Haarausfall: Was Männer und Frauen wissen sollten

Haarverlust kann viele Ursachen haben und zur Haarlosigkeit (Alopezie) führen. Was stoppt Haarausfall? Wo verlaufen die Grenzen zwischen normal und krankhaft? Ein Überblick

aktualisiert am 17.04.2018

Was ist Haarausfall?

  • Ein einzelnes Haar auf dem Kopfkissen, drei weitere im Waschbecken und fünf in der Haarbürste – das ist noch kein Haarausfall, sondern völlig normal. Jedes Haar hat nur eine begrenzte Lebensdauer, hört auf zu wachsen, fällt aus und ein neues wächst nach. Und: Mit zunehmendem Lebensalter wird das Haar bei den meisten Menschen ein wenig lichter.
  • Gehen täglich mehr als etwa 100 Haare verloren – bei Kindern: mehr als 50 bis 80 –, und das über einige Wochen, oder entstehen einzelne haarlose Stellen, dann kann man von Haarausfall sprechen. Nur allzu verständlich, dass er die Betroffenen, besonders in jungen Jahren, stark belastet.
  • Haarausfall kann zur Haarlosigkeit führen. Der Fachbegriff dafür lautet Alopezie oder Alopecia. Der Haarverlust selbst (Fachbegriff: Effluvium) kann vorübergehend sein, dann wachsen die Haare von allein wieder nach. Wenn allerdings die Haarwurzeln unwiderruflich geschädigt wurden, zum Beispiel durch Verbrennungen oder Krankheiten mit vernarbendem Haarausfall, dann bilden sich an der betroffenen Stelle keine neuen Haare mehr.

Die nachfolgende Animation zeigt Ihnen die Hauptformen bei Haarausfall, der anschließende Text geht noch etwas ausführlicher darauf ein. Die anderen Kapitel des Artikels ergänzen diese Informationen, auch hinsichtlich Diagnose und Therapie.

Haarausfall: Die wichtigsten Formen und Ursachen

Anlagebedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie): Der ganz gewöhnliche Haarausfall bei Männern und Frauen

Anlagebedingter Haarausfall betrifft – mit jeweils typischem Erscheinungsbild – etwa zwei Drittel der Männer und fast jede zweite Frau. Mit einer Präsenz von 95 Prozent bei beiden Geschlechtern ist er die häufigste Form von Haarausfall überhaupt.

Auch wenn der Leidensdruck – bei beiden Geschlechtern – häufig sehr hoch ist: Krankhaft ist anlagebedingter Haarausfall nicht. Die Krankenkassen übernehmen daher auch keine Kosten für die Behandlung.

Anlagebedingter Haarausfall: Männer

  • Symptome: Geheimratsecken an den Schläfen und / oder dünnes Haar im Bereich des Oberkopfes. Dies kann sich mit der Zeit zu einer Glatze an Stirn und Hinterkopf ausweiten, bis nur noch ein Haarkranz übrig ist (männliches Haarausfallmuster). Erste Anzeichen treten gewöhnlich schon bei Jugendlichen auf. Mit dem Älterwerden nehmen die Haarlichtungen zu. Je früher der Beginn – das ist genetisch festgelegt – desto ausgeprägter ist der Verlauf.
  • Ursachen: Fortschreitendes Schrumpfen von Kopfhaarwurzeln, die überempfindlich auf das männliche Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT, ein Androgen) reagieren und keine kräftigen Haare mehr bilden. Die Bluthormonwerte sind dabei normal.
  • Diagnose: Siehe Abschnitt "Haarausfall: Diagnose" weiter unten.
  • ! Hinweis: Falls eine Therapie erwünscht ist, vorher beim Arzt oder Apotheker genau nachfragen, mit welchen Wirkungen und Nebenwirkungen zu rechnen ist.
    Infrage kommt Minoxidil-Lösung 2% oder 5% beziehungsweise Minoxidil-Schaum 5%, jeweils 2-x pro Tag, oder Finasterid 1 mg (Tabletten zum Einnehmen), gegebenenfalls auch eine Haartransplantation. Mehr zur Haarverpflanzung im Kapitel "Anlagebedingter Haarausfall" in diesem Artikel.

Anlagebedingter Haarausfall: Frauen

  • Symptome: Schütteres Haar, besonders im Scheitelbereich. Es kann sich hier allmählich auch stärker nach hinten und seitwärts lichten. Eine Glatze entsteht normalerweise aber nicht. Auch wenn einige Betroffene bereits im Teenageralter eine Tendenz zu feinerem Haar am Oberkopf feststellen, macht sich der androgenetische Haarausfall meist erst nach den Wechseljahren stärker bemerkbar.
  • Ursache: Inwiefern auch bei Frauen eine anlagebedingt gesteigerte Androgen-Empfindlichkeit der Haarwurzeln eine Rolle spielt, ist im Einzelnen noch unklar.
  • Diagnose: Siehe Abschnitt "Haarausfall: Diagnose" weiter unten.
  • Therapie (siehe auch Hinweis zur Therapie bei Männern weiter oben): Minoxidil-Lösung 2% oder 5% oder Minoxidil-Schaum 5%, je nach Präparat 1- oder 2-x täglich zum Auftragen; Haartransplantation nur nach sorgfältiger Prüfung individuell zu erwägen.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Kahle Stellen, wie ausgestanzt

Wenn sich am Kopf, seltener auch im Gesicht – Augenbrauen, Wimpern, Bart – in kurzer Zeit wie ausgestanzt wirkende kahle Stellen entwickeln, handelt es sich meist um eine Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall).

In Deutschland, so die Schätzungen, leiden weit über eine Million Menschen daran. Es erkranken hauptsächlich Kinder und junge Menschen, seltener tritt diese Alopezie jenseits des 30. Lebensjahres auf.

Alopecia areata ist eine Autoimmunkrankheit. Dabei wird körpereigenes Gewebe angegriffen, hier Haarwurzeln an der Kopfhaut, manchmal auch an anderen behaarten Körperstellen.

  • Entwicklung der Symptome: Einerseits kann es zu lange anhaltendem, völligem Haarverlust kommen. Andererseits schließen sich bei über 80 Prozent der Betroffenen die kahlen Stellen irgendwann wieder. Dazwischen gibt es alle möglichen Varianten. Das Krankheitsbild verläuft also unberechenbar. Auch die Nägel können betroffen sein. Selten können bei einem akuten "Schub" Lymphknoten hinter den Ohren anschwellen.
  • Diagnose: Siehe Abschnitt "Haarausfall: Diagnose" weiter unten.

! Achtung:  Frauen haben in jedem Alter häufiger mit kreisrundem Haarausfall zu tun als Männer. Tritt bei einem Kind plötzlich ein Haarverlust auf, was keineswegs "normal" ist, muss es gründlich untersucht werden, um die zugrundeliegende Ursache, beispielsweise Alopecia areata (es gibt aber auch viele andere Möglichkeiten, siehe Kapitel "Diffuser Haarausfall" und "Haarausfall: Spezielle Formen und Ursachen"), herauszufinden und zu behandeln.

Diffuser Haarausfall: Haar durchweg dünner

Wenn mehr Haare als gewöhnlich über den ganzen Schopf verteilt ausgehen, spricht das für einen diffusen Haarausfall. Nach einer Schwangerschaft kommt das zum Beispiel häufiger vor.

Auch unter Hormonbehandlungen, etwa mit bestimmten Anti-Baby-Pillen oder bei einer Hormontherapie in den Wechseljahren, kann die Haardichte insgesamt spürbar nachlassen – je nach Präparat eher zu Beginn der Einnahme oder nach dem Absetzen.

  • Zu den wichtigen Ursachen eines diffusen Haarausfalls gehören außerdem Funktionsstörungen der Schilddrüse und Eisenmangel. Einige Medikamente können das Haar ebenfalls dünner werden lassen. Ein Einfluss von Stress auf das Haarwachstum wird diskutiert.
  • Entwicklung der Symptome: Zwischen auslösendem Ereignis und Haarausfall können Wochen liegen. Nicht immer gehen die Haare sofort verloren. Oft stellen sie zunächst einmal ihr Wachstum ein und wechseln vorzeitig in den Ruhezustand. Am Ende dieser Ruhephase fallen Haare vermehrt gleichzeitig aus (telogenes Effluvium, mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Diffuser Haarausfall: Ursachen, Therapie"). Nur sehr selten kommt es zu diffus ausgebreiteten Vernarbungen, siehe Kapitel "Haarausfall: Spezielle Formen").
  • Die Therapie richtet sich nach dem Auslöser. Falls möglich, wird man eine bekannte Ursache natürlich beheben. Hat der Arzt zum Beispiel ein mutmaßlich verantwortliches Medikament dingfest gemacht und abgesetzt (ohne Absprache mit ihm sollte man das nicht tun!), muss mindestens über drei Monate beobachtet werden, ob das Haar sich verbessert. Auch in anderen Fällen besteht die Therapie häufig darin, einige Monate abzuwarten und die Entwicklung zu beobachten. Eine Haartransplantation ist bei diffusem Haarausfall nicht angezeigt.

! Info: Diffuser Haarausfall (als sogenanntes telogenes Effluvium) betrifft Frauen in größerem Umfang als Männer. Je nach Ursache können auch Kinder erkranken.

Haarausfall – Spezielle Formen, ohne und mit Vernarbung

  • Herdförmiger Haarausfall führt zu einzelnen kahlen Stellen, sogenannten Peladen. Ein Beispiel wurde weiter oben schon beschrieben: die Alopecia areata, der kreisrunde Haarausfall. Er ist im Prinzip reversibel, es entstehen keine Narben.
  • Aber es gibt noch weitere Beispiele, etwa Haarausfall infolge von entzündlichen Erkrankungen der Haut oder der Kopfhaut. So lassen zum Beispiel Pilzinfektionen wie der Katzenpilz die Haare mitunter an einzelnen Stellen ausfallen. Frühzeitige Therapie ist hier ausschlaggebend, um tiefergehende Schäden mit Vernarbung und permanentem Haarverlust zu vermeiden.
  • Durch ständigen Druck oder Zug – frisurhalber oder infolge krankhaften Herausreißens (Trichotillomanie) – kann sich das Haupthaar büschelweise lichten. In extremen Fällen sind diffuse Vernarbungen möglich. Das Haar wächst dort nicht mehr nach.
  • An der Pseudopelade Broq, einem seltenen, vernarbenden Haarverlust unbekannter Ursache, erkranken hauptsächlich Frauen, meist im Alter von 30 bis 55 Jahren. Die Kopfhaut sieht an den anfangs kleinen, allmählich sich ausweitenden haarlosen Stellen gerötet aus und glänzt.

Mehr dazu jeweils im Kapitel "Haarausfall: Spezielle Formen und Ursachen".

Haarausfall: Diagnose

Um die Ursache eines Haarverlustes dingfest zu machen, muss man wissen, dass zwischen auslösendem Ereignis und Haarausfall Wochen liegen können. Nicht immer gehen die Haare sofort verloren.

Oft stellen sie zunächst einmal ihr Wachstum ein und wechseln in den Ruhezustand (siehe dazu Bildergalerie "So wächst das Kopfhaar" im Kapitel "Diffuser Haarausfall"). Am Ende dieser Ruhephase fallen dann auf einmal sehr viele Haare gleichzeitig aus. In seltenen Fällen ist Haarlosigkeit bereits angeboren oder tritt in den ersten Lebensjahren auf, zum Beispiel als Folge von Stoffwechseldefekten.

Zentraler Ansprechpartner ist der Hautarzt (Dermatologe)

Die Beratung erfolgt sinnvollerweise in Abstimmung mit dem Hausarzt, Frauenarzt oder Kinderarzt. Im Gespräch mit dem Patienten fragt der Hautarzt zunächst nach der Dauer und Stärke des Haarausfalls, nach weiteren Symptomen, etwa Juckreiz oder Nagelveränderungen, nach Krankheiten, Medikamenten – auch eine schon mehrere Wochen zurückliegende Anwendung kann hier bedeutsam sein – und Lebensumständen, die das Haarwachstum beeinflussen könnten.

Ob ein naher Verwandter an Haarausfall leidet, ist ebenfalls von Interesse. Frauen mit Verdacht auf eine androgenetische oder tatsächlich hormonell bedingte (androgene) Alopezie wird der Arzt nach Veränderungen des Zyklus, Anwendung hormoneller Verhütungsmittel, nach Schwangerschaften und Geburten, je nach Alter auch zum Eintritt der Wechseljahre, befragen.

Warum fallen die Haare verstärkt aus?

Verschiedene Untersuchungen können helfen, diese Frage zu beantworten.

Blickdiagnose des Hautarztes: Häufig verweisen das Muster des Haarausfalls und das Aussehen der kahlen Haut bereits auf die Diagnose. Eventuell setzt der Arzt dabei auch eine Lupenleuchte (Dermatoskop) ein. Das Gerät erlaubt eine mehrfach vergrösserte Ansicht der Haut.

Manchmal sind zusätzliche Untersuchungen nötig, zum Beispiel eine Blut- oder Haaranalyse, seltener eine Kopfhautbiopsie (siehe unten).

Dann wird sich der Mediziner die Haare und ihr Verteilungsmuster, die Nägel und die Kopfhaut sorgfältig anschauen und beurteilen, ob eine Hautkrankheit vorliegt, ob die Nägel mitbetroffen und ob die Haare nur an bestimmten Stellen oder diffus über den ganzen Kopf verteilt gelichtet sind.

Auch das übrige Körperbehaarungsmuster wird der Arzt überprüfen. Bei einer orientierenden körperliche Untersuchung lassen sich eventuell weitere Krankheitszeichen finden, etwa angeschwollene Lymphknoten am Hals, wie sie zum Beispiel bei Kopfpilz auftreten können.

Zupftest: Eventuell testet der Hautarzt, wie viele Haare sich bereits durch leichtes, schmerzloses Zupfen lösen (Zupf-, Pull-, Epilations- oder Extraktionstest). Wenn der Arzt beim Testen eines Patienten mit frisch gewaschenen Haaren von etwa 60 erfassten mehr als zehn lose Haare in der Hand behält, deutet das auf einen aktiven Haarausfall hin.

Er untersucht außerdem, ob auf der haarlosen Kopfhaut noch Poren der Haarbälge (Haarfollikel) erkennbar sind. Der Haarverlust verläuft dann nicht vernarbend. Das deutet darauf hin, dass die Haare im Prinzip wieder nachwachsen könnten.

Für die Details und zur Dokumentation: Mikroskop, Fotos & Computer

Mikroskop: Gegebenenfalls betrachtet der Hautarzt einzelne Haare unter dem Mikroskop und beurteilt ihre Struktur, etwa ob er Anagen- oder Telogenhaare (siehe Bildergalerie im Kapitel "Diffuser Haarausfall") oder abgebrochene Haare vor sich hat.

Die mikroskpische Haarwurzelanalyse heißt auch Trichogramm. Sie zeigt zum einen, welcher Anteil der Haare sich gerade im Wachstum befindet, ob zum Beispiel ungewöhnlich viele Haare ihr Wachstum eingestellt haben. Normalerweise wachsen 80-90 Prozent der Haare aktiv und weniger 10 bis 20 Prozent ruhen. Zum anderen kann der Arzt Haarwurzeln und Haarschäfte genauer beurteilen.

Anhand des Trichogramms lässt sich der Anteil an Haarverlust und die Haarwachstumskapazität prognostisch einschätzen. Für die Untersuchung werden etwa 50 bis 100 Haare in unterschiedlichen Bereichen der Kopfhaut (vergleichshalber) ausgezupft. Das ist etwas unangenehm, diese Haare wachsen aber wieder nach.

Damit die Untersuchung eine gute Aussagekraft hat, sollte sich der Patient in diesem Fall vier bis fünf Tage vorher das letzte Mal die Haare gewaschen haben.

Phototrichogramm: Hierfür wird keine Haarprobe benötigt, sondern die Haare werden an ein oder zwei, möglichst unauffälligen Stellen abgeschnitten. Diese Areale werden dann tätowiert und mit einer Kamera fotografiert. Drei Tage später werden dieselben Stellen wieder fotografiert und die Bilder werden verglichen. Die Untersuchung erlaubt eine genaue Bestimmung von wachsenden und ruhenden beziehungsweise ausfallenden Haaren und wird häufiger in Studien eingesetzt. Die Haarwurzeln lassen sich damit nicht beurteilen.

Trichoscan: Weiterentwicklung des Phototrichogramms. Das Areal mit den abgeschnittenen Haaren wird drei Tage später angefärbt und mit einer Digitalkamera in mikroskopischer Vergrößerung (Auflichtmikroskopie) fotografiert. Ein Computer analysiert die Aufnahmen und gibt Auskunft über die Zahl und den Prozentsatz der Haare in den verschiedenen Wachstums- und Zyklusphasen (siehe Bildergalerie im Kapitel "Diffuser Haarausfall"). Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Untersuchung im Alllgemeinen nicht.

Spezielle Untersuchungen bei Haarausfall

Erregerkultur: In unklaren Fällen kann eine Erregerkultur aus Abstrichen von Haaren oder Haarstümpfen aus einem erkrankten Bereich weiterhilfen. Sie dient zum Beispiel zum Nachweis einer Pilzerkrankung der Kopfhaut. Bis das Ergebnis vorliegt, dauert es allerdings einige Wochen.

Gewebeprobe aus der Kopfhaut: Um zu einer Diagnose zu kommen, ist mitunter die Untersuchung einer Gewebeprobe der Kopfhaut, eine Kopfhautbiopsie, eventuell auch in einem spezialisierten Zentrum, notwendig. Die Entnahme erfolgt mit örtlicher Betäubung unter sterilen Bedingungen. Sie wird vor allem bei narbigen Alopezien oder bei unklaren nicht narbigen Alopezien angestrebt.

Spurensuche im Blut: Vermutet der Mediziner Krankheiten oder Mangelerscheinungen als Ursache, können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. So lassen sich mit einer Blutuntersuchung zum Beispiel Eisen-, Schilddrüsen- oder Entzündungswerte und krankhafte Immunphänomene erkennen und die Ergebnisse möglicherweise eine Erkrankung aufdecken.

Eine Untersuchung der Geschlechtshormonspiegel bei Frauen ist nur bei Verdacht auf eine androgene Alopezie, zum Beispiel wegen sichtbar verstärkter Vermännlichungszeichen wie männliches Haarverteilungsmuster, sinnvoll.

Therapie von Haarausfall: Jede Alopezie wird gesondert behandelt

Haarausfall kann viele Ursachen haben. Manchmal steckt eine Krankheit, zum Beispiel eine Hormonstörung oder Blutarmut bei Eisenmangel dahinter – Ursachen also, die gezielt zu behandeln sind. Auch kann eine Form des Haarausfalls eine andere überlagern. Deshalb ist ein Arztbesuch immer ratsam. Oftmals gilt auch: Zeit ist Haar. Je früher also die richtige Diagnose gestellt und eine Therapie begonnen wird, desto größer ist die Chance, möglichst viele Haare zu "retten" und zu erhalten. Etliche Kliniken und niedergelassene Ärzte bieten heute spezielle Haarsprechstunden an.

Prinzipiell sollte die Devise lauten: Erst die Diagnose, dann (gegebenenfalls) die Behandlung. Auch gibt es nicht eine Therapie für jeden Haarausfall, und nicht jeder Haarausfall muss therapiert werden. Teilweise wachsen die Haare zudem von selbst wieder nach.

Manchmal können auch kosmetische Maßnahmen wie Haarstyling, Haarersatzteile und Permanent Make-up die Akzeptanz des Haarproblems erleichtern.

Auch bei anlagebedingtem Haarausfall: Nicht ohne den Arzt behandeln

Die androgenetische Alopezie bei Männern ist enorm weit verbreitet (siehe oben) und nicht automatisch Anlass für umfangreiche medizinische Untersuchungen. Dennoch kann auch hier fachkundiger Rat hilfreich sein, wenn eine Therapie gewünscht wird.

Auf dem Markt sind zahlreiche Mittel erhältlich, die das Haarwachstum anregen oder den Haarausfall stoppen sollen. Nur die wenigsten sind jedoch in guten klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit hin getestet worden. Wenn man eine (optionale) Therapie wünscht, sollte man sich vorher beim Arzt oder Apotheker genau informieren, welche Wirkungen und welche möglichen Nebenwirkungen man zu erwarten hat.

Mehr zu den Behandlungsmöglichkeiten der androgenetischen Alopezie einschließlich Eigenhaartransplantation erfahren Sie im Kapitel "Anlagebedingter Haarausfall".

Tipps für die richtige Haarpflege

Mit der passenden Pflege sehen die Haare gleich besser aus. Hier acht grundlegende Tipps:

  • Shampoo sind zur Reinigung von Haaren und Kopfhaut da, nicht zu viel verwenden, nur einmal pro Wäsche shampoonieren, und die Haare anschließend gut ausspülen
  • Die Haarpflegeprodukte sollten auf Haar und Kopfhaut abgestimmt sein
  • Ab und zu freuen sich die Haare über Spülungen und Kuren, dadurch wird das Haar besser kämmbar
  • Haare nach dem Waschen nicht trockenrubbeln sondern behutsam "trocken drücken" und gerne einige Minuten im Handtuch belassen
  • Nur lauwarm föhnen, den Föhn nicht zu dicht ans Haar halten, alternativ die Haare an der Luft trocknen lassen
  • Haare und Kopfhaut vor UV-Strahlung schützen
  • Nicht zu häufig Stylingprozeduren wie Bleichen, Glätten oder Dauerwellen anwenden – das kann die Haare strapazieren und Haare brüchiger machen. Haarausfall entsteht dabei in der Regel nicht.
  • Bürsten mit abgerundeten Borsten und Kämme mit weit auseinander stehenden Zinken verwenden

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Androgenetische Alopezie (anlagebedingter Haarausfall)

Haarwurzeln überempfindlich gegenüber männlichem Geschlechtshormon

Die Ursache dieser häufigsten Form des Haarausfalls ist bei Männern und Frauen im Prinzip gleich. Sie stellt aber keine hormonelle Störung dar, obschon ein Hormon, nämlich das männliche Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT), eine entscheidende Rolle spielt.

Das biologisch hoch aktive DHT wird im Körper von Männern und Frauen durch Hilfe eines Enzyms (5-alpha-Reduktase) aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildet (männliche Geschlechtshormone heißen Androgene).

Es ist jedoch ein Irrglaube, dass alle Männer mit Glatze übermäßig viele männliche Hormone im Blut hätten oder Frauen (bis auf einige Ausnahmen) zu viel Testosteron produzierten.

Mehrere Gene spielen eine Rolle

Das Ganze spielt sich vielmehr örtlich an der Haarwurzel im zentralen Kopfbereich ab. Bei Menschen mit androgenetischer Alopezie reagieren die Haarwurzeln äußerst überempfindlich auf DHT. Außerdem enthalten diese Haarwurzeln eine größere Menge des Enzyms 5-alpha-Reduktase, dadurch wird mehr DHT produziert.

Die Veranlagung dazu steckt bereits in den Genen. Allerdings wird sie nicht automatisch weitergegeben. Es sind hierbei verschiedene Gene im Spiel. Aus der Haarpracht der nächsten Verwandten lässt sich somit kein absolut sicherer Rückschluss ziehen, ob oder ob nicht und wenn ja wann sich der eigene Kopf lichten wird.

Die Überempfindlichkeit auf DHT führt dazu, dass sich die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Die Haare leben also nicht mehr so lange, sie fallen rascher aus und werden von Mal zu Mal dünner, bis nur noch ein winzig kleines Flaumhaar die Haarwurzel besetzt. Manchmal geht auch dieses mitsamt der Haarwurzel zugrunde. Medizinisch heißt diese Rückbildung Miniaturisierung.

Wie zeigt sich anlagebedingter Haarausfall bei Männern?

Wenn der Haarverlust bei Männern nach folgendem Muster abläuft, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine androgenetische Alopezie:

Symptome: Zunächst lichten sich die Haare an den Schläfen und an der Stirn. So genannte Geheimratsecken und im Verlauf eine Stirnglatze bilden sich. Weiterhin kommt es zu dünner werdendem Haar am oberen Hinterkopf, eine "Tonsur" entsteht. Die kahlen Stellen vergrößern sich und fließen zusammen, bis nur noch ein Haarkranz im unteren Bereich des Hinterkopfes und der Schläfen übrig ist.

Dieses Muster bedeutet allerdings nicht, dass jeder Mann mit Geheimratsecken unwiderruflich eine Glatze entwickeln wird. Wie weit der Haarverlust bei dem Betroffenen mit Geheimratsecken geht, lässt sich schwer voraussagen. Einige Männer können eine Glatze auch schon im Alter zwischen 20 und 30 entwickeln, während mancher 70-Jährige bis auf Geheimratsecken keinen Haarverlust erdulden musste. Die Mehrzahl der Männer ab 70 (rund 80 Prozent) ist jedoch sichtlich vom Haarverlust betroffen.

Wie sind die Anzeichen der androgenetischen Alopezie bei Frauen?

Bis zu 50 Prozent aller Frauen über 50 Jahre, aber auch schon jüngere Frauen haben wenigstens minimal damit zu tun. Bei Frauen mit androgenetischer Alopezie sind die Abläufe an der Haarwurzel weniger klar.

In manchen Fällen können Frauen mit Lichtung der Haare im Scheitelbereich allerdings tatsächlich eine hormonelle Grunderkrankung haben (androgene Alopezie). Diese geht dann meist mit sogenannten "Vermännlichungszeichen" einher: Verstärkte Behaarung an Oberlippe, Kinn, Brustwarzen, Bauchnabel, Schambereich und an den Oberschenkeln, außerdem Akne. Das muss natürlich sorgfältig medizinisch abgeklärt werden.

Symptome: Die Mehrzahl der Frauen mit anlagebedingtem Haarausfall oder Tendenz dazu beklagt eine verstärkte Haarausdünnung im Scheitelbereich, teilweise mit verstärktem Haarausfall einhergehend. Dieser kann allerdings auch fehlen. Einige wenige Frauen entwickeln ein ähnliches Haarausfallmuster wie die Männer, jedoch nicht so ausgeprägt. Erste Anzeichen können sich schon im Teenageralter bemerkbar machen – bei Frauen und bei Männern.

Therapie der androgenetischen Alopezie: Minoxidil für Männer und Frauen zum Auftragen und Finasterid für Männer zum Einnehmen

  • Minoxidil: Lösung oder Schaum für den Kopf: Das Präparat kann einen androgenetisch bedingten Haarausfall stoppen, kräftigere Haare können nachwachsen. Hier ist der Effekt besonders an Haarstellen gut, an denen noch Haare im näheren Umkreis wachsen. Bis sich eine Wirkung einstellt, ist Geduld gefragt. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt, läuft aber vermutlich über einen die Durchblutung fördernden Faktor.

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    Wichtig: Für Männer und Frauen gibt es unterschiedliche Dosierungen (siehe Kapitel "Haarausfall – Überblick ... was Männer und Frauen wissen sollten").

    Meist hat man es bei der Therapie mit Minoxidil zunächst mit einer unschönen Begleiterscheinung zu tun: Nach etwa vier bis acht Wochen der Anwendung kommt es erst einmal zu einem verstärkten Haarausfall. Dies sollte aber als ein gutes Zeichen gesehen werden, da es eine hohe Aktivität nachwachsender Haare anzeigt. Die "alten" Haare, welche noch die Haarwurzel besetzen, müssen hierfür weichen und ausfallen.

Erste ermunternde Ergebnisse sind frühestens nach vier bis sechs oder auch erst neun Monaten erkennbar. Wenn die Anwendung unterbrochen wird, besteht die Gefahr, dass die neu gewonnen Haare wieder verloren gehen und man auf den Zustand zurückfällt, mit dem man begonnen hat. Nicht für jeden Betroffenen lohnen sich Aufwand und Kosten im Verhältnis zum Nutzen.

! Obwohl Minoxidil rezeptfrei erhältlich ist: Vor dem Beginn einer Behandlung empfiehlt sich eine ausführliche Beratung zu Vor- und Nachteilen und zum möglichen Therapieverlauf.

Mögliche Nebenwirkungen von Minoxidil: Rötung und Schuppung der Kopfhaut, manchmal eine Entzündung der Kopfhaut im Sinne einer Kontaktallergie, besonders bei Frauen unerwünschter Haarwuchs im Schläfenbereich.

Dem lässt sich am ehesten begegnen, wenn die vorgeschriebene Dosis gewissenhaft eingehalten und das Präparat mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen angewendet wird (Kopfkissenkontakt vermeiden!).

  • Für Männer mit androgenetischer Alopezie gibt es außerdem Finasterid zum Einnehmen: Auch dieser Arzneistoff kann einen androgenetischen Haarausfall stoppen, aber wohl anders als Minoxidil: Der Wirkstoff beeinflusst den männlichen Hormonhaushalt: Aus Testosteron entsteht durch die Einnahme des Medikaments (Dosis: ein Milligramm) weniger Dihydrotestosteron (DHT, siehe Kapitel "Haarausfall: Überblick"). Finasterid verhindert oder verlangsamt dadurch die Zunahme des Haarverlusts, die vorhandenen Haare haben die Chance, dichter nachzuwachsen.

    Auch hier gilt: Der Anwender muss Geduld mitbringen. Es dauert einige Monate, bis eine Wirkung erkennbar ist. Sobald die Einnahme unterbrochen wird, setzt auch hier der Haarausfall wieder ein. Der Wirkstoff ist verschreibungspflichtig. In höherer Dosierung wird das Medikament gegen gutartige Prostatavergrößerung eingesetzt.

    Zu den bekannten Nebenwirkungen
    von Finasterid gehören Libidoverlust, Impotenz und leicht erhöhte Tendenz zu einem Brustwachstum ("Männerbrüste"). Manchmal bleiben sie auch nach Absetzen des Medikaments bestehen, während der Haarausfall wieder einsetzt. Ein mutmaßliches erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Männern durch Finasterid gilt als äußerst fraglich, eine mögliche depressive Verstimmung als sehr selten. Vor der Einnahme sollten Betroffene sich aber unbedingt ausführlich vom Arzt beraten lassen.
  • Auch die kombinierte Anwendung von Finasterid 1 mg pro Tag und Minoxidil-Lösung 2% bis 5% zum Auftragen 2-x pro Tag kann für Männer erwogen werden.
  • Für Frauen ist Finasterid nicht zugelassen. Schwangere Frauen müssen den Kontakt zu Finasterid besonders sorgfältig vermeiden, da es zu einer Verweiblichung eines männlichen Fötus führt.

  • Für verschiedene innerliche Hormonbehandlungen bei Frauen ohne bestehende hormonelle Störungen oder für die harntreibende Substanz Spironolakton gibt es derzeit keine Empfehlungen.
  • Dermatologen setzen mitunter auch Tinkturen mit einem Arzneistoff namens Alfatradiol, eine Art Östrogen-Doppelgänger, ein. Er hat keine östrogenartige Wirkung, soll aber die Wirkung von DHT an der Haarwurzel unterdrücken. Es gibt Präparate für Frauen und Männer. Die Studienlage gilt im Vergleich zu Minoxidil derzeit als weniger gut belegt. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Hautarzt über den aktuellen Stand informieren.
  • Zu verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln oder Haarwuchsmitteln für Männer und für Frauen wie zum Beispiel mit Thiocyanat liegen derzeit noch keine Empfehlungen durch die Fachgesellschaften vor.

Haarverpflanzung (Eigenhaartransplantation)

Bei anlagebedingtem Haarausfall bekommen Männer üblicherweise keine komplette Glatze, sondern es bleibt ein Haarkranz am Hinterkopf stehen. Das kommt daher, dass die Haarwurzeln in dieser Region im Vergleich zu den übrigen Kopfhaaren resistent gegenüber männlichen Geschlechtshormonen wie DHT sind. Werden Haarwurzeln vom Hinterkopf an lichtere Stellen verpflanzt, bestehen deshalb gute Chancen, dass diese Haarwurzeln auch an ihrem neuen Platz überleben und Haare sprießen lassen.

Für eine Eigenhaartransplantation entnimmt der Arzt entweder einen behaarten Hautstreifen, etwa aus dem Haarkranz. Daraus präpariert er unter einem hochauflösenden Mikroskop die natürlich gewachsenen kleinen "Verbünde", die Haarwurzelgrüppchen oder Haarfollikel-Units (FU), und setzt sie in die entsprechend aufbereitete Kopfhaut ein. Die Technik heißt FUT (Follicular-Unit-Transplantation). Im Entnahmegebiet entstehen linienförmige Narben.

Eine Fortentwicklung ist die FUE (Abkürzung für die englische Bezeichnung Follicular-Unit-Extraction). Dabei werden viele Haarwurzelgrüppchen mit einer feinen Hohlnadel einzeln entnommen, in einer Nährlösung zwischengelagert und im gewünschten Areal nach entsprechender Vorbereitung (Lochungen oder Schlitzungen) wieder eingepflanzt. Im Zielgebiet entstehen nur punktförmige Narben, im Entnahmegebiet dünnt die Haardichte etwas aus. Die neuere Methode eignet sich beispielsweise dann gut, wenn noch genügend Spenderhaar vorhanden ist. Beide Narbentypen sind je nach Haarlänge, Haardichte und Haartyp überkämmbar.

Die Haarwurzeln können prinzipiell in kahle oder ausgedünnte Kopfhaarbereiche, Augenbrauen, den Bart oder den Schambereich transplantiert werden. Die meisten Erfahrungen liegen mit Kopfhaar vor.

Ärzte, die Haartransplantationen durchführen, müssen mit den verschiedenen Techniken und Gegebenheiten beim Patienten gut vertraut sein. Voraussetzung ist ein operativer Facharzt mit einer speziellen Weiterbildung. Nur so können sie auch ausgeprägte Formen von Haarausfall optimal behandeln. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant. Die verpflanzten Haare fallen meist erst einmal aus, um dann neu aus der Wurzel heraus zu wachsen. Bis ein Erfolg zu sehen ist, kann es einige Monate dauern. Das Ergebnis fällt individuell verschieden aus.

Die Haarverpflanzung kann auch bei Frauen mit ausgeprägter androgenetischer Alopezie, aber genügend Spenderhaar, infrage kommen. Im Vorfeld sollte eine ausführliche Beratung zu möglichen Komplikationen, den Kosten und zum erreichbaren Erfolg stattfinden.

Weitere Anwendungsgebiete der Eigenhaartransplantation: nicht entzündlich-aktive Vernarbungen ("ausgebrannte Entzündung") an der Kopfhaut (siehe Kapitel: "Haarausfall: Spezielle Formen und Ursachen"), angeborene Haarlosigkeit bestimmter Areale wie zum Beispiel dreiecksförmige Alopecia temporalis, bei narbigen Alopezien nach Verletzung, Verbrennung oder Operation.

Aus der Forschung

  • Für Männer mit anlagebedingtem Haarausfall wird das Mittel Latanoprost getestet. Derzeit dient es ausschließlich in Form von Augentropfen als Mittel gegen erhöhten Augeninnendruck beziehungsweise Glaukom (grüner Star).
  • Auch bestimmte Kombinationsbehandlungen, die unter anderem Minoxidil zum Auftragen enthalten, werden zur Zeit für Männer und für Frauen geprüft.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Immunangriff auf die Haarwurzel

Die genauen Ursachen dieser Krankheit sind unbekannt. Mediziner gehen davon aus, dass es sich um eine Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems handelt. Statt gefährliche Viren und Bakterien zu bekämpfen, richten sich die Abwehrzellen plötzlich gegen die körpereigenen Haare. Dort, genauer: an den Haarwurzeln, lösen sie eine Entzündung aus. Der Vorgang entspricht einer Autoimmunkrankheit (auto-, gr. = selbst). In der Folge wachsen die Haare nicht mehr richtig und fallen aus.

Der kreisrunde Haarausfall tritt überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit anderen Autoimmunkrankheiten auf, zum Beispiel Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) oder Schilddrüsenerkrankungen wie Basedow-Krankheit und Hashimoto-Thyreoiditis.

Alopecia areata betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene. Mädchen könnten gemäß einer Erhebung in den USA noch häufiger betroffen sein als Jungen. In manchen Familien kommt die Alopecia areata gehäuft vor, was eine erbliche Veranlagung wahrscheinlich macht. Diese wird derzeit intensiv untersucht.

Symptome bei Alopecia areata: Meist runde, kahle Stellen

Beim kreisrunden Haarausfall bilden sich meist relativ rasch oder auch schubweise einzelne, runde, haarlose Flecken: im Kopfhaar, seltener im Bart, im Gesicht oder in der Körperbehaarung. Am Rand der haarlosen Flecken stehen meist kurze, abgebrochene Haare, sogenannte "Ausrufezeichen"-, "Komma"- oder "Kolben"-Haare. Zur Pore auf der Haut hin sind sie dünner.

In vielen Fällen wachsen die Haare innerhalb von etwa sechs bis zwölf Monaten von selbst wieder nach. Ein Wiederauftreten der Erkrankung ist allerdings möglich. Manchmal fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus, schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei der Betroffene innerhalb kürzester Zeit ergraut.

Die haarlosen Stellen können auch zusammenfließen und den ganzen Kopf (Alopecia areata totalis) oder sogar den ganzen Körper (Alopecia areata universalis) betreffen. Das ist eher ungünstig, da der Haarverlust oft anhält.

Als Ophiasis-Typ wird eine Alopecia areata bezeichnet, bei der die Haare im Nacken und weiter bandförmig entlang des Haaransatzes an den Seiten und nach vorne hin ausfallen. Auch dies kann mit einem chronischen Verlauf verbunden sein.

Und obwohl es widersprüchlich klingt: Eine diffuse Form der Alopecia areata ohne einzelne kahle Stellen (Alopecia areata diffusa oder incognita) ist ebenfalls, wenn auch selten, möglich.

Kreisrunder Haarausfall: Diagnose

Das Haarlichtungsmuster und die Angaben der Betroffenen zu den Symptomen sind meist schon aufschlussreich. Der Arzt untersucht aber das Körperhaar insgesamt, die Haut und die Nägel. Denn bei Alopecia areata kommen häufiger auch Nagelveränderungen wie sogenannte Tüpfel- oder Rillennägel vor.

Bei der Betrachtung der Kopfhaut, zum Beispiel mit einem Dermatoskop, lassen sich auf den kahlen Stellen die winzigen Poren der Haarbälge erkennen. Dass sie noch sichtbar sind, ist ein Zeichen dafür, dass die Haare prinzipiell wieder nachwachsen können. Zu den kurzen, abgebrochenen Haaren am Rand der kahlen Hauststellen siehe weiter oben im Abschnitt "Symptome".

An den Rändern neben den Kahlstellen sind die Haare oft leicht auszupfbar. Mitunter stellt der Arzt zudem geschwollene Lymphknoten hinter den Ohren fest. Mögliche Begleiterkrankungen schließt der Dermatologe in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, bei Bedarf auch mit anderen Fachärzten, aus.

Therapie des kreisrunden Haarausfalls

Oft bessert sich die Krankheit nach einigen Monaten von alleine wieder, so dass keine Therapie erforderlich ist. Ist das nicht der Fall, kann bei ausgeprägtem Befund eine Therapie mit Kortison zum Auftragen auf die kahlen Stellen, die danach abgedeckt werden, begonnen werden. Kortison unterdrückt Immunreaktionen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Kortison unter die Haut der haarlosen Stellen zu spritzen, wenn es nur wenige sind.

Bei starker Aktivität des Haarausfalls kann Kortison im Einzelfall zum Beispiel als Stoßtherapie (in Tablettenform zum Einnehmen) in abnehmender Dosierung über einen kurzen Zeitraum eingesetzt werden. Obwohl Kortison die Entzündungsreaktion bremst, kann diese nach Absetzen wieder auftreten. Nachgewachsenes Haar fällt dann häufig wieder aus. Außerdem sind die Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Insofern wird der Arzt eine solche Therapie sehr sorgfältig abwägen.

Falls auf den haarlosen Stellen bei ausgeprägten und hartnäckigen Verläufen, etwa auch nach Therapieversuchen mit Kortison, kein Neuwachstum der Haare zu erkennen ist, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit dem sogenannten Kontaktallergen Diphenylcyclopropenon (DCP). Es bewirkt auf der Kopfhaut eine Allergie. Das Immunsystem soll dadurch angeregt und quasi "abgelenkt" werden, was im Idealfall den Haarausfall stoppt.

Es handelt sich bei dieser äußeren Immuntherapie nicht um eine zugelassene Therapie beziehungsweise DCP ist kein zugelassenes Medikament. Die Behandlung wird nur in einzelnen spezialisierten Zentren und an Universitätskliniken angeboten. Patienten sollten sich unbedingt an ein solches Zentrum wenden, wo man sich mit dem Mittel genau auskennt. Für schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch ist eine Therapie mit DCP nicht geeignet.

Weitere Therapieansätze, zum Beispiel mit Dithranol, Psoralen-UVA-Turban (dabei wird der behaarte Kopf, vor allem die haarlosen Stellen, minutenlang mit einem Tuch umwickelt, das in einer speziellen Lösung getränkt wurde, um die Haut bei Kontakt lichtempfindlicher zu machen; danach wird der Kopf ohne Turban mit langwelligen ultravioletten Strahlen bestrahlt), sodann mit herkömmlichen immununterdrückenden Medikamenten oder Laser sind nicht ausreichend belegt.

Behandlung von Kindern

Bei Kindern wird die Therapieentscheidung besonders sorgfältig zu treffen sein. Zuallererst müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. In bis zu 40 Prozent der Fälle ist eine spontane Rückbildung zu erwarten. Bei Erwachsenen liegt dieser Prozentsatz noch höher; das macht die Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie auch so schwer!

Besonders bei gering ausgeprägtem Haarausfall und weiteren günstigen Anzeichen, zum Beispiel unauffälligen Nägeln oder fehlenden typischen Begleiterkrankungen, gilt ein abwartendes Verhalten als gerechtfertigt. Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher sollten sich ausführlich in der Spezialsprechstunde einer Hautklinik beraten lassen. Dort erfahren sie auch Näheres über die Möglichkeiten psychosozialer Hilfen.

Auch die Einnahme von Zinktabletten in höherer Dosierung kann bei Alopecia areata unterstützend wirken. Dies ist besonders für Kinder zu erwägen.

Die Eltern sollten das Für und Wider einer jeglichen Therapie zusammen mit dem Arzt ausloten.

Aus der Forschung

Auf sogenannten Januskinase-Hemmstoffen (JAK-Inhibitoren) ruhen jetzt die Hoffnungen vieler Patienten und Ärzte. Januskinasen vermitteln bestimmte Entzündungssignale. An den Haarwurzeln können die Signale den Eintritt in die Wachstumsphase (Anagen) blockieren.

JAK-Hemmstoffe, die bereits bei einigen schweren Rheuma-Krankheiten und bösartigen Erkrankungen des Knochenmarks eingesetzt werden, können die Signalkette unterbrechen, sodass die Haarwurzeln nach örtlicher Behandlung wieder zu wachsen beginnen. Nach Absetzen stellten sie das Wachstum allerdings wieder ein. Es gibt noch viel Klärungsbedarf, zum Beispiel zur Dosierung und Sicherheit bei der Anwendung.

Diffuser Haarausfall: Dünner Schopf

Wenn die Haare auf dem ganzen Kopf gleichmäßig "dünner" werden, also nicht mehr so dicht wie vorher stehen, liegt ein diffuser Haarausfall vor. Die Kopfhaut schimmert stärker durch, als dies früher der Fall war. Einzelne kahle Stellen sind aber nicht erkennbar.

Zwei Hauptformen des diffusen Haarverlusts

Bei der einen Form setzt der Haarausfall meist zwei bis drei Monate nach dem schädigenden Ereignis oder nach Beginn der Erkrankung ein – durch den verstärkten Eintritt der Haare in die Ruhe- beziehungsweise Ausfallphase (auch sogenannte Telogenphase, dann als telogenes Effluvium bezeichnet). Nach Ausschalten des Auslösers kommt der Haarverlust zum Stillstand. Bis die Haare wieder füllig nachgewachsen sind, dauert es dann meist sechs bis zwölf Monate. Das betrifft die meisten Ursachen.

Seltener hält der telogene Haarausfall mehr als vier bis sechs Monate an und kann auch wiederkehren. Die Ursachen sind hier unklar.

! Info: Leidtragende sind im Prinzip alle Altersgruppen, Frauen häufiger als Männer.

Bei der anderen, recht akuten Form fallen die Haare schon in der Wachstumsphase aus (Anagenphase, anagenes Effluvium). Dann kann bereits nach ein bis zwei Wochen ab dem Schädigungszeitpunkt ein rasanter Haarverlust entstehen, wie es bei manchen Chemotherapien, Bestrahlungsbehandlungen oder auch starken Vergiftungen mit Schwermetallen der Fall ist.

Meist beginnen die Haare nach dem Ende der Behandlung wieder zu wachsen. Erstaunlicherweise kann das Haar danach dichter sein, vorher glattes Haar lockig werden und umgekehrt.

Was Anagen- und Telogenphase genau sind, erklärt die nachfolgende Bildergalerie.

 

So wächst das Kopfhaar

Diffuser Haarausfall: Zahlreiche Ursachen

Pflegefehler: Manche Menschen muten ihrem Haar zu viel an "Haarpflege" zu. Dabei kann es zu Schäden am Haar selbst kommen, zum Beispiel durch intensives heißes Fönen, Lockenstäbe, häufiges Bleichen oder Dauerwellen. Das kann dazu führen, dass das Haar spröde aussieht oder verstärkt abbricht. Haarausfall an sich wird durch diese Belastungen des Haares in der Regel aber nicht provoziert.

Stress: Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Stress zu Haarausfall führen kann. 

Schwangerschaft, Hormoneinnahme: Während einer Schwangerschaft verändert sich das weibliche Hormongleichgewicht. Eine Folge ist, dass sich viele werdende Mütter über besonders dichtes und gesund aussehendes Haar freuen können, da die Wachstumsphase der Haare verlängert ist. Die hormonelle Umstellung nach der Geburt führt dann allerdings oft dazu, dass die Haare über den gesamten Kopf verteilt stärker ausfallen als gewohnt.

Diese Schwankungen sind für die Betroffenen oftmals erschreckend, pendeln sich aber üblicherweise nach kurzer Zeit wieder auf das gewohnte Maß ein. Frauen, die mit der "Anti-Baby-Pille" beginnen, auf ein anderes Präparat wechseln oder die Einnahme beenden, beobachten manchmal ebenfalls Effekte auf ihre Haarpracht.

Schilddrüsenüberfunktion / Schilddrüsenunterfunktion: Eine Störung der Schilddrüse als wichtiges Stoffwechselorgan kann sich bei einigen Betroffenen auch auf das Haar stärker auswirken.

Symptome (Auswahl): Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann es neben Antriebsarmut, einer gesteigerten Kälteempfindlichkeit und kühler, trockener Haut zu stumpfem, brüchigem Haar und Haarausfall kommen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann sich mit weichem, dünnen Haar und diffusem Haarverlust zeigen sowie mit gesteigerter Gereiztheit, Wärmeintoleranz und warm-feuchter Haut.

Infektionen, Hauterkrankungen: Ursache für einen diffusen oder einen umschriebenen Haarausfall können auch verschiedene (Haut-)Krankheiten sein: Pilzerkrankungen, eine Infektion mit Bakterien oder Viren wie bei Herpes Zoster, Tumore an der Haut, Schuppenflechte oder Ekzeme der Kopfhaut.

Eisenmangel: Ein Eisenmangel, hier vor allem ein Mangel des Speichereisens (Ferritin), wird bei Patienten mit diffusem Haarausfall häufiger nachgewiesen. Ob dieser wirklich die Ursache des vermehrten Haarverlustes ist, ist immer noch nicht endgültig geklärt. Ein Eisenmangel kann durch eine unzureichende Eisenversorgung über die Nahrung, eine ungenügende Eisenaufnahme über den Darm oder einen gesteigerten Blutverlust entstehen. Mögliche Ursachen sind dann beispielsweise starke Monatsblutungen oder Magen-Darmgeschwüre.

Nährstoffmangel, Krankheiten: Bei einer ausgewogenen Ernährung kommt es in unseren Breiten in den seltensten Fällen zu einem Nährstoffmangel und dadurch zu einem diffusen Haarausfall. Allerdings kann durch (auch kurzzeitige) Crash-Diäten, Essstörungen (Anorexie, Bulimie), aber auch unzureichende Aufnahme von Nährstoffen durch den Darm bei chronischen Darmerkrankungen oder nach Operationen ein Nährstoffmangel auftreten. Im Zuge von schweren chronischen Erkrankungen, Infektionskrankheiten wie Grippe oder Scharlach, aber auch nach Operationen mit Vollnarkose kann sich das Haar ebenfalls diffus lichten.

Chemotherapie, Strahlentherapie: Eine Chemotherapie oder Behandlung mit sogenannten zielgerichteten Substanzen gegen verschiedene Krebserkrankungen kann (muss aber nicht) mit einem diffusen Haarausfall verbunden sein. Es können nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Wimpern, Augenbrauen und Körperhaare betroffen sein. Die Haare fallen meistens einige Tage bis Wochen nach Therapiebeginn aus und / oder brechen verstärkt über der Kopfhaut ab. In der Regel wachsen sie wieder nach, wenn die Therapie abgeschlossen ist. Mehr dazu im Extra-Abschnitt weiter unten.

Muss sich ein Patient im Rahmen einer Krebsbehandlung einer Strahlentherapie unterziehen und liegt dabei die Kopfhaut im Bestrahlungsfeld, so kann es hierbei ebenfalls zu einem verstärkten diffusen Haarausfall kommen. In den meisten Fällen beginnen die Haare einige Zeit nach der Strahlentherapie wieder zu wachsen. Bei sehr hohen Strahlendosen werden Haarwurzeln eventuell auch nachhaltiger geschädigt, so dass das Haar spärlicher nachwächst.

Medikamente, Vergiftungen: Diffuser Haarausfall kann sich als Nebenwirkung von Medikamenten zeigen, beispielsweise bei Cholesterinsenkern, Mitteln zur Blutverdünnung, Retinoiden gegen Akne, Betablockern gegen Bluthochdruck oder schnellen Puls. Sehr seltene Ursachen können Vergiftungen, beispielsweise mit Schwermetallen wie Thallium sein. Diese gehen in den seltensten Fällen ausschließlich mit Haarausfall einher, sondern mit weiteren körperlichen Symptomen.

Diffuse Alopecia areata / Diffuser anlagebedingter Haarausfall: Diese sehr seltenen Sonderformen der beiden Erkrankungen lassen sich nur schwer von anderen Ursachen eines diffusen Haarausfalls unterscheiden. Näheres in den entsprechenden Kapiteln in diesem Beitrag (Kapitel "Anlagebedingter Haarausfall" und "Kreisrunder Haarausfall").

Diffuser Haarausfall: Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus der umfassend erhobenen Kranken- und Familiengeschichte des Patienten (Anamnese), einer körperlichen Untersuchung von Haut, Haaren und Nägeln sowie einem Zupftest. Natürlich betrachtet der Hautarzt die Kopfhaut eingehend, wobei er manchmal auch eine Lupe (Dermatoskop) einsetzt. Je nach Verdachtsdiagnose schließen sich weitere Untersuchungen an (siehe Kapitel "Haarausfall: Überblick...was Männer und Frauen wissen sollten", Abschnitt: "Haarausfall: Diagnose").

Diffuser Haarausfall: Therapie

Die Therapie richtet sich, wenn möglich, immer nach der jeweiligen Ursache. Sind Medikamente der Auslöser, kann in Absprache mit dem behandelnden Arzt eventuell ein anderes Präparat verschrieben werden (Achtung, Arzneien nicht eigenmächtig absetzen!).

Bei einem Eisenmangel zum Beispiel ist es natürlich unerlässlich, die Ursachen abzuklären und diese gezielt zu behandeln. Gegen Blutarmut bei Eisenmangel können Eisenpräparate helfen. Besteht keine Blutarmut, ist die Behandlung mit Eisen keine erwiesene Maßnahme. Liegt eine Schilddrüsenerkrankung vor, muss diese selbstverständlich behandelt werden.

Wenn der Haarausfall aufgrund einer Diät entstanden ist, sollte diese beendet werden und stattdessen eine geeignete, ausgewogene Ernährung beginnen. Ein anders entstandener Nährstoffmangel ist dann hierzulande in den seltensten Fällen Ursache des diffusen Haarausfalls.

Allgemein kann man sagen, dass der diffuse Haarausfall auch nach Beseitigung der Ursache noch zwei bis drei Monate anhalten kann. Das kommt dadurch, dass ein Teil der Haare schon in die Ruhe- beziehungsweise Ausfallphase (Telogenphase, siehe oben) eingetreten ist und nach zwei bis drei Monaten "stur" ausfällt.

Haarausfall bei Chemotherapie

Eine Chemotherapie, wie sie bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommt, kann (muss aber nicht) mit einem Haarausfall verbunden sein. Auch neuere Medikamente in der Krebstherapie wie die sogenannten zielgerichteten Substanzen können das Haar verändern. Es kann schütterer werden, teils ausfallen, und das länger anhaltend (wenn auch vorübergehend), da die Therapien meist länger dauern (siehe auch Abschnitt weiter oben).

Es gibt kein einheitliches Muster. Neben dem Kopfhaar kann auch das Gesichts- oder Schamhaar ausfallen. Für viele Patienten, vor allem Frauen, bedeutet besonders diese Medikamenten-Nebenwirkung zusätzlich zu der Erkrankung eine große emotionale Belastung.

Eine Kopfhautkühlung mit sogenannten Kühlhauben während der Medikamentengabe kann den Haarausfall vermindern helfen. Dabei lässt eine Pumpe kontinuierlich eine Kühlflüssigkeit mit einer Temperatur von 3 bis 4 Grad Celsius im Bereich der Kopfhaut kreisen. Diese kühlt sich so auf etwa 21 Grad Celsius ab. Das Verfahren wird derzeit genauer untersucht, aber in einigen Tumorzentren bereits angeboten.

Psychologische Hilfen

Wer psychologische Unterstützung sucht, kann sich zum Beispiel an Psychologen wenden, die sich auf Krebserkrankungen spezialisiert haben (Psycho-Onkologen).

Praktische Hilfen

Wenn Frauen den Haarausfall mit einer Perücke kaschieren möchten, übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, sofern der Arzt sie verordnet. Bei Männern werden die Kosten für Perücken in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen.

Es gibt Perücken aus Echthaar und solche aus Kunsthaar. Führen die individuell verordneten Chemotherapeutika bekanntermaßen zu einem Haarverlust, dann ist es günstig, eine Perücke – falls gewünscht – bereits im Vorfeld der Therapie zu planen. Spezialgeschäfte können dann individuell beraten und den Ersatz genau auf das eigene Haar abstimmen.

Nach der Therapie, etwa sechs Monate später, ist das Kopfhaar im Normalfall wieder voll da. Struktur und Farbe können verändert sein. Eine Perücke ist selbstverständlich kein "Muss". Viele Betroffene verzichten auch darauf, den Haarverlust zu verstecken, oder sie verwenden Kopfbedeckungen wie Hüte, Hauben oder Tücher.

Auch Nachzeichnen der Augenbrauen und Wimpern als Permanent-Make-up kann für manche Frauen ein wenn auch teurer Weg sein. Es gibt maßgeschneiderte Schminkkurse (zum Beispiel von Selbsthilfegruppen organisiert), in denen Betroffene lernen können, fehlende Wimpern und Augenbrauen nachzuzeichnen.

Es geht in diesem Kapitel um zumeist eher seltene Formen des Haarausfalls, mit oder ohne Narbenbildung, mit eher herdförmigem oder diffusem Muster, wobei es mitunter hier auch Übergänge gibt.

Nicht vernarbender Haarausfall

  • Herdförmiger Haarausfall nach Infektionen der Haut (zirkumskripte = herdförmige postinfektiöse Alopezie): Falls die Haarwurzel, besonders die Keimschicht (Matrix), von der aus ein neues Haar austreibt, nicht durch die Entzündung zerstört ist beziehungsweise keine Narben entstanden sind, ist der Haarverlust rückbildungsfähig.
    Ursache: Furunkel (Blutschwär, tiefe eitrige Haarbalgentzündung), Karbunkel (mehrere, ineinander übergehende Furunkel), Impetigo contagiosa (Borkenflechte: nässender oder Bläschen bildender, bakterieller, hochansteckender Hautausschlag, der vor allem bei Kindern und Neugeborenen auftritt), Erysipel (bakterielle Hautinfektion mit grippeartigen Symptomen), Herpes zoster (Gürtelrose), Syphilis (hier diffus "mottenfraßähnlich" verteilte kahle Stellen).
    Symptome: Kahle Stellen am Kopf oder anderen behaarten Körperbereichen, dazu je nach Krankheitsbild mehr oder weniger typische Hautveränderungen, teils auch mit Juckreiz oder Schmerzen.
    Diagnose: Dermatologisch-klinisch, bei entsprechendem Krankheitsverdacht eventuell Abstrich zur bakteriologischen Untersuchung, weitere Abklärung durch andere Fachärzte, etwa einen Facharzt für innere Medizin.
    Therapie: Gemäß Ursache, zum Beispiel Antibiotika bei Erysipel, Borkenflechte, teils auch bei Karbunkel, oder ein antivirales Medikament (bei Bedarf auch ein Schmerzmittel) bei Herpers zoster, bei bestimmten Infektionen wie Karbunkel manchmal auch chirurgisch.
  • Loses(-Anagen)-Haar-Syndrom: An dieser vorübergehenden, diffusen Haarwuchsstörung erkranken vorwiegend Kinder mit blonden Haaren im Alter von zwei bis fünf Jahren, Mädchen offenbar häufiger als Jungen. Das Haar wächst insgesamt langsamer und lässt sich leicht zupfen. Die Störung ist auf die Kopfhaut begrenzt und kann ohne weitere Auffälligkeiten, manchmal aber auch mit anderen Entwicklungsproblemen verbunden sein.
    Ursache: Unklar, erbliche Faktoren werden diskutiert.
    Diagnose: Symptome, positiver Haarzupftest. Die Haare lassen sich leicht und schmerzlos herausziehen, bei sichtbar dünnerem Schopf auch büschelweise. Gegebenenfalls Trichogramm: Es zeigt überwiegend kümmerliche (dystrophische) Anagenhaare ohne Wurzelhülle.
    Therapie: Keine. Der Haarausfall hört meist nach einigen Jahren auf, das Haar wächst nach.
  • Psychische Störungen: Gelegentlich kann hinter dem angeblichen Haarausfall auch eine psychische Erkrankung stecken. Manche Menschen verspüren den Zwang, sich bei Anspannung Haare auszureißen. Diese keineswegs seltene Verhaltensstörung heißt Trichotillomanie. Experten gehen von einer Störung der Impulskontrolle aus. Oft beginnt sie in der Jugend, Frauen sind hierbei häufiger betroffen als Männer.
    Ursache:
    Verschiedene psychische Faktoren wie Ängste oder seelische Verletzungen (Traumata), erlernte Verhaltensmuster wie zum Beispiel der Umgang mit Belastungen. Wie die Störung entsteht, ist aber noch unklar. Es wird auch eine erbliche Veranlagung diskutiert, denn die Störung kommt in einigen Familien gehäuft vor.
    Symptome: In schweren Fällen weist die Kopfhaut zahlreiche kahle Stellen auf, obwohl die Haare eigentlich völlig gesund sind. Viele Betroffene erfinden angebliche Ursachen für den vermeintlichen Haarausfall oder versuchen, die lichten Stellen unter Kopfbedeckungen oder Haarteilen zu verbergen.
    Diagnose, Therapie:
    Das Gespräch mit einem Psychotherapeuten gilt als wegweisend. Er entscheidet auch, ob eine Psychotherapie, meist in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie, notwendig ist. Dabei lernen Betroffene unter anderem, mit Stresssituationen umzugehen und nach und nach von ihrem Zwang zu lösen.
  • Rein mechanische Ursachen: Manche Frisuren oder festgezurrte Kopfbedeckungen können die Haare strapazieren. Wer stets einen strammen Pferdeschwanz trägt, stellt manchmal fest, dass die Haare an den Schläfen und im Scheitelbereich schütterer werden. Schuld ist dann möglicherweise der ständige Zug. Auch anhaltender Druck ist dem Haarwuchs nicht förderlich. So können nach längerer Bettlägerigkeit Haare am Hinterkopf verloren gehen.
  • Temporale dreiecksförmige Alopezie (Alopezia triangularis congenita, herdförmiger Haarausfall): Nicht vernarbender Haarausfall.
    Symptome:
    Münzgroßer, haarfreier Bereich, meist an der Haargrenze im Schläfenbereich, sozusagen verstärkte Geheimratsrecken, häufig auch nur einseitig
    Ursache:
    Angeboren; es fehlen reife Haarwurzeln.
    Diagnose: Klinisch-dermatologisch, Krankengeschichte
    Therapie:
    Keine, gegebenenfalls Haartransplantation

Vernarbender Haarausfall: Kein Nachwachsen der Haare

Entzündliche Erkrankungen der Haut beziehungsweise Kopfhaut, physikalische oder chemische Schädigungen können die Haarwurzeln zerstören und Vernarbungen hinterlassen. Dann wachsen dort keine Haare mehr. Die Ursachen für vernarbenden Haarausfall sind vielfältig (siehe nachfolgend). Teilweise können auch andere Hautbereiche erkranken.
Allgemeine Symptome an der Kopfhaut: Häufig kommt es zu Hautveränderungen wie Juckreiz, Rötung, Blasenbildung, Schwellung, Nässen, Eiterbildung, Schuppung, Verlust der Pigmentierung und Ausdünnen der Haut. An der Kopfhaut sieht man dann keine Haarausgänge mehr, und die Kopfhaut wirkt glänzend. Dieser Folgezustand wird als Pseudopelade-Status bezeichnet.

Für einen Pseudopelade-Status können verantwortlich sein:

  • Chronisch-diskoider Lupus erythematodes:
    Ursache:
    Autoimmunkrankheit.
    Symptome
    : Rote verhärteten Flecken zumeist an belichteten Körperstellen (Lichteinfluss kann akute Krankheitsschübe auslösen) behaarter Kopf, Wangen, Stirn, Nase, Ohrmuscheln, Brustausschnitt, selten an Rumpf und Gliedern. Erkrankte Bereiche auf der Kopfhaut reagieren empfindlich auf Druck und Berührung. Die betroffenen Stellen vernarben in der Mitte, man sieht keine Haarporen mehr, die Haut verblasst oder verfärbt sich und kann erweiterte Gefäße aufweisen. Die Ränder sind je nach entzündlicher Aktivität gerötet.

    Diagnose:
    Dermatologisch-klinisch, Blutunterschung, Kopfhautbiopsie. Wichtig ist der Ausschluss eines systemischen Lupus erythematodes, der den Körper als Ganzes betrifft. Dies übernehmen in der Regel Fachärzte für innere Medizin.
    Therapie
    des auf die Haut begrenzten Lupus erythematodes: Konsequenter Lichtschutz, Rauchverzicht, Kortisonpäparate zum Auftragen, in schweren Fällen Kortison oder andere spezielle Medikamente innerlich. Mehr dazu im Ratgeber "Lupus erythematodes (LE)".
  • Lichen-Erkrankungen der Kopfhaut, knötchenflechtenartig (selten): Lichen planopilaris und frontal-fibrosierende, lichenoide (= lichenähnliche) Alopezie gehören wohl zu "Varianten" der Knötchenflechte, die sich im Bereich der Haarwurzeln abspielen. Infolge einer Entzündung kommt es zu einer chronischen Verhornungsstörung und bleibendem Haarausfall durch Vernarbungen.
    Ursache: Bei Lichen planopilaris könnten verschiedene Auslöser eine fehlgesteuerte Immunreaktion in Gang setzen. Wie die frontal-fibrosierende, lichenoide Alopezie entsteht, ist unklar. Sie kommt überwiegend bei älteren Frauen vor.
    Symptome: Mit juckenden, rötlichen, leicht aufgeworfenen Flecken und Überempfindlichkeit der erkrankten Stellen an der Kopfhaut zeigt sich ein Lichen planopilaris. Ältere "ausgebrannte" Areale weisen vernarbte, glatt spiegelnde, kahle Stellen auf, die Haarporen sind verschwunden. Gleichzeitig können Haut- und Nagelveränderungen auftreten, wie sie für Lichen-Erkrankungen typisch sind.
    Bei der frontal-fibrosierenden lichenoiden Alopezie entsteht ein bandförmiger Haarausfall mit Zurückweichen des Haaransatzes im Stirn- und Schläfenbereich, dazu ein Saum mit kleinsten knötchenförmigen Rötungen der Haut. Vereinzelt bleiben Haare stehen. Auch die Augenbrauen und andere behaarte Körperstellen können betroffen sein, manchmal zeitlich noch vor der Kopfhaut.

    Diagnose: Dermatologisch-klinisch und Kopfhautbiopsie mit feingeweblicher Untersuchung (siehe auch Kapitel "Haarausfall: Überblick...was Männer und Frauen wissen sollten", Abschnitt: "Diagnose").
    Therapie: Es werden jeweils werden kortisonhaltige Cremes beziehungsweise Unterspritzungen mit Kortisonlösungen eingesetzt, um die zugrunde liegende Entzündung zu blockieren. In schweren Fällen kommt die innerliche Anwendung von Kortison oder anderen immununterdrückenden Medikamenten infrage.
  • Folliculitis decalvans: Diese seltene, chronische Krankheit führt über Jahre wiederholt zu eitrigen Haarwurzel- beziehungsweise Haarbalgentzündungen (lat. Folliculitis). Die Haare fallen aus und wachsen nicht wieder nach. Männer erkranken häufiger als Frauen, Alter etwa 20 bis 40 Jahre.
    Ursache
    : Ungeklärt, eventuell Zusammenspiel bakterieller und immunologischer Faktoren. Familiäre Häufungen werden vereinzelt beobachtet; In seltenen Fällen ist eine Verbindung zu einer Akne nachweisbar.
    Symptome
    : Anfangs treten fein verstreut auf der Kopfhaut kleine, mäßig schmerzhafte, rote Knötchen auf (Zeichen der Follikulitis), mit Tendenz zur Bildung von Eiterpusteln. Im Laufe der Zeit bilden sich viele kahle Stellen mit spiegelnden Vernarbungen, die auch großflächiger ineinander übergehen können. Charakteristisch sind Haarbüschel in erweiterten Poren und haarbodennahe schuppenartige Einscheidungen der Haarschäfte am Rande der Herde. Anhaltende Reizungen mit rötlichen Knötchen in den Randzonen sind Anzeichen für ein Fortschreiten der Erkrankung.
    Diagnose
    : Dermatologisch-klinisch; Hautbiopsie, Erregerkultur aus Pustelinhalt.
    Therapie
    : Frühestmöglich ausgewählte Antibiotika gemäß Erregerkultur, um den Haarausfall zu begrenzen. Wenn die Erkrankung über längere Zeit ohne Therapie stabil gehalten wird und nicht akut auszubrechen droht, kann man bei guter Qualität der Nackenhaare und der Haare am Hinterkopf die Lücken gegebenenfalls wieder mit Transplantaten auffüllen.
  • Tiefergehende Pilzinfektionen der Kopfhaut: Kopfpilz (Tinea capitis), kann sich nur oberflächlich auf der Haut, aber auch tiefgreifend (sogenanntes Kerion) entwickeln.
    Symptome
    : Eine akute entzündliche Reaktion von juckenden Hautstellen, die sich stark röten, Pusteln bilden, teigig anschwellen, sich verhärten und kahl werden ("Plaques"). Meist schwellen auch Halslymphknoten an. Kopfpilz befällt im Allgemeinen Kinder, als Kerion mitunter aber auch Männer mit Bart.
    Diagnose
    : Dermatologisch-klinisch, Angaben zur Krankengeschichte, Dermatoskopie (auffallende schwarze Punkte, Schuppen, "Komma"-Haare), Pilzkultur. Sobald die Diagnose Tinea capitis gestellt wurde, sollte auch nach der Infektionsquelle gesucht werden, zum Beispiel Kontakt mit Katzen.
    Therapie
    : Es werden verschiedene Medikamente zur örtlichen Behandlung eingesetzt. Entweder hemmen sie das Pilzwachstum, oder sie töten die Pilze ab. Häufig verordnet  der Hautarzt vorab ein Breitband-Pilzmittel, das gegen verschiedene Pilzarten wirkt, da das Ergebnis der Pilzkultur länger dauert. Bei Kopfpilz oder Bartflechte mit tiefen Entzündungsherden wird er den Patienten zusätzlich auch innerlich mit einem Anti-Pilzmittel – Tabletten, Saft oder Suspensionen zum Einnehmen – behandeln. Diese Therapie kann bis zu drei Monate dauern. Wird sie zu kurz durchgeführt, besteht die Gefahr, dass der Pilz sich erneut breit macht. Arzneien zum Einnehmen sind notwendig, weil die meisten Medikamente von außen nicht in der Haarwurzel ankommen.
  • Schwere Akne (Acne conglobata): Kann mit Vernarbungen und Haarausfall einhergehen. Mehr zu der Hautkrankheit im Ratgeber "Akne".
  • Pseudopelade Brocq: Eine seltene Sonderform des vernarbenden Haarausfalls ist die Pseudopelade Brocq (Alopezia atrophicans; atrophicans steht für Schwund).
    Ursache: Unbekannt.
    Symptome: Unregelmäßig geformte, fleckförmige, scharf begrenzte haarlose Stellen, vor allem im Schläfen- und Scheitelbereich. Sie entwickeln sich langsam, meist innerhalb von zwei Jahren. Betroffen sind in erster Linie Erwachsene, Frauen dreimal so häufig wie Männer. Obwohl wenn das Haar an den betroffenen Stellen nicht mehr nachwächst: Der Erkrankungsprozess kann auch zum Stillstand kommen.
    Diagnose: Umfassende dermatologisch-klinische Untersuchungen einschließlich Kopfhautbiopsie.
    Therapie
    : Derzeit nicht bekannt. In die ärztliche Diagnostik und Beratung sollte ein spezialisiertes Zentrum für seltene Haut- und Haarkrankheiten mit eingebunden werden.

Fachliteratur für diesen Ratgeber:

Moll I: Dermatologie, Stuttgart Georg Thieme Verlag, 8. vollständig überarbeitete Auflage, 2016

S3 - European Dermatology Forum (EDF) - Guideline for the Treatment of Androgenetic Alopecia in Women and in Men. Update2017. Online: S3_guideline_androgenetic_alopecia_update2017.pdf (Abgerufen am 16.02.2018)

Bayart CB, DeNiro KL, Brichta L, Craiglow BG, Sidbury R:
Topical Janus kinase inhibitors for the treatment of pediatric alopecia areata. J Am Acad Dermatol. 2017 Jul;77(1):167-170. doi: 10.1016/j.jaad.2017.03.024 (Abgerufen am 16.02.2018)

Verband deutscher Haarchirurgen (VDHC) e.V.: Leitlinie Haartransplantation, 2016. Online: https://www.vdhc.de/downloads/VDHC-Leitlinie_HT.pdf (Abgerufen am 16.02.2018)