Hexenschuss

Hexenschuss – akuter Kreuzschmerz: Dahinter stecken meist harmlosere Rückenprobleme, mal die Bandscheiben, mal ein gereizter "Ischias". Mehr zu Diagnose und Therapie

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 20.12.2016

Hexenschuss: Akute Pein im Kreuz

Der Hexenschuss oder akute Kreuzschmerz (weitere Bezeichnungen sind Lumbago, Lumbalgie oder Lumbalsyndrom und engl. low back pain) stellt meist ein funktionelles Rückenproblem dar. Das heißt, es geht häufig um strapazierte Muskeln und Bänder am Kreuz, die nicht mehr richtig miteinander harmonieren. Eine zusätzliche Belastung kann genügen, und das Kreuz streikt.

Statistisch erwischt die "Hexe" irgendwann fast jeden zumindest einmal im Leben. Betroffen sind häufig jüngere Jahrgänge – meist im Alter zwischen 30 bis 50 Jahren oder noch darunter. Nach dem 60. Lebensjahr kommen Hexenschüsse offenbar seltener vor. Schäden an Bandscheiben und knöchernen Anteilen der Wirbelsäule nehmen natürlich zu. Auch ältere Menschen bekunden in der Tat häufig, mit Rücken- oder Kreuzschmerzen zu tun zu haben. Doch klagen sie seltener über leichte bis mäßige Rückenbeschwerden als jüngere.

Hexenschuss: Wie lange kreuzlahm?

Beim Hexenschuss wird das Kreuz akut "blockiert". Die Betroffenen können sich wegen der erheblichen Schmerzen meist kaum noch aufrichten. Auch das Vornüberbeugen geht wegen der akut verspannten, teils verhärteten Rückenmuskeln praktisch nicht. Abgesehen davon, dass die Geplagten vorübergehend außer Gefecht gesetzt sind, gibt es bei einem unkomplizierten akuten Kreuzschmerz im Allgemeinen keine weiteren Beeinträchtigungen.

In der Regel sind die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder vorbei, man muss nicht unbedingt zum Arzt. Mit anderen Worten: Die Selbstheilungstendenz beim Hexenschuss, unterstützt durch einfache Therapiemaßnahmen (siehe Kapitel "Hexenschuss: Symptome, Therapie & Tipps") ist hoch: Jeder zweite hat sich nach sieben Tagen wieder erholt, 65 Prozent nach zwei Wochen und 90 Prozent innerhalb von vier bis sechs Wochen.

Mehr als ein Hexenschuss?

Klingen die Beschwerden nicht bald wieder ab oder strahlt der Schmerz ins Bein aus ("Ischias", siehe Kapitel "Hexenschuss: Ursachen", "Hexenschuss: Komplikationen" und "Hexenschuss: Ischias, radikuläre Schmerzen" in diesem Beitrag), stellen sich eventuell auch Taubheitsgefühle oder gar Lähmungserscheinungen ein, muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.

Möglicherweise liegt ein Bandscheibenvorfall vor, der zu einer Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs geführt hat. Es kommen aber auch andere krankhafte Veränderungen infrage. Rücken- und Kreuzschmerzen, denen eine andere körperliche Erkrankung, meist des Bewegungssystems, zugrunde liegt, werden als spezifisch bezeichnet. Manchmal ist es auch gar nicht der Rücken, sondern ein Problem im Bauch oder Becken.

Diagnose bei Hexenschuss

Wer zum Arzt geht, dem wird dieser schon anhand der Krankengeschichte, des Verlaufs der Beschwerden, eventueller Begleitsymptome und der körperlichen Untersuchung die Diagnose benennen können: Mehrheitlich wird sie auf unspezifischer (beziehungsweise nichtspezifischer) akuter Kreuzschmerz lauten, hinter dem sehr wahrscheinlich keine andere Krankheit steckt.

Bei Verdacht auf eine spezielle Ursache, bei anhaltenden Schmerzen oder Komplikationen sind jedoch weitere Diagnoseschritte notwendig, zum Beispiel Röntgenaufnahmen, eventuell eine Magnetresonanztomografie oder ein anderes bildgebendes Verfahren, eine neurologische Untersuchung, Labortests. Mehr dazu im Beitrag "Rückenschmerzen".

Verlauf und Therapie

So zahlreich die möglichen Ursachen bei akuten Kreuzschmerzen sind, so unterschiedliche Verläufe gibt es. Nochmals: Bei einem einfachen Hexenschuss klingen die Kreuzschmerzen in aller Regel nach kurzer Zeit wieder ab. Dauern die Schmerzen länger als sechs Wochen, nunmehr trotz angemessener medizinischer Behandlung, werden sie als subakut eingestuft. Das heißt: Sie sind nicht mehr ganz akut, aber auch noch nicht chronisch. Möglicherweise bergen sie aber das Risiko einer chronischen Entwicklung. Als chronisch gelten Kreuz- oder Rückenschmerzen, die länger als drei Monate bestehen, auch wechselnd stark oder wiederkehrend. Dann ist natürlich nicht mehr von einem Hexenschuss die Rede, es sei denn, es tritt ein neuer, akuter Kreuzschmerz nach Art eines Hexenschusses auf.

Wie beim Hexenschuss können aber auch bei einem "Ischias" die Beschwerden oft mit wenig eingreifenden Behandlungsmaßen wieder zurückgehen, beim "Ischias" womöglich mit deutlich mehr Geduld. Feststeht aber: Spätestens nach dem ersten Warnschuss sollte man zu einem rückenfreundlichen Lebensstil übergehen.

Aktive Physiotherapie (Krankengymnastik) wird in erster Linie bei subakuten oder chronischen Kreuz- oder Rückenschmerzen empfohlen, sofern sie nicht spezifischer Art sind. Dasselbe gilt für ergänzend angewandte Massagen. Eine weitere Behandlungsoption bei diagostisch zuverlässig als unspezifisch eingestuften Kreuzschmerzen: manual- beziehungsweise chirotherapeutische Maßnahmen wie Manipulation und Mobilisation. Diese kann bei Bedarf der Hausarzt koordinieren.

Im Einzelfall – bei einem unkomplizierten Hexenschuss praktisch nie – können weitere Behandlungsschritte bis hin zu einer Operation an der Wirbelsäule nötig werden, um wieder auf die Beine zu kommen. Vorher muss der Arzt eine genaue Diagnose stellen und die Frage klären, ob der Eingriff auch wirklich angezeigt ist. Anschließend kann eine Bewegungstherapie mit gezielten Übungen die Rücken- und Bauchmuskulatur – auch Letztere stützt das Rückgrat – kräftigen helfen.

Hexenschuss: Fachliteratur

Wülker N (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart New York Georg Thieme Verlag, 3. Auflage 2015

Elsen A, Eppinger M, Müller M: Orthopädie und Unfallchirurgie für Studium und Praxis., Breisach Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 1. Auflage 2014/2015

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http://www.dgn.org/leitlinien/2420-ll-75-2012-lumbale-radikulopathie (Abgerufen am 28.10.2015)

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz  – Langfassung. Version 5 November 2010, zuletzt geändert: Oktober 2015, gültig bis 31.12.2016. Online:
http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/kreuzschmerz/kreuzschmerz-1aufl-vers5-lang.pdf (Abgerufen am 04.11.2015)

Grifka J, Kuster M (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2011

Robert-Koch-Institut, Berlin (Hrsg.): Rückenschmerzen, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53, Dez. 2012

Marschall U, L’hoest H, Wolik A: "Vergleich der Kosteneffektivität von Operation, multimodaler und interventioneller Schmerztherapie bei Rückenschmerzen: Eine Analyse mit Krankenkassendaten", in: Repschläger U, Schulte C, Osterkamp N (Hrsg.): BARMER GEK Gesundheitswesen aktuell 2012, Seite 262-285. Online:
http://www.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Versicherte/Rundum-gutversichert/Infothek/Wissenschaft-Forschung/Publikationen/Gesundheitswesen-aktuell-2012/12-Marschall-Wolik-2012,property=Data.pdf (Abgerufen am 27.10.2015)

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Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 

Wenn das Kreuz plötzlich streikt

Schon ganz "normale" Bewegungen wie das morgendliche – vielleicht diesmal etwas zu hastige – Aufstehen aus dem Bett, aber auch spontane Überlastungen durch Bücken oder schweres Heben können einen Hexenschuss auslösen. Mitunter machen Betroffene Klimafaktoren wie feuchte Kälte als Anlass aus. Doch nicht immer lässt sich ein konkreter Auslöser finden.

Auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen. Nicht selten begünstigen sie Schmerzen im Rücken beziehungsweise Kreuz. Die Tendenz zum Chronischwerden bringen Experten häufig mit seelischen Problemen in Verbindung. Um dies herauszufinden, kann zeitnah eine genauere psychologische Untersuchung, eventuell auch Therapie, sinnvoll sein. Ziel ist immer, chronische Schmerzen zu vermeiden.

Der Hexenschuss hat oft eine Geschichte

Bei vielen Betroffenen ist die Rückenmuskulatur durch Bewegungsmangel schon länger geschwächt und verkürzt. Dann genügt eine ungewohnte Belastung, und das Malheur ist passiert. Als Reflex verhärten und verspannen sich die Rückenmuskeln (Hartspann). Keineswegs ist immer gleich ein Nerv eingeklemmt. Verspannungen und Verhärtungen von Muskeln, zu unelastisch gewordene Muskelfaszien und Reizungen von Sehnen, die in der Tiefe des Rückens an der Wirbelsäule ansetzen, können aber zu "Blockierungen" führen. Das betrifft vor allem die kleinen Gelenke zwischen den Wirbeln.

Aber auch im Bereich unterhalb davon, nämlich an den Kreuzbein-Darmbeingelenken (Iliosakralgelenken) zwischen Kreuz und Becken, kann das Zusammenspiel der hier oft sehr stark beanspruchten Bänder mit den Muskeln gestört werden. Mögliche Folge ist wiederum eine akute Blockade.

Schmerzen beim Hexenschuss können ausstrahlen

Häufig gibt sich der akute Schmerz im unteren Rücken nicht mit der Kreuz- und Lendenregion zufrieden. Vielmehr strahlt er ins Gesäß oder in den Oberschenkel, mitunter bis zum Knie oder Fuß aus. Knieschmerzen können also manchmal mit dem Kreuz oder Rücken zusammenhängen, auch ohne Rückenschmerzen.

Pseudoradikuläre oder radikuläre Schmerzen?

Ein Hexenschuss kann zum einen mit pseudoradikulären Schmerzen verbunden sein. Dabei strahlen die Beschwerden zwar ins Bein aus, wie zuvor beschrieben. Aber das hat nicht immer etwas mit der gefürchteten Reizung oder "Einklemmung" von Beinnerven wie dem "Ischias" zu tun (siehe auch Kapitel "Hexenschuss: Komplikationen" und "Hexenschuss: Ischias, radikuläre Schmerzen" in diesem Beitrag).

Der Begriff radikulär bezieht sich eigentlich auf die Nervenwurzeln am Rückenmark. Bei radikulären Schmerzen sind also die Nervenwurzeln am Rückenmark beteiligt, genaugenommen entzündet, bei pseudoradikulären Schmerzen nicht.

Überstrapazierte Kapsel-Band-Strukturen oder verspannte Muskeln in der Tiefe des Rückens ziehen hier nicht selten die kleinen Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke) in Mitleidenschaft. Manchmal ist auch eine schon etwas lädierte Bandscheibe beteiligt. Ist es etwa durch Lockerungen im Gefüge von Bandscheiben und Wirbeln zu Verschleiß gekommen, entzünden sich häufig die kleinen Wirbelgelenke. Die jeweils resultierenden Rückenschmerzen können in einen weiten Umkreis ausstrahlen. Sie neigen auch dazu, immer wieder aufzuflackern und chronisch zu werden (Facettengelenksyndrom).

Bei Osteoporose der Wirbelsäule zum Beispiel kommen ebenfalls pseudoradikuläre Schmerzen vor. Das heißt also, dass diese Schmerzart durchaus eine krankhafte Ursache haben kann und damit zu den spezifischen Rückenschmerzen gehört. Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle und Muskelschwächen am Bein, also Nervenstörungen, bestehen bei rein pseudoradikulären Schmerzen jedoch nicht. Auch bei Blockierungen der Kreuzbein-Darmbeingelenke übrigens treten Nervenstörungen normalerweise nicht auf.

Vielmehr handelt es bei inbegriffenen Nervenstörungen eindeutig um radikuläre Schmerzen ("Ischias"), die zweite Variante beim Hexenschuss. Zusammen mit den Rückschmerzen ergibt sich so dessen kompliziertere Form, eine Lumboischialgie. Um es komplett zu machen: Bei manchen Patienten kann auch eine Mischung aus radikulären und pseudoradikulären Schmerzen vorliegen. Genauer lässt sich das nur durch spezielle Untersuchungen herausfinden.

Der Arzt wird immer zunächst die Schmerzzonen – das Zentrum und das Gebiet der Schmerzausstrahlung, also Wirbelsäule, Fuß, Unterschenkel, Knie und Bein – gründlich unter die Lupe nehmen. Manchmal kann schon der Körperbau die Beschwerden im Kreuz und Gesäß erklären. Gerade bei vorbestehenden Formstörungen des Skeletts verursacht zum Beispiel eine vergleichsweise geringfügige Belastung schnell akute Schmerzen.

Bestätigt sich der "Ischias" klinisch, wird der Arzt sicherheitshalber eine neurologische Untersuchung anraten. Dabei lässt sich das Schmerzbild genauer einordnen, eine spezielle Schmerzursache, etwa ein Bandscheibenvorfall oder eine Verengung des Wirbelkanals (lumbale Spinalkanalstenose, auch Wirbelkanalstenose), einkreisen und bei Bedarf durch weitere Untersuchungen bestätigen oder ausschließen. Dabei kommt es letztlich auf die Bewertung an, ob Befunde und Beschwerden übereinstimmen.

Mehr darüber lesen Sie wiederum im Kapitel "Hexenschuss: Komplikationen" und im Ratgeber "Rückenschmerzen".

Um beim unkomplizierten Hexenschuss zu bleiben, so ist dieser also als eine akute Funktionsstörung des Kreuzes ohne besondere weitere Beeinträchtigungen – außer dass der Alltag vorübergehend darunter leiden kann – zu verstehen. Mediziner sprechen daher auch von einem örtlich begrenzten Lumbalsyndrom. Weitere Bezeichnungen sind neben Lumbago ("Lendenlähmung") noch Lumbalgie (Lendenschmerz), seltener Dorsalgie oder Dorsodynie (Schmerzen auf der Rückseite, am Rücken).

Auch wenn Kreuzschmerzen streng genommen Schmerzen sind, die sich auf das Kreuzbein oder die dort liegenden Kreuzbein-Darmbein-Gelenke beziehen, halten wir uns an das Bild von Kreuzschmerz, wie er sich im allgemeinen Verständnis durchgesetzt hat: ein Rückenschmerz im engeren oder weiteren Bereich der Lendenwirbelsäule.

Hexenschuss: Die Symptome

Eine ganz alltägliche Bewegung, zum Beispiel Aufheben eines Gegenstandes im Sitzen, (mit Rumpfbeugung und -überstreckung aus fixierter Position: die Tabubewegung schlechthin!) – oder eine ungünstige Drehung des Rückgrats kann schon genügen, und das Kreuz streikt. Der akute, stechende Schmerz beim Hexenschuss sitzt im Allgemeinen zwischen Gesäß und unterem Rippenbogen, schwerpunktmäßig auf einer Seite.

Er wird meist als bohrend, ziehend oder stechend empfunden. Manchmal vergehen zwischen auslösendem Ereignis und Schmerzen auch Stunden oder Tage. Außerdem lässt sich nicht immer ein Auslöser feststellen. Nicht selten summieren sich kleinere "Fehltritte" oder Belastungen, sodass der Schmerz sich langsam zur äußerst unangenehmen Lumbalgie steigert.

Beim typischen Hexenschuss verharrt der Betroffene meist in einer steifen Zwangshaltung. Er vermeidet tunlichst jede geringste Bewegung, kann er doch den Körper weder schmerzfrei nach vorne beugen noch aufrichten: Das Kreuz ist schmerzhaft blockiert – "dank" stark verspannter, oft auch verhärteter Muskeln. Mancher akut Kreuzgeplagte findet etwas Linderung, wenn es ihm gelingt, sich auf den Rücken oder eine Seite zu legen und die Beine anzuwinkeln.

Hexenschuss (Lumbago): Wann zum Arzt?

Bei sonst gutem Befinden muss man sich wegen einer unkomplizierten Lumbalgie nicht unbedingt zum Arzt schaffen. Nötig ist das aber, wenn die Schmerzen nach wenigen Tagen immer noch anhalten, zunehmen oder wenn sie von Anfang unerträglich sind – möglicherweise auch ein Fall für den Notarzt, mancher Betroffene weiß sich tatsächlich nicht mehr zu helfen. Wenn nach ein, zwei Wochen keine Besserung eingetreten ist, wird der Arzt weitere Diagnoseschritte einleiten, bei Verdacht auf eine ernsthafte Ursache sofort (siehe Kapitel "Hexenschuss: Komplikationen" und "Hexenschuss: Ischias, radikuläre Schmerzen").

Der unkomplizierte Hexenschuss  zeichnet sich dadurch aus, dass die Schmerzen normalerweise bald wieder abklingen. Man sollte sich so bald wie möglich wieder bewegen, da man so schneller wieder zum gewohnten Maß an Aktivität zurückfindet  (siehe auch weiter unten). Ein rückenfreundlicher Lebensstil ist von nun an das richtige Rezept. Die Verordnung von Physiotherapie (Krankengymnastik) ist beim akuten Kreuzschmerz normalerweise nicht vorgesehen.

Therapie & Tipps

Einen Versuch wert kann vorübergehende Stufenlagerung sein: Rücken und Kopf liegen gestreckt auf einer stabilen, nicht zu harten Unterlage, Hals und Kreuz werden durch eine flache, handbreite Erhöhung, zum Beispiel ein zusammengerolltes Handtuch, abgestützt. Knie und Unterschenkel ruhen auf einem festen Polster. Seine Höhe ist so, dass die Knie nahezu einen rechten Winkel einnehmen, das heißt: Die Oberschenkel legen sich dem Polster in etwa senkrecht an und zeigen nach oben, Knie und Unterschenkel ruhen waagrecht auf dem Polster. Die Rumpfmuskeln können sich entspannen. Diese Stufenlagerung kann man nach Bedarf einnehmen, anfangs ruhig mehrmals am Tag.

Achtung: Dies bedeutet nicht, sich jetzt konsequent ins Bett zu verfügen. Vielmehr sollte man sich zwischendurch häufiger bewegen und die gewohnten Tätigkeiten so gut es geht beibehalten.

Mit anderen Worten: Man sollte nur kurz einen Schongang einlegen und sich möglichst bald wieder bewegen, zunächst natürlich vorsichtig. Gehen ist besser als langes Sitzen oder Stehen. Bewegung führt nachweislich zur schnelleren Genesung. Nochmals: Bettruhe ist out.

Wärmeanwendungen am Kreuz können die Durchblutung verbessern und so zur Schmerzlinderung beitragen. Empfohlen wird das aber nur in dem Maße, wie ein Betroffener gleichzeitig für etwas Bewegung sorgt. Kurzfristig kann ein einfaches Schmerzmittel, zum Beispiel Paracetamol oder ein rezeptfrei in der Apotheke erhältliches traditionelles nicht steroidales Antirheumatikum (tNSAR) helfen.

Allerdings ergab eine Studie im Jahr 2014, dass es mit und ohne Paracetamol kaum einen Unterschied gab, bis Betroffene nach akuten Rückenschmerzen wieder beschwerdefrei waren. Empfohlen werden maximal 3 Gramm Paracetamol pro Tag, weniger als die für Erwachsene in der Arzneimittelinformation angegebene Tageshöchstdosis. Lassen Sie sich auch vom Apotheker beraten. Wie gesagt: Normalerweise ist der Hexenspuk bald wieder von selbst vorbei.

Zu möglichen manualtherapeutischen Maßnahmen, früher als Chirotherapie bezeichnet,  siehe Kapitel "Hexenschuss: Überblick" eingangs in diesem Beitrag.

Chronischen Schmerzen vorbeugen

Gerade auch Bewegungsmuffel sollten fortan rückenfreundlicher leben, um chronischen Rückenschmerzen vorzubeugen. Dazu gehören regelmäßige körperliche Aktivität, Vermeiden akuter Belastungen der Wirbelsäule und Nomalgewicht. Es ist sicher nicht verkehrt, Rückgrat und Bauch durch etwas Gymnastik, eventuell auch eine Haltungsschulung (Rückenschule), zu stärken. Kurse mit Wirbelsäulengymnastik werden zum Beispiel von Volkshochschulen angeboten.

Der Arbeitsplatz sollte selbstverständlich rückenfreundlich gestaltet sein. Für die Sportbegeisterten gilt, es nicht zu übertreiben und die Muskeln – auch die am Rücken – vor jeder sportlichen Aktion aufzuwärmen und zu dehnen. Auch zu lernen, wie man auf Dauer besser mit Stress umgeht, ist sicher kein Fehler.

Weitere Informationen gibt es im Ratgeber "Rückenschmerzen".

Mehr als ein einfacher Hexenschuss

Mitunter ist bei akuten Kreuzschmerzen eine unschöne Wendung möglich. Zum Beispiel so:

  • Rückfall: Das Schmerzereignis tritt nach einer mehrmonatigen schmerzfreien Phase erneut auf. Sind zwischen dem ersten und zweiten Mal mindestens sechs Monate vergangen, so ist von einem erneuten akuten Hexenschuss auszugehen. Diese Annahme sollte man sicherheithalber vom Arzt überprüfen lassen. Möglicherweise steckt doch ein grundlegendes Rückenproblem dahinter, zum Beispiel ein Bandscheibenschaden, ein Wirbelgleiten (Spondylolisthese) oder eine Osteoporose.
  • Ständig Kreuzweh: Die Schmerzen klingen nie richtig ab, flackern vielmehr immer wieder auf. Dieser Zustand zieht sich länger hin, zwölf Wochen oder mehr, was bedeutet, dass die Kreuzschmerzen chronisch geworden sind. Ärzte sprechen hier von einer Schmerzkrankheit, die sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt hat. Vorausgesetzt, andere körperliche Ursachen, etwa ein entzündlicher Kreuzschmerz, wie er zum Beispiel bei der Bechterew-Krankheit auftritt, konnte ausgeschlossen werden. Ärzte sind bemüht, ihre Patienten nach Möglichkeit vor solchen Verläufen zu bewahren. Gefragt sind beide: Arzt und Patient.
  • Frühzeitig kompliziert: Der Schmerz lässt nicht nach oder nimmt zu und strahlt ins Bein, bis in den Fuß oder die Zehen aus. Dort ist er womöglich ähnlich stark wie im Rücken oder überwiegt gar. Möglicherweise treten auch Gefühlsstörungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle auf, eventuell eine Muskelschwäche oder Lähmung am Fuß (Fuß- oder Zehenheberschwäche, Unvermögen zum Zehenspitzenstand).

    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rückenproblem wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall vorliegt, ist hier recht groß. Die Schmerzen sind dann nicht mehr funktionell, sondern strukturell bedingt, und es liegt ein komplizierter Hexenschuss vor, genauer: ein akuter Rückenschmerz aufgrund einer spezifischen Krankheitsursache, die auch die Beinnerven mit einbezieht. Das muss ein Arzt zügig überprüfen, um dann eine geeignete Therapie einzuleiten (siehe auch Kapitel "Hexenschuss: Ursachen" und "Hexenschuss: Ischias, radikuläre Schmerzen" in diesem Beitrag).

    Neben Bandscheibenvorfällen kommen noch andere Ursachen für einen komplizierten, spezifischen Rückenschmerz infrage: zum Beispiel degenerative Veränderungen an den Wirbeln selbst, sodann Wirbelbrüche, Wirbelgleiten, krankhafte Veränderungen im Wirbelkanal und am Rückenmark. Oder entzündliche und andere Schädigungen (Neuropathien) der Rückenmarksnerven, ihrer Wurzeln und Nervenstränge, die die Gliedmaßen versorgen.

    Schließlich können bei einer generellen Muskelerkrankung (Myopathie) die kleinen Muskeln tief im Rücken, die die Bewegungssegmente der Wirbelsäule steuern, dort Schmerzen und Funktionsstörungen verursachen. Im Ratgeber "Rückenschmerzen" lesen Sie mehr über spezifische Rückenschmerzursachen.
  • Seltene Notfälle kreuzabwärts: Die Kreuzschmerzen strahlen in beide Beine aus. Besonders das Gehen ist schmerzhaft. Der Betroffene kann wegen der Schmerzen in den Beinen keine längeren Wegstrecken mehr zurücklegen. Eine gewisse Schmerzlinderung verspürt er im Sitzen oder Vorbeugen. Jedes für sich und alles zusammen sind Situationen, die der Klärung und Behandlung bedürfen – umso mehr, wenn sich zusätzlich Alarmzeichen einstellen wie schlaffe Lähmungen und Missempfindungen an beiden Beinen. Auch können Taubheitsgefühle im Genital- und Analbereich und an den Oberschenkelinnenseiten auftreten (sogenannte Reithosenanästhesie), dazu eine Störung der Blasen-, Darm- und Sexualfunktion mit Impotenz. Jedesmal liegt ein Notfall (Notruf 112) vor. Er bedarf der sofortigen Behandlung in einer neurochirurgischen Klinik.

    Für ein solches, außerhalb von Verletzungen eher seltenes Conus-Syndrom (Querschnitt des unteren Rückenmarks) und / oder Cauda-Syndrom (Einengung der unteren Nervenwurzeln im Rückenmarkkanal, es befindet sich dort kein Rückenmark mehr) gibt es verschiedene Ursachen – etwa ein Bandscheibenvorfall, aber auch eine degenerative Verengung des Wirbelkanals (lumbale Wirbelkanalstenose), Veränderungen nach einer Operation, mitunter auch ein Tumor.
  • Andere Ursache schuld? Die Wahrscheinlichkeit ist zwar auch eher gering, aber es ist theoretisch möglich, dass Schmerzen, die eigentlich im Bauch- oder Beckenbereich entstanden sind, sich auf das Kreuz übertragen oder überwiegend dort wahrgenommen werden. Das kann zum Beispiel bei einer Infektion der Harnwege, bei einer Eierstockentzündung oder anderen akuten Erkrankungen im unteren Bauchraum der Fall sein. Allerdings treten hier in der Regel noch weitere Symptome auf, etwa Fieber, dazu Schmerzen beim Wasserlassen oder im Unterleib. Auch hier ist natürlich umgehend ein Arzt gefragt.

Wenn die Schmerzen nicht nachlassen

Wenn die Kreuzschmerzen nach wenigen Tagen nicht zurückgehen und über das Gesäß und die Außen- oder Rückseite des Oberschenkels ins Bein ausstrahlen, wenn sie sich zusätzlich mit einer Muskelschwäche und Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen festsetzen, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Situation mit radikulären Schmerzen. Der Begriff radikulär bezieht sich auf die Wurzeln der Spinalnerven am Rückenmark. Die daraus hervorgehenden Nerven versorgen die Gliedmaßen. Andere Bezeichnungen: lumbale Radikulopathie, Ischialgie oder Lumboischialgie, kurz: "Ischias". In dieser Situation wird der Arzt zur genauen Diagnose neben einer neurologischen Untersuchung auch bildgebende Verfahren veranlassen (siehe unten).

Der Ischiasnerv ist der größte Körpernerv. Er ist für Bewegungsimpulse und Gefühlswahrnehmungen (Sensibilität) am Bein zuständig. Die Nerven gehören zum sogenannten Kreuzbeingeflecht. Die entsprechenden Nervenwurzeln beziehungsweise Segmente heißen L4, L5, und S1 bis S3 (L steht für lumbal, also das Lendensegment betreffend, S für Kreuzbein). Der Begriff Segment bezieht sich letztlich auf "ein Stück Säule" des Rückenmarks mit Nervenzellen. Einem Muskel können Nerven aus einem oder mehreren Segmenten zugeordnet sein (sogenannter Kennmuskel).

Ischias-Symptome: Mal typisch, mal unberechenbar

Viele Betroffene haben Schmerzen im Kreuz und / oder im Bein. Die Schmerzen können bewegungsabhängig plötzlich, wiederholt oder anhaltend auftreten und von Missempfindungen wie Kribbeln begleitet sein. Die oft als stechend oder brennend beschriebenen Beinschmerzen können je nach betroffener Nervenwurzel entlang der Außenseite des Beins bis zur Großzehe ausstrahlen. Oder sie werden vor allem am Knie (!), vorne am Schienbein oder innen am Unterschenkel empfunden.

Der Patient nimmt manchmal eine auffällige Fehl- oder Schonhaltung ein. Der Druck auf eine beengte Nervenwurzel kann dadurch etwas nachlassen und der Schmerz erträglicher werden. Vorbeugen oder Erschütterungen wie Husten oder Niesen und auch Pressen können die Schmerzen verstärken, wenn ein Zug auf die gereizte Nervenwurzel entsteht.

Begleitende Muskelverspannungen "blockieren" das Kreuz zusätzlich, häufig auf einer Seite. Seitwärts- oder Rückwärtsbeugen kann vermehrt Schmerzen auslösen. Dann werden solche Bewegungen tunlichst vermieden. Allerdings verstärkt eine Schonhaltung die Verspannungen häufig. Was im Einzelfall besser oder schlechter geht, ist letztlich immer eine Frage der jeweils zugrunde liegenden Veränderung. Davon hängt zum Beispiel auch ab, ob es zu Nervenstörungen kommt, ob also zum Beispiel Muskelreflexe ausfallen und eine Muskelschwäche oder -lähmung auftritt.

Diagnose bei Hexenschuss mit "Ischias"

Je nachdem, welche Nervenwurzel bedrängt ist, entscheidet also darüber, wo der Ischiasschmerz sich schwerpunktmäßig bemerkbar macht. Der Arzt spricht hier von segmentalen Schmerzen und Gefühlsstörungen. Sie sind ein wichtiger Unterschied zu den pseudoradikulären Schmerzen. Hier sind die Nervenwurzeln am Rückenmark intakt, und segmentale Beschwerdemuster fehlen. Allerdings lässt sich das bei der körperlichen Untersuchung nicht genau unterscheiden. Im Prinzip können nämlich auch Gefühlsstörungen vorhanden sein, ohne dass eine Nervenwurzel im Wirbelkanal bedrängt wird. Oder eine Nervenwurzel steht im Wirbelkanal unter Druck, dennoch fehlen Schmerzen.

! Achtung: Nachlassende Schmerzen bei zunehmenden Lähmungszeichen am Bein dagegen sind ein absolutes Warnsymptom!

Das heißt auch, dass die sorgfältige klinisch-neurologische Untersuchung bei einem komplizierten Hexenschuss beziehungsweise radikulären Kreuzschmerz unerlässlich ist. Dazu gehören unter anderem aktive Bewegungstests, etwa Zehenstand auf einem Bein, passive Nervendehnungstests sowie ein genauer Check-up der einzelnen Kennmuskeln (siehe oben). Je nach Ergebnis wird der Arzt prüfen, ob zusätzlich ein bildgebendes Diagnoseverfahren und weitere Untersuchungen wie elektrophysiologische Tests oder Laboranalysen notwendig sind.

Veränderungen an den knöchernen Strukturen der Wirbelsäule lassen sich in Röntgenbildern gut erkennen, während die häufigste Ischias-Ursache, nämlich ein Bandscheibenvorfall, in der Magnetresonanztomografie gut sichtbar ist. Eine Computertomografie bildet beide Anteile – knöcherne und nicht knöcherne Strukturen – ab, ist aber ihrerseits mit einer Strahlenbelastung verbunden und wird daher eher bei besonderen Fragestellungen herangezogen.

Therapie bei "Ischias": So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Wenn nichts dagegen spricht, wird der Arzt eine konservative Behandlung mit einem schmerzlindernden Medikament beginnen. Es gibt verschiedene Arten und Stärken. Bei Bedarf wird der Arzt, stets nach Prüfung möglicher Gegenanzeigen, noch intensiver mit Schmerzmitteln behandeln. Gegebenenfalls wird er zusätzlich ein muskelentspannendes Arzneimittel verordnen – für kurze Zeit. Damit lässt sich auch ein "Ischias" häufig in den Griff kriegen. Neben Medikamenten kommen gegebenenfalls Wärmeanwendungen (physikalische Therapie) infrage. Manualtherapeutische Maßnahmen (Chirotherapie) sind dagegen bei akutem Ischias kontraindiziert, also keinesfalls angezeigt. Schritt für Schritt kann im Weiteren eine Physiotherapie sinnvoll sein, um Verspannungen zu lösen. Der Arzt wird die Indikation im Einzelfall genau prüfen.

Manchmal schlagen Ärzte bei anhaltenden Schmerzen eine Injektionsbehandlung vor. Dabei spritzen sie zum Beispiel ein örtlich betäubendes Medikament an eine Nervenwurzel heran (periradikuläre Injektionen). Häufig geschieht dies unter bildgebender Kontrolle mit einem Röntgenverfahren (Strahlenbelastung). Inwieweit diese Wege möglich und erfolgreich sind, hängt jeweils von der Art und Ursache der Beschwerden ab. Klare Bewertungen fehlen. Liegt beispielsweise eine Nervenwurzelentzündung durch eine Infektion mit Bakterien vor, ist natürlich eine antibiotische Therapie angezeigt. Wenn Nerven oder benachbarte Strukturen zunehmend kritisch unter Druck stehen, lässt sich eine Operation praktisch nicht vermeiden.

Mehr zur Diagnose und Therapie bei Rückenproblemen lesen Sie in den Ratgebern "Bandscheibenvorfall" und "Rückenschmerzen".