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Kurz zusammengefasst

Manche Menschen haben häufiger kalte Hände als andere. Meistens ist das kein Grund zur Sorge. Einfache Maßnahmen helfen, gegenzusteuern. Kalte Hände können allerdings auch auf Krankheiten hindeuten. Wer häufig oder ohne erkennbare Ursache an den Händen friert, sollte sich deshalb vorsichtshalber ärztlich untersuchen lassen. Das gilt auf jeden Fall, wenn weitere Symptome dazukommen. Die Ärztin oder der Arzt kann prüfen, ob eine Erkrankung feststellbar und eine Therapie nötig ist.

Welche Ursachen haben kalte Hände?

Oft frieren wir besonders schnell an Händen und Füßen. Bis zu einem gewissen Grad ist das normal. Denn bei Kälte drosselt der Körper den Blutfluss vor allem in den äußeren Regionen wie Armen und Beinen[1]. So bleibt mehr Wärme für den Körperstamm, wo lebenswichtige Organe liegen.

Die Finger werden weniger gut durchblutet, deshalb können sie sich leicht bläulich verfärben. Formt man zum Beispiel ohne Handschuhe einen Schneeball, lässt sich das beobachten[2]. Zurück im Warmen verschwindet die Verfärbung wieder.

Bei manchen Menschen schießt der Körper, vereinfacht gesagt, ein wenig übers Ziel hinaus. Ihre Hände oder Füße werden besonders rasch kalt. In den allermeisten Fällen ist das unangenehm, aber harmlos.

Kalte Hände oder kalte Finger können manchmal allerdings auch Anzeichen einer Krankheit sein. Oft kommen dann weitere Beschwerden dazu. Besonders in diesen Fällen ist deshalb eine ärztliche Abklärung ratsam. Die Ärztin oder der Arzt kann prüfen, ob ob sich hinter den Beschwerden womöglich eine Erkrankung verbirgt, die behandelt werden sollte.

Mögliche Ursachen von kalten Händen

Kalte Finger oder Hände können viele Gründe haben, die sich auch überschneiden und gegenseitig verstärken können. Die folgende Aufzählung ist nicht komplett. Es handelt sich nur um eine Auswahl:

  • Manche Medikamente führen als mögliche Nebenwirkung zu kalten Händen, zum Beispiel Betablocker gegen einen erhöhten Blutdruck. Wer den Verdacht hat, sollte mit seiner Ärztin oder seinem Arzt sprechen. Eventuell lässt sich das Arzneimittel gegen ein anderes tauschen.
  • Raynaud-Syndrom (Weißfingerkrankheit): Beim Wechsel von warm zu kalt oder bei Stress werden mehrere Finger plötzlich kalt und schneeweiß, lassen sich nur noch schwer bewegen, verfärben sich dann blau und schließlich rot. Die Farbveränderung grenzt sich scharf von der benachbarten normalen Hautfarbe ab. Die Finger können dabei zum Beispiel kribbeln, manchmal sogar schmerzen. Oft handelt es sich beim Raynaud-Phänomen um eine vorübergehende, unangenehme, aber harmlose Durchblutungsstörung – sozusagen eine übersteigerte Reaktion des Körpers auf Auslöser wie Kälte oder Emotionen. Manchmal sind jedoch Krankheiten die Ursache. Fachleute sprechen dann von sekundärem Raynaud-Syndrom[3]. Benannt ist das Phänomen nach dem französischen Arzt Maurice Raynaud, der es als erster beschrieben hat[4].
  • Autoimmunkrankheiten können das Raynaud-Syndrom auslösen und damit die Ursache kalter Hände sein. Bei Autoimmunkrankheiten richtet sich das Immunsystem sozusagen irrtümlich gegen Strukturen des eigenen Körpers. Ein Beispiel ist die Bindegewebserkrankung Sklerodermie. Dabei verdickt sich das Bindegewebe durch entzündliche Vorgänge. Ein weiteres Beispiel ist das Sjögren-Syndrom. Tränen- und Speicheldrüsen entzünden sich bei dieser Krankheit. Es kommt zu trockenen Augen und einem trockenen Mund. Auch die Krankheit Lupus erythematodes gilt als möglicher Auslöser[3] eines Raynaud-Syndroms.
  • Die Psyche beeinflusst Nerven und Hormone und so auch die Durchblutung[1]. Bei Aufregung kommt es zum Beispiel oft zu kalten, feuchten Händen. Aber nicht nur vorübergehende Stressmomente, sondern auch Angsterkrankungen können beispielsweise mit kalten Händen verbunden sein.
  • Bei der Essstörung Magersucht erhält der Körper zu wenig Energie. Das fördert generell das Frieren[5].
  • Niedriger Blutdruck: Kalte Hände und Füße können mit niedrigem Blutdruck in Verbindung stehen[6]. Weitere mögliche Symptome sind dann etwa Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme. Der Blutdruck kann auch beim Aufstehen absacken. Es kommt dann eventuell zu Schwitzen, Herzklopfen, Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder sogar einer kurzen Ohnmacht. Hinter solchen Beschwerden können aber auch andere Ursachen stecken.
  • Blutarmut: Im Blut sind rote Blutkörperchen für den Sauerstofftransport zuständig. Gibt es zu wenig davon, gelangt weniger Sauerstoff von den Lungen in alle Körperteile, auch in die Hände. Ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure kann für eine solche Blutarmut verantwortlich sein. Es gibt jedoch weitere Gründe. Betroffene sind oft blass, fühlen sich eventuell müde, kurzatmig, haben einen schnellen Puls. Kältegefühl in Händen und Füßen ist ein weiteres mögliches Symptom[7]. Der Verdacht auf eine Blutarmut oder entsprechende Symptome sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.
  • Schilddrüsenerkrankung: Menschen, die an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, frieren insgesamt leichter.
  • Verengte oder verschlossene Blutgefäße: Viele Gründe können den Blutfluss beeinträchtigen. Die Arteriosklerose, umgangssprachlich Gefäßverkalkung, kann zwar grundsätzlich alle Arterien treffen. An den Armen spielt sie allerdings keine so große Rolle wie an Beinen, Herz oder Gehirn. Vor allem bei Menschen, die rauchen, kommen Gefäßentzündungen vor.[8] Oder ein Blutgefäß wird an einer anatomischen Engstelle im oberen Brustkorb etwas zusammengedrückt. Das Phänomen heißt Thoracic-outlet-Syndrom[9]. Auch ein Blutpfropf kann ein Blutgefäß verschließen. So ein Blutpfropf kann sich zum Beispiel im Herz bilden[10], etwa bei Vorhofflimmern, und mit dem Blut in das betroffene Blutgefäß gespült werden. Eine solche Embolie macht sich aber üblicherweise schlagartig mit starken Schmerzen bemerkbar. Die Hand oder sogar der Arm wird blass und fühlt sich kalt an.

Wann zum Arzt oder zur Ärztin?

Wer häufig oder ohne erkennbare Ursache an den Händen friert, wendet sich am besten an seine Ärztin oder seinen Arzt.

Das gilt auf jeden Fall, wenn irgendwelche anderen Beschwerden auftreten.

Kommen kalte Hände oder kalte Finger im Zusammenhang mit einem Unfall oder nach einem ärztlichen Eingriff am Arm vor, ist ebenfalls ärztlicher Rat gefragt.

Was hilft bei kalten Händen?

Es gibt viele Gründe für kalte Hände. Deshalb sollte eine Ärztin oder ein Arzt den genauen Auslöser feststellen. Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Sie oder er kann gegebenenfalls an eine fachärztliche Praxis überweisen – je nach Verdacht zum Beispiel an eine Praxis mit Spezialgebiet Rheuma oder Gefäßerkrankungen. So entscheidet sich, ob eine Behandlung nötig ist und wie sie gegebenenfalls aussieht. Sie richtet sich nach der jeweiligen Ursache.

Allgemeine Tipps gegen kalte Hände

  • Sind Krankheiten ausgeschlossen, kann man kalte Hände aufwärmen, indem man sie reibt, unter mäßig warmes Wasser hält oder unter die Achseln klemmt. Oder man lässt die Arme kreisen wie eine Windmühle[1].
  • Eine naheliegende Maßnahme gegen kalte Hände ist warme Kleidung. Dabei sollten aber auch die Füße und der Körperstamm warm gehalten werden, etwa durch verschiedene Kleiderschichten. Es reicht also nicht, nur gut gefütterte Handschuhe zu tragen.
  • Wer bekanntermaßen rasch an den Händen friert, kann versuchen, vor allem plötzliche Temperaturwechsel ins Kalte zu vermeiden oder sich in solchen Situationen auch bei mäßig tiefen Temperaturen mit Handschuhen zu schützen.
  • Manche Menschen nutzen sogenannte Taschenwärmer oder Handwärmer oder beheizbare Handschuhe.
  • Bei Stress frieren manche Menschen mehr. Deshalb kann es helfen, Stress abzubauen.
  • Die Gesundheit der Blutgefäße und damit auch die Durchblutung der Hände lässt sich ganz allgemein unterstützen, indem man nicht raucht. Außerdem sollte man möglichst ausgewogen essen und trinken und sich regelmäßig bewegen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.


Quellen:

  • [1] Wigley F M, MD: Patient education: Raynaud phenomenon (Beyond the Basics). Post TW, ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. https://www.uptodate.com : https://www.uptodate.com/... (Abgerufen am 20.06.2024)
  • [2] Cleveland Clinic: Acrocyanosis. https://my.clevelandclinic.org/... (Abgerufen am 18.06.2024)
  • [3] Wigley F M, MD: Clinical manifestations and diagnosis of Raynaud phenomenon. Post TW, ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. https://www.uptodate.com : https://www.uptodate.com/... (Abgerufen am 18.06.2024)
  • [4] Wigley F M, MD: Pathogenesis and pathophysiology of Raynaud phenomenon. Post TW, ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. https://www.uptodate.com: https://www.uptodate.com/... (Abgerufen am 27.06.2024)
  • [5] National Health Service (NHS): Symptoms – Anorexia nervosa. https://www.nhs.uk/... (Abgerufen am 20.06.2024)
  • [6] Deutsche Herzstiftung e.V., Pressemitteilung: Niedriger Blutdruck: Harmlos oder bedenklich für das Herz?. https://herzstiftung.de/... (Abgerufen am 24.06.2024)
  • [7] American Society of Hematology: Anemia. https://www.hematology.org/... (Abgerufen am 24.06.2024)
  • [8] Olin J W, DO: Thromboangiitis obliterans (Buerger disease). Post TW, ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. https://www.uptodate.com: https://www.uptodate.com/... (Abgerufen am 20.06.2024)
  • [9] Goshima K, MD: Overview of thoracic outlet syndromes. Post TW, ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. https://www.uptodate.com: https://www.uptodate.com/... (Abgerufen am 20.06.2024)
  • [10] Shah P S, MBBS, FACS, Gates J D, MD, MBA, FACS: Overview of upper extremity ischemia. Post TW, ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. https://www.uptodate.com : https://www.uptodate.com/... (Abgerufen am 18.06.2024)