Hüftarthrose (Coxarthrose)

Der Verschleiß des Hüftgelenks ist eine relativ häufige Form von Arthrose, die den Alltag deutlich beeinträchtigen kann

aktualisiert am 20.10.2017

Hüftarthrose - kurz zusammengefasst

Bei einer Hüftgelenksarthrose ist der Knorpel von Hüftkopf und/oder Hüftpfanne beschädigt. Typische Anzeichen sind eine eingeschränkte Beweglichkeit und Schmerzen im Hüft- und Leistenbereich, vor allem beim Loslaufen und dem Abwärtssteigen von Stufen. Mittels bildgebender Untersuchungsverfahren lässt sich die Arthrose diagnostizieren. Zur Behandlung kommen neben Schmerzmitteln auch verschiedene nicht-medikamentöse Verfahren von Krankengymnastik bis hin zur Operation und dem Ersatz durch ein Kunstgelenk infrage.

Was ist Arthrose des Hüftgelenks?

Die Hüftgelenksarthrose, medizinisch Coxarthrose genannt, ist eine verschleißbedingte Erkrankung des Hüftgelenks. Prinzipiell kann jedes Gelenk des Körpers von Arthrose (Gelenkverschleiß) betroffen sein. Einige haben allerdings bedingt durch ihre Lage besonders hohen Belastungen standzuhalten. Dies gilt vor allem für die Gelenke an den Beinen, auf denen der überwiegende Teil des Körpergewichtes ruht.

Normalerweise sorgt der Knorpel dafür, dass keine direkte Reibung zwischen dem Knochen des Hüftkopfes am Oberschenkel und der Hüftpfanne des Beckens entsteht.

Verlauf der Arthrose

Ausgangspunkt der Hüftarthrose ist, wie bei jeder anderen Arthrose auch, ein Defekt im Knorpelüberzug des Gelenks, der sogenannte "Knorpelschaden". Der Knorpel wird immer dünner, reißt hier und dort ein und raut auf. 

Diese Schäden sind zunächst auf kleine Flächen begrenzt und verursachen noch keine Beschwerden. Die Gelenkinnenhaut entzündet sich jedoch und setzt Botenstoffe frei, die wiederum dazu führen, dass sich der Knorpel schneller abbaut. 

Wenn der Knorpel nach und nach weniger wird, erhöht sich der Druck auf den darunter liegenden Knochen immer mehr. Seine Struktur verändert sich – im Röntgenbild erkennbar durch Verdichtungen und Verhärtungen, sogenannte subchondrale Sklerosierungen. Das einzige Mittel, den höheren Druck auszugleichen, ist, ihn noch mehr zu verteilen: Die Gelenkfläche vergrößert sich daher und bildet knöcherne Ausziehungen, Osteophyten genannt. Diese Auswüchse machen das betroffene Hüftgelenk nach und nach jedoch immer unbeweglicher.

Der Knorpelschaden breitet sich aus und der Gelenkspalt verengt sich mehr und mehr. Es kann sogar so weit kommen, dass die Knorpelschicht vollkommen abgerieben wird. Die darunter liegenden Knochen liegen nun praktisch frei und ohne Schutz auf dem Knochen der Gegenseite.

Eine Hüftarthrose kann über Jahre hinweg nur wenig Beschwerden hervorrufen. Die fortschreitenden Veränderungen im Hüftgelenk können aber auch zu Schmerzen, einer zunehmend eingeschränkten Beweglichkeit bis hin zur Steifheit des Gelenks führen.

Von der ruhenden zur aktivierten Hüftarthrose

 

Von einer aktivierten Arthrose spricht man, wenn zusätzlich zum Gelenkverschleiß Anzeichen für eine Entzündung vorliegen. Das Gelenk kann anschwellen und starke Schmerzen bereiten. Auslöser für eine solche aktivierte Arthrose können Überlastungen sein.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Letztendlich liegt bei einer Arthrose immer ein Verschleiß des Gelenkknorpels vor. Die Ursachen für seine Entstehung können jedoch sehr unterschiedlich sein. Faktoren, die den Abbau des Gelenkknorpels begünstigen:

  • Verletzungen: Viele Hüftarthrosen treten in Folge von Verletzungen auf – mitunter erst viele Jahre nach dem schädigenden Ereignis. Bei der Heilung der Verletzung kann es zu Veränderungen im Gelenkbereich kommen, welche die Belastungssituation verschieben und die Entstehung einer Arthrose begünstigen können.
  • Hüftdysplasie: Manche Menschen haben eine angeborene Fehlstellung des Hüftgelenks, eine sogenannte Hüftdysplasie. Dabei ist die Hüftpfanne nicht richtig ausgebildet und bietet dem Hüftkopf nicht genügend Halt. Eine Hüftdysplasie kann zu einer Fehlbelastung des Gelenkknorpels führen und damit Knorpelschäden und eine Arthrose der Hüfte begünstigen.
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen: Chronische Entzündungen der Gelenke, zum Beispiel im Rahmen von rheumatischen Erkrankungen oder der Gicht, können den Knorpel schädigen und so das Risiko für eine Arthrose erhöhen.
  • Vererbung: Studien haben bestätigt, dass erbliche Veranlagung für den Verschleiß der Hüftgelenke mit verantwortlich ist.
  • Hüftkopfnekrose: Das Absterben des Hüftkopfknochens unterhalb des Knorpels kann manchmal auch bei jungen Menschen auftreten. Gehäuft kommt es bei Patienten, die Kortison einnehmen, zu viel Alkohol konsumieren oder unter Nierenerkrankungen leiden vor. Bricht der Knorpel über dem absterbenden Knochen ein, läuft das Gelenk nicht mehr rund, weshalb es bereits in jungen Jahren zu einer Arthrose kommt.
  • Fehlstellungen: Heilen Hüfterkrankungen wie Morbus Perthes oder Hüftkopfabrutschen in einer Fehlstellung aus, kann bereits in jungen Jahren eine Arthrose entstehen.
  • Impingement der Hüfte (femoro-acetabuläres Impingement): Bei dieser Erkrankung haben Hüftkopf- und/oder -pfanne eine ungünstige Form. Dadurch ist der Raum zwischen den Gelenkflächen verengt. Eine Folge kann sein, dass bei Bewegung des Gelenkes Knorpel oder andere Strukturen eingeklemmt werden. Betroffen sind oft Männer ab 25 Jahren. Im Frühstadium der Erkrankung, wenn noch keine Arthrose entstanden ist, kann eine Umformung des Gelenks mittels therapeutischer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) helfen, weitere Gelenkveränderungen zu verhindern. Dabei werden die Gelenkflächen aneinander angepasst.
  • Anhaltende Überlastungen: Werden bestimmte Bewegungen Tag für Tag und über Jahre hinweg ausgeführt, kann dies zur Überlastung der betreffenden Gelenke führen. Auch Sport kann zum vorzeitigen Verschleiß des Hüftgelenks führen, vor allem wenn er sehr intensiv und monoton ausgeübt wird. Gerade bei Jugendlichen scheint exzessiver Sport eine spätere Arthrose durch verschiedene Veränderungen zu begünstigen.
  • Übergewicht: Überflüssige Pfunde sind Gift für die Gelenke. Besonders für jene, die am schwersten an der Leibesfülle zu tragen haben – die Hüft- und Kniegelenke.

Wichtig: Gelegentlich findet sich auch keine Ursache für die Arthrose.

Die Arthrose der Hüftgelenke beginnt vielfach sehr harmlos. Man steht auf und die ersten Schritte bereiten Probleme, mitunter auch leichte Schmerzen. Das gibt sich rasch, tritt aber immer häufiger auf – ein erstes und wichtiges Warnzeichen.

Oft fallen dann auch das Bücken und Abwärtssteigen von Treppen zusehends schwerer. Ebenso wie Drehbewegungen, etwa beim Aussteigen aus dem Auto oder auch das Spreizen und Heranziehen der Beine. Ist die Hüftarthrose weiter fortgeschritten, schmerzen die Gelenke auch in Ruhe und nachts. Die Schmerzen strahlen zudem oft bis in die Knie aus.

Folgende Symptome können auf eine Hüftgelenksarthrose hinweisen:

  • Anlaufschmerzen im Bereich der Hüfte: Also Schmerzen zu Beginn der Bewegung, vor allem nach längerem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen. Sie lassen nach einigen Schritten dann nach
  • Gelenkschmerzen bei Belastung und nach längerer Beanspruchung
  • Leistenschmerz, häufig mit Ausstrahlung über den Oberschenkel bis in das gleichseitige Kniegelenk
  • Hinken nach längeren Gehstrecken, leichtes Einknicken auf der von Arthrose betroffenen Seite
  • Beschwerden beim Abwärtssteigen von Stufen
  • Ruheschmerzen beim Liegen, Sitzen oder nachts, wenn die Arthrose schon fortgeschritten ist
  • Eingeschränkte Beweglichkeit: Der Oberschenkel lässt sich schlechter beugen und strecken, nur unter Schmerzen abspreizen und schlechter bis gar nicht mehr drehen

Ein Gespräch mit dem Patienten, die Untersuchung der Gelenke sowie die Erstellung von Röntgenbildern können genügen, um die Diagnose Hüftgelenksarthrose eindeutig zu stellen. Manchmal ist es jedoch nicht so einfach: So können zum Beispiel weitere bildgebende oder andere Untersuchungen notwendig sein, um eine aktivierte Arthrose sicher von einer entzündlichen Gelenkerkrankung zu unterscheiden.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Den Beginn der Untersuchung bildet eine ausführliche Befragung des Patienten: Wichtig für die Diagnosefindung sind die Krankheitsvorgeschichte, Lebens- und Ernährungsweise sowie ob ähnliche Fälle in der Familie aufgetreten sind und damit möglicherweise eine erblich (mit-)bedingte Arthrose vorliegt.

Nach dieser Anamnese erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei prüft der Arzt zunächst Gang und Haltung, um mögliche Fehlstellungen wie einen Beckenschiefstand, Muskelschwächen oder Schonhaltungen zu erkennen. Im Rahmen der sogenannten Palpation tastet der Arzt die Gelenke mit den Händen ab und untersucht, ob sie druckempfindlich oder geschwollen sind. Wenn die Arthrose schon sehr weit fortgeschritten ist, kann er möglicherweise auch Knochenveränderungen ertasten.

Zudem überprüft der Arzt die Funktion und Beweglichkeit der Gelenke. So lässt sich eingrenzen, ob und inwieweit die Hüftarthrose bereits zu Beeinträchtigungen führt. Dabei werden auch die Muskeln untersucht: Deren Kraft kann mittels spezieller Klassifikationen eingeordnet werden. Eventuell testet der Arzt die Reaktionsfähigkeit auf Reize und klärt ab, ob der Patient Missempfindungen oder Lähmungserscheinungen hat. Dies kann Aufschluss darüber geben, ob Nervenschäden vorliegen.

Bildgebende Verfahren

Abhängig vom Zustand des Hüftgelenks und vom Stadium der Knorpeldegeneration kommen zur Diagnose dann weitere Verfahren zum Einsatz:

  • Röntgenuntersuchung: Die Erstellung eines Röntgenbilds der Hüftgelenke ist nach Anamnese und Untersuchung fast immer der erste Schritt, wenn es darum geht, eine Arthrose festzustellen. Da der Knorpel jedoch keinen Kalk enthält, ist er im Röntgenbild nicht sichtbar. Somit kann nur indirekt auf seinen Zustand geschlossen werden: Liegt die Größe des Gelenkspalts im Normbereich, deutet noch nichts auf eine Arthrose hin. Ist der Abstand zwischen Gelenkkopf und Pfanne hingegen verschmälert, ist das ein Zeichen für den Verschleiß des Knorpels. Je kleiner der Gelenkspalt, desto ausgeprägter die Hüftarthrose. Weitere Anzeichen im Röntgenbild, die auf eine Arthrose hinweisen können, sind bestimmte Ausstülpungen des Knochens (Osteophyten) und eine veränderte Knochenstruktur unterhalb der Gelenkflächen (subchondrale Sklerosierungen oder Zysten).
  • Ultraschall: Die Untersuchung mit Ultraschall (Sonografie) ist eine gute Ergänzung zur Röntgenuntersuchung, da sich mit Ultraschall Weichteile wie Muskeln und Bänder sowie die Gelenkflüssigkeit optisch gut darstellen lassen. Anders als beim Röntgen sind also nicht nur knöcherne Strukturen zu erkennen. Ein weiterer Pluspunkt im Vergleich zum Röntgen ist, dass die Ultraschalluntersuchung keine Strahlenbelastung verursacht.
  • Magnetresonanztomografie: Die Magnetresonanztomografie eignet sich im Vergleich zur Röntgenuntersuchung besser zur Darstellung von Bändern, Muskeln und Knorpel. Sie kommt daher häufig zur Untersuchung von Gelenken zum Einsatz.

Weitere Untersuchungen zur Abgrenzung von Arthritis und Arthrose

Manchmal kann es schwierig sein, zwischen einer entzündlichen Arthritis und einer Arthrose zu unterscheiden. Dann können eventuell folgende Untersuchungsmethoden dabei helfen, das Krankheitsbild richtig einzuordnen:

  • Blutuntersuchungen: Um degenerative von entzündlichen oder durch Stoffwechselstörungen hervorgerufenen Gelenkerkrankungen abzugrenzen, kann eine Untersuchung des Blutes sinnvoll sein. Hinweise auf entzündliche Krankheiten sind unter anderem eine beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit oder ein erhöhter Spiegel an C-reaktivem Protein (ein Laborwert, der bei Entzündungen ansteigt). Zusätzlich können spezielle Antikörper im Blut bestimmt werden, die auf rheumatische Erkrankungen hinweisen können. Steht eine Gicht zur Debatte, ist eine Bestimmung des Harnsäurespiegels sinnvoll. Allerdings betrifft Gicht nur selten das Hüftgelenk.
  • Gelenkpunktion: Liegt ein Gelenkerguss vor, kann mit einer Punktion die angesammelte Gelenkflüssigkeit abgesaugt werden. Die Untersuchung der Flüssigkeit liefert dann Hinweise auf mögliche Krankheitserreger, aber auch auf entzündlich-rheumatische Veränderungen. Darüber hinaus kann eine Punktion bei größeren Ergüssen auch als therapeutische Maßnahme sinnvoll sein: Sinkt der Druck im Inneren des Gelenks, wirkt das entlastend und schmerzlindernd. Mehrfache Punktionen stellen jedoch eine Infektionsgefahr dar und sind daher nicht ratsam.

Arthrose ist zwar nicht heilbar, kann jedoch in ihrem Fortschreiten verlangsamt werden. Gerade im Anfangsstadium der Hüftgelenksarthrose können die Patienten selbst viel dazu beitragen, dass die Erkrankung nicht oder zumindest langsamer fortschreitet.

Neben Medikamenten können ihnen auch verschiedene nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren helfen, besser mit der Erkrankung zurecht zukommen. So kann auch die physikalische Therapie helfen, Schmerzen zu lindern. Eine Physiotherapie kann die Muskeln kräftigen und damit das Gelenk entlasten. Zudem hilft sie, falsche Bewegungsmuster zu korrigieren und damit weiterer Fehlbelastung vorzubeugen. Je eher in den schädlichen Prozess eingegriffen wird, desto größer sind die Chancen, trotz Hüftarthrose mobil zu bleiben.

Ist die Krankheit zu weit fortgeschritten, hilft meist aber nur noch eine Operation. Oft ist gleich ein künstliches Hüftgelenk angezeigt. Bei bestimmten Fehlstellungen kann, wenn die Arthrose noch nicht zu weit fortgeschritten ist, manchmal auch eine Umformung des Gelenkes (Osteotomie) die Beschwerden lindern.

Selbsthilfe

  • Leichte Bewegung ist empfehlenswert, denn Sport fördert die Durchblutung und die Beweglichkeit der Gelenke. Allerdings sollten unbedingt Sportarten ausgewählt werden, welche die Gelenke nicht überlasten. Dazu zählen Gymnastik, Schwimmen (eher kein Brustschwimmen, sondern andere Stile), Radfahren, Walking und Aqua-Jogging. Ihr Arzt kann Sie zu geeigneten Sportarten beraten. Achtung: Neueinsteiger und Personen, die schon seit längerer Zeit keinen Sport mehr getrieben haben, sollten sich von ihrem Arzt zusätzlich untersuchen lassen, bevor sie mit dem Training beginnen!
  • Eventuell bestehendes Übergewicht abbauen, um die Hüftgelenke zu entlasten.
  • Wärme, Massagen und Krankengymnastik beseitigen Muskelverspannungen und lindern Schmerzen. Auch kann eine gut trainierte Muskulatur das Gelenk entlasten. Aber Achtung: Nicht jeder empfindet solche Maßnahmen als angenehm. Sie sind daher auch nicht immer empfehlenswert. Kommt zur Arthrose eine Entzündung des Gelenks hinzu, kann Kälte zum Beispiel als wesentlich wohltuender empfunden werden als Wärme. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapiemaßnahmen Sie als sinnvoll empfinden und zu welcher Behandlung er Ihnen raten würde.
  • Bei Fehlstellungen der Gelenke ist es sinnvoll, diese zum Beispiel mit orthopädischen Schuhen, Einlagen oder bei fortgeschrittenen Fällen mit entsprechenden operativen Eingriffen korrigieren lassen. Sprechen Sie auch darüber mit Ihrem Arzt.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Physikalische Therapie

Niederfrequente elektrische Ströme werden bei der Elektrotherapie zur Schmerzlinderung eingesetzt. Eines der bekanntesten Verfahren aus diesem Bereich ist die TENS-Therapie, die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation. Dabei kommen kleine tragbare Geräte zum Einsatz, die über Batterien gespeist niederfrequente Ströme erzeugen. Diese werden durch Elektrodenplättchen übertragen, die mit einer Kontaktpaste versehen an dem zu behandelnden Hüftgelenk auf die Haut geklebt werden. Auch Wärmeanwendungen oder bei aktivierter Arthrose Kältetherapie empfinden viele Patienten als angenehm. Eine Behandlung mit Ultraschall kann ebenfalls hilfreich sein.

Orthopädische Hilfen

Gerade puffernde Einlagen können helfen, die Gelenke zu entlasten. Auch Gehhilfen wie Stöcke oder Gehstützen nehmen einen Teil des Gewichtes von den Hüftgelenken, wenn sie richtig eingesetzt werden. Der Stock wird meist auf der gesunden Seite verwendet, um das kranke Gelenk zu stützen.

Krankengymnastik

Physiotherapie kann den Verlauf der Hüftarthrose positiv beeinflussen: Krankengymnastische Übungen verbessern die Beweglichkeit der Gelenke und helfen, die Muskeln rund um das Gelenk zu kräftigen und ihm damit mehr Schutz gegen Belastungen zu geben.
 Eine gute und regelmäßige Krankengymnastik kann im Frühstadium der Arthrose bereits ausreichend sein, um die Beschwerden zu lindern. Sofern sie richtig ausgeführt wird – weshalb Krankengymnastik auch unter Aufsicht geschulter Therapeuten erfolgen muss. Dabei lernen die Patienten auch, wie sie die Übungen zu Hause durchführen sollen.

Medikamente

  • NSAR: Die so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSAR, können helfen, Gelenkschmerzen zu lindern. Typische NSAR sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Ketoprofen. Sie enthalten kein Kortison, daher ihr Name: Mit der Bezeichnung "nichtsteroidal" grenzt man sie von kortisonhaltigen Präparaten ab.
    Diese Medikamente verringern nicht nur die Schmerzen, sondern hemmen auch Entzündungen, indem sie die Produktion körpereigener Substanzen verringern, die im geschädigten Gewebe Schmerz- und Entzündungsreaktionen hervorrufen. Dazu blockieren sie ein Enzym namens Cyclooxygenase. Dieses bildet sogenannte Prostaglandine, die Entzündungen und Schmerzen verursachen.

    NSAR sollten nur kurzzeitig und in möglichst geringer Dosierung angewendet werden. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt! Denn die Palette der Nebenwirkungen von NSAR ist breit; besonders häufig sind Magenbeschwerden.
  • Andere Schmerzmittel: Im Unterschied zu den NSAR wirken manch andere Schmerzmittel nicht entzündungshemmend, sondern ausschließlich schmerzlindernd. So zum Beispiel die Opioide, die bei starken Gelenkschmerzen in Form von Tabletten, Tropfen oder Pflastern zur Therapie eingesetzt werden.
  • Kortisonpräparate: Kortikoide stellen als körpereigene Hormone wichtige Stoffe dar – so haben sie unter anderem die Eigenschaft, übermäßige Entzündungsreaktionen zu dämpfen. Die heute übliche Art der Anwendung in der Arthrosetherapie ist die Injektion: Dabei werden sogenannte Glukokortikoide, die dem körpereigenen Kortikoiden verwandt sind, direkt in das erkrankte Hüftgelenk gespritzt (teilweise in Kombination mit lokal betäubenden Mitteln).

    Das hat den Vorteil, dass die Stoffe gleich dort wirken, wo sie auch gebraucht werden. Solche Injektionen sind jedoch nur sinnvoll, wenn bei einer aktivierten Arthrose andere Maßnahmen nicht helfen. Selbst dann sollten sie jedoch nur über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführt werden. Die Injektion muss unter sterilen Bedingungen stattfinden, damit es nicht zu einer Gelenkinfektion kommt.

Operative Methoden

Zur Anwendung kommen zwei Verfahren:

  • Osteotomie: Eine Umstellung der Knochen kann bei einer Fehlstellung (insbesondere bei der Hüftgelenksdysplasie) helfen, die Position der Gelenkflächen zu optimieren. Dieser Eingriff ist aber nur in frühen Stadien der Arthrose angezeigt.
  • Endoprothese: Eine der häufigsten in Deutschland durchgeführten operativen Eingriffe ist die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes. Die Operationsmethoden wie auch die Implantate haben sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert, so dass die Erfolgsaussichten inzwischen sehr gut sind. Nach wie vor existiert jedoch kein Material, das an die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des natürlichen Gelenks heranreicht. Die Erfahrung zeigt aber, dass Hüftgelenksprothesen durchschnittlich mehr als 15 Jahre halten.
    Die Auswahl an Prothesen für das Hüftgelenk ist groß – ob aus Keramik, Metall oder Plastik mit oder ohne Zement, zum teilweisen oder kompletten Ersatz. Welche Prothese und Operationsmethode am besten sind, lässt sich nicht so einfach sagen: Die Wahl ist abhängig vom Zustand des Knochen rund um das zu ersetzende Gelenk, vom Körpergewicht und weiteren individuell unterschiedlichen Faktoren.

    In den ersten Wochen und Monaten nach der Operation müssen geschwächte und verkürzte Muskeln wieder mittels Krankengymnastik aufgebaut werden. Ebenso sollte ein Koordinations- und Ausdauertraining durchgeführt werden. Empfehlenswerte Sportarten nach einem Hüftgelenksersatz sind Schwimmen, Wandern auf ebenem Gelände, Golf und Radfahren. Ungeeignet sind Sportarten mit häufigem Tempowechsel und ruckartigen Belastungen wie Fußball, Handball, Tennis und alpiner Skilauf. Beim Sport ist die Gelenkschwäche zu beachten.

Privatdozent Dr. med. Patrick Weber ist Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation am Klinikum der Universität München (LMU), Campus Großhadern. Er leitet die Hüftendoprothetik und ist stellvertretender Leiter der Knieendoprothetik. Patrick Weber studierte Medizin in Luxemburg, München und Dublin. Von 2004 bis 2007 war er als wissenschaftlicher Assistent an der Klinik und Poliklinik für Orthopädie am Klinikum Großhadern tätig. 2006 promovierte er am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Von 2007 bis 2009 arbeitete er im Klinikum München Perlach, bevor er 2009 nach Großhadern zurückkehrte. Seit 2011 ist er Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seine Habilitation erfolgte 2014.