Ohrenschmerzen

Schmerzen im oder am Ohr weisen oft auf eine Ohrerkrankung hin. Weitere Ursachen können im Nasen-Rachen-Raum, im Kiefer-Zahnbereich oder in Nervenstörungen liegen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 14.11.2016

Ohrweh – so viele Kinder müssen da durch, einmal oder mehrmals in den ersten Lebensjahren, und Jungs häufiger als Mädchen. Wer Kinder und ohrschmerzgeplagte Männer im Familien- und Bekanntenkreis hat, wird das spontan bestätigen, und medizinische Studien belegen inzwischen solche allgemeinen Beobachtungen.

Schmerzquelle Ohr: Zartbesaitet und sensibel

Die Ohren sind vor allem in ihren äußeren und mittleren Anteilen besonders schmerzempfindlich. Die feine Haut, die Knochen und Knorpel umgibt, ist von zahlreichen Nerven durchzogen. Erkrankungen in einem oder beiden Ohren rufen oft arge Beschwerden hervor.

Aber auch andere Störungen in der Umgebung wirken sich aus. Das Mittelohr ist über eine Verbindungsröhre – Tuba, eustachische Röhre oder Ohrtrompete genannt – mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. Atemwegsinfekte breiten sich auf diesem Wege bis ins Mittelohr aus. Unmittelbar an den äußeren Gehörgang grenzen das Kiefergelenk und eine Knochenstruktur, der Warzenfortsatz. Die größte Kopfspeicheldrüse, die Ohrspeicheldrüse, befindet sich innen vor der Ohrmuschel und dem oberen Teil des Unterkiefers.

Außerdem verlaufen im Bereich des Ohrs wichtige Gesichtsnerven. So können also unterschiedliche Erkrankungen in Kopf und Hals über die Tuba, über Nervenbahnen und Muskelstränge die Ohren in Mitleidenschaft ziehen.

Ohrweh: Häufiges Symptom im Kindesalter

Ursache für die heftige Pein im Ohr, die oft mit Fieber einhergeht, ist bei Kindern meistens eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta). Dazu plagen die Kleinen nicht selten auch noch Hörprobleme, Schwindelgefühle und Ohrensausen. Säuglinge reiben sich am Ohr, sind weinerlich und wirken insgesamt krank.

In der Regel gehen dieser Entzündung eine Erkältung oder Grippe und manchmal dazu eine Nasennebenhöhlenentzündung voraus. Die eustachische Röhre, die Verbindungsröhre zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr, ist bei Kindern noch kürzer und waagrechter angelegt, so dass Krankheitserreger leichter auf das Mittelohr übergreifen können. Auch leiden die Kleinen im Allgemeinen häufiger unter Atemwegsinfekten als Jugendliche oder Erwachsene.

Rachenmandelentzündungen und im Kindesalter typische Infektionskrankheiten wie Mumps gehen ebenfalls oft mit Ohrenschmerzen einher. Ohrprobleme können sich auch infolge einer Masernerkrankung entwickeln. Da jedoch inzwischen sehr viele Kinder gegen Mumps und Masern geimpft sind, treten auch immer seltener damit zusammenhängende Komplikationen im Ohrbereich auf.

Häufige akute Mittelohrentzündungen und Infekte im Nasen-Rachen-Raum führen mitunter zu chronischen Mittelohrentzündungen. Dann stehen allerdings andere Beschwerden im Vordergrund, wie Ausfluss aus dem Ohr. Zu Schmerzen kommt es nur bei bestimmten Entzündungsbildern.

Verletzungen, insbesondere am Trommelfell, oder Fremdkörper im Ohr schmerzen und begünstigen darüber hinaus Entzündungen im äußeren Gehörgang wie im Mittelohr.

Ohrenschmerzen bei Jugendlichen und Erwachsenen

Mit den Lebensjahren geht offenbar die Anfälligkeit für Mittelohrentzündungen zurück. Wer als Heranwachsender oder im späteren Alter mit Ohrenschmerzen zu tun hat, leidet eher unter Problemen am äußeren Ohr und im äußeren Gehörgang.

Gehörgangsentzündungen gehören bei jungen Erwachsenen zu den häufigsten Auslösern für unangenehme Schmerzen. Verantwortlich ist oft eine unsachgemäße, übertriebene Ohrreinigung, etwa mit Wattestäbchen oder spitzen Gegenständen, die zu kleinen Verletzungen mit nachfolgenden Infektionen führen kann. Bakterien und Pilze haben dann leichtes Spiel und lösen eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) aus. Auch allergische Reaktionen, zum Beispiel Kontaktallergien gegenüber bestimmten Stoffen in Haarpflegemitteln, im Ohrschmuck, oder Infektionen durch Piercings kommen infrage.

Flugreisende kennen die Schmerzen im Ohr, die einsetzen, wenn die Maschine sich auf dem Landeanflug befindet. Der vorübergehende Unterdruck im Ohrraum macht vielen zu schaffen. Ernste Probleme beim Fliegen sowie beim Tauchen können entstehen, wenn jemand zusätzlich erkältet ist oder eine Ohrentzündung hat. Heftige Ohrschmerzen mit Hörverlust, Schwindel und Tinnitus sind dann möglicherweise Zeichen für ein Barotrauma, das sofort behandelt werden muss, damit das Trommelfell oder innere Ohranteile nicht reißen oder brechen.

Eher älteren Menschen kann manchmal ein Ohrherpes, der die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang befällt (Herpes zoster oticus), unangenehme Schmerzen bereiten. Die Entzündung geht bisweilen auf den Gesichtsnerv über und löst dann neben den Ohrbeschwerden Gesichtsschmerzen sowie Lähmungserscheinungen (Fazialisparese) aus.

Eine Fazialisparese tritt aber auch vielfach ohne erkennbare Ursache auf und ist vor allem anfangs häufig mit Ohrenschmerzen verbunden. Sind andere Hirnnerven, die bestimmte Gesichtsbereiche versorgen, entzündet, schmerzen ebenfalls oft die Ohren, etwa bei einer Trigeminusneuralgie. Umgekehrt können Ohrerkrankungen ihrerseits auf naheliegende Nerven übergehen und damit verbundene Beschwerden auslösen.

Zahn- und Kieferprobleme sind häufig verantwortlich für Ohrschmerzen. Schäden oder Funktionsstörungen an der Halswirbelsäule machen sich manchmal auch in Ohrenschmerzen bemerkbar.

Weitere, aber eher seltene Ursachen sind Wucherungen im Ohrbereich. Geschwülste und Tumore im Nasen-Rachen-Raum, im weiteren Rachenbereich sowie am Kehlkopf sind manchmal für Ohrbeschwerden verantwortlich, je nachdem, wo die Wucherungen entstehen und wie weit sie sich ausdehnen. Allerdings fallen hier zunächst andere Symptome auf.

Bisweilen spielt auch die Psyche eine Rolle, wenn Ohrenschmerzen ohne körperlich erkennbaren Grund auftreten. Depressive Erkrankungen äußern sich oft auch in körperlichen Beschwerden, dazu gehören unter anderem manchmal Schwindelgefühle, Ohrgeräusche und Ohrenschmerzen.

Schmerzende Ohren: Wann zum Arzt?

Ohrenschmerzen sind immer ein Grund, den Arzt aufzusuchen. Das gilt besonders für Säuglinge und Kinder, aber ebenso für Erwachsene. Auch wenn akute Mittelohrentzündungen meist von selbst wieder ausheilen, ist es wichtig, dass der Arzt durch entsprechende Untersuchungen andere mögliche Ursachen ausschließt. Er wird zudem beobachten, wie die Erkrankung verläuft, um rechtzeitig möglichen Komplikationen entgegenzuwirken (siehe dazu Kapitel "Diagnose").


Der Hausarzt beziehungsweise bei Kindern der Kinderarzt behandelt seinen Patienten je nach Diagnose selbst oder überweist ihn an einen Facharzt, meist einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Mitunter sind auch ein Nervenfacharzt (Neurologe), ein Zahnarzt beziehungsweise ein Kieferorthopäde oder ein Orthopäde gefragt.

Wichtige Hinweise für die Diagnose Ohrbeschwerden

Der Arzt untersucht die Ohren sowie den Mund- und Rachenraum und die Halsregion eingehend. Er benötigt aber auch genauere Informationen über die Beschwerden selbst und über eventuell bestehende Gesundheitsprobleme, um eine zugrundeliegende Erkrankung besser bestimmen zu können. Aufschlussreich ist es für den Arzt unter anderem zu wissen:

  • Wie die Schmerzen sich äußern, ob sie zum Beispiel stechend, brennend oder eher dumpf drückend sind.
  • Wo genau es weh tut.
  • Wie die Schmerzen eingesetzt haben und wie sie verlaufen, wann sie stärker oder schwächer werden.
  • Ob es Begleitsymptome gibt, zum Beispiel Fieber, Hörprobleme, Ohrgeräusche, Erbrechen, Abgeschlagenheit, Schmerzen in anderen Bereichen von Kopf und Hals
  • Zusatzinformationen: Alter, Lebensweise, vor kurzem erlittene oder schon länger zurückliegende Unfälle, Vor- oder Grunderkrankungen.

Was bei Ohrschmerzen hilft

Die Therapien richten sich immer nach der Ursache und bestehen entsprechend in Allgemeinmaßnahmen, Medikamenten oder chirurgischen Eingriffen (siehe hierzu jeweils in den Ursachenkapiteln, Links oben am Anfang des Textes und unten am Ende). Bei einer Mittelohrentzündung zum Beispiel genügt es oft schon, wenn der Kranke sich wie bei einer Grippe schont. Schmerzmittel können eventuell die Beschwerden lindern. Medikamente wie Antibiotika setzen die Ärzte neueren Empfehlungen folgend heutzutage nur gezielt ein, etwa bei schwereren Verläufen mit Fieber und Erbrechen, um Komplikationen zu vermeiden oder zu behandeln. Das kann zum Beispiel eine Mastoiditis sein, eine Entzündung des Warzenfortsatzes, die als seltene Folge einer Mittelohrentzündung auftreten kann. 

Bei Gehörgangsentzündungen kommen andere Medikamente infrage, etwa Kortison-Präparate, die der Arzt häufig lokal aufträgt. Chirurgische Eingriffe können bei Verletzungen, bei Knochenentzündungen, Geschwulsten und Tumoren, bei Zahn- und Kieferproblemen notwendig sein.

Überblick über mögliche Ursachen bei Ohrenschmerzen

(mit häufigen Begleitsymptomen)

Ohrerkrankungen

  • Akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta: akut auftretende, heftige Ohrenschmerzen im erkrankten Ohr, oft mit Fieber, Hörproblemen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit, mitunter auch Schwindel, Tinnitus)
  • Barotrauma (Luftdruckunterschiede im Ohrraum mit möglichen Trommelfellriss, meist bei bestehender Erkältung auf Flugreisen und Tauchgängen: heftige Schmerzen im Ohr, dazu meist Schwindel und Tinnitus)
  • Trommelfellverletzungen: (stechende Ohrenschmerzen, plötzliche Schwerhörigkeit)
  • Knall- und Explosionstrauma (Knalltrauma: kurzer, stechender Ohrschmerz, Schwerhörigkeit, Tinnitus; Explosionstrauma: heftiger und bleibender Ohrschmerz, Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit, Blutung aus dem Ohr bei Trommelfellriss möglich)
  • Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes, einer Knochenstruktur hinter äußerem Gehörgang und Mittelohr, als seltene Komplikation einer Mittelohrentzündung: Schmerzen im Ohrbereich, Druckschmerz und Schwellung hinter dem Ohr mit dadurch abstehender Ohrmuschel, Fieber, Ausfluss aus dem Ohr, Schwerhörigkeit; manchmal auch keine deutlichen Symptome. Säuglinge wirken sehr krank, haben mitunter eher Bauchschmerzen und keinen Appetit)
  • Ohrverletzungen unterschiedlicher Art, Wunden, Schädelbrüche
  • Fremdkörper im Gehörgang, Ohrschmalzpfropf (Schmerzen, Schwerhörigkeit, Druckgefühl, kleine Kinder fassen sich häufig ans Ohr, sind quengelig)
  • Akute Gehörgangsentzündung (Otitis externa acuta: starke Schmerzen, Druckschmerzempfindlichkeit, Hörprobleme, oft geschwollene Ohrmuschel)
  • Grippeotitis (Ohrentzündung infolge einer Grippeerkrankung: plötzlicher, heftiger Schmerz, oft blutiger Ausfluss aus dem Ohr, Schwerhörigkeit)
  • Gehörgangsfurunkel (starke Schmerzen, Druckschmerzempfindlichkeit, manchmal auch leichtere Hörprobleme)
  • Entzündungen der Ohrmuschel (Perichondritis: heftige Schmerzen, Spannungsgefühl, geschwollene und gerötete Ohrmuschel, Druckschmerz, manchmal Fieber)
  • Gesichtsrose an der Ohrmuschel (Erysipel: Das äußere Ohr und seine Umgebung sind geschwollen, gerötet und fühlen sich warm an, Schmerzen im Ohrbereich, Fieber, Abgeschlagenheit)
  • Sonderform der Gehörgangsentzündung, in erster Linie im Rahmen einer Diabeteserkrankung (Otitis externa necroticans: anfangs eher mäßige Schmerzen, eine akute Gehörgangsentzündung heilt nicht aus, geht auf den Knochen über, führt zu einer Schwellung mit heftigen Schmerzen sowie schlecht riechendem Ausfluss aus dem Ohr und kann sich weiter ausbreiten)
  • Gürtelrose des Ohres (Herpes zoster oticus: Ohrenschmerzen und Brennen auf und in dem erkrankten Ohr, etwas später dann Bläschen, Schwerhörigkeit, Schwindel, mitunter Lähmungserscheinungen auf der betroffenen Gesichtshälte)
  • Tumore der Ohrmuschel und im Gehörgang (erhabene Hautflecken, Geschwulstbildung, schmerzhafte Hautveränderungen, Ohrschmerzen, blutig-eitriger Ausfluss möglich)

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Ohrerkrankungen")

Nasen-Rachen-Raum, Kehlkopf

  • Mandelentzündung (Angina tonsillaris: Halsschmerzen, die bis in die Ohren ausstrahlen, Schluckbeschwerden, Fieber, kloßige Sprache, je nach Ursache geschwollene, schmerzende Lymphknoten im Kieferwinkel, Nacken und anderen Körperbereichen; einseitige Beschwerden können auf einen sogenannten Peritonsillarabszess hinweisen)
  • Rachenentzündung (Pharyngitis: plötzliches Fieber, Hals-, Ohr- und Kopfschmerzen, Schnupfen, eventuell Husten, geschwollene Kieferlymphknoten)
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis, Rhinosinusitis: Kopfschmerzen, oft im Stirn- und Augen-Nasen-Bereich, und Druckgefühl, verstärkt beim Bücken, verstopfte Nase, mitunter Fieber, Abgeschlagenheit; Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen aufgrund der gleichzeitig bestehenden Erkältung)
  • Mumps (Entzündung der Kopfspeicheldrüsen mit Ohrspeicheldrüsen, Parotitis epidemica: schmerzhaft geschwollene Speicheldrüsen mit dicken Backen und durch die Schwellungen abstehenden Ohrläppchen, Kau- und Schluckbeschwerden, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber)
  • Pfeiffer’sches Drüsenfieber (Mononukleose: Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kopf-, Ohr- und Gliederschmerzen, schmerzhafte Schwellungen am Hals, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber)
  • Mund- und Rachenkrebs (Oropharynxkarzinom: Schluckbeschwerden, blutiger Speichel möglich, Mundgeruch, später Kieferblockade, Ohrenschmerzen, Atemnot, Heiserkeit)
  • Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom: Heiserkeit, Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen, Kloßgefühl im Hals, Schluckbeschwerden)

(Mehr Informationen dazu Kapitel "Nasen-Rachen-Raum")

Kiefer, Hals, Gesicht

  • Kiefergelenkerkrankungen (Gebissfehlstellungen, Abnutzungserscheinungen und andere Beschwerden: Schmerzen an den Kiefergelenken, Knacken und Schmerzen bei Kieferbewegungen, Probleme beim Öffnen des Kiefers, Ohrenschmerzen, Tinnitus, Kopfschmerzen)
  • Zahnprobleme an Backen- und Weisheitszähnen (Schmerzen im Bereich der Backenzähne, die bis in die Ohren ausstrahlen können)
  • Verspannte Kaumuskeln, Zähneknirschen (Bruxismus: Gesichts-, Hals- und Ohrenschmerzen, Tinnitus, Muskelschmerzen im Nacken-Schulterbereich, depressive Verstimmung)
  • Halswirbelsäulenprobleme (Verspannungen, Bandscheibenschäden: verhärtete, schmerzende Muskeln am Hinterkopf, Schmerzen bei Bewegungen der Halswirbelsäule, Ohrenschmerzen)
  • Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese: bei Eintritt der Lähmungserscheinungen Schmerzen seitlich am Gesicht und hinter dem Ohr sowie Missempfindungen an der gleichseitigen Wange möglich)
  • Reizungen bestimmter Hirnnerven (zum Beispiel Glossopharyngeusneuralgie, Intermediusneuralgie, Sluder-Syndrom: meist einseitige Schmerzanfälle im Nasenrachenraum, im Ohr und Gehörgang, im Augen- und Nasenbereich; Kauen, Schlucken, Husten und ähnliches können die Attacken auslösen)
  • Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis, akute infektiöse Form: Fieber, Halsschmerzen, die bis in die Ohren ausstrahlen können, Lymphknotenschwellungen am Hals)

(Mehr Informationen dazu Kapitel "Kiefer, Gesicht, Hals")

Kurzinformationen zu den hier aufgeführten Krankheitsbildern finden Sie in den folgenden Kapiteln, ebenso einen Überblick, wie der Arzt üblicherweise bei der Diagnose vorgeht (siehe Kapitelübersicht oben am Anfang des Textes und Kapitellinks unten).

 

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Behrbohm H, Kaschke O, Nawka T: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 2. Auflage, Stuttgart, Georg Thieme Verlag 2012
Probst R, Grevers G, Iro H: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2008
Herold G et al.: Innere Medizin, Köln, Gerd Herold 2014
Mattle H, Mumenthaler M: Neurologie. 13. Auflage, Stuttgart,Georg Thieme Verlag 2013

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen. Leitlinie 11/2014, awmf-Register-Nr. 053/009. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-009.html (Abgerufen am 18.03.2015)

Thomas JP, Berner R, Zahnert T et al.: Strukturiertes Vorgehen bei akuter Otitis media. In: Dtsch Ärztebl Int 2014 111(9): 151-60. Online: http://www.aerzteblatt.de/archiv/155701/Strukturiertes-Vorgehen-bei-akuter-Otitis-media (Abgerufen am 30.04.2014)

Rull G, Knott L: Otalgia (Earache). Patientplus 2014. Online: http://www.patient.co.uk/doctor/otalgia-earache (Abgerufen am 30.04.2014)

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Therapie der idiopathischen Fazialisparese (Bell's palsy). Leitlinie 09/2011, awmf-Register-Nr. 030/013. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-013.html (Abgerufen am 30.04.2014)

 

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Mediziner sprechen von primärer Otalgie, wenn die Ursache für Ohrenschmerzen in den Ohren selbst liegt. Befinden sich die Auslöser in angrenzenden Strukturen oder in Bereichen, die über Nervenbahnen und Muskelstränge mit dem Ohr verbunden sind, handelt es sich um sekundäre Otalgien. Muskelverspannungen setzen sich dann zum Beispiel fort, gereizte Nervenfasern leiten die Schmerzen vom ursprünglichen Krankheitsherd zum Ohr. Oder Wucherungen drücken auf Ohranteile.

Wegweisend bei Ohrenschmerzen: Patientengespräch und Krankengeschichte

Zuerst befragt der Arzt, in der Regel der Hausarzt, der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder der Kinderarzt, seinen Patienten. Er will wissen, wie und wo der Schmerz sich äußert, ob er in einem oder beiden Ohren auftritt, wie er eingesetzt hat und wie er aktuell verläuft. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind es die Eltern oder Begleitpersonen, die Verhalten und Zustand des Kindes beschreiben können. Säuglinge fassen sich an das erkrankte Ohr, sind weinerlich, reizbar, wirken allgemein krank und haben oft Fieber. Nicht selten klagen Kinder auch über Bauchschmerzen, obwohl eigentlich die Ohren die Krankheitsursache sind.

Wichtige Anhaltspunkte geben dem Arzt zudem weitere Symptome, wie Fieber, Hörprobleme, Juckreiz, Ausfluss aus dem Ohr, Ohrgeräusche, Schwindel, allgemeines Krankheitsgefühl, Unruhe, Reizbarkeit.

Aufschlussreich sind außerdem zusätzliche Schmerzen und Beschwerden in anderen Körperteilen, etwa im Gesicht, Kopf oder Hals- und Schulterbereich. Der Arzt fragt darüber hinaus nach vorausgegangenen oder gerade akuten Infekten, nach früheren Ohrerkrankungen sowie nach bestehenden Grunderkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Allergien, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen. Auch mehr über Gewohnheiten und Lebensumstände des Patienten zu wissen kann für ihn von Interesse sein. Etwa ob der Betroffene raucht, Alkohol trinkt, unter Stress steht, häufig in kühlem Wasser schwimmt, in lauter Umgebung tätig ist und vieles mehr.

Körperliche Untersuchung bei Ohrenschmerzen

Der Arzt untersucht anschließend das äußere Ohr sowie den Kopf- und Halsbereich eingehend. Durch Abtasten und durch bestimmte Griffe kann er oft schon Ort und Art des Schmerzes feststellen, etwa Druckschmerzen hinter dem Ohr, Nerven- oder Muskelschmerzen. Dann betrachtet er Gehörgang und Trommelfell genauer mit einem speziellen Ohrenspiegel (Otoskop) beziehungsweise einem Untersuchungsmikroskop. Dabei erkennt er meist deutlich Trommelfellverletzungen und Entzündungszeichen im Gehörgang oder (indirekt) im Mittelohr. Einen Ohrschmalzpfropf oder Fremdkörper entfernt der Arzt meist gleich, zum Beispiel mit einem Ohrhäkchen. Das Mittelohr kann er zwar nicht direkt einsehen, aber die Beschaffenheit des Trommelfells und seiner Umgebung geben ihm Hinweise auf entzündliche Vorgänge im Mittelohrraum.

Ein Blick in den Mund und Rachen sowie in den Nasen-Rachen-Raum zeigt ihm mögliche Schwellungen, Entzündungsherde oder Gewebeveränderungen. Auch bestehende Kieferprobleme fallen häufig bei der ersten Prüfung auf.

Weitere hilfreiche Untersuchungsschritte, um mögliche Ursachen von Ohrenschmerzen aufzudecken

Je nach Verdacht können Laboranalysen angezeigt sein, etwa ein Abstrich von eitrigem Sekret, um Erreger zu bestimmen, oder Bluttests, um bestimmten Entzündungen wie einer Schilddrüsenentzündung nachzugehen.

Wenn Diagnose und Krankheitsentwicklung es nahelegen, folgen entsprechend weitere Untersuchungen etwa bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt, einem Neurologen, einem Orthopäden, einem Kieferorthopäden, Zahnarzt oder Internisten.

Bildgebende Verfahren kommen hauptsächlich infrage, wenn der Arzt mögliche Komplikationen vermutet. So kann sich etwa im Rahmen einer Mittelohrentzündung eine Mastoiditis entwickeln, wenn die Entzündung die Knochenstruktur des Warzenfortsatzes oder zusätzlich auch Felsenbein und Jochbogen ergriffen hat. Eine Computertomografie gibt dann Aufschluss. Auch für die Diagnose von Tumoren und deren Ausbreitung veranlasst der Arzt häufig weitere Spezialuntersuchungen, zum Beispiel eine Spiegeluntersuchung des Kehlkopfs, eine Laryngoskopie, sowie Computer- oder Magnetresonanztomografien oder Ultraschalluntersuchungen.

Hörtests bei anhaltenden Ohrbeschwerden

Der HNO-Arzt wird das Hörvermögen prüfen, wenn der Verdacht besteht, dass auch das Innenohr mit betroffen ist. Auch wenn die Schmerzen länger bestehen oder immer wieder auftreten, sind Hörtests angezeigt. Das kann zunächst eine einfache Stimmgabelprüfung sein. Sogenannte audiometrische Untersuchungen mit elektronischen Prüfgeräten erlauben es, nötigenfalls die Hörstörung genauer zu bestimmen. Mit Hilfe der Hirnstammaudiometrie lassen sich Nervenaktivitäten im Innenohr und Teilen des Gehirns überprüfen. Auch ist es damit möglich, Nervenerkrankungen auf die Spur zu kommen. (Mehr Informationen zu Gehörprüfungen finden Sie auch im Symptome-Beitrag "Schwerhörigkeit" im Abschnitt "Diagnose").

Der Diagnose von Haus- oder Kinderarzt beziehungsweise der entsprechenden Fachärzte folgend richtet sich die anschließende Behandlung nach der jeweiligen Ursache. Bei Unfällen, Verletzungen, komplizierten Entzündungsprozessen sowie Tumoren ist in der Regel eine sofortige Therapie in einer Klinik notwendig.

1. Erkrankungen im Mittelohr und Innenohr als Ursache für Ohrenschmerzen

Akute Mittelohrentzündung

Besonders häufig erkranken Säuglinge und Kleinkinder an einer Mittelohrentzündung. Meist gehen Atemwegsinfekte wie eine Erkältung mit Schnupfen und Husten oder eine Grippe voraus, die auch das Mittelohr erfassen und dort Schleimhautentzündungen auslösen. Viren und Bakterien aus dem Nasen-Rachen-Raum dringen bevorzugt über die Tuba (Ohrtrompete oder eustachische Röhre) ins Mittelohr ein. Die Schleimhautansammlungen stören die Belüftung in diesem Bereich. Als Folge kann sich das Trommelfell entzünden und durchbrechen. Manchmal bildet sich ein entzündlicher Erguss hinter dem Trommelfell (Tubenmittelohrkatarrh). Dieser kann ebenso wie auch die Mittelohrentzündung chronisch werden.

Symptome: Akut auftretende, heftige Ohrenschmerzen im erkrankten Ohr, oft Fieber, Hörprobleme, Krankheitsgefühl, Reizbarkeit, mitunter auch Schwindel, Tinnitus. Säuglinge zeigen oft eher allgemeine Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit, Erbrechen und Durchfall.

Ist das Trommelfell geschädigt, kommt eitriger Ausfluss aus dem Ohr, die Schmerzen lassen dann meist nach.

Ein Tubenmittelohrkatarrh äußert sich zunächst durch ein Druckgefühl im Ohr und nicht so sehr durch Schmerzen.

Erfahren Sie mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Akute Mittelohrentzündung".

Grafik: So ist das Ohr aufgebaut

Mastoiditis

Als seltene Komplikation einer Mittelohrentzündung kann sich der Warzenfortsatz entzünden. Das ist eine Knochenstruktur hinter dem Ohr unter der Haut, in der Nähe von äußerem Gehörgang und Mittelohr.

Symptome: Schmerzen im Ohrbereich, Druckschmerz und eine Schwellung hinter dem Ohr, durch die die Ohrmuschel absteht. Dazu kommen Fieber, Ausfluss aus dem Ohr, Schwerhörigkeit. Manchmal fehlen auch deutliche Symptome. Säuglinge wirken sehr krank, haben mitunter eher Bauchschmerzen und keinen Appetit.

Diagnose und Therapie: Aufschluss geben die Symptome zusammen mit einer eingehenden Untersuchung des Ohres und seiner Umgebung. Gegebenenfalls veranlasst der Arzt Blutanalysen und eine Computertomografie.

Meist entfernt der HNO-Spezialist in einem chirurgischen Eingriff erkrankte Teile des Warzenfortsatzes und führt eine Druckentlastung im Mittelohrraum herbei. Gleichzeitig setzt er Antibiotika ein.

Trommelfellverletzungen

Äußere wie innere Ereignisse können das Trommelfell angreifen und verletzen. Neben Entzündungen sind das Unfälle, auch Schläge – zum Beispiel eine heftige Ohrfeige, Manipulationen mit Gegenständen, Luftdruckschwankungen (Barotrauma), Lärmeinwirkungen (Knall- und Explosionstrauma, siehe unten).

Symptome: Stechende Schmerzen im Ohr, plötzliche Schwerhörigkeit

Weitere Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie erhalten Sie im Ratgeber "Trommelfellverletzungen".

Barotrauma

Beim Landeanflug eines Flugzeugs, bei einer Bergfahrt mit der Gondel oder beim Tauchen ändern sich die umgebenden Luftdruckverhältnisse innerhalb eines kurzen Zeitraums. Das Mittelohr gleicht den entstehenden Unterdruck über die Ohrtrompete aus. Gelingt das nicht, meist wenn die Tube verstopft ist, etwa bei einer Erkältung oder Nasennebenhöhlenentzündung, kann das Trommelfell reißen. Auch Schäden im Innenohr sind möglich.

Symptome: Heftige Schmerzen im Ohr, dazu meist Schwindel und Tinnitus

Diagnose und Therapie: Ein Barotrauma muss sofort von einem HNO-Arzt behandelt werden. Die Symptome, die spezielle Situation, in der sie aufgetreten sind, und eine Ohrspiegelung geben dem Arzt entscheidende Hinweise. Er wird durch geeignete Untersuchungen andere Ohrerkrankungen und Verletzungen ausschließen.

Die Therapie zielt darauf ab, die Belüftung über die Ohrtrompete zu normalisieren und eventuell gestautes Sekret abzuleiten. Mögliche Schäden beheben die Ärzte meist mit operativen Eingriffen.

Vorbeugende Maßnahmen: Vermeiden Sie es nach Möglichkeit, mit einer Erkältung zu fliegen. Bei akuter Mittelohrentzündung ist von einer Flugreise abzuraten. Auf gar keinen Fall sollten Sie tauchen. Auf Flugreisen helfen mitunter abschwellende Nasentropfen, wenn die Nasenschleimhäute, etwa wegen einer Erkältung, angeschwollen sind. Gähnen, Schlucken oder Kaugummikauen unterstützen häufig während der Landung den Druckausgleich über die Tuba. Hilfreich ist es manchmal auch, wenn man sich die Nase zuhält und mit geschlossenem Mund quasi gegen die geschlossenen Nasenflügel ausatmet (siehe auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe").

Lesen Sie dazu auch den Ratgeber "Tauchunfall (Dekompressionskrankheit)".

Knall- und Explosionstrauma

Heftige Lärmeinwirkung durch einen Knall (Gewehrschuss, Silvesterknaller) oder eine Explosion kann einen Trommelfellriss und Innenohrschäden auslösen.

Symptome Knalltrauma: Kurzer, stechender Ohrschmerz, Druck- und Taubheitsgefühle, Schwerhörigkeit, Tinnitus.
Explosionstrauma: Heftiger und bleibender Ohrschmerz, Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit, Blutung aus dem Ohr bei Trommelfellriss möglich.

Diagnose und Therapie: Bei einem Explosionstrauma ist oft eine Notfalltherapie notwendig. Nach den üblichen Ohruntersuchungen (siehe Kapitel "Diagnose") sowie Hörtests behandeln die Ärzte das Explosionstrauma häufig mit Infusionen und operativen Eingriffen, um mögliche Schäden am Trommelfell zu beheben. Bleibt die Schwerhörigkeit bestehen, kommen Hörgeräte zum Einsatz.

Ausführlich informiert der Ratgeber "Was ist ein Knalltrauma".

2. Erkrankungen in Außenohr und Gehörgang, die Ohrenschmerzen verursachen

Fremdkörper im Gehörgang, Ohrschmalzpfropf

Kinder stecken sich beim Spielen nicht selten kleine Gegenstände und Spielzeugteile ins Ohr. Auch Insekten können sich im Gehörgang verirren und dort Schwellungen und Reizungen hervorrufen. Wer seine Ohren eifrig mit Wattestäbchen reinigt, drückt oft Ohrenschmalz, anstatt es zu entfernen, zusammen und fest in den Gehörgang.

Symptome: Schmerzen, Schwerhörigkeit, Druckgefühl, mitunter Ohrgeräusche. Kleine Kinder fassen sich häufig ans Ohr, sind quengelig.

Der HNO-Arzt kann Fremdkörper oder einen Ohrschmalzpfropf meist schon bei der Untersuchung fachgerecht entfernen.

Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber "Wie Sie Ohrenschmalz richtig entfernen".

Ohrverletzungen

Schäden an der Ohrmuschel, am äußeren Gehörgang sowie an inneren Anteilen können durch Unfälle unterschiedlicher Art entstehen, etwa durch Verkehrsunfälle mit Halswirbel-Schleudertrauma, durch Schädelbrüche oder Wunden.

Symptome: Neben heftigen Ohrenschmerzen kommt es dabei je nach Schädigung nicht selten auch zu Blutungen aus dem Ohr, Tinnitus und Schwindel.

Die Behandlung erfolgt meist notfallmäßig je nach Verletzungsart. Oft arbeiten dann Chirurgen, Neurochirurgen, Orthopäden und HNO-Ärzte zusammen.

Akute Gehörgangsentzündung

Ist die Gehörgangshaut gereizt oder verletzt, können sich Bakterien und Pilze ausbreiten und entzündliche Prozesse auslösen. Kaltes Wasser, feucht-warme Umgebung gehören zu den Reizfaktoren. Wer viel in kaltem Wasser schwimmt oder in feucht-warmen Schwimmbädern, kennt meist auch das "Schwimmerohr" oder die "Badeotitis". Unsachgemäße Reinigung mit Wattestäbchen, Kontaktallergien, aber auch eine übergreifende Mittelohrentzündung sind weitere mögliche Auslöser.

Symptome: Starke Schmerzen, Druckschmerzempfindlichkeit, Juckreiz, Hörprobleme, oft geschwollene Ohrmuschel. Eitriger Ausfluss aus dem Ohr ist möglich, mitunter bilden sich Krusten.

Diagnose und Therapie: Unbehandelt können sich die Entzündungsherde ausbreiten und sich eventuell Abszesse bilden. Nach eingehender Ohruntersuchung reinigt und trocknet der HNO-Arzt den Gehörgang und behandelt die Entzündung mit abschwellenden, desinfizierenden und gegebenenfalls antibiotischen Medikamenten, die er meist direkt in den Gehörgang einbringt, zum Beispiel mit einem Gazestreifen oder Schwämmchen. Manchmal können die Mittel auch in Form von Tropfen angewendet werden.

Weiteres zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie können Sie nachlesen im Ratgeber "Gehörgangsentzündung".

Grippeotitis

Für diese Form der Gehörgangsentzündung sind vornehmlich Viren verantwortlich, sowie infolge der Virusinfektion überhandnehmende Bakterien (Superinfektion). Meist ist sie mit einer Mittelohrentzündung verbunden. Die Infektion setzt der Gehörgangshaut stark zu. Es können sich Blutbläschen bilden, auch auf dem Trommelfell.

Symptome: Plötzlicher, heftiger Schmerz, oft blutiger Ausfluss aus dem Ohr, Schwerhörigkeit. Kommt Schwindel dazu, kann das auf ein Fortschreiten der Infektion ins Innenohr hindeuten.

Diagnose und Therapie: Die Symptome sollten den Betroffenen sofort zum Arzt führen, um schwerwiegendere Komplikationen zu vermeiden. Die Ohrinspektion zeigt dem Arzt typische Kennzeichen. Durch entsprechende Untersuchungen stellt er sicher, dass keine anderen Ohrerkrankungen vorliegen, wie Verletzungen, allergische Reaktionen oder eine Herpes-zoster-Infektion im Gehörgang.

Der Arzt behandelt die Infektion mit Schmerzmitteln und gegebenenfalls Antibiotika gegen vorhandene bakterielle Entzündungen.

Spezielle Gehörgangsentzündung im Rahmen einer Diabeteserkrankung (Otitis externa necroticans)

In erster Linie erkranken ältere Menschen mit Diabetes oder Menschen mit Immunschwäche an dieser Sonderform einer Gehörgangsentzündung. Meist beginnt die Erkrankung mit einer akuten Gehörgangsentzündung, die nicht ausheilt. Sie greift das Gewebe sowie den Knochen am Gehörgangsboden an und kann auf Mittel- und Innenohr sowie umgebende Knochen und Nerven übergehen. Mögliches Warnzeichen ist manchmal eine Gesichtslähmung.

Symptome: Anfangs eher mäßige Schmerzen am Ohr, aber auch Kopfschmerzen. Schreitet die Entzündung fort, folgen heftige Schmerzen, unangenehm riechender Ausfluss aus dem Ohr, Schwellungen im Ohrbereich.

Diagnose und Therapie: Die Symptome sowie eine Untersuchung der Ohren geben erste Hinweise. Eine Abstrichanalyse im Labor auf Erreger sowie bildgebende Verfahren, um eine mögliche Ausbreitung der Entzündung zu beurteilen, schließen sich an.

Der Arzt reinigt den Gehörgang von entzündlichen Anteilen. Je nach Art des Erregers (häufig ist es ein spezieller Typ) kommen passende Antibiotika zum Einsatz. Wichtig ist auch, dass der Diabetes gut eingestellt wird.

Gehörgangsfurunkel

Hier ist ein Haarbalg im Gehörgang akut mit Bakterien infiziert und entzündet sich. Schwimmbadwasser, Schmutz, zum Beispiel auch durch Hörstöpsel, grobe Reinigungsmaßnahmen sind nicht selten verantwortlich. Mitunter kann auch eine Diabeteserkrankung dazu führen, dass sich häufiger Furunkel bilden.

Symptome: Starke Schmerzen, geschwollener Ohrbereich, Druckschmerzempfindlichkeit, eitriger Ausfluss möglich, manchmal auch leichtere Hörprobleme, Lymphknotenschwellung in der Umgebung des Ohres.

Diagnose und Therapie: Ohruntersuchungen, Gehörtests und häufig auch eine Untersuchung von eitrigem Sekret geben dem Arzt Aufschluss.

Die Behandlung erfolgt meist mit schmerzstillenden, desinfizierenden und eventuell antibiotikahaltigen Medikamenten, die der Arzt mit Mullstreifen oder Schwämmchen in den Gehörgang einbringt. Wenn der Gehörgang gereinigt und abgeschwollen ist, verordnet er bestimmte Mittel mitunter auch in Form von Ohrtropfen.

Entzündungen der Ohrmuschel (Perichondritis)

Über Wunden, zum Beispiel auch durch Ohrpiercing, und gereizte Hautstellen können Erreger eindringen und eine Entzündung der knorpeligen Anteile der Ohrmuschel auslösen.

Symptome: Heftige Schmerzen, Spannungsgefühl, geschwollene und gerötete Ohrmuschel, Druckschmerz, manchmal Eiterstellen, Fieber, schmerzhaft vergrößerte Lymphknoten.

Diagnose und Therapie: Der Arzt schließt durch entsprechende Untersuchungen andere Entzündungsformen aus. Eitriges Sekret lässt er meist im Labor untersuchen. Zur Therapie setzt er desinfizierende und antibiotische, mitunter auch schmerzstillende Mittel ein. Je nach Krankheitsbild kann auch ein operativer Eingriff angezeigt sein, um Eiter abzuleiten und geschädigtes Gewebe abzutragen.

Rotes, heißes, schmerzendes Ohr

Beinah exotisch mutet die Störung an, über die weltweit gerade mal hundert Berichte erschienen sind. Aber sie hat sich inzwischen als Rotes-Ohr-Syndrom (engl. red ear syndrome) ein wenig herumgesprochen. Dennoch dürfte die Wahrscheinlichkeit, auf einen Betroffenen zu stoßen, ziemlich gering sein. Experten kennen eine primäre, in der Regel harmlose Form unklarer Ursache und eine sekundäre Form bei Begleiterkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Migräne-Kopfschmerzen, Veränderungen an der oberen Halswirbelsäule mit Beeinträchtigung von Nervenwurzeln oder Neuralgien von Gesichtsnerven wie bei der Trigeminusneuralgie (Informationen dazu im Ratgeber "Gesichtsschmerzen").

Symptome: Die Ohrmuschel rötet sich anfallsartig, fühlt sich heiß an und tut weh. Im Einzelfall können sich die Beschwerden über das Ohr hinaus auf die Wange, Schläfe, den Nacken oder die gesamte Gesichtshälfte derselben Seite ausdehnen. Ebenfalls selten kommt es daselbst zu einem tränenden und geröteten Auge, verstopfter Nase und Druckgefühl auf dem Ohr. Die Attacken dauern eine bis vier Stunden. Sie treten mindestens einmal täglich auf, manchmal bis zu zwanzig Mal – auf einer Seite, auch die Seite wechselnd, gelegentlich beidseitig.

Diagnose und Therapie: Die Rötung des Ohres ist offensichtlich. Bei einigen Patienten lässt sich das Beschwerdebild durch Hautreize, Wärme, Kälte, Kopf- oder Kaubewegungen, Husten oder Niesen auslösen. Mitunter können offenbar Orangensaft, Stress und Schlafmangel bahnend wirken. Das ist auch für Migräne bekannt. Dann kann Reizvermeidung, soweit möglich, eine einfache, aber gezielte Therapie sein. In anderen Fällen sind die Behandlungswege ursachen- oder erfahrungsbezogen (empirisch). Das reicht vom Kühlkissen über bestimmte Schmerzmittel, auch schmerzwirksame Antiepileptika und Antidepressiva, über Medikamente, die den Gefäßtonus beeinflussen, bis hin zu Nervenblockaden. Gefragt ist gegebenenfalls ein diagnostisch und therapeutisch erfahrener Schmerzmediziner mit spezieller Fachrichtung, zum Beispiel ein Neurologe, HNO-Arzt oder Kieferorthopäde.

Wundrose (Gesichtsrose) an der Ohrmuschel

Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken rufen diese fachsprachlich Erysipel genannte Hautinfektion im Bereich der Ohrmuschel hervor. Die Erreger dringen über Wunden und kleine Verletzungen, auch Ohrlöcher, ins Gewebe ein.

Symptome: Das äußere Ohr und seine Umgebung, meist auch das Ohrläppchen, sind geschwollen, gerötet und fühlen sich warm an, Schmerzen im Ohrbereich, Fieber, Abgeschlagenheit.

Diagnose und Therapie: Der Arzt untersucht das Ohr eingehend, auch um andere Entzündungen wie Ekzeme oder eine Perichondritis ausschließen. Zur Behandlung setzt er ein Antibiotikum ein, das er je nach Ausprägung des Krankheitsbildes als Tabletten verordnet oder über die Vene gibt. Zusätzlich behandelt er mit desinfizierenden und gegebenenfalls schmerzstillenden Mitteln.

Gürtelrose des Ohres (Herpes zoster oticus)

Varicella-zoster-Viren verbleiben nach einer überstandenen Windpockenerkrankung in den Hirnnerven oder Nervenwurzeln des Rückenmarks. Sie können nach Jahren wieder aktiv werden und eine Gürtelrose in den Gebieten hervorrufen, die von dem befallenen Nerv versorgt werden. Risikofaktoren sind ein geschwächtes Immunsystem und das Alter.

Symptome: Ohrenschmerzen und Brennen auf und in dem erkrankten Ohr, etwas später dann Bläschen, Schwerhörigkeit, Schwindel, mitunter Lähmungserscheinungen auf der betroffenen Gesichtshälfte (Fazialisparese).

Diagnose und Therapie: Auch hier wird der Arzt andere Entzündungsformen abgrenzen. Es ist wichtig, frühestmöglich mit der Behandlung zu beginnen. Der Arzt setzt Medikamente gegen Viren, sogenannte Virustatika, ein, außerdem Schmerzmittel und gegebenenfalls Antidepressiva oder Antiepileptika, die die Schmerzen ebenfalls günstig beeinflussen können.

Mehr über Infektionen mit Herpes-Zoster-Viren, ihre Diagnose und Therapie sowie vorbeugende Maßnahmen finden Sie im Ratgeber "Gürtelrose".

Tumore der Ohrmuschel und im Gehörgang

Hauttumore, gut- wie bösartige, kommen am Außenohr häufiger vor. Die Ohren gehören zu den Stellen am Kopf, die oft ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind. Intensive, langanhaltende Sonnenbestrahlung schädigt das Erbgut der Hautzellen. Vor allem ältere Männer können davon betroffen sein. Tumore der Ohrmuschel greifen mitunter auch auf den Gehörgang über. Bösartige Veränderungen, die nur im Gehörgang selbst entstehen, sind eher selten. Es ist wichtig, bei Auffälligkeiten oder Schmerzen immer zum Arzt zu gehen.

Symptome: Erhabene Hautflecken, Geschwulstbildung, schmerzhafte Hautveränderungen, Ohrschmerzen, blutig-eitriger Ausfluss möglich.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose stellt der Arzt meist mit Hilfe der feingeweblichen Untersuchung von Gewebeproben des herausgeschnittenen Tumors.

Die Therapie erfolgt individuell, je nach Art und Ausmaß des Tumors. Manchmal muss der Spezialist weiteres umgebendes Gewebe in einem chirurgischen Eingriff entfernen und eventuell auch befallene Lymphknoten behandeln.

1. Erkrankungen im Rachenraum, die zu Ohrenschmerzen führen

Mandelentzündung (Angina tonsillaris)

Bakterien, vor allem aus der Gruppe der Streptokokken, sind die Erreger einer akuten Entzündung der Rachenmandeln. HNO-Ärzte setzen zur Behandlung häufig Antibiotika ein. Ziel ist es, die Erkrankung möglichst schnell einzudämmen und zu vermeiden, dass sie sich im Mund- und Rachenraum weiter ausbreitet und zu seltenen späteren Komplikationen führt.

Symptome: Halsschmerzen, die auf die Ohren übergehen, Schluckbeschwerden, Fieber, kloßige Sprache, je nach Ursache schmerzende, geschwollene Lymphknoten im Kieferwinkel, im Nacken und in anderen Körperbereichen; einseitige Beschwerden können auf einen sogenannten Peritonsillarabszess hinweisen.

Mehr zum Krankheitsbild, zu Diagnose und Therapie erfahren Sie im Ratgeber "Mandelentzündung (Angina tonsillaris)".

Rachenentzündung

Verantwortlich für eine akute Entzündung der Rachenschleimhaut (Pharyngitis) sind oft Grippeviren und Parainfluenza-Viren, die in erster Linie bei Kindern Atemwegsinfekte wie einen Pseudokrupp hervorrufen können. Infektionen mit Bakterien, insbesondere Streptokokken, können dazukommen.

Symptome: Plötzliches Fieber, Kratzen und Schmerzen im Hals, Ohr- und Kopfschmerzen, Schnupfen, eventuell Husten, geschwollene Kieferlymphknoten.

Diagnose und Therapie: Deutliche Hinweise gibt die Spiegeluntersuchung des Mund-Rachen-Raums. Die Schleimhaut ist gerötet und oft mit Belägen überzogen. Möglicherweise entnimmt der Arzt zudem einen Abstrich für einen Streptokokkenschnelltest.

Schmerzlindernde Maßnahmen mit Medikamenten, kalten Halswickeln und warmen Kräutertees zum Gurgeln oder Trinken, zum Beispiel mit Kamille und Salbei, stehen bei der Behandlung mit Vordergrund. Wurden Streptokokken nachgewiesen, wird der Arzt entscheiden, ob Antibiotika angezeigt sind.

2. Krankheiten im Nasenraum und weiteren Kopfbereichen als Auslöser für Ohrenschmerzen

Nasennebenhöhlenentzündung

Eine akute oder chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) kann auf unterschiedliche Weise das Ohr in Mitleidenschaft ziehen. Die Entzündung in den Nasennebenhöhlen greift entweder auf das Mittelohr über (siehe Kapitel "Ohrerkrankungen") oder sie stört die Belüftung in der eustachischen Röhre. Damit verursacht sie möglicherweise einen Unter- oder Überdruck im Mittelohr. Zudem reizen die Entzündungsvorgänge manchmal Nervenbahnen, die mit dem Ohr verbunden sind oder in seiner Nähe verlaufen.

Symptome: Kopfschmerzen, oft im Bereich von Stirn, Augen und Nase, ein Druckgefühl, das sich verstärkt beim Bücken bemerkbar macht. Dazu kommen eine verstopfte Nase, mitunter Fieber, Abgeschlagenheit. Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen stellen sich auch aufgrund der gleichzeitig bestehenden Erkältung bei einer akuten Rhinosinusitis ein.

Zu Ursachen, Diagnose und Therapiemaßnahmen informiert der Ratgeber "Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)".

Mumps

Bei Mumps (Parotitis epidemica) sind die großen Kopfspeicheldrüsen mit den Ohrspeicheldrüsen entzündet. Erreger dieser Infektionskrankheit, an denen zumeist Kinder, aber mitunter auch Erwachsene erkranken, ist das Mumpsvirus. Dank der empfohlenen Impfung für Säuglinge und Kleinkinder sind die Krankheit und mögliche Spätfolgen selten geworden.

Symptome: Schmerzhaft geschwollene Speicheldrüsen mit dicken Backen und durch die Schwellungen abstehenden Ohrläppchen, Kau- und Schluckbeschwerden, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Mumps" auf baby-und-familie.de.

Pfeiffersches Drüsenfieber

Jugendliche und Erwachsene unter 30 Jahren erkranken besonders häufig an dieser Infektion durch das sogenannte Epstein-Barr-Virus, das zu den Herpes-Viren gehört. Die Erreger der "Kusskrankheit" werden hauptsächlich über Speichelkontakt übertragen und befallen Mund-, Rachen- und Nasenschleimhaut, anschließend über die Lymphbahnen auch die Rachenmandeln, Lymphknoten, die Milz und die Leber.

Symptome: Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kopf-, Ohr- und Gliederschmerzen, schmerzhafte Schwellungen am Hals, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber. Kinder zeigen dagegen oft kaum Symptome.

Zu Ursachen, Verlauf, Diagnose und Therapie informiert der Ratgeber "Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose)".

3. Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum oder Kehlkopf: Oft mit Ohrenschmerzen verbunden

Mund- und Rachenkrebs

Bösartige Veränderungen (Oropharynxkarzinome) sind hauptsächlich die Folge von jahrelangem Tabakrauchen und Alkoholmissbrauch. Ohrenschmerzen und weitere Symptome treten häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf, wenn der Tumor auf Nerven drückt oder in umgebendes Gewebe, etwa Muskeln in diesem Bereich, vorgedrungen ist.

Symptome: Mitunter anfangs keine Beschwerden, möglich sind Schluckbeschwerden, blutiger Speichel, Mundgeruch; später Schmerzen beim Schlucken, Ohrenschmerzen, Kieferblockade, Atemnot, Heiserkeit.

Diagnose und Therapie: Die Untersuchung des Rachenraums gibt dem Arzt meist wichtige Hinweise. Bildgebende Verfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie zeigen dann mehr über Art und Ausmaß des Tumors.

Die Therapie richtet sich nach den individuellen Gegebenheiten. In der Regel entfernt der Spezialist den Tumor operativ. An die Operation schließt sich meist Strahlentherapie an, gegebenenfalls kombiniert mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie).

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Ratgeber "Rachenkrebs (Pharynxkarzinom)".

Kehlkopfkrebs

Männer erkranken häufiger als Frauen an bösartigen Kehlkopftumoren, und dann meist im Alter zwischen Mitte 50 und Mitte 60. Tabakrauch und Alkoholmissbrauch sind hier maßgebliche Risikofaktoren. Ebenso können Giftstoffe aus der Arbeitswelt wie Asbest, Teer, Ruß oder starke Hitzeeinwirkung krebsfördernd sein. Zu Ohrenschmerzen kommt es vor allem, wenn der Tumor den Vagus-Nerv im Kehlkopf- und Rachenbereich reizt.

Symptome: Heiserkeit, Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen, Kloßgefühl im Hals, Schluckbeschwerden.

Diagnose und Therapie: Aufschluss geben die eingehende Untersuchung des Halsbereichs, eine Spiegeluntersuchung des Kehlkopfs, eine Laryngoskopie. Infrage kommen hier möglicherweise auch eine Mikrolaryngoskopie, bei der der Arzt meist Gewebe zur feingeweblichen Untersuchung entnimmt, sowie Ultraschallaufnahmen. Häufig folgen noch eine Computertomografie und/oder eine Magnetresonanztomografie.

Die Behandlung ist immer individuell abgestimmt auf Patient und Tumorart und besteht meist aus chirurgischen Maßnahmen mit Strahlentherapie und eventuell Chemotherapie.

Ausführliche Informationen gibt der Ratgeber "Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)".

1. Wie Probleme an Kiefergelenk und Zähnen zu Ohrenschmerzen führen

Kiefergelenkerkrankungen, Zahnprobleme

Durch die enge Nachbarschaft zwischen Kiefergelenk, äußerem Gehörgang und Mittelohr wirken sich Kieferprobleme manchmal auch auf den Ohrbereich aus und führen dort zu Schmerzen. Folgen für die Ohren können so Gebissfehlstellungen, Abnutzungserscheinungen oder Entzündungen haben. Beschwerden, die auch auf die Ohren ausstrahlen, verursachen vor allem Probleme an den Backen- oder Weisheitszähnen, Karies, Wurzelentzündungen sowie durchbrechende oder schief wachsende Weisheitszähne.

Symptome: Schmerzen an den Kiefergelenken, Knacken und Schmerzen bei Kieferbewegungen, Probleme beim Öffnen des Kiefers, Ohrenschmerzen, Tinnitus, Kopfschmerzen.

Bei Zahnproblemen: Schmerzen an den Zähnen, im Backen- und Kieferbereich, schlechter Atem, Zahnfleischbluten, mitunter Ohrenschmerzen.

Diagnose und Therapie: Wenn Symptome und Erstuntersuchungen auf Probleme im Kieferbereich oder an den Zähnen hindeuten, werden ein Kieferorthopäde und ein Zahnarzt möglichen zugrundeliegenden Störungen nachgehen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Verspannte Kaumuskeln, Zähneknirschen (Bruxismus)

Stress und psychische Anspannung führen bei vielen Menschen dazu, dass sie buchstäblich die Zähne zusammenbeißen. Die Kaumuskulatur verkrampft sich, nächtliches Zähneknirschen ist nicht selten eine Folge. Morgens beim Aufwachen stellen sich dann mitunter auch Ohrenschmerzen und Ohrgeräusche ein.

Symptome: Gesichts-, Hals- und Ohrenschmerzen, Tinnitus, Muskelschmerzen im Nacken und in der Schulter, depressive Verstimmung.

Diagnose und Therapie liegen bei einem Zahnarzt beziehungsweise Kieferorthopäden. Häufig lässt der Arzt eine sogenannte Aufbissschiene anpassen. Entspannungstechniken können zusätzlich hilfreich sein.

2. Erkrankungen im Gesicht, die mit Ohrenschmerzen einhergehen

Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese)

Entzündungen im Ohrbereich können sich bis zu dem in unmittelbarer Nachbarschaft verlaufenden Gesichtsnerv ausbreiten. Es gibt noch andere mögliche Ursachen für eine Gesichtslähmung, auch Verletzungsschäden gehören dazu. Recht häufig jedoch lässt sich kein Auslöser finden (idiopathische Fazialisparese). Ohrschmerzen sind mitunter ein Anfangszeichen.

Symptome: Mit Beginn der Lähmungserscheinungen sind Schmerzen seitlich am Gesicht und hinter dem Ohr möglich. Typisch ist dann eine einseitig erschlaffte Gesichtshälfte. Der Kranke kann das Augenlid nicht mehr vollständig schließen, was das Auge relativ schnell schädigen kann. Auch hat er Probleme, Mund- und Stirnmuskeln ungehindert zu bewegen. Es kommt zu Sprech-, Kau- und Schluckschwierigkeiten.

Diagnose und Therapie: Bei diesem Krankheitsbild ist neben dem HNO-Arzt und Augenarzt meist der Neurologe gefragt. Eingehende Ohruntersuchungen, weiterführende Untersuchungen wie Tests von Nerven- und Muskelaktivitäten, Blutanalysen im Labor sowie je nach Ausprägung der Symptome eventuell bildgebende Verfahren helfen teilweise, Ursache und Form der Fazialislähmung zu bestimmen.

Zur Therapie setzen die Ärzte häufig Kortisonpräparate ein. Eine lokale Behandlung für das erkrankte Auge ist wichtig, um es zu schützen und die Beschwerden zu lindern. Erweisen sich Lähmungen und Krankheitsverlauf als sehr schwerwiegend, erwägen die Fachärzte manchmal auch mikrochirurgische Eingriffe, etwa um den Gesichtsnerven wiederaufzubauen. 

Ausführliche Informationen finden Sie im Ratgeber "Gesichtslähmung (Fazialislähmung)".

Reizungen bestimmter Hirnnerven

Neben dem bekannten Trigeminusnerv können auch andere Hirnnerven, die unterschiedliche Funktionen im Kopf- und Gesichtsbereich steuern, gereizt werden beziehungsweise unter Druck geraten (Glossopharyngeusneuralgie, Intermediusneuralgie, Sluder-Syndrom). Je nach Krankheitsverlauf erfassen die Schmerzen dann oft auch das Ohr.

Symptome: Meist einseitige Schmerzanfälle im Nasen-Rachen-Raum, im inneren Ohr und Gehörgang, im Augen- und Nasenbereich; Kauen, Schlucken, Husten und ähnliches können die Attacken auslösen.

Diagnose und Therapie liegen in der Regel in der Hand eines Neurologen.

Genauer über Diagnose und Behandlung informiert der Ratgeber "Gesichtsschmerzen" im Kapitel "Trigeminusneuralgie" und "Weitere Ursachen".

3. Wenn die Ursachen von Ohrenschmerzen im Bereich von Hals und Nacken liegen

Halswirbelsäulenprobleme

Muskelverspannungen, aber auch Bandscheibenschäden wirken mitunter bis ins Ohr weiter. Feinste Nervenfasern in den Muskeln und Nervenbahnen, die im Ohrbereich verlaufen, sind dabei oft mit einbezogen.

Symptome: Verhärtete, schmerzende Muskeln am Hinterkopf, im Nacken und im Hals-Schulterbereich, Schmerzen bei Bewegungen der Halswirbelsäule, Ohrenschmerzen, auch Tinnitus und Schwindel sind möglich.

Diagnose und Therapie: Treten entsprechende Beschwerden auf, liegt die weitere Diagnose und Behandlung in der Regel in der Hand eines Orthopäden.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Nackenschmerzen, steifer Hals".

Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)

Hals- und Ohrenschmerzen können bei akuten Entzündungen der Schilddrüse auftreten, die aber insgesamt selten sind. Bakterien können eine akute eitrige Thyreoiditis auslösen, während ein vorausgegangener Virusinfekt häufig mit einer subakuten Thyreoiditis de Quervain in Verbindung gebracht wird. Diese Form betrifft deutlich mehr Frauen als Männer. Bei eitrigen Formen bildet sich mitunter auch ein Abszess. Eine Strahlentherapie kann zu einer akuten, nicht eitrigen Entzündung führen. Die häufigste Form der Schilddrüsenentzündung, die chronische lymphozytäre Thyreoiditis (Hashimoto), auch Autoimmunthyreoiditis genannt, spielt hinsichtlich Ohrenschmerzen praktisch keine Rolle.

Symptome: Fieber, Halsschmerzen, die bis in die Ohren ausstrahlen können, Schwellungen und Lymphknotenschwellungen am Hals können eine akute eitrige Thyreoiditis kennzeichnen. Die subakute Form de Quervain äußert sich durch Schwellungen im Bereich der Schilddrüse, Schluckbeschwerden, Schmerzen bis zu den Ohren, starkes Krankheitsgefühl.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose stellt meist ein Internist und Schilddrüsenspezialist (Endokrinologe). Der klinische Untersuchungsbefund am Hals, verschiedene Blutwerte sowie eine Ultraschalluntersuchung geben ersten Aufschluss. Um die Diagnose zu sichern und andere Erkrankungen auszuschließen, können auch eine Feinnadelbiopsie und eine Schilddrüsenszintigrafie angezeigt sein.

Je nach möglichem Erreger behandeln die Ärzte etwa eine akute Schilddrüsenentzündung mit Antibiotika. Kortison kommt insbesondere bei einer schwerwiegenden subakuten Form zum Einsatz.

Ohrenschmerzen: Zuerst ist immer der Arzt gefragt

Ist die Ursache für die Ohrenschmerzen gefunden, wird der Arzt – in der Regel der Hausarzt, Kinderarzt oder Hals-Nasen-Ohrenarzt – die Therapie individuell auf seinen Patienten und das Krankheitsbild ausrichten.

Die Behandlung von Ohrerkrankungen zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, mögliche Infektionsherde zum Ausheilen zu bringen oder zu entfernen, eine gestörte Belüftung im Ohrraum wieder zu normalisieren und zu verhindern, dass sich die Erkrankung ausbreitet. Dazu setzen die Ärzte zielgerichtet Medikamente ein, wie zum Beispiel Schmerzmittel, desinfizierende oder abschwellende Arzneien, etwa abschwellende Nasentropfen. Gegebenenfalls sind auch Antibiotika, Mittel gegen Viren oder Kortison angezeigt. Mitunter ziehen Fachärzte chirurgische Eingriffe in Betracht, etwa um Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohrraum abzuleiten, Eiterherde oder Wucherungen zu entfernen oder Trommelfellschäden zu beheben.

Gegen entzündliche Vorgänge im Rachenraum wählen die Ärzte ebenfalls die dem Krankheitsverlauf und möglichen Krankheitserregern entsprechenden Medikamente aus. Treten zum Beispiel immer wieder hartnäckige Mandelentzündungen auf, kann es manchmal auch notwendig sein, die Rachenmandeln zu entfernen. Bei Geschwulsten in diesem Bereich sind in der Regel stets chirurgische Maßnahmen angezeigt.

Probleme im Kiefer-Zahn-Bereich behandelt der Zahnarzt oder der Kieferorthopäde. Ein Orthopäde wird Störungen an der Halswirbelsäule mit den dafür geeigneten Maßnahmen angehen. Dazu gehören häufig Krankengymnastik, Schmerzmittel, Wärme- und Kältetherapien. Die Behandlung von Nervenstörungen liegt in der Regel bei einem Facharzt für Nervenerkrankungen, einem Neurologen.

Selbsthilfe bei Ohrenschmerzen: Nur in Absprache mit dem Arzt

Allgemein gilt für viele Erkrankungen, die mit Ohrschmerzen verbunden sind, dass die Kranken sich schonen und den Empfehlungen ihres Arztes folgen. Viele Menschen schwören bei Ohrerkrankungen auf bewährte Hausmittel wie Wärmeanwendungen oder die berühmten Zwiebelsäckchen. Allerdings sind nicht alle Anwendungen bei allen Ohrschmerzen hilfreich oder sinnvoll. Deshalb: Fragen Sie immer zuerst Ihren Arzt!

Grafik: So sehr belastet Lärm

Ohrproblemen vorbeugen: Mit behutsamer Ohrpflege und Badeschutz

  • Wattestäbchen haben im Ohr nichts zu suchen. Ebenso wenig harte, oder gar spitze Gegenstände. Viele Menschen verursachen mit ihren Reinigungsbemühungen kleine, oft folgenreiche Verletzungen. Über diese können sich Krankheitserreger ausbreiten. Es genügt, angesammelten Schmutz aus der Ohrmuschel sanft mit einem feuchten Tuch zu entfernen. Der Gehörgang reinigt sich in der Regel selbst. Wer versucht, hier mit Wattestäbchen zu operieren, entfernt zudem entweder zu viel von dem schützenden Ohrenschmalz oder drückt es zu einem harten Pfropf zusammen.
  • Versuchen Sie auch nicht, einen Ohrenschmalzpfropf oder einen Fremdkörper selbst zu entfernen, weder bei sich noch bei Ihren Kindern. Hier ist immer ein HNO-Arzt gefragt.
  • Wasser in den Ohren schadet zwar nicht, lässt aber Bakterien leichter vordringen. Ebenso können Reste von Shampoo oder Badezusätzen die feine Ohrhaut aufweichen. Tupfen Sie ihre Ohren nach dem Duschen vorsichtig mit einem weichen Tuch trocken. Auch mit warmer, nicht zu heißer Fönluft können Sie die Ohren trocknen.
  • Ohrenschutz ist vor allem für Menschen wichtig, die viel in gechlortem oder kaltem Wasser schwimmen. Das Chlor reizt mitunter die Gehörgangshaut und begünstigt so Entzündungen. Auch der häufige Kontakt mit kaltem Wasser wirkt sich nachteilig aus. Damit das Wasser nach dem Schwimmen besser aus dem Ohr ablaufen kann, ziehen Sie ein paar Mal mit zur Seite geneigtem Kopf am Ohrläppchen. Schwimmer mit empfindlichen Ohren tragen am besten Badekappen oder passende Stöpsel. Es gibt auch spezielle Ohrentropfen, die Wassersportler vor und nach dem Schwimmen anwenden können. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem HNO-Arzt beraten.
  • Wer Ohrstöpsel als Lärmschutz in der Nacht verwendet, sollte darauf achten, die Stöpsel nicht zu tief und fest in den Gehörgang zu drücken. Wechseln Sie die Stöpsel auch häufig, damit sich keine Keime auf ihnen vermehren und so ins Ohr gelangen.
  • Gehörschutz am Arbeitsplatz ist unerlässlich für alle, die zum Beispiel an lauten Maschinen oder auf Baustellen tätig sind, um Ohrschäden vorzubeugen.

Eine starke Immunabwehr gehört zu den grundlegenden Vorbeugemaßnahmen, wenn es um Infekte und damit um die häufigsten Ursachen von Ohrenschmerzen geht. Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte, indem Sie nicht rauchen, sich ausgewogen ernähren, sich ausreichend körperlich bewegen und gezielt Stress abbauen.

Tipps für Flugreisende: Was gegen Ohrenschmerzen beim Landeanflug hilft

Wenn die Maschine startet oder landet und Ihre Ohren weh tun, unterstützen oft schon einfache Maßnahmen den Druckausgleich über die eustachische Röhre. Hilfreich sind oft Kaugummikauen, Bewegen der Kiefer, regelmäßiges, bewusstes Schlucken sowie das sogenannte Valsalva-Manöver: Halten Sie sich die Nase zu. Dann atmen Sie bei geschlossenem Mund durch die "verstopfte" Nase aus, so als wollten Sie sich schnäuzen. Vorsicht allerdings bei akutem Schnupfen, erst recht bei akuter Mittelohrentzündung. Wenn Sie erkältet sind, ist es oft ratsam, einige Zeit vor der Landung abschwellende Nasentropfen und -sprays anzuwenden. Kinder mit einer Erkältung oder Mittelohrentzündung sollten nach Möglichkeit nicht fliegen. Sprechen Sie sich dazu immer mit dem Arzt ab.

Vermeiden Sie es in jedem Fall, mit einer Erkältung oder Ohrentzündung zu tauchen.