Haarausfall

Haarverlust kann viele Ursachen haben und zur Haarlosigkeit (Alopezie) führen. Häufig ist er anlagebedingt. Welche Mittel und Therapien den Haarausfall bei Frauen und Männern bremsen

aktualisiert am 26.06.2017

Überblick: Was ist Haarausfall?

Ein einzelnes Haar auf dem Kopfkissen, drei weitere im Waschbecken und fünf in der Haarbürste – das ist noch kein Haarausfall, sondern völlig normal. Jedes Haar hat nur eine begrenzte Lebensdauer, hört auf zu wachsen, fällt aus und ein neues wächst nach (Genaueres dazu im Kapitel "Wissenswert").

Gehen täglich mehr als etwa 100 Haare verloren, und das über einige Wochen, oder entstehen einzelne haarlose Stellen, dann kann man von Haarausfall sprechen (medizinisch: Effluvium).

Haarausfall: Verschiedene Arten und Verlaufsformen

Haarausfall kann zur Haarlosigkeit führen. Der Fachbegriff lautet Alopezie oder Alopecia. Der Haarverlust kann vorübergehend sein, dann wachsen die Haare von allein wieder nach. Wenn allerdings die Haarwurzeln unwiderruflich geschädigt wurden, zum Beispiel durch Verbrennungen oder seltene vernarbende Formen der Alopezie, dann bilden sich an der betroffenen Stelle keine neuen Haare mehr.

Bei Männern ist der Haarausfall in den allermeisten Fällen anlagebedingt (androgenetische Alopezie). Sie bekommen "Geheimratsecken" an den Schläfen und / oder dünnes Haar im Tonsurbereich. Dies kann sich im Laufe der Zeit zu einer Glatze an Stirn und Hinterkopf ausweiten, bis nur noch ein Haarkranz übrig ist. Erste Anzeichen treten gewöhnlich schon bei Jugendlichen auf.

Auch Frauen sind von diesem androgenetischen Haarausfall betroffen. Doch bekommen sie üblicherweise keine Glatze. Ihr Haar wird verstärkt im Scheitelbereich dünner, während es zur Stirn hin meist erhalten bleibt. Bei vielen Betroffenen macht sich diese Alopezie erstmals in den Wechseljahren bemerkbar. Andere stellen bereits im Teenageralter eine leichte Tendenz zu feinerem Haar am Oberkopf fest. Mehr zu den Krankheitsbildern in den weiteren Kapiteln dieses Beitrags.

Wenn runde, etwa münzgroße kahle Stellen am Kopf oder im Bart entstehen, handelt es sich meist um die Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall). Man vermutet als Ursache eine Störung des körpereigenen Immunsystems. In erster Linie erkranken Kinder und junge Menschen, seltener tritt die Erkrankung jenseits des 30. Lebensjahres auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In Deutschland, so die Schätzungen, leiden etwa eine Million Menschen an dieser Haarerkrankung.

Jedoch lassen auch Erkrankungen der Haut oder der Kopfhaut, zum Beispiel Pilzinfektionen wie der Katzenpilz, die Haare mitunter an einzelnen, umschriebenen Stellen ausfallen.

Neben diesen umschriebenen Alopezien kann das Kopfhaar auch gleichmäßig lichter werden. Dann spricht man von diffusem Haarausfall. Ursache hierfür können eine Überfunktion oder Unterfunktion der Schilddrüse oder auch ein Eisenmangel sein. Medikamente und Infektionskrankheiten können das Haar dünner werden lassen. Strahlentherapie oder Chemotherapien lassen es nicht selten gänzlich ausfallen, meist beginnt es aber nach der Therapie wieder zu wachsen. Nicht zuletzt wird der Einfluss von Stress auf das Haarwachstum diskutiert.

Therapie: Nicht ohne den Arzt

Auf dem Markt sind zahlreiche Mittel erhältlich, die das Haarwachstum anregen oder den Haarausfall stoppen sollen. Nur die wenigsten sind jedoch in guten klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit hin getestet worden. Prinzipiell sollte man erst einmal fachkundig abklären lassen, ob man überhaupt Haarausfall oder eine Alopezie hat und welcher Art diese dann ist. Dies ist wichtig, da es nicht "das Haarwuchsmittel" gibt, sondern jede Alopezie gesondert behandelt wird. Und wie eingangs schon gesagt: Teilweise wachsen die Haare von selbst wieder nach. Mehr zu den Behandlungsmöglichkeiten erfahren Sie im Kapitel "Therapie".

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Häufigste Form des Haarausfalls: Androgenetische Alopezie (anlagebedingter Haarausfall)

Wenn der Haarverlust bei Männern nach folgendem Muster abläuft, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine androgenetische Alopezie: Zunächst lichten sich die Haare an den Schläfen und an der Stirn. So genannte Geheimratsecken und im Verlauf eine Stirnglatze bilden sich. Weiterhin kommt es zu dünner werdendem Haar am oberen Hinterkopf, eine Tonsur entsteht. Die kahlen Stellen vergrößern sich und fließen zusammen, bis nur noch ein Haarkranz im unteren Bereich des Hinterkopfes und der Schläfen übrig ist. Dieses Muster bedeutet nicht, dass jeder Mann mit Geheimratsecken unwiderruflich eine Glatze entwickeln wird.

Wie weit der Haarverlust bei dem Betroffenen mit Geheimratsecken geht, lässt sich schwer voraussagen. Einige Männer können eine Glatze auch schon im Alter zwischen 20 und 30 entwickeln, während mancher 70-Jährige bis auf Geheimratsecken keinen Haarverlust erdulden musste. Die Mehrzahl der Männer ab 70 (rund 80 Prozent) ist jedoch sichtlich vom Haarverlust betroffen (mehr dazu auch in den Kapiteln "Ursachen" und "Therapie").

Auch Frauen können eine androgenetische Alopezie bekommen. Bis zu 50 Prozent aller Frauen über 50 Jahre, aber auch schon jüngere Frauen haben wenigstens minimal damit zu tun. Die Mehrzahl der Frauen beklagt eine verstärkte Haarausdünnung im Scheitelbereich, teilweise mit verstärktem Haarausfall einhergehend. Dieser kann allerdings auch fehlen. Einige wenige Frauen entwickeln ein ähnliches Haarausfallmuster wie die Männer, jedoch nicht so ausgeprägt.

Bei beiden Geschlechtern macht sich die androgenetische Alopezie teilweise schon im Teenageralter mit den jeweils für sie typischen ersten Anzeichen bemerkbar.

Diffuser Haarausfall: Dünner Schopf

Bei diffusem Haarausfall werden die Haare auf dem ganzen Kopf gleichmäßig "dünner", stehen also nicht mehr so dicht, die Kopfhaut schimmert stärker durch als dies früher der Fall war. Einzelne kahle Stellen sind aber nicht erkennbar (mehr dazu im Kapitel "Ursachen").

Alopecia areata: Meist runde, kahle Stellen

Bei der Alopecia areata, dem kreisrunden Haarausfall, bilden sich meist relativ rasch oder auch schubweise einzelne, runde, haarlose Flecken: im Kopfhaar, seltener im Bart, im Gesicht oder in der Körperbehaarung. Auf den kahlen Stellen lassen sich die winzigen Poren der Haarausführungsgänge erkennen. Dass sie noch sichtbar sind, ist ein Zeichen dafür, dass die Haare prinzipiell wieder nachwachsen können. Am Rand der haarlosen Flecken stehen meist kurze, abgebrochene Haare, sogenannte "Ausrufezeichen"- oder "Komma-Haare". Die Haare an den Rändern der Kahlstellen sind oft leicht auszupfbar. Auch Nagelveränderungen, etwa Tüpfel- oder Rillennägel, kommen bei Alopezia areata vor.

Alopecia areata betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene. In vielen Fällen wachsen die Haare innerhalb von etwa sechs bis zwölf Monaten von selbst wieder nach. Ein Wiederauftreten der Erkrankung ist allerdings möglich. Manchmal fallen ausschließlich die pigmentierten Haare aus, schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei der Betroffene innerhalb kürzester Zeit ergraut.

Die haarlosen Stellen können auch zusammenfließen und den ganzen Kopf (Alopecia areata totalis) oder sogar den ganzen Körper (Alopecia areata universalis) betreffen. Das ist eher ungünstig, da der Haarverlust oft anhält (mehr dazu in den Kapiteln "Ursachen" und "Therapie"). Als Ophiasis-Typ wird eine Alopecia areata bezeichnet, bei der die Haare im Nacken und weiter bandförmig entlang des Haaransatzes an den Seiten und nach vorne hin ausfallen. Auch dies kann mit einem chronischen Verlauf verbunden sein. Und obwohl es widersprüchlich klingt: Eine diffuse Form der Alopecia areata ohne einzelne kahle Stellen (Alopecia areata diffiusa oder incognita) ist ebenfalls möglich.

Vernarbender Haarausfall: Kein Nachwachsen der Haare

Verschiedene Krankheiten wie Systemischer Lupus Erythematodes oder Erkrankungen der Haut (wie etwa zirkumskripte Sklerodermie) oder der Kopfhaut, beispielsweise Pilzinfektionen oder Schuppenflechte, können manchmal haarlose Herde an einzelnen Stellen hervorrufen. Dann treten je nach Ursache eventuell zusätzliche Symptome auf, zum Beispiel Juckreiz, Rötungen oder Schuppenbildung. Falls die Haarwurzel zerstört wird und die Kopfhaut vernarbt, wächst an den betroffenen Stellen kein Haar mehr nach.

Eine seltene Sonderform des vernarbenden Haarausfalls ist die Pseudopelade Brocq (Alopezia atrophicans; atrophicans steht für Schwund, pelade für den vernarbenden Haarausfall). Die unregelmäßig geformten, kleinen haarlosen Stellen entwickeln sich langsam, meist innerhalb von zwei Jahren. Betroffen sind vor allem Erwachsene, Frauen dreimal so häufig wie Männer, doch auch Kinder können erkranken. Auch wenn das Haar an den betroffenen Stellen nicht mehr nachwächst: Der Erkrankungsprozess kann zum Stillstand kommen.

Um die Ursache eines Haarverlustes dingfest zu machen, muss man wissen, dass zwischen auslösendem Ereignis und Haarausfall Wochen liegen können. Nicht immer gehen die Haare sofort verloren. Oft stellen sie zunächst einmal ihr Wachstum ein und wechseln in den Ruhezustand (siehe dazu Kapitel "Wissenswert"). Am Ende dieser Ruhephase fallen dann auf einmal sehr viele Haare gleichzeitig aus.

Mit zunehmendem Lebensalter wird das Haar bei den meisten Menschen ein wenig lichter. In seltenen Fällen ist Haarlosigkeit bereits angeboren oder tritt in den ersten Lebensjahren, zum Beispiel als Folge von Stoffwechseldefekten, auf.

Androgenetische Alopezie (anlagebedingter Haarausfall): Haarwurzeln überempfindlich gegenüber männlichem Geschlechtshormon

Die Ursache dieser häufigsten Form des Haarausfalls ist bei Männern und Frauen gleich und stellt keine hormonelle Störung dar, obschon ein Hormon, nämlich das männliche Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT), eine entscheidende Rolle spielt. Das biologisch hoch aktive DHT wird im Körper von Männern und Frauen durch Hilfe eines Enzyms (5-alpha-Reduktase) aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildet (männliche Geschlechtshormone heißen Androgene).

Es ist jedoch ein Irrglaube, dass alle Männer mit Glatze übermäßig viele männliche Hormone im Blut hätten oder Frauen bis auf einige Ausnahmen zu viel Testosteron produzierten.

Das Geschehen spielt sich vielmehr örtlich an der Haarwurzel im zentralen Kopfbereich ab. Bei Menschen mit androgenetischer Alopezie reagieren die Haarwurzeln überaus überempfindlich auf DHT. Des Weiteren enthalten diese Haarwurzeln eine größere Menge des Enzyms 5-alpha-Reduktase, dadurch wird mehr DHT produziert.

Die Veranlagung dazu steckt bereits in den Erbanlagen, den Genen. Allerdings wird sie nicht automatisch "weitervererbt". Es sind hierbei verschiedene Gene im Spiel ("genetisch komplexe Erkrankung"). Aus der Haarpracht der nächsten Verwandten lässt sich also kein absolut sicherer Rückschluss ziehen, ob und wann sich der eigene Kopf lichten wird.

Die Überempfindlichkeit auf DHT führt dazu, dass sich die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Die Haare "leben" also nicht mehr so lange, sie fallen rascher aus und werden von Mal zu Mal dünner, bis nur noch ein winzig kleines Flaumhaar die Haarwurzel besetzt. In einigen Fällen geht auch dieses mitsamt der Haarwurzel zugrunde (medizinisch heißt diese Rückbildung Miniaturisierung; zum normalen Haarzyklus siehe Kapitel "Wissenswert").

Einige Studien lassen (bei Männern) einen gewissen Zusammenhang zwischen androgenetischer Alopezie und gutartiger Prostatavergrößerung sowie weiteren Krankheiten vermuten.

In wenigen Fällen können Frauen mit Lichtung der Haare im Scheitelbereich tatsächlich auch eine hormonelle Grunderkrankung haben (androgene Alopezie). Diese geht dann meist mit sogenannten "Vermännlichungszeichen" einher: Verstärkte Behaarung an Oberlippe, Kinn, Brustwarzen, Bauchnabel und Bikinibereich. Hier sollte eine hormonelle Abklärung erfolgen.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Immunangriff auf die Haarwurzel

Die genauen Ursachen dieser Krankheit sind unbekannt. Mediziner gehen davon aus, dass es sich um eine Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems, eine Autoimmunkrankheit, handelt. Statt gefährliche Viren und Bakterien zu bekämpfen, richten sich die Abwehrzellen plötzlich gegen die körpereigenen Haare und lösen dort eine Entzündung aus. In der Folge wachsen die Haare nicht mehr richtig und fallen aus.

In manchen Familien kommt die Alopecia areata gehäuft vor, was eine erbliche Veranlagung wahrscheinlich macht. Diese wird derzeit intensiv erforscht. Der kreisrunde Haarausfall tritt überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit anderen Autoimmunkrankheiten auf, zum Beispiel mit der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) oder einer Schilddrüsenerkrankung.

Diffuser Haarausfall: Viele verschiedene Ursachen

Man muss hier zwischen zwei "Arten" von diffusem Haarausfall unterscheiden. Bei der einen Form tritt der Haarverlust meist erst zwei bis drei Monate nach dem schädigenden Ereignis oder nach Beginn der Erkrankung ein – durch den verstärkten Eintritt der Haare in die Ausfallphase (Telogenphase). Das betrifft die meisten genannten Ursachen.

Fallen die Haare direkt in der Wachstumsphase (Anagenphase) aus, so kann der Haarverlust auch schon nach einigen Tagen eintreten, wie es bei manchen Chemotherapien der Fall ist.

Schilddrüsenüber-/unterfunktion

Eine Störung der Schilddrüse, als wichtiges Stoffwechselorgan, kann bei einigen Betroffenen einen diffusen Haarausfall zur Folge haben. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann es darüber hinaus neben Antriebsarmut, einer gesteigerten Kälteempfindlichkeit und kühler, trockener Haut noch zu stumpfem, brüchigem Haar kommen. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann sich ebenfalls mit diffusem Haarverlust zeigen sowie mit gesteigerter Gereiztheit, Wärmeintoleranz, warm-feuchter Haut und weichem, dünnen Haar.

Eisenmangel

Ein Eisenmangel, hier vor allem ein Mangel des Speichereisens (Ferritin) wird bei Patienten mit diffusem Haarausfall häufig nachgewiesen. Ob dieser wirklich die Ursache des vermehrten Haarverlustes ist, ist immer noch nicht endgültig geklärt. Ein Eisenmangel kann durch eine unzureichende Eisenversorgung über die Nahrung, eine ungenügende Eisenaufnahme über den Darm oder einen gesteigerten Blutverlust entstehen. Ursachen sind dann beispielsweise starke Monatsblutungen oder Magen-Darmgeschwüre.

Nährstoffmangel, Krankheiten

Bei einer ausgewogenen Ernährung kommt es in unseren Breiten in den seltensten Fällen zu einem Nährstoffmangel und dadurch zu einem diffusen Haarausfall. Allerdings kann durch (auch kurzzeitige) Crash-Diäten, Essstörungen (Anorexie, Bulimie), aber auch unzureichende Aufnahme von Nährstoffen durch den Darm bei chronischen Darmerkrankungen oder nach Operationen ein Nährstoffmangel auftreten. Im Zuge von schweren chronischen Erkrankungen, Infektionskrankheiten wie Grippe oder Scharlach, aber auch nach Operationen mit Vollnarkose kann sich das Haar ebenfalls diffus lichten.

Medikamente, Vergiftungen

Diffuser Haarausfall kann sich als Nebenwirkung von Medikamenten zeigen, beispielsweise bei Cholesterinsenkern, Mitteln zur Blutverdünnung, Retinoiden gegen Akne oder Betablockern gegen Bluthochdruck. Sehr seltene Ursachen können Vergiftungen, beispielsweise durch Thallium sein. Diese gehen in den seltensten Fällen ausschließlich mit Haarausfall einher, sondern mit weiteren körperlichen Symptomen.

Diffuse Alopecia areata

Eine seltene Unterform des kreisrunden Haarausfalls stellt die diffuse Alopecia areata dar. Sie lässt sich nur schwer von anderen Ursachen eines diffusen Haarausfalls unterscheiden. Näheres zu Alopecia areata siehe oben.

Schwangerschaft, Hormoneinnahme

Während einer Schwangerschaft verändert sich das weibliche Hormongleichgewicht. Eine Folge ist, dass sich viele werdende Mütter über besonders dichtes und gesund aussehendes Haar freuen können, da die Wachstumsphase der Haare verlängert ist. Die hormonelle Umstellung nach der Geburt führt dann allerdings oft dazu, dass die Haare über den gesamten Kopf verteilt stärker ausfallen als gewohnt. Diese Schwankungen sind für die Betroffene oftmals erschreckend, pendeln sich üblicherweise nach kurzer Zeit wieder auf das gewohnte Normalmaß ein. Frauen, die mit der "Anti-Baby-Pille" beginnen, auf ein anderes Präparat wechseln oder die Einnahme beenden, beobachten manchmal ebenfalls Effekte auf ihre Haarpracht.

Chemotherapie, Strahlentherapie

Eine Chemotherapie, wie sie bei vielen Krebserkrankungen angewendet wird, kann (muss aber nicht) mit einem diffusen Haarausfall verbunden sein. Es können nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Wimpern, Augenbrauen und Körperhaare betroffen sein. Die Haare fallen meistens einige Tage bis Wochen nach Therapiebeginn aus und / oder brechen verstärkt über der Kopfhaut ab. In der Regel wachsen sie nach Therapieende wieder nach.

Muss sich ein Patient einer Strahlentherapie, wie sie bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommt, unterziehen und liegt dabei die Kopfhaut im Bestrahlungsfeld, so kann es hierbei ebenfalls zu einem verstärkten diffusen Haarausfall kommen. In den meisten Fällen beginnen die Haare einige Zeit nach dieser Behandlung wieder zu wachsen. Bei sehr hohen Strahlendosen werden Haarwurzeln eventuell auch dauerhaft geschädigt, so dass das Haar spärlicher nachwächst.

Mechanische Ursachen

Manche Frisuren oder Kopfbedeckungen können die Haare strapazieren. Wer stets einen Pferdeschwanz trägt, stellt manchmal fest, dass die Haare an den Schläfen und im Scheitelbereich schütter werden. Schuld ist dann möglicherweise der ständige Zug. Auch anhaltender Druck ist dem Haarwuchs nicht förderlich. So können nach längerer Bettlägerigkeit Haare am Hinterkopf verloren gehen.

Infektionen, Hauterkrankungen

Ursache für einen diffusen oder einen umschriebenen Haarausfall können auch verschiedene (Haut-)Krankheiten sein: Pilzinfektionen, eine Infektion mit Bakterien oder Viren wie bei Herpes Zoster, Tumore an der Haut, Schuppenflechte oder Ekzeme der Kopfhaut.

Vernarbender Haarausfall

Es gibt des Weiteren einige entzündliche Erkrankungen oder Schädigungen der Kopfhaut, welche nicht selten zur Zerstörung der Haarwurzeln und zu Vernarbungen führen: zum Beispiel tiefe Pilzinfenktion der Kopfhaut, Säure- oder Laugeverätzung, Verbrennungen, chronisch diskoider Lupus erythematodes, Lichen-Erkrankungen der Haut, zirkumskripte Sklerodermie, Folliculitis decalvans. Hierbei können dauerhaft haarlose Stellen zurückbleiben. Nach entzündlichen Haut- und Haarbalgerkrankungen wird der Folgezustand auch als sogenannte Pseudopelade Brocq bezeichnet.

Stress und psychische Ursachen

Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch Stress zu Haarausfall führen kann. In Studien an Mäusen konnte dies schon bewiesen werden.

Selten kann hinter dem angeblichen Haarausfall auch eine psychische Erkrankung stecken. Manche Menschen verspüren den Zwang, sich bei Anspannung Haare auszureißen. Diese Verhaltensstörung heißt Trichotillomanie. Experten gehen von einer Störung der Impulskontrolle aus. Oft beginnt sie in der Jugend, Frauen sind hierbei häufiger betroffen als Männer. In schweren Fällen weist die Kopfhaut dann zahlreiche kahle Stellen auf, obwohl die Haare eigentlich völlig gesund sind. Viele Betroffene erfinden angebliche Ursachen für den vermeintlichen Haarausfall oder versuchen, die lichten Stellen unter Kopfbedeckungen oder Haarteilen zu verstecken. Es können verschiedene psychische Faktoren wie Ängste oder seelische Verletzungen (Traumata) zugrunde liegen. Zur Behandlung kommt eine Psychotherapie, meist in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie, infrage.

Pflegefehler

Manche Menschen muten ihrem Haar zu viel an Haarpflege zu. Dabei kann es zu Schäden am Haar selbst kommen, zum Beispiel durch intensives heißes Fönen, Lockenstäbe, häufiges Bleichen oder Dauerwellen. Das kann dazu führen, dass das Haar spröde aussieht oder verstärkt abbricht. Haarausfall an sich wird durch diese Belastungen des Haares in der Regel nicht erzeugt.

Zuständig für Haut, Haare, Nägel: der Hautarzt

Zentraler Ansprechpartner ist der Dermatologe (Hautarzt), eventuell auch in einem spezialisierten Zentrum. Die Beratung erfolgt je nach Umstand in Abstimmung mit dem Haus-, Frauen- oder Kinderarzt.

Im Gespräch mit dem Patienten fragt der Hautarzt nach der Dauer und Stärke des Haarausfalls, nach weiteren Symptomen sowie nach Krankheiten, Medikamenten – auch eine schon mehrere Wochen zurückliegende Anwendung kann hier bedeutsam sein – und nach Lebensumständen, die das Haarwachstum beeinflussen könnten. Die Frage, ob ein naher Verwandter an Haarausfall leidet, ist ebenfalls von Interesse. Frauen mit Verdacht auf eine androgenetische (oder gar androgene) Alopezie wird der Arzt immer auch nach Veränderungen des Zyklus, Anwendung hormoneller Verhütungsmittel, Schwangerschaften und Geburten, je nach Alter auch zum Eintritt der Wechseljahre, befragen.

Blickdiagnose und Zupftest

Dann wird sich der Mediziner die Haare, Nägel und die Kopfhaut ansehen und beurteilen, ob eine Hautkrankheit vorliegt, ob die Nägel mitbetroffen und ob die Haare nur an bestimmten Stellen oder diffus über den ganzen Kopf verteilt lichter sind. Auch das übrige Körperbehaahrungsmuster wird der Arzt überprüfen.

Eventuell testet der Arzt, wie viele Haare sich bereits durch leichtes, schmerzloses Zupfen lösen (Zupftest oder klinischer Epilationstest). Er untersucht außerdem eventuell mit Hilfe einer Lupe, ob auf der haarlosen Kopfhaut noch Haarfollikel erkennbar sind. Das deutet darauf hin, dass die Haare prinzipiell wieder nachwachsen können. Der Haarverlust verläuft nicht vernarbend. Im Gegensatz dazu können sich beim seltenen vernarbenden Haarausfall keine neuen Haare mehr bilden. In diesem Fall wurden die Wurzeln irreparabel geschädigt.

Mikroskop, Fotos & Computer

Eventuell sieht sich der Arzt einzelne Haare unter dem Mikroskop an und beurteilt ihre Struktur, etwa ob er Anagen- oder Telogenhaare (siehe Kapitel "Wissenswert") oder abgebrochene Haare vor sich hat. Mit anderen Worten: Diese Haarwurzelanalyse (das Trichogramm) zeigt, welcher Anteil der Haare sich gerade im Wachstum befindet, und ob zum Beispiel ungewöhnlich viele Haare ihr Wachstum eingestellt haben. Für die Untersuchung werden etwa 50 bis 100 Haare an unterschiedlichen Bereichen der Kopfhaut ausgezupft.

Damit die Untersuchung eine gute Aussagekraft hat, sollte sich der Patient vier bis fünf Tage vorher das letzte Mal die Haare gewaschen haben. In manchen Fällen ist auch ein Phototrichogramm ausreichend. Hierfür wird keine Haarprobe benötigt, sondern die Haare werden an ein oder zwei kleinen, unauffälligen Stellen abgeschnitten. Diese Areale werden dann mit einer Kamera fotografiert und die Aufnahmen im Computer analysiert.

Gewebepobe aus der Kopfhaut

Um zu einer Diagnose zu kommen, ist mitunter die Untersuchung einer Gewebeprobe der Kopfhaut (eine Kopfhautbiopsie) unumgänglich. Die Entnahme erfolgt mit örtlicher Betäubung unter sterilen Bedingungen. Sie wird vor allem bei narbigen Alopezien notwendig sein oder bei unklaren nicht narbigen Alopezien.

Spurensuche manchmal auch im Blut

Vermutet der Mediziner Krankheiten oder Mangelerscheinungen als Ursache, können weitere Untersuchungen nötig sein. So können mit Hilfe einer Blutuntersuchung zum Beispiel Eisen-, Schilddrüsen- oder Entzündungswerte oder Immunphänomene bestimmt werden und möglicherweise eine Erkrankung aufdecken. Eine Untersuchung der Geschlechtshormone ist bei Frauen meist nicht erforderlich. Sie erfolgt nur beim Verdacht auf eine androgene Alopezie, zum Beispiel bei verstärkten Vermännlichungszeichen.

Auf dem Markt befinden sich etliche Haarwuchsmittel, die angeblich Haarausfall stoppen, das Haar kräftigen und das Haarwachstum anregen sollen. Doch nicht alle halten, was sie versprechen.

Prinzipiell sollte die Devise lauten: Erst die Diagnose, dann (gegebenenfalls) die Behandlung! Auch gibt es nicht eine Therapie für jeden Haarausfall, und nicht jeder Haarausfall muss therapiert werden. Wenn man sich dann zu einer Therapie entschließt, sollte man sich beim Arzt oder Apotheker genau informieren, welche Wirkungen und welche möglichen Nebenwirkungen man zu erwarten hat.

Wegen Haarausfall zum Arzt?

Haarausfall kann viele Ursachen haben. Manchmal stecken Krankheiten oder Hormonstörungen  dahinter, die behandelt werden müssen. Deshalb ist ein Arztbesuch im Zweifel immer ratsam. In den meisten Fällen gilt: Zeit ist Haar. Je früher die richtige Diagnose gestellt und eine Therapie begonnen wird, desto größer ist die Chance, möglichst viele Haare zu "retten" und zu erhalten.

Etliche Kliniken und niedergelassene Ärzte bieten heute spezielle Haarsprechstunden an. Die androgenetische Alopezie bei Männern ist weit verbreitet (siehe Kapitel "Symptome" und "Ursachen") und nicht automatisch Anlass für umfangreiche medizinische Untersuchungen. Dennoch kann auch hier fachkundiger Rat hilfreich sein, wenn eine Therapie gewünscht wird.

Androgenetische Alopezie: Minoxidil für Frauen und Männer zum Auftragen und Finasterid für Männer zum Einnehmen

Die genannten Präparate können einen androgenetisch bedingten Haarausfall stoppen, kräftigere Haare können nachwachsen.

Zum einen hat sich in klinischen Studien Minoxidil als wirksam erwiesen. Der Wirkstoff wurde ursprünglich als Medikament gegen Bluthochdruck entwickelt. Dabei stellte sich heraus, dass bei Einnahme der Arznei die Haare am gesamten Körper stärker wuchsen. Damit man diesen Effekt nur für die Kopfhaare nutzen kann, wurde Minoxidil in eine flüssige Lösung zum Auftragen auf die Kopfhaut eingebracht. Auf den Blutdruck wirkt es sich normalerweise nicht aus.

Für Männer und Frauen gibt es unterschiedliche Dosierungen. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt, läuft aber vermutlich über einen die Durchblutung fördernden Faktor. Die Substanz kann die Ausdünnung der Haare und damit auch den Haarausfall bremsen, indem neue Haare kräftiger nachwachsen. Hier ist der Effekt besonders an Haarstellen gut, an denen noch Haare im näheren Umkreis wachsen. Bis sich eine Wirkung einstellt, ist Geduld gefragt.

Meist hat man es zunächst mit einer unschönen Begleiterscheinung zu tun: Nach etwa vier bis acht Wochen der Anwendung kommt es erst einmal zu einem verstärkten Haarausfall. Dies sollte aber als ein gutes Zeichen gesehen werden, da es eine hohe Aktivität nachwachsender Haare anzeigt. Die "alten" Haare, welche noch die Haarwurzel besetzen, müssen hierfür weichen und ausfallen.

Erste Ergebnisse sind frühestens nach vier bis sechs Monaten erkennbar. Wenn die Anwendung unterbrochen wird, besteht die Gefahr, dass die neu gewonnen Haare wieder verloren gehen und man auf den Zustand zurückfällt, mit dem man begonnen hat. Nicht für jeden Betroffenen lohnen sich Aufwand und Kosten im Verhältnis zum Nutzen. Obwohl Minoxidil rezeptfrei erhältlich ist, empfiehlt sich eine ausführliche Beratung zu Vor- und Nachteilen und dem möglichen Therapieverlauf vor dem Beginn einer Behandlung.

Zum anderen ist für Männer mit androgenetisch bedingtem Haarausfall das Medikament Finasterid zugelassen, das in höherer Dosierung auch gegen gutartige Prostatavergrößerung eingesetzt wird. Der Wirkstoff beeinflusst den männlichen Hormonhaushalt: Aus Testosteron entsteht durch die Einnahme des Medikaments (Dosis: ein Milligramm) weniger Dihydrotestosteron (DHT, siehe Kapitel "Ursachen").

Finasterid verhindert oder verlangsamt dadurch die Zunahme des Haarverlusts, die vorhandenen Haare haben die Chance, dichter nachzuwachsen. Auch hier gilt: Der Anwender muss Geduld mitbringen. Es dauert einige Monate, bis eine Wirkung erkennbar ist. Sobald die Anwendung unterbrochen wird, setzt auch hier der Haarausfall wieder ein. Der Wirkstoff ist verschreibungspflichtig. Nebenwirkungen wie Libidoverlust können vorkommen. Vor der Einnahme sollten Sie sich auf jeden Fall ausführlich vom Arzt beraten lassen.

Für Frauen ist Finasterid nicht zugelassen. Schwangere Frauen müssen den Kontakt zu Finasterid besonders sorgfältig vermeiden, da es zu einer Verweiblichung eines männlichen Fötus führt.

Es gibt auch östrogenhaltige Tinkturen zum Auftragen auf die Kopfhaut. Die Wirkung gilt als nicht sicher belegt. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Hautarzt über den aktuellen Stand informieren.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Oft bessert sich die Krankheit nach einigen Monaten von alleine wieder, so dass keine Therapie erforderlich ist. Ist das nicht der Fall, kann bei augeprägtem Befund eine Therapie mit Kortison zum Auftragen auf die kahlen Stellen begonnen werden. Kortison unterdrückt Immunreaktionen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Kortison unter die Haut der haarlosen Stellen zu spritzen. Bei starker Aktivität des Haarausfalls kann Kortison  zum Beispiel als Stoßtherapie (in Tablettenform zum Einnehmen) in abnehmender Dosierung über einen kurzen Zeitraum eingesetzt werden. Obwohl Kortison die Entzündungsreaktion bremst, kann diese nach Absetzen wieder auftreten. Nachgewachsenes Haar fällt dann häufig wieder aus. Außerdem sind die Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Insofern wird der Arzt eine solche Therapie sehr sorgfältig abwägen.

Falls auf den haarlosen Stellen trotz Kortisontherapien kein Neuwachstum der Haare zu erkennen ist, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit dem sogenannten Kontaktallergen Diphenylcyclopropenon (DCP). Es bewirkt auf der Kopfhaut eine Allergie. Das Immunsystem soll dadurch angeregt und quasi "abgelenkt" werden, was im Idealfall den Haarausfall stoppt. Es handelt sich bei dieser äußeren Immuntherapie nicht um eine zugelassene Therapie beziehungsweise DCP ist kein zugelassenes Medikament. Die Behandung wird nur in einzelnen spezialisierten Zentren und an Universitätskliniken angeboten. Patienten sollten sich unbedingt an ein solches Zentrum wenden, wo man sich mit dem Mittel genau auskennt. Für schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch ist eine Therapie mit DCP nicht geeignet.

Bei Kindern wird die Therapieentscheidung besonders sorgfältig zu treffen sein. Zuallererst müssen andere Erkrankungen ausgeschlosssen werden. In bis zu 40 Prozent der Fälle ist eine spontane Rückbildung zu erwarten (bei Erwachsenen liegt dieser Prozentsatz noch höher; das macht die Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie auch so schwer!). Besonders bei gering ausgeprägtem Haarausfall und weiteren günstigen Anzeichen, zum Beispiel unauffälligen Nägeln oder fehlenden typischen Begleiterkrankungen, gilt ein abwartendes Verhalten als gerechtfertigt. Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher sollten sich ausführlich in der Spezialsprechstunde einer Hautklinik beraten lassen. Dort erfahren sie auch Näheres über die Möglichkeiten  psychosozialer Hilfen.

Auch die Einnahme von Zinktabletten in höherer Dosierung kann bei Alopecia areata unterstützen. Arzt und Patient sollten das Für und Wider der Therapie individuell abwägen.

Diffuser Haarausfall

Hier richtet sich die Therapie wenn möglich nach der jeweiligen Ursache. Sind Medikamente der Auslöser, kann in Absprache mit dem behandelnden Arzt eventuell ein anderes Präparat verschrieben werden. (Achtung, Arzneien nicht eigenmächtig absetzen!). Bei einem Eisenmangel zum Beispiel ist es natürlich ebenfalls wichtig, die Ursachen abzuklären und diese gezielt zu behandeln. Gegen den Mangel können Eisenpräparate helfen. Liegt eine Schilddrüsenerkrankung vor, sollte diese behandelt werden. Wenn der Haarausfall aufgrund einer Diät entstanden ist, sollte diese beendet werden und auf eine geeignete, ausgewogene Ernährung umgeschwenkt werden. Ein anders entstandener Nährstoffmangel ist dann hierzulande in den seltensten Fällen Ursache des diffusen Haarausfalls.

Allgemein kann man sagen, dass der diffuse Haarausfall auch nach Beseitigung der Ursache – also zum Beispiel nach Beginn der Einnahme von Eisentabletten – noch zwei bis drei Monate anhalten kann. Das kommt dadurch, dass ein Teil der Haare schon in die Ausfallphase (Telogenphase) eingetreten ist und nach zwei bis drei Monaten ausfällt.

Haarausfall bei Chemotherapie

Eine Chemotherapie, wie sie bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommt, kann (muss aber nicht) mit einem Haarausfall verbunden sein. Für viele Patienten, vor allem für Frauen, bedeutet diese Medikamenten-Nebenwirkung eine große emotionale Belastung. Wer psychologische Unterstützung sucht, kann sich zum Beispiel an Psychologen wenden, die sich auf Krebserkrankungen spezialisiert haben (Psychoonkologen).

Wenn Frauen den Haarausfall mit einer Perücke kaschieren möchten, übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, sofern der Arzt sie verordnet. Bei Männern werden die Kosten für Perücken in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Es gibt Perücken aus Echthaar und solche aus Kunsthaar. Führen die individuell verordneten Chemotherapeutika bekanntermaßen zu einem Haarverlust, dann ist es günstig, eine Perücke – falls gewünscht – bereits im Vorfeld der Therapie zu planen. Spezialgeschäfte können dann individuell beraten und den Ersatz genau auf das eigene Haar abstimmen. Es gibt auch maßgeschneiderte Schminkkurse (organisiert zum Beispiel von Selbsthilfegruppen), in denen Betroffene lernen können, fehlende Wimpern und Augenbrauen nachzuzeichnen.

Nach der Therapie wachsen die Haare im Normalfall wieder nach. Eine Perücke ist selbstverständlich kein "Muss". Viele Betroffene verzichten auch darauf, den Haarverlust zu verstecken, oder sie verwenden Kopfbedeckungen wie Hüte, Hauben oder Tücher. Auch Nachzeichnen der Augenbrauen und Wimpern als Permament-Make-up kann für manche Frauen ein wenn auch teurer Weg sein.

Haarverpflanzung (Eigenhaartransplantation)

Bei androgenetisch bedingtem Haarausfall (siehe Kapitel "Ursachen") bekommen Männer üblicherweise keine komplette Glatze, sondern es bleibt ein Haarkranz am Hinterkopf stehen. Das kommt daher, dass die Haarwurzeln in dieser Region weniger empfindlich auf männliche Geschlechtshormone reagieren als die übrigen Kopfhaare. Werden Haarwurzeln vom Hinterkopf an andere, lichter werdende Stellen verpflanzt, bestehen deshalb gute Chancen, dass diese Haarwurzeln auch an ihrem neuen Platz überleben und Haare sprießen lassen.

Für eine Haartransplantation entnimmt der Arzt – häufig ein auf Haartransplantation spezialisierter Hautarzt – nach örtlicher Betäubung einen schmalen Hautstreifen samt Haaren vom Hinterkopf des Betroffenen. Die Haarwurzeln werden aus dem Haarstreifen herausgearbeitet und an der gewünschten Stelle wieder in die Kopfhaut eingesetzt. Das ist die herkömmliche Methode. Zunehmend etabliert sich die Verpflanzung einzelner Haarwurzelgrüppchen (Follikel-Units). Diese minimal-invasive Vorgehensweise heißt FUE (Abkürzung für die englische Bezeichnung follicle unit extraction). Sie wird ständig weiterentwickelt. Ärzte, die Haartransplantationen durchführen, sollten mit den verschiedenen Techniken und den Voraussetzungen beim Patienten gut vertraut sein. Nur so können können sie auch ausgeprägtere Formen von Haarausfall optimal behandeln.

Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant. Die verpflanzten Haare fallen in der Regel erst einmal aus, um dann neu aus der Wurzel heraus zu wachsen. Bis ein Erfolg zu sehen ist, kann es einige Monate dauern. Das Ergebnis fällt individuell verschieden aus.

Die Haarverpflanzung eignet sich auch bei manchen anderen Formen des Haarausfalls. Zum Beispiel kann sie auch bei Frauen mit androgenetischer Alopezie infrage kommen, wenn genügend Spenderhaar vorhanden ist. Im Vorfeld sollte eine ausführliche Beratung zu möglichen Komplikationen, zu den Kosten und zum erreichbaren Erfolg stattfinden.

Im Schnitt stehen auf jedem Kopf 100.000 Haare. Bei Blonden sind es mehr, bei Dunkelhaarigen und Rothaarigen weniger. Die Haarfarbe entsteht durch das Pigment Melanin, genauer durch das individuelle Mischungsverhältnis verschiedener Arten von Melanin. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Melaninproduktion in den Haaren ab, sie werden allmählich grau. Die Kopfhaare wachsen etwa einen Zentimeter pro Monat. Die "Lebensdauer" eines Haares beträgt rund zwei bis sechs Jahre (hier gibt es unterschiedliche Angaben). Dann fällt es aus.

Nicht alle Kopfhaare befinden sich gleichzeitig im Wachstum. Denn jedes Haar durchläuft nacheinander verschiedene Phasen:

  • Wachstumsphase (Anagenphase)
    Sie dauert einige Jahre (zwei bis sechs). Solange die Pigmentbildung funktioniert, entsteht ein pigmentierter Haarschaft. Mehr als 80 bis 90 Prozent aller Haare befinden sich im Wachstum.
  • Übergangsphase (Katagenphase)
    Sie dauert zwei bis drei Wochen. Das Haar stellt das Wachstum ein und löst sich von seiner Wurzel. In dieser Phase befindet sich etwa ein Prozent aller Haare.
  • Ruhe- beziehungsweise End- und Ausfallphase (Telogenphase)
    Sie dauert circa drei Monate und betrifft bis zu 15 Prozent der Haare. In dieser Zyklusphase wird das alte Haar vom nachwachsenden Haar allmählich nach außen geschoben und fällt schließlich aus.

Im Laufe des Lebens durchläuft jede Haarwurzel etwa zehn bis 20 solcher Zyklen.

Tipps für die Haarpflege:

  • Shampoo sind zur Reinigung von Haaren und Kopfhaut da, nicht zu viel verwenden und die Haare anschließend gut ausspülen
  • Die Haarpflegeprodukte sollten auf Haar und Kopfhaut abgestimmt sein
  • Ab und zu freuen sich die Haare über Spülungen und Kuren, dadurch wird das Haar besser kämmbar
  • Haare nach dem Waschen nicht trockenrubbeln sondern behutsam "trocken drücken" und gerne einige Minuten im Handtuch belassen
  • Nur lauwarm föhnen, den Föhn nicht zu dicht ans Haar halten, alternativ die Haare an der Luft trocknen lassen
  • Haare und Kopfhaut vor UV-Strahlung schützen
  • Nicht zu häufig Stylingprozeduren wie Bleichen, Glätten oder Dauerwellen anwenden – das kann die Haare strapazieren und Haare brüchiger machen. Haarausfall entsteht dabei in der Regel nicht.
  • Bürsten mit abgerundeten Borsten und Kämme mit weit auseinander stehenden Zinken verwenden

Fachliteratur für diesen Ratgeber:

Blumeyer A, Tosti A, Messenger A et al.: Evidenzbasierte S3-Leitlinie für die Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Frauen und Männern. JDDG 9 (Suppl 6-2011j):S1-S57, DOI: 10.1111/j.1610-0379.2011.07802.x

Gilhar A, Etzioni A, Paus R: Alopecia Areata, N Engl J Med 2012; 366:1515-25


Moll, I (Hrsg.): Dermatologie, Stuttgart, Thieme Verlag, 2010