor der Universitäts-Hautklinik war. Professor Gross ist jetzt Professor Emeritus. Er ist Leiter des Deutschen Herpes Management Forum, eine Arbeitsgruppe der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V., federführender Autor der AWMF-Leitlinie "Zoster und Zosterschmerzen" (2003, 2008) und der aktuell erarbeiteten AWMF S2k-Leitlinie "Diagnostik und Therapie des Herpes zoster und der Postzosterneuralgie" (Reg.Nr. 013-023,2018).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.