Uveitis

Unter dem Begriff Uveitis fassen Mediziner verschiedene entzündliche Krankheiten im Augeninneren zusammen. Ursachen, Symptome und Therapie variieren je nach Form der Uveitis

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aktualisiert am 30.03.2015

Was ist eine Uveitis?

Es gibt nicht "die" Uveitis. Vielmehr fassen Augenärzte unter diesem Begriff zahlreiche verschiedene Krankheiten zusammen, die das Augeninnere betreffen. Gemeinsam ist ihnen, dass sich dabei Teile der Uvea entzünden. Die Uvea, zu deutsch Gefäßhaut, setzt sich aus drei Schichten zusammen: der Regenbogenhaut (Iris), dem Strahlenkörper (Ziliarkörper) und der Aderhaut (Choroidea).

Welche Formen gibt es?

Je nachdem, in welchem Bereich die Entzündung auftritt, sprechen Mediziner von einer vorderen (anterioren), mittleren (intermediären) oder hinteren (posterioren) Uveitis. Der vordere Augenabschnitt besteht unter anderem aus Regenbogenhaut und Strahlenkörper. Entsprechend kann sich eine vordere Uveitis als Iritis (Iris entzündet), Zyklitis (Strahlenkörper betroffen) oder Iridozyklitis (beide Bereiche entzündet) äußern.

Zum mittleren Augenabschnitt, auch Intermediärzone genannt, gehören Teile des Strahlenkörpers, der Netzhaut (Retina) sowie der Aderhaut (Chorioidea). Die intermediäre Uveitis betrifft diesen Bereich. Im hinteren Augenabschnitt liegen unter anderem Netz- und Aderhaut. Abhängig davon welche Teile entzündet sind, unterscheiden Augenärzte zwischen einer Retinitis (Netzhaut entzündet) und einer Chorioiditis (Aderhaut entzündet). Sind Netz- und Aderhaut betroffen, sprechen Experten von einer Retinochorioiditis, wenn die Erkrankung von der Netzhaut ausgeht. Es handelt sich um eine Chorioretinitis, wenn die Aderhaut den Ausgangspunkt darstellt. Ist die gesamte Uvea entzündlich verändert, handelt es sich um eine Panuveitis.

Es kommt relativ häufig vor, dass sich Teile der Gefäßhaut entzünden. In den meisten Fällen stellen Augenärzte dann eine vordere Uveitis fest. Kinder, Jugendliche und Erwachsene um das 35. Lebensjahr sind vorwiegend von einer vorderen Uveitis betroffen. Dieses Krankheitsbild kann plötzlich auftreten (akuter Verlauf) oder sich schleichend über längere Zeit entwickeln (chronischer Verlauf).

Oft kommt es zu Schüben, ähnlich wie bei Rheuma. Überhaupt entzündet sich das Augeninnere auffallend häufig bei Menschen, die an bestimmten Formen des entzündlichen Rheumas leiden. Auch begleitend zu anderen Grundkrankheiten, zum Beispiel einer Sarkoidose, kann sich eine Uveitis entwickeln.

Wie sehen die Symptome aus?

Verläuft die Gefäßhautentzündung chronisch, bemerken Betroffene davon meist lange Zeit nichts. Erst später kommt es zu Beschwerden – die Patienten sehen deutlich schlechter und sie berichten häufig, dass sie Schlieren, Fusseln oder Flocken wahrnehmen. Eine akute vordere Uveitis fällt meist sofort auf: Das Auge ist stark gerötet, es tränt, ist lichtempfindlich und schmerzt. Auch andere Symptome können auftreten, je nachdem welcher Bereich des Augeninneren entzündet ist.

Hat der Augenarzt festgestellt, dass der Patient eine Uveitis hat und welche Form vorliegt, entscheidet er sich für die passende Therapie.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Einige Infektionskrankheiten können mit einer Uveitis einhergehen. So können Viren, zum Beispiel Masern- oder Herpesviren, ins Auge gelangen und dort eine Entzündung hervorrufen. Genauso können Bakterien das Innere des Auges infizieren, unter anderem die Erreger der Borreliose und der Tuberkulose. Pilze und Parasiten können ebenfalls eine Uveitis hervorrufen, dies kommt jedoch eher selten vor.

Neben solchen Keimen kommen Krankheiten als Ursache in Betracht, bei denen das Immunsystem vermutlich körpereigene Strukturen angreift (Autoimmunkrankheiten). Hierzu gehören rheumatische Erkrankungen wie Morbus Bechterew, die juvenile chronische Arthritis oder Morbus Reiter. Ebenso entzündliche Darmkrankheiten – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa –  sowie die Sarkoidose. Die Uveitis tritt dabei begleitend zur entsprechenden Krankheit auf, beziehungsweise diese äußert sich unter anderem am Auge.

Bei vielen Patienten, die an einer Uveitis leiden, lässt sich das humane Leukozyten-Antigen HLA-B27 nachweisen. Dieses Molekül spielt eine wichtige Rolle in der Immunabwehr, steht aber auch in Zusammenhang mit Autoimmunkrankheiten. Wer Träger von HLA-B27 ist, hat ein höheres Risiko im Laufe des Lebens eine Gefäßhautentzündung zu bekommen. Umgekehrt steigt auch die Wahrscheinlichkeit für einen Morbus Bechterew, wenn Träger dieses Moleküls eine Uveitis haben.

Die Uveitis kann auch unabhängig von anderen Krankheiten auftreten. Die Ursachen hierfür ließen sich bisher nicht eindeutig klären. Experten vermuten jedoch, dass das körpereigene Abwehrsystem – fälschlicherweise – körpereigene Strukturen im Augeninneren angreift. Mediziner sprechen dann von einer Autoimmunkrankheit.

Vordere Uveitis

Die häufigste Form, die vordere Uveitis, kann akut oder chronisch verlaufen. Tritt sie akut, also plötzlich auf, kann sie sich durch folgende Symptome äußern: Das betreffende Auge ist stark gerötet, es schmerzt teils heftig, tränt und reagiert empfindlich auf Lichtreize.

Verläuft diese Gefäßhautentzündung chronisch, entwickelt sie sich schleichend über einen längeren Zeitraum. Schleichend bedeutet, der Patient bemerkt davon meist nichts. Erst wenn die Uveitis weiter vorangeschritten ist, kommt es zu Beschwerden: Der Betroffene sieht deutlich schlechter. Zudem kann er Flocken, Schatten oder Blitze wahrnehmen. Haben sich bei Kindern Teile der Gefäßhaut (Uvea) chronisch entzündet, bleibt dies nicht selten für lange Zeit unbemerkt. Denn das Auge sieht von außen normal aus und die Kinder klagen kaum über Beschwerden. Die Entzündung wird oft zufällig entdeckt, wenn der Augenarzt das Sehorgan routinemäßig überprüft.

Mittlere und hintere Uveitis

Diese beiden Formen verlaufen in den meisten Fällen chronisch und lösen erst spät Symptome aus. Äußerlich sieht das entzündete Auge meist normal aus. Es ist weder gerötet noch schmerzt es. Erkrankte berichten jedoch oft, dass sie Schlieren, Fussel oder Schatten sehen, die an derselben Stelle bleiben können oder sich bewegen. Hinweis: Wer "Mücken" vor den Augen erkennt, auch Mouches volantes genannt, braucht sich normalerweise keine Sorgen zu machen. Diese Schleier entstehen durch harmlose Trübungen im Glaskörper. Dennoch: Selten kann auch eine ernsthafte Krankheit dahinterstecken – wie die Uveitis oder eine Netzhautablösung. Deshalb immer zum Augenarzt gehen, wenn plötzlich "Mücken" auftauchen! Neben den Schlieren lässt als weiteres Anzeichen zumeist die Sehschärfe deutlich nach.

Mögliche Komplikationen

Haben sich Bereiche des vorderen inneren Augenabschnitts chronisch entzündet (Uveitis anterior), kann die Regenbogenhaut mit der Linse verkleben. Es kommt zu sogenannten Synechien, durch die sich die Pupille verziehen kann. Verläuft die mittlere oder hintere Uveitis chronisch, kann sich ein Makulaödem entwickeln. Dabei lagert sich Gewebsflüssigkeit an der Stelle des schärfsten Sehens ein, was die Sehschärfe verschlechtert. Alle drei Formen können im Laufe der Zeit zu einem grünen Star (Glaukom) führen, wenn der Augeninnendruck ansteigt. Auch die Linse kann sich zunehmend eintrüben, wodurch sich ein grauer Star (Katarakt) ausbilden kann. Im schlimmsten Fall erblindet der Patient dadurch.

Solche Komplikationen treten jedoch nur selten auf. In den meisten Fällen verschwindet eine Uveitis ohne gefährliche Folgen wieder.

Eine Uveitis, die den vorderen oder mittleren Augenabschnitt betrifft, kann der Augenarzt unter anderem mit Hilfe einer Spaltlampe erkennen. Mit ihr durchleuchtet er das Auge und sieht zum Beispiel Veränderungen auf der Hornhaut, der Linse und im Glaskörper. Bei einer vorderen Uveitis können sich hinter der Hornhaut weißgraue Ablagerungen bilden, die aus Entzündungszellen und Eiweißen bestehen. Auch wenn sich im Glaskörper trübe Schlieren oder Ablagerungen befinden, kann der Arzt sie per Spaltlampe entdecken. Sie können auf eine mittlere Uveitis hinweisen.

Vermutet der Arzt eine hintere Uveitis, nimmt er eine Augenspiegelung vor, um den Augenhintergrund zu untersuchen. Dabei fallen Glaskörpertrübungen und entzündete Bereiche auf, die von dieser Uveitisform ausgehen können.

Eine Gefäßhautentzündung tritt oft gemeinsam mit anderen Krankheiten auf. Sie kann einerseits deren Folge sein, andererseits auch das erste Anzeichen dafür darstellen. Aus diesem Grund schließen sich normalerweise – bei einem entsprechenden Facharzt – weitere Untersuchungen an. Besteht beispielsweise der Verdacht, dass eine Borreliose dahintersteckt, lassen sich unter Umständen Antikörper gegen die Erreger im Blut nachweisen. Könnte eine Sarkoidose der Auslöser sein, empfiehlt sich eine Röntgenaufnahme der Lunge. Auch wenn möglicherweise gleichzeitig rheumatische Krankheiten vorliegen, muss der Facharzt eine gezielte Diagnostik veranlassen.

Wichtig: Eine Uveitis macht sich oft lange Zeit nicht bemerkbar und wird rein zufällig entdeckt, wenn der Augenarzt routinemäßig die Augen untersucht. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto eher kann es jedoch zu Komplikationen kommen.

Wie der Arzt die Uveitis behandelt, hängt unter anderem davon ab, welche Form vorliegt und ob gleichzeitig noch andere Krankheiten aufgetreten sind. Ziel der Therapie ist es, der Entzündung im Auge entgegenzuwirken und damit gefährliche Folgen zu vermeiden.

Als entzündungshemmendes Mittel kommt normalerweise Kortison zum Einsatz. Handelt es sich um eine Uveitis, die den vorderen Bereich des Auges betrifft, verschreibt der Arzt zunächst Augentropfen und/oder –salben mit einem Kortisonpräparat. Die Mittel wirken nur vor Ort. Solche Tropfen und Salben helfen bei einer Uveitis, die weiter hinten im Auge liegt, kaum. In diesem Fall muss das Kortison per Injektion neben den Augapfel gespritzt werden. Alternativ nimmt der Patient Tabletten ein oder bekommt eine Infusion. Dies wird auch erforderlich, wenn die örtliche Therapie nicht ausreicht. Spricht das Kortison nicht oder nur unzureichend an, kommen Medikamente infrage, die eine überschießende Reaktion des körpereigenen Immunsystems abschwächen – sogenannte Immunsuppressiva.

Zusätzlich muss der Erkrankte bei einer vorderen Uvetitis zum Teil pupillenerweiternde Augentropfen benutzen. Sie sollen verhindern, dass Regenbogenhaut und Linse miteinander verkleben. Daneben können sie bestehende Synechien (siehe Kapitel Ursachen und Risikofaktoren) lösen. Sind Krankheitserreger die Ursache einer entzündeten Gefäßhaut, muss der Patient – je nach Keim –  Antibiotika, pilz- oder virushemmende Arzneistoffe anwenden.

Auch wenn die Uveitis im Rahmen einer Krankheit auftritt, verordnen Ärzte meistens Kortisonpräparate, die der Betroffene ins Auge träufelt und oft gleichzeitig auch als Tablette schluckt.

Professor Dr. med. Dr. hc. Arthur Mueller ist Facharzt für Augenheilkunde und Direktor der Klinik für Augenheilkunde an Klinikum Augsburg. Er ist Mitglied in zahlreichen Fachgesellschaften. Sein beruflicher Schwerpunkt sind mikrochirurgische Eingriffe am hinteren (Netzhaut, Aderhaut, Glaskörper) sowie vorderen Augenabschnitt (Katarakt, Glaukom, Keratoplastik).

Quellen:

Grehn F: Augenheilkunde, 31. Auflage, Berlin Heidelberg Springer Verlag 2012

 

Lang, G.K.: Augenheilkunde, Thieme Verlag, 2008

 

Deutsche Uveitis Arbeitsgemeinschaft e.V.: Uveitis. Online: http://www.duag.org/uveitis/ (Abgerufen am 16.01.14)

 

Leitlinien des Berufsverbandes der Augenärzte und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft: Uveitis anterior, Leitlinie Nr. 14. Online: http://augeninfo.de/leit/leit14.pdf (Abgerufen am 16.01.14)

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.