Reizdarmsyndrom: Was steckt dahinter?

Die Symptome des Reizdarms variieren je nach Typ, und damit auch die Therapie. Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Ein Überblick über die Darmkrankheit

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von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 07.01.2019

Reizdarm – kurz zusammengefasst

  • Das Reizdarmsyndrom ist eine Krankheit des Verdauungstraktes
  • Die genauen Ursachen sind unklar. Vermutlich spielen viele Faktoren ein Rolle, zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Infektionen und Stress
  • Typischerweise treten Bauchschmerzen und andere –beschwerden auf, die mit Verstopfung, Durchfall oder einem Wechsel aus beidem und/oder Blähungen einhergehen
  • Die Diagnose stellt der Arzt, wenn ein typischer Beschwerdekomplex vorliegt und durch medizinische Diagnostik andere Ursachen wie eine infektiöse oder chronisch entzündliche Darmerkrankung ausgeschlossen wurden
  • Die Therapie richtet sich danach, welche Symptome vorherrschen und welche Ursachen eine Rolle spielen. Oft hilft eine Ernährungsumstellung. Auch Medikamente und psychologische Verfahren kommen zum Einsatz

Was ist ein Reizdarmsyndrom?

Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine Funktionsstörung des Darms. 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung berichtete bei Befragungen über reizdarmähnliche Beschwerden. Die Krankheit geht mit Bauchschmerzen und anderen Symptomen einher, die in Zusammenhang mit dem Stuhlgang stehen. Mehr dazu finden Sie im Kapitel Symptome & Diagnose. Ein Reizdarm tritt bei Frauen etwa doppelt so häufig auf wie bei Männern.

Die mit dem Reizdarmsyndrom verbundenen Einschränkungen der Lebensqualität sind unterschiedlich ausgeprägt: Etwa die Hälfte der Betroffenen fühlt sich durch die Beschwerden nicht eingeschränkt und sucht keine medizinische Hilfe. Das Ausmaß der Beeinträchtigungen im Alltag (z. B. Beruf, Familie, Sexualität, Freizeit) reicht bei der anderen Hälfte von gering bis erheblich.

Die früher für die Erkrankung gebräuchlichen Begriffe "irritables Kolon" und "Colon irritabile" sind irreführend, denn man vermutet inzwischen, dass die Krankheit nicht allein auf den Dickdarm, das sogenannte Kolon, beschränkt ist. Die englische Bezeichnung für das Reizdarmsyndrom ist Irritable Bowel Syndrome.

Ursachen: Viele Faktoren spielen vermutlich eine Rolle

Das Reizdarmsyndrom ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Möglicherweise gibt es nicht "den" Reizdarm, sondern viele. Dafür spricht, dass Forscher inzwischen mehrere Reizdarm-Subtypen (siehe Kapitel Symptome & Diagnose) identifiziert haben, bei denen sich die hauptsächlichen Beschwerden unterscheiden. Zweitens vermuten Wissenschaftler, dass verschiedene Auslöser infrage kommen, die wiederum voneinander abweichende krankmachende Mechanismen im Darm in Gang setzen könnten.

Zusammenspiel Gehirn, Psyche und Bauch

Das zentrale Nervensystem und das Darmnervensystem stehen über Botenstoffe, die von Nervenfasern freigesetzt werden, in engem Austausch: über die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Experten mutmaßen, dass das Darmnervensystem, auch Bauchhirn genannt, bei Reizdarmpatienten überaktiv ist. Das kann einerseits die Beschwerden im Bauch hervorrufen. Andererseits wird über das überaktive Bauchhirn vermutlich die Psyche beeinflusst – umgekehrt wirkt sich die Stimmung auch auf den Magen-Darm-Trakt aus. Studien zeigen: Reizdarm geht oft mit Depression, chronischem Stress, seelischen Traumata und Angststörungen einher. Die Krankheit ist jedoch kein psychisches Leiden.

Der Einfluss der Ernährung

Viele Menschen, die einen gereizten Darm haben, berichten, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden triggern. In den letzten Jahren sind vor allem sogenannte FODMAPs in den Fokus geraten. Dabei handelt es sich um bestimmte Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen (mehr im Kapitel Therapie – Ernährung). Manche Reizdarmpatienten vertragen vermutlich lediglich kleine Mengen davon und können die Zucker nur unvollständig im Dünndarm abbauen. Bakterien im Dickdarm zerlegen die FODMAPs dann, was die typischen Symptome auslöst. Zum Teil bereiten auch nur bestimmte Zucker wie Milchzucker oder Fruchtzucker Probleme. Manche Betroffene reagieren eventuell auf Gluten, das Klebereiweiß aus Weizen, oder auf andere Inhaltsstoffe in Weizen empfindlich – obwohl keine Zöliakie vorliegt.

Genetisch vorbelastet?

Bestimmte Genveränderungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für ein Reizdarmsyndrom, wenn weitere Faktoren hinzukommen.

Veränderte Darmflora und Infektionen

Menschen mit Reizdarmsyndrom haben gegenüber Gesunden eine veränderte Darmflora. Teilweise kommen andere Bakterienstämme verstärkt vor als bei gesunden Menschen, teilweise gibt es weniger verschiedene Arten. Antibiotika, Magen-Darm-Infektionen und chronischer Stress können zu einer veränderten Darmflora führen. Studien zeigen zudem, dass sich bei manchen Patienten zu viele Bakterien im Dünndarm befinden, wo sie normalerweise nicht hingehören. Welche Rolle die Darmflora genau beim Reizdarm spielt, muss weiter erforscht werden. Ebenso, ob eine veränderte Bakterienzusammensetzung Ursache oder Folge der Darmkrankheit ist.

Unterschwellige Entzündung

Besonders bei Reizdarmpatienten, die häufig an Durchfall leiden, spielt möglicherweise eine leichte, aber dauerhaft bestehende Entzündung der Darmschleimhaut eine Rolle.

Gallensäuren

Eine unzureichende Aufnahme von Gallensäuren im Darm kann zu Durchfällen beitragen.

Gestörte Darmbewegungen

Normalerweise bewegt sich die Darmmuskulatur rhythmisch, um den Darminhalt weiterzubefördern. Liegt ein gereizter Darm vor, können die Darmbewegungen verändert sein. Dadurch kann sich der Darminhalt langsamer fortbewegen, was zu Verstopfung führt, oder schneller, was in flottere Verdauung mündet. Die Muskeln neigen dazu, sich zu verkrampfen, was Schmerzen auslösen kann.

Beratender Experte

Prof. Dr. med. Winfried Häuser ist Arzt für Innere Medizin sowie für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit der Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie". Seit 1998 ist er ärztlicher Leiter des Schwerpunkts Psychosomatik der Klinik für Innere Medizin 1 (Gastroenterologie, Hepatologie, Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten) des Klinikums Saarbrücken. Schwerpunkte seiner ambulanten ärztlichen sowie wissenschaftlichen Tätigkeit sind das Reizdarm- und das Fibromyalgiesyndrom sowie Essstörungen. Er hat an den aktuellen Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften zum Reizdarmsyndrom und funktionellen Körperbeschwerden mitgearbeitet.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Charakteristisch für das Reizdarmsyndrom ist ein häufiger, oft krampfartiger Bauchschmerz. Er kann mal intensiver, mal weniger intensiv sein. An manchen Tagen fühlen sich Patienten wohl, an anderen nicht. Intensität und Häufigkeit variieren von Mensch zu Mensch.

Häufig tritt der Bauchschmerz in Zusammenhang mit dem Stuhlgang auf. Dieser kann die Beschwerden verbessern, teilweise aber auch verschlimmern. So berichten Reizdarmpatienten von dem Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung – sie müssen, können aber nicht oder sie haben sich erleichtert, aber nicht ganz. Typisch ist zudem ein unregelmäßiger Stuhlgang. Betroffene neigen entweder zu Durchfall oder zu Verstopfung. Zum Teil wechselt dies auch.

Neben diesen Symptomen haben viele Patienten einen aufgeblähten Bauch, fühlen sich voll, haben den Eindruck, zu viel Luft im Bauch zu haben. Sie leiden unter teilweise starken Blähungen, müssen häufig aufstoßen. Andere berichten, dass der Bauch angespannt ist. Zusätzlich zu den Darmbeschwerden kann es unter anderem zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung und gedrückter Stimmung kommen.

Stress, Essen allgemein sowie bestimmte Lebensmittel triggern die Symptome bei einem Teil der Betroffenen. Frauen berichten, dass der weibliche Zyklus einen Einfluss auf den Reizdarm hat.

Die typischsten Reizdarm-Symptome

  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Neigung zu Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
  • Blähungen, Blähbauch, Völlegefühl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung

Reizdarm erkennen: Gründliche Ärztliche Diagnostik notwendig

Die Diagnose Reizdarmsyndrom zu stellen, ist für Ärzte oft eine Herausforderung. Erstens unterscheiden sich die Beschwerden von Patient zu Patient ziemlich und können sich im Laufe der Zeit verändern. Zweitens können andere Krankheiten ähnliche Symptome hervorrufen. Drittens gibt es bislang keinen Test, mit dem sich ein Reizdarm eindeutig nachweisen lässt.

In einem ersten Gespräch geht der Arzt (am besten ein Gastroenterologe) mit dem Patient oder der Patientin die Beschwerden durch. Er fragt unter anderem, wie lange die Symptome schon bestehen und ob bestimmte Faktoren wie Lebensmittel diese verstärken. Der Arzt oder die Ärztin klärt zudem ab, ob der Patient zum Beispiel unter nächtlichem Stuhldrang leidet, Blut im Stuhl ist, in der Familie Darmkrebs oder entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn vorkommen. Auf diese Weise lassen sich die möglichen Ursachen eingrenzen.

Je nachdem, welche Vermutung der Arzt hat, kann er eine Reihe von Untersuchungen vornehmen. Zum Beispiel:

  • Blutuntersuchungen (Entzündungswerte, Leberwerte, Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwerte)
  • Test auf Blut im Stuhl
  • Rektale Tastuntersuchung (Austastung des Enddarms mit dem Finger)
  • Untersuchung des Stuhls auf Parasiten wie Würmer, aber auch auf Entzündungsmarker und gegebenenfalls Gallensäuren
  • Gynäkologische Untersuchung

Wenn diese Untersuchungen eine andere Erkrankung ausschließen und typische Reizdarmbeschwerden vorliegen, wird die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt. Es handelt sich nicht um den reinen Ausschluss einer anderen Erkrankung, sondern um eine Positivdiagnostik aufgrund der erhobenen Krankengeschichte. Internationale Magen-Darm-Experten hatten sich vor einigen Jahren in Rom zusammengefunden und gemeinsam Kriterien dafür erarbeitet. Inzwischen wurden sie mehrfach aktualisiert.

Die Rom-IV-Kriterien definieren den Reizdarm so:

Wiederkehrender Bauchschmerz, der mindestens einmal pro Woche auftritt und seit mindestens drei Monaten besteht. Er geht mit wenigstens zwei der folgenden Kriterien einher:

  • Es besteht ein Zusammenhang mit dem Stuhlgang
  • Die Häufigkeit des Stuhlgangs ist verändert
  • Die Form des Stuhls ist verändert

Anhand dieser Kriterien lassen sich derzeit vier verschiedene Reizdarm-Subtypen identifizieren:

  • Reizdarm, der vorwiegend mit Verstopfung einhergeht
  • Reizdarm, bei dem Durchfall vorrangig auftritt
  • Reizdarm, der mit Verstopfung und Durchfall im Wechsel verbunden ist
  • Reizdarm, der momentan nicht zu den oberen drei Typen passt

Woher weiß man, ab wann man Verstopfung oder Durchfall hat, und was noch normal ist? Dazu wurde die sogenannte Bristol Stool Form Scale entwickelt, eine Skala, die gemäß der Beschaffenheit des Stuhls sieben verschiedene Stuhltypen unterscheidet:

Typ 1 und Typ 2 (Verstopfung): Einzelne, recht harte Klumpen oder zusammenhängend, aber bestehend aus Klumpen, schwer auszuscheiden

Typ 3 und Typ 4 (normal): Weiche Würstchen, mit Rissen oder glatter Oberfläche

Typ 5: Nicht zusammenhängende, weiche Klümpchen, leicht auszuscheiden

Typ 6 und Typ 7 (Durchfall): Lose, lockere Stücke, breiartig oder wässrig, flüssig

Je nachdem, welche Stuhlformen der Patient am häufigsten beschreibt, können Ärzte den Reizdarm-Subtyp eingrenzen und Therapiemöglichkeiten besprechen.

Schweregradeinteilung: Beurteilung der Lebensqualität

Die deutsche Leitlinie zum Reizdarmsyndrom fordert als zusätzliches Diagnosekriterium, dass der Patient wegen seiner Beschwerden Hilfe sucht, weil diese so ausgeprägt sind, dass die Lebensqualität relevant beeinträchtigt wird.

Eine Expertengruppe des Rome Foundation Working Teams schlägt auf der Basis einer systematischen Literatursuche und eigener in Auftrag gegebener Studien eine Schweregradeinteilung vor, deren Verwendung – in vereinfachter Form – empfohlen wird. Die Einteilung in leichte, mittelschwere und schwere Verlaufsformen lässt sich anhand eines ausführlichen Gesprächs stellen.

Ausprägung der Beschwerden*: Leicht / Mittel / Schwer

Beeinträchtigungen im Alltag**: Gering / Mäßig / Stark

*Zum Beispiel Intensität der Bauchschmerzen auf einer 10-stufigen numerischen Skala: Leicht: 1-3; Mittelschwer: 4-7; Schwer: 8-10
**Zum Beispiel Fehltage in Schule; Krankschreibungen: Leicht: 0-5%; Mittelschwer: 6-10%; Schwer: > 10%

Da Reizdarm eine so vielschichtige Krankheit ist, bei der unterschiedliche Symptome im Vordergrund stehen und die Ursachen noch nicht geklärt sind, gibt es keine Therapie, die an den Ursachen angreift. Derzeit richten Ärzte die Behandlung anhand der hauptsächlichen Beschwerden des Patienten und seinen Lebensumständen aus. In Abstimmung mit dem Arzt muss der Patient oder die Patientin herausfinden, welche Therapien am besten helfen.

Ein erster Schritt ist häufig, Trigger zu erkennen, die die Beschwerden auslösen oder verschlimmern. Dabei kann ein Ernährungsprotokoll hilfreich sein. Auch andere Faktoren, wie stressige Lebensphasen, weiblicher Zyklus, Infekte, psychische Verfassung, gilt es, zu identifizieren.

Teilweise reicht eine veränderte Ernährungsweise aus, um die Reizdarmbeschwerden deutlich zu verbessern. In Abhängigkeit der Schwere der Symptome und des Leidensdrucks, kommen ergänzend Medikamente und/oder psychologische Verfahren zum Einsatz.

Weniger FODMAPs essen oft hilfreich

Viele Reizdarm-Patienten reagieren auf bestimmte Lebensmittel mit Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall. Essen sie weniger FODMAPs, lassen die Beschwerden oft nach. Was sind FODMAPs? Fermentierende (F) Oligosaccharide (O), Disaccharide (D), Monosaccharide (M) und (A) Polyole (P). Es handelt sich dabei also um bestimmte Zuckerarten, die im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt werden, wenn sie nicht in ausreichendem Maße zuvor im Dünndarm abgebaut wurden. Das kann typische Reizdarmbeschwerden hervorrufen. FODMAPs sind zum Beispiel Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose), Raffinose, Stachyose, Sorbitol.

In enger Abstimmung mit dem Arzt oder der Ärztin und gegebenenfalls einer Ernährungsberaterin verzichtet der Patient für zirka vier Wochen komplett auf FODMAPs. Bessern sich die Beschwerden dadurch deutlich, wird danach die individuelle Verträglichkeit der einzelnen Lebensmittel stufenweise ausgetestet. Wichtig: Nicht in Eigenregie eine komplette Auslassdiät machen, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum. Das kann aufgrund der eingeschränkten Lebensmittelauswahl zu Mangelerscheinungen führen. Außerdem zeigen Studien, dass ein dauerhafter Verzicht auf FODMAPs negative Effekte auf die Darmflora hat, besonders hinsichtlich der "gesunden" Bakterien im Darm. FODMAPs dienen zum Beispiel Milchsäurebakterien als Futter.

Lebensmittel, die viele FODMAPs enthalten:

Weizenbrot, Roggenbrot, Gerste, Couscous, Weizenkleie, Sojamehl, Müsli, Nudeln aus Hartweizen, Süßigkeiten, Kuchen, Milch, Eis, Joghurt, Streichkäse, Buttermilch, Frischkäse, Quark, Mascarpone, Hüttenkäse, Pudding, Pistazien, Cashewnüsse, Artischocken, Spargel, Pilze, Zwiebeln, Lauch, Rote Bete, Pastinake, Knoblauch, Blumenkohl, Erbsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte, Äpfel, Aprikosen, Kirschen, Mangos, Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Birnen, Wassermelone, Chutneys, Fruchtaufstriche, Fertigsoßen, Honig, Maissirup, Süßungsmittel, Agavendicksaft, Obstsäfte, Avocado, Kaffee-Ersatz aus Zichorienwurzel, Kokoswasser.

Lebensmittel mit wenigen FODMAPs:

Buchweizen, Hirse, Haferflocken, Polenta, Quinoa, Vollkornreis, Wildreis, glutenfreie Brote und Süßigkeiten, laktosefreie Milchprodukte, Butter, Hartkäse, Schnittkäse, Eier, Fisch, Fleisch, Tofu, Nüsse und Samen, Karotten, Brokkoli, Bambussprossen, Chinakohl, Auberginen, Salat, Oliven, Kartoffeln, Spinat, Kürbis, Zucchini, Bananen, Blaubeeren, Honigmelonen, Kiwi, Zitrone, Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten, Papaya, Sojasoße, Senf, Essig, Fruchtsaftschorle (selbst gemischt, wenig Saft), Kokosnuss, Paprika, Gurke, Haushaltszucker, Ahornsirup.

Wichtig: Diese Liste ist nicht vollständig. Außerdem kann es sein, dass manche Menschen Lebensmittel mit vielen FODMAPs gut vertragen und solche mit wenigen nicht. Des Weiteren spielt die Menge eine Rolle sowie die Kombination der Lebensmittel.

Nur Fruchtzucker und/oder Milchzucker meiden?

War ein Test auf Fruchtzucker und/oder Milchzucker beim Arzt positiv, kann es zunächst reichen, in Abstimmung mit einem Ernährungsexperten für einige Wochen auf Fruktose und/oder Laktose zu verzichten. Eine laktose- oder fruktosearme Ernährung sollte aber nach vier Wochen nur fortgeführt werden, wenn sich die Beschwerden darunter deutlich gebessert haben. In diesem Fall liegt kein Reizdarm vor, sondern eine Unverträglichkeit auf einen oder beide Zucker.

Weizenunverträglichkeit spielt vermutlich Rolle

Dass einige Betroffene weniger Beschwerden haben, wenn sie auf weizenhaltige Lebensmittel verzichten, muss nicht mit einer Glutenunverträglichkeit zusammenhängen. Hier haben wohl auch andere Inhaltsstoffe von Getreide, zum Beispiel sogenannte Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) einen Einfluss. Diese werden von den Getreidepflanzen als Abwehrstoff gegen Parasiten produziert. Der Gehalt an ATI kann bei verschiedenen Weizenarten variieren. Studien legen nahe, dass manche Patienten zum Beispiel alte Weizensorten besser als neue vertragen. Auch Fruktane (Zucker, die aus vielen Fruchtzuckermolekülen bestehen) im Weizen, die zu den FODMAPs zählen, können bei der Weizenverträglichkeit eine Rolle spielen.

Kann ein Verzicht auf Histamin helfen?

Möglicherweise kann eine Unverträglichkeit auf Histamin reizdarmähnliche Symptome hervorrufen, auch wenn dies unter Ärzten umstritten ist. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der unter anderem bei Allergien eine Rolle spielt. Er kommt aber auch in Lebensmitteln vor. Es gibt keinen wissenschaftlich anerkannten Test auf diese Unverträglichkeit. Wenn die Krankengeschichte Hinweise auf eine mögliche Histaminintoleranz liefert, empfehlen Ärzte, sich für sechs bis acht Wochen histaminarm zu ernähren. Lindert dies die Beschwerden deutlich, verträgt die Patienten möglicherweise tatsächlich Histamin schlecht und sollte sich weiterhin histaminarm ernähren. Lebensmittel, die viel von dieser Substanz enthalten, sind unter anderem Thunfisch, Makrele, geräucherte Wurst, Hartkäse, Tomaten, Rotwein, Bier und Spinat.

Ballaststoffe nach Verträglichkeit austesten

Ballaststoffe gelten als sehr gesund. Sie fördern die Verdauung und sollen vor Krankheiten wie Diabetes und Darmkrebs schützen. Dennoch vertragen einige Menschen keine zu großen Mengen davon. Hier gilt es, die individuelle Verträglichkeit auszutesten. Reizdarmpatienten, die überwiegend mit Verstopfung kämpfen, können allerdings von Flohsamenschalen aus der Apotheke profitieren.

Probiotika: Noch vieles unklar

Probiotika sind bestimmte Darmbakterien, die man in Form von Kapseln, Tabletten oder Trinklösungen einnimmt. Bei einigen Menschen mit gereiztem Darm wirken sich die Bakterien wohl günstig auf die Symptome aus. Allerdings fehlen noch große Studien, die einen Nutzen eindeutig belegen könnten. Außerdem hängt die Wirkung stark vom verwendeten Bakterienstamm, der Dosis und der Darmflora des Patienten ab. Wer seine Ernährung verändert, beeinflusst damit auch seine Darmflora. Hier ist noch viel zu wenig über die potenziellen Effekte bekannt.

Allgemeine Essenstipps

  • Langsam essen, gründlich kauen, so schlucken Sie nicht so viel Luft beim Essen. Denn das bläht den Bauch auf
  • Nicht zu große Portionen essen. Drei oder fünf Mahlzeiten täglich? So, wie Sie es besser vertragen!
  • Kaffee und Schwarztee nur in Maßen trinken
  • Wenig oder am besten keinen Alkohol zu sich nehmen
  • Genügend trinken, circa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich
  • Abends nur leicht verdauliche Speisen essen und wenn möglich keine Rohkost

Video: Das hilft gegen Blähungen

Chronischer, negativer Stress, einschneidende Erlebnisse, eine Depression und Angststörungen  können Reizdarmbeschwerden verschlimmern und auch als Ursache infrage kommen. Durch Entspannungsmethoden, einen richtigen Umgang mit Stress sowie eine kognitive Verhaltenstherapie können Patienten gegensteuern.

Kognitive Verhaltenstherapie

Viele Studien bescheinigen der kognitiven Verhaltenstherapie einen positiven Effekt auf die Lebensqualität von Reizdarmpatienten. Ein Psychotherapeut oder Psychologe, der auf Verhaltenstherapie spezialisiert ist, geht mit dem Patienten oder der Patientin dabei unter anderem typische Situationen durch, die belastend wirken. Der Patient lernt zum Beispiel, negative Gedanken, Einstellungen und Emotionen, die mit solchen Situationen einhergehen, zu steuern und ihren Einfluss abzuschwächen bzw. neutraler zu bewerten.

Manche Menschen mit Reizdarmbeschwerden trauen sich teilweise kaum, mit anderen Essen zu gehen, weil ihr Darm danach geräuschvoll mit der Verdauung beginnt oder sie Durchfall bekommen könnten. Oder sie vermeiden zahlreiche Lebensmittel, aus Angst, diese nicht zu vertragen. Sie konzentrieren sich verständlicherweise auf ihre Beschwerden, fragen sich, was diese nun wieder getriggert hat. Das erzeugt Stress, was sich bedingt durch das Zusammenspiel von Darmnervensystem, Psyche und zentralem Nervensystem – also der Darm-Hirn-Achse – wiederum negativ auf die Symptome auswirken kann. Die kognitive Verhaltenstherapie soll diesen Kreis durchbrechen und zu einem besseren Umgang mit den Reizdarmbeschwerden sowie mehr Selbstvertrauen führen.

Entspannungsverfahren

Da sich negativer emotionaler Stress nachteilig auf die Beschwerden auswirken kann, helfen  Entspannungsverfahren oft, gegenzusteuern. Welche Methode die beste ist, muss der Patient selbst austesten. Eine einfache Möglichkeit ist zum Beispiel, tief durch den Bauch ein- und auszuatmen.

Bauchhypnose

Eine Darm- bzw. Bauchhypnose kommt ebenfalls in Betracht, um das Wechselspiel zwischen Darm und Hirn positiv zu beeinflussen. So lässt sich der Darm teilweise beruhigen, wenn der Patient oder die Patientin sich durch Suggestion und innere Bilder in einen entspannten Zustand versetzt. Er oder sie stellt sich beispielsweise etwas für ihn oder sie Schönes und Entspannendes vor.

Mittel gegen Bauchkrämpfe und Blähungen

Manchen Patienten hilft Pfefferminzöl, da es krampflösend wirkt. Ebenso wie Butylscopolamin. Gegen die Blähungen und den aufgeblähten Bauch wirken zum Beispiel Fenchel-Anis-Kümmel-Tee aus der Apotheke oder auch Kümmelöl in Kapselform, wobei die Effekte eher mild sind (vor allem beim Tee). Simeticon und Dimeticon entschäumen, sie lösen also die Gasblasen im Darm auf und lindern damit Blähungen. Kombinationen verschiedener pflanzlicher Wirkstoffe können ebenfalls helfen.

Medikamente gegen Verstopfung

Flohsamenschalen enthalten Ballaststoffe, die im Dickdarm aufquellen und so die Darmtätigkeit anregen. Wichtig: Genügend trinken. Sie können auf diese Weise gegen Verstopfung helfen. Allerdings können Flohsamenschalen Blähungen und Bauchspannen begünstigen. Es kommt hier sehr auf die individuelle Verträglichkeit an.

In akuten Fällen kann ein Abführmittel zum Einsatz kommen – jedoch nur in Absprache mit dem Arzt.

Arzneien gegen Durchfall

Wer an Durchfall leidet, kann unter Umständen Wirkstoffe wie Loperamid für kurze Zeit einnehmen. Wichtig ist, dies mit dem Arzt abzuklären.

Antibiotika

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Arzt ein Antibiotikum wie Rifaximin verschreiben. Die Gabe von solchen Antibiotika ist aber umstritten.

Antidepressiva

Einige Antidepressiva zeigen bei Reizdarmpatienten einen schmerzlindernden Effekt und können die Darmbewegungen und die Schmerzempfindlichkeit über bestimmte Botenstoffe beeinflussen. Wahrscheinlich spielt auch ein Einfluss auf die Darm-Hirn-Achse (siehe Kapitel Überblick und Ursachen) eine Rolle. Zu den eingesetzten Mitteln gehören trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin. Sie werden in deutlich niedrigerer Konzentration gegeben als bei Depressionen und können schmerzlindernd wirken, unabhängig davon, ob der Patient depressiv ist oder nicht. Daher ist der Begriff "Schmerzmodulator" angemessener, da das Medikament als Schmerzmittel eingesetzt wird. Amitriptylin ist in Deutschland auch als solches – in Kombination mit anderen Behandlungen – zugelassen.

Alternative Heilmethoden

Auch wenn große wissenschaftliche Studien fehlen, berichten Patienten, dass Verfahren wie Akupunktur, Heilfasten oder Osteopathie die Symptome positiv beeinflussen.

Quellen:

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