Hausstaubmilbenallergie

Haben Sie eine Allergie gegen Hausstaubmilben? Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie der Arzt dies nachweist, ob sich eine Hyposensibilisierung als Therapie eignet und wie Sie vorbeugen können

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10.09.2013

Was ist eine Hausstaubmilbenallergie?

Reagiert ein Mensch allergisch auf Staub, der sich in Häusern und Wohnungen befindet, besteht der Verdacht auf eine Hausstaubmilbenallergie. Staub setzt sich aus verschiedensten Bestandteilen zusammen. Unter anderem kommen darin winzige Spinnentiere vor: die Hausstaubmilben. Obwohl Allergiker auch auf andere Staubpartikel reagieren können, macht ihnen - sofern kein Haustier dahinter steckt - in den meisten Fällen diese Milbe zu schaffen. Die richtige Bezeichnung für diese Allergie ist daher: Hausstaubmilbenallergie (der häufig verwendete Begriff "Hausstauballergie" ist dagegen medizinisch nicht korrekt).

Allergieauslösend wirken Bestandteile aus dem Kot der Milben. Sie ernähren sich vorwiegend von den Hautschuppen, die der Mensch jeden Tag absondert. Auf der Matratze fühlen sich die winzigen Tiere besonders wohl. Dort finden sie nicht nur genug Nahrung, sondern profitieren auch von Wärme und Feuchtigkeit, die ihnen der Schlafende unfreiwillig spendet. Da Hausstaubmilbenallergiker die ganze Nacht dem allergieauslösenden Stoff ausgesetzt sind, haben sie morgens häufig die stärksten Beschwerden.

Welche Symptome weisen auf eine Allergie gegen Hausstaubmilben hin?

Die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie unterscheiden sich kaum von denen, die Heuschnupfen hervorruft: Die Nase ist häufig verstopft, kann kribbeln und vor allem morgens laufen. Manchmal jucken und tränen die Augen oder sind gerötet. Bei ausgeprägter Allergie reagieren auch die tiefen Atemwege mit Husten, erschwertem Atmen oder pfeifenden Atemgeräuschen. Diese Beschwerden können auch nur bei oder kurz nach körperlichen Anstrengungen auftreten, wenn die Atemwege zusätzlich belastet sind.

Viele Menschen, die langjährig unter einer Hausstaubmilbenallergie leiden, entwickeln mit der Zeit chronische Beschwerden an der Nasenschleimhaut. Sie haben dauerhaft eine verstopfte Nase, manchmal kommt es auch zu immer wiederkehrenden Niesanfällen. Während der Wintermonate – besonders bei Einsetzen der Heizperiode – leiden Betroffene meist mehr als in der warmen Jahreszeit. Heuschnupfen bereitet dagegen vor allem im Frühling und Sommer Probleme.

Wer vermutet, dass er auf Hausstaubmilben allergisch ist, sollte einen Arzt aufsuchen – am besten einen Allergologen (Fachärzte mit Weiterbildung in Allergologie). Der kann den Verdacht überprüfen und anhand spezieller Allergietests die Diagnose stellen.

Ist eine Behandlung möglich?

Bei vielen Patienten, bei denen eine Hausstaubmilbenallergie festgestellt wurde, bereitet die Allergie keine nennenswerten Probleme. Sie müssen sich daher auch nicht dagegen behandeln lassen. Ruft die Allergie Symptome hervor, können Anti-Milben-Maßmahmen helfen. Am wichtigsten ist es, das Bett möglichst milbenfrei zu bekommen. Das gelingt unter anderem, indem Betroffene regelmäßig Bett und Schlafzimmer reinigen, spezielle Überzüge (Encasing) über die Matratze ziehen und täglich lüften. Mehr dazu im Kapitel "Vorbeugen". Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommt eine Hyposensibiliserung in Betracht – der Arzt spricht von spezifischer Immuntherapie mit Hausstaubmilben-Präparat (mehr unter "Therapie").

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Menschen, die auf Hausstaub allergisch sind, reagieren in den meisten Fällen auf die darin vorkommenden Hausstaubmilben – genauer gesagt auf Eiweißpartikel im Kot. Diese winzigen Lebewesen zählen zu den Spinnentieren und lassen sich mit bloßem Auge kaum erkennen, da sie nur zirka 0,1 Millimeter groß sind. Hierzulande handelt es sich meist um die Arten Dermatophagoides pteronyssinus oder Dermatophagoides farinae.

Hausstaubmilben halten sich bevorzugt auf Matratzen auf, aber auch auf Polstermöbeln oder Teppichen. Das Bett bietet Milben beste Überlebensbedingungen, da sie sich vorwiegend von Hautschuppen ernähren, die der Mensch jeden Tag verliert. Außerdem benötigen die Spinnentiere Wärme und eine relativ hohe Luftfeuchte – beides spendet der Schlafende jede Nacht unfreiwillig.

Hausstaubmilben sind kein Zeichen von mangelnder Hygiene

Wichtig: Hausstaubmilben im Bett haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Sie kommen in jeder Wohnung vor. Allerdings können bestimmte Angewohnheiten – zum Beispiel seltenes Lüften – Milben das Leben erleichtern. Mehr dazu im Kapitel "Vorbeugen".

Allergisch reagieren empfindliche Personen auf Eiweißstoffe im Kot der Milben. Dazu gehören die Allergene "Der p 1" und "Der p 2" und "Der p 23", eine kürzlich identifiziertes Hauptallergen aus der Kothülle. Der Kot reichert sich zwar auf der Matratze an, gelangt aber auch in den Hausstaub und wird so auf Teppichen, Böden, Vorhängen und Sofas verteilt. Bei jeder Bewegung, die der Mensch macht, wenn er Staub saugt oder die Kissen ausschüttelt, wird der Staub aufgewirbelt. Der getrocknete Milbenkot wird dadurch in feine Partikel zerlegt, gelangt kurzzeitig in die Raumluft und kann sich auf den Schleimhäuten in Auge, Nase und Lunge ablagern.

Das körpereigene Immunsystem von Allergikern erkennt das Allergen und stuft den Stoff als gefährlich ein. Bei einer Hausstaubmilbenallergie liegt eine sogenannte Typ-I-Allergie vor. Dabei bildet das Abwehrsystem den Antikörper Immunglobulin E (IgE), der an speziellen Körperzellen andockt, den sogenannten Mastzellen. Werden sie aktiviert, schütten sie Botenstoffe am Ort des Geschehens aus – in diesem Fall in den Schleimhäuten der Atemwege, zum Beispiel Nasen- oder Bronchialschleimhaut. Es kommt zur allergischen Reaktion und Entzündung mit ihren typischen Beschwerden. Da der Körper sehr schnell (innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten) mit Symptomen auf das Allergen reagiert, nennt sich die Typ-I-Allergie auch Allergie vom Soforttyp.

Wie es zu einer Allergie gegen Hausstaubmilben kommt, ist noch nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich werden gewisse Milbenproteine bevorzugt vom angeborenen Immunsystem erkannt, andere durchdringen als Enzyme besser die Schleimhaut und begünstigen so die Allergieentwicklung. Grundlage ist einerseits die ererbte Allergiebereitschaft von den Eltern oder Großeltern. Daneben spielen Umwelteinflüsse und der Lebensstil eine Rolle. Studien weisen zudem daraufhin, dass Kinder, die nur wenig mit Krankheitserregern und Allergenen in Kontakt kommen, später mehr zu einer Allergie neigen.

Eine Hausstaubmilbenallergie, die zunächst nur die oberen Atemwege betrifft, kann bei rund einem Drittel der Betroffenen in eine erhöhte Asthmabereitschaft münden. Das heißt, sie neigen vermehrt dazu, Asthma zu entwickeln.

Viele Menschen reagieren allergisch auf Hausstaubmilben, ohne dass die Allergie Beschwerden bereitet. Bei einem Teil der Betroffenen macht sie sich jedoch durch typische Symptome bemerkbar: Vor allem morgens läuft die Nase oder ist verstopft, begleitet von Niesattacken. Mediziner sprechen von einer allergischen Rhinitis. Manchmal jucken oder tränen die Augen und sind gerötet. Es kommt allerdings selten zu dieser allergischen Bindehautentzündung.

Ist die Allergie ausgeprägter, reagieren auch die unteren Atemwege gereizt. Dies äußert sich durch Husten, erschwertes Atmen oder pfeifende Atemgeräusche. Diese Symptome müssen nicht permanent auftreten. Sie können sich auch nur während körperlicher Anstrengung oder kurz danach ausbilden. Besonders bei Kindern weist dieses Anstrengungs-Asthma auf eine Hausstaubmilbenallergie hin. Es taucht kurz nach oder bereits während intensiver körperlicher Betätigung auf und hält etwa eine halbe Stunde lang an.

Beschwerden vor allem nachts und morgens

Die Symptome treten vor allem in der Nacht und morgens auf, weil der Allergiker im Schlaf am stärksten den Allergenen auf der Matratze ausgesetzt ist. Die Allergene werden bei jeder Drehung im Schlaf erneut aufgewirbelt. Aber auch Saugen oder Staubwischen kann die Beschwerden auslösen. Denn dabei werden Staub und die Allergene aus dem Milbenkot in die Luft gewirbelt und kann auf die Schleimhäute gelangen. Je mehr Milben in der Wohnung vorkommen, desto heftiger ist die Allergie.

Obwohl es das ganze Jahr über zu Beschwerden kommt, leiden Hausstaubmilbenallergiker vor allem im Herbst und Winter. Der Grund: Während des Sommers vermehren sich die Hausstaubmilben, da die Bedingungen für sie ideal sind. Im Herbst, wenn die Heizperiode beginnt und geringe Luftfeuchtigkeit herrscht, sterben sie größtenteils ab. Ihr Kot, der sich in größeren Mengen angesammelt hat, trocknet aus und wird über die trockene Heizungsluft mit dem Hausstaub verteilt.

Chronisch verstopfte Nase durch Hausstaubmilben

Wer langjährig unter einer Allergie gegen Hausstaubmilben leidet, kann dauerhafte Beschwerden entwickeln. Diese stellen sich nicht nur im Schlafzimmer nachts oder morgens ein, sondern auch anderen Orten und zu anderen Zeiten. Zum einen kann sich die Nasenschleimhaut durch die permanente Allergenbelastung chronisch entzünden, was vorwiegend zu häufig verstopfter Nase führt. Manchmal stellen sich auch immer wiederkehrende Niesanfälle ein. Zum anderen kann sich die Bronchialschleimhaut entzünden. So entwickelt sich bei gut einem Drittel der Allergiker schleichend ein allergisches Asthma sowie eine allgemeine Überempfindlichkeit der Atemwege. Mediziner bezeichnen dies als "unspezifische bronchiale Hyperreaktivität". Letzteres äußert sich durch lästigen Reizhusten oder kann sporadisch zu einem Engegefühl in der Brust führen.

Wichtig: Ist die Nase chronisch verstopft, wenden Allergiker häufig abschwellende Nasensprays über längere Zeit an – öfters auch, ohne zu wissen, dass die Beschwerden durch eine Allergie verursacht werden. Die Mittel befreien die Nase jedoch nur kurzzeitig. Wer sie dauerhaft anwendet, bei dem verlieren die Sprays ihre Wirkung. Die Nasenschleimhaut trocknet durch die Mittel aus und schwillt als Gegenreaktion wieder zu. Wer dann noch öfter sprüht, gerät nicht selten in eine Abhängigkeit.

Zunächst fragt der Arzt, ob die Symptome zu einer bestimmten Tages- oder Jahreszeit vermehrt auftreten. Dadurch bekommt er erste Hinweise, ob eine Allergie gegen Hausstaubmilben vorliegen könnte. Dann untersucht er die Schleimhäute sowie die Nase und horcht auf verdächtige Atemgeräusche, um den Gesundheitszustand und das Ausmaß der Beschwerden einzuschätzen.

Anschließend überprüft der Arzt seinen Verdacht anhand spezieller Allergietests. Diese Tests nimmt am besten ein Facharzt (Hautarzt, HNO-Arzt, Kinderarzt oder Lungenfacharzt, der eine Weiterbildung in Allergologie hat) vor.

Prick-Test: Dieser Nachweis kommt am häufigsten zum Einsatz. Der Arzt träufelt dabei verschiedene Testlösungen mit potenziellen Allergenen auf die Innenseite des Unterarms. Anschließend pikt (englisch: "prick") er die Stellen oberflächlich mit einer feinen Nadel oder Pinzette an, sodass die Lösungen in die Haut eindringen können. Nach zirka 15 bis 20 Minuten überprüft der Facharzt das Ergebnis. Ist zum Beispiel an der Stelle, die mit Hausstaub-Allergen getestet wurde, eine Quaddel (wie nach einem Mückenstich) entstanden, die juckt und gerötet ist, spricht dies für eine Allergiebereitschaft.

Blut-Untersuchung: Anhand einer Blutprobe lässt sich die IgE-Konzentration im Blut bestimmen. Antikörper (Immunglobuline, abgekürzt Ig) der Klasse E (also IgE) können gegen Allergene der Hausstaubmilbe gerichtet sein. Dies löst dann die allergische Reaktion bei Hausstaubmilbenallergikern aus. Ist der Wert erhöht, weist dies auf eine erhöhte Allergiebereitschaft (=Sensibilisierung) im Sinne einer Typ-1-Allergie hin (siehe Kapitel Ursachen und Risikofaktoren).

Wichtig: Sowohl Hauttest als auch Blut-Untersuchung zeigen nur eine Allergiebereitschaft an, der Allergologe spricht von einer Sensibilisierung. Das bedeutet, es besteht eine Überempfindlichkeit gegenüber den Allergenen der Hausstaubmilbe. Dies heißt jedoch nicht, dass der Betroffene zwangsläufig die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie verspürt. Viele werden zwar "positiv" auf Hausstaubmilben getestet, haben jedoch keinerlei Probleme. Bedeutsam wird die Sensibilisierung erst, wenn der Betroffene Beschwerden hat, die auf das Allergen zurückzuführen sind. Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben trifft dies schätzungsweise nur auf ein Drittel der Sensibilisierten zu.

Nasaler Provokationstest: Damit kann der Arzt ermitteln, ob die Hausstaubmilbenallergene tatsächlich allergische Beschwerden verursachen.

Er testet die Schleimhaut (zum Beispiel an der Nase) zuerst mit einer harmlosen Kochsalzlösung, die in die Nase gesprüht wird. Erfolgt hierbei schon eine Reaktion mit Niesen oder Naselaufen, ist die Schleimhaut des Betroffenen wahrscheinlich allgemein überempfindlich.

Bleibt eine Reaktion auf die Kochsalz-Kontrolllösung aus, wird ein Hausstaubmilben-Allergenextrakt in die Nase gesprüht. Anschließendes Niesen, Naselaufen und eine verstopfte Nase verraten dem Allergologen, dass der Patient wirklich auf die Allergene reagiert. Nach Ansicht von Experten sollte dieser Test immer vor einer Behandlung stattfinden, beispielsweise vor einer Hyposensibilisierung (mehr siehe Kapitel Therapie).

Viele Menschen, bei denen eine Überempfindlichkeit gegenüber Hausstaubmilbenallergenen festgestellt wurde, haben keine Beschwerden. Sie bedürfen keiner Therapie. Wer allerdings unter Symptomen leidet, sollte Wohnung oder Haus möglichst von Milben befreien (siehe Kapitel Vorbeugen). Hilft dies nur unzureichend, kommt eine Hyposensibilisierung infrage.

Durch eine Hyposensibilisierung – auch spezifische Immuntherapie, Desensibilisierung oder Allergieimpfung genannt – lässt sich eine Allergie gegen Hausstaubmilben behandeln. Patienten können zu jeder Jahreszeit mit der Therapie beginnen, da die Allergie ganzjährig auftritt. Der Betroffene bekommt dabei das Allergen, welches seine Beschwerden verursacht, anfangs in sehr niedriger Konzentration verabreicht. Im Wochenabstand steigert der Arzt die Dosis bis eine "Erhaltungsphase" erreicht ist. Ab da wird die allergene Substanz alle vier bis sechs Wochen bei gleichbleibender Dosierung gegeben. Im Normalfall dauert die Hyposensibilisierung etwa drei Jahre.

Ziel ist, dass sich der Körper an die vermeintlich gefährlichen Stoffe gewöhnt und diese toleriert. Das Immunsystem bildet dann weniger IgE-Antikörper, die die allergische Reaktion auslösen, sondern andere schützende Antikörper.

Prinzipiell stehen zwei verschiedene Methoden zur Verfügung:

Subkutane Hyposensibilisierung oder subkutane Immuntherapie (SCIT)

Hierbei spritzt der Arzt die Allergenlösung anfangs wöchentlich unter die Haut (subkutan). Während dieser Anfangsphase steigert er die Dosis von mal zu mal, bis die Maximalmenge erreicht ist. Ab da ist nur noch alle sechs bis acht Wochen eine Spritze nötig (Erhaltungstherapie). Diese Form gilt als Standardmethode.

Sublinguale Hyposensibilisierung oder sublinguale Immuntherapie (SLIT)

Der Patient bekommt die Lösung mit dem allergen wirkenden Stoff nicht per Spritze verabreicht. Stattdessen ist das Allergen in einer speziellen Tablette oder Tropflösung enthalten, welche der Betroffene selbst unter die Zunge (sublingual) legt beziehungsweise tropft. Dieses Verfahren eignet sich zum Beispiel für Kinder oder Menschen, die keine Spritzen mögen. Allerdings sind die Allergentabletten bisher nur für die Gräserpollen-, aber noch nicht für die Milbenallergie verfügbar. Sie werden zur Zeit in großen Studien getestet und wahrscheinlich in ein bis zwei Jahren zur Behandlung der Milbenallergie verordnet werden können.

Da die Hyposensibilisierung in das körpereigene Immunsystem eingreift, eignet sie sich nicht für Menschen, die an einer Immunschwäche oder an einem bösartigen Tumor leiden. Auch wer schweres Asthma bronchiale hat, wenn eine Herz-Kreislauf-Krankheit vorliegt oder ein Patient sogenannte beta-Blocker einnimmt, muss er mit dem Arzt besprechen, ob eine spezifische Immuntherpie für ihn infrage kommt. Hat jemand eine Erkältung oder macht ihm eine Entzündung im Körper zu schaffen, dann sollte er mit der Therapie erst nach Abklingen der Beschwerden beginnen.

Unabhängig davon, ob ein Hausstauballergiker eine Hyposensibilisierung durchführen lässt oder nicht: Die wichtigste Maßnahme ist, das Allergen zu meiden (Allergenkarenz)!

Hausstaubmilben lassen sich nicht komplett aus der Wohnung vertreiben. Doch wer allergisch auf die winzigen Spinnentiere reagiert, der kann ihnen zu Leibe rücken.

Milben aus dem Bett vertreiben

Die Matratze ist der bevorzugte Aufenthaltsort von Hausstaubmilben. Versehen Allergiker die Matratze mit einem speziellen Schutzbezug (Encasing), bewirken sie zum einen, dass die Spinnentiere schwerer an die Hautschuppen des Menschen gelangen. Zum anderen wird auch der Kot der Tiere, der das Allergen enthält, unter dem Schutzbezug zurückgehalten. Wichtig: Der Matratzenbezug sollte gut luftdurchlässig und waschbar sein. Alle sechs bis acht Wochen gehören die Matratzenbezüge in die Waschmaschine, sonst tummeln sich erneut Milben auf ihrer Oberfläche. Ein Waschgang bei 60 Grad Celsius tötet die Milben komplett ab und beseitigt die Allergene. Die milbendichten Überzüge gibt es auch für Kissen und Bettdecke. Allerdings werden sie dadurch etwas schwerer und unhandlicher, besonders wenn sich darüber noch die üblichen (Baumwoll)bezüge befinden.

Alternative: Bei 60 Grad Celsius waschbare Kissen und Bettdecken aus synthetischen Materialien. Diese sollten Allergiker ebenfalls alle sechs bis acht Wochen in die Waschmaschine stecken, damit sie nicht erneut zur Milbenbrutstätte werden. Hochwertige Daunenkissen und -decken bleiben häufig milbenarm, da der eng gewebte Stoff und die sorgfältig verarbeiteten Nähte weder Federn noch Hausstaubmilben durchlassen. Darüber hinaus sollten Allergiker Kopfkissen, Bettwäsche und -decke regelmäßig bei mindestens 60 Grad Celsius waschen. Am besten wöchentlich die Bettwäsche wechseln und täglich ausschütteln. Das Bett sollte auf Füßen stehen und keinen Bettkasten aufweisen. Das verbessert die Lüftung.

Das Schlafzimmer kühl und trocken halten

Milben benötigen Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit um zu überleben und sich fortzupflanzen. Empfindliche Personen sollten das Schlafzimmer deshalb möglichst trocken und kühl halten. Experten empfehlen, dass die Luftfeuchte bei weniger als 60 Prozent liegt und die Raumtemperatur möglichst unter 20 Grad Celsius beträgt. Wer regelmäßig lüftet, lässt frische Luft in den Raum und bewirkt zugleich, dass Feuchtigkeit nach außen gelangt. Das Schlafzimmer wird besonders über Nacht feucht, daher morgens für fünf bis zehn Minuten stoßlüften! Also Fenster weit öffnen und auch die anderen Fenster oder Türen in der Wohnung öffnen. So kann die abgestandene Zimmerluft am besten durch frische ersetzt werden. Insgesamt sollte dreimal täglich gelüftet werden. Zimmerpflanzen erhöhen die Luftfeuchte im Raum. Sie gehören daher nicht ins Schlafzimmer. Außerdem bilden Topfpflanzen ein Reservoir für Schimmelpilze, die ihrerseits zu einer Allergie führen können.

Die Wohnung von Staubfängern befreien

Lange Vorhänge oder gehäkelte Gardinen sehen zwar hübsch aus, doch darin verfängt sich Hausstaub. Deshalb haben sie zumindest im Schlafzimmer nichts zu suchen. Auch auf offenen Bücherregalen lagert sich Staub ab. In einer Couch oder einem Sofa aus Stoff können sich Milben ansiedeln. Polstermöbel aus glattem Leder eignen sich aus diesem Grund eher. Ob Allergiker Teppiche aus ihrem Domizil verbannen müssen, ist unter Experten umstritten. Einerseits sollen sich darin Hausstaubmilben aufhalten, die sich mit einem normalen Staubsauger daraus kaum entfernen lassen. Andererseits bindet ein Teppich Staubpartikel. Auf einem Laminat- oder Fliesenboden wird der Staub dagegen bei jeder Bewegung und jedem Luftzug aufgewirbelt. Böden sollten Allergiker deshalb regelmäßig saugen und nass wischen. Wer saugt, sollte auf einen sogenannten Feinstaubfilter achten. Denn im Gegensatz zu einem normalen Staubfilter hält dieser den feinen Milbenkot im Staubsack zurück.

Was bringen milbenabtötende Mittel?

Wer auf Hausstaubmilben allergisch ist, kann Matratze, Bettwäsche, Teppiche und Polstermöbel mit milbenabtötenden Mitteln (akarizide Mittel) behandeln. Zwar zeigen diese Mittel in Laborversuchen eine gewisse Wirkung. Ob sie Allergikern das Leben aber tatsächlich erleichtern, halten Experten für fraglich. Die Substanzen haben zudem den Nachteil, dass der Milbenkot nach wie vor auf den Textilien verbleibt. Waschen oder Absaugen müssen Betroffene die Matratze oder Ähnliches trotzdem. Zudem gelangen Milben über die Luft, über Dreck oder Staub sowie über die Kleidung schnell wieder in die Wohnung.

Privatdozent Dr. Jörg Kleine-Tebbe ist Facharzt für Dermatologie mit Zusatzbezeichnung Allergologie und Umweltmedizin. Er ist im Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin tätig, welches er 2002 - zusammen mit zwei Kollegen - gegründet hat. Der Gemeinschaftspraxis ist ein klinisches Forschungszentrum angeschlossen. Seine beruflichen Schwerpunkte sind: Atemwegs-, Haut- und Nahrungsmittelallergien, Asthma und allergische Rhinitis, atopisches Ekzem, Urtikaria sowie andere Unverträglichkeitsreaktionen. Herr Dr. Kleine-Tebbe lehrt zudem als externer Dozent an der Charité Universitäts-Hautklinik (Allergie-Centrum Charité).

Quellen:

Moll I: Dermatologie, 7. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2010

Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.: Hausstaubmilbenallergie. Online: http://www.daab.de/allergien/hausstaubmilbenallergie/ (Abgerufen am 10.09.13)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE- vermittelten allergischen Erkrankungen, Leitlinie 09/2009. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-004_S2_Die_spezifische_Immuntherapie__Hyposensibilisierung__mit_Allergenen_

09-2009_09-2014_01.pdf

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich