Baby und Familie

Werdende Mütter machen sich vom positiven Schwangerschaftstest an Sorgen um das Wohlergehen ihres Kleinen: Wird mein Baby gesund zur Welt kommen? Wie kann ich es schon im Mutterleib vor Erkrankungen schützen? Zwar ist das Kind im Bauch in der Regel gut von schädlichen äußeren Einflüssen abgeschirmt, wenn Schwangere auf gesunde Ernährung achten und konsequent auf schädigende Stoffe wie Nikotin und Alkohol verzichten.

Trotzdem können Krankheitserreger manchmal von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden und eine Gefahr darstellen. Ein kleiner Schnupfen ist normalerweise kein Problem. „Aber grundsätzlich kann jede Infektion, sei es eine Blasenentzündung oder Grippe, zum Risikofaktor für werdende Mutter und Kind werden, weil das Immunsystem während der Schwangerschaft nur reduziert arbeitet“, sagt Dr. med Cornelia Hösemann, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus dem sächsischen Großpösna und Expertin der AG Impfen im Berufsverband der Frauenärzte e.V. Doch das ist kein Grund zur Panik: Vielen Infektionen kann man durch einfache Maßnahmen vorbeugen - zum Beispiel bereits bei Kinderwunsch durch eine Impfung (siehe Checkliste). „Darüber hinaus lässt sich anhand von Blutuntersuchungen feststellen, ob die Frau schon bestimmte Infektionskrankheiten durchlaufen hat und daher immun ist“, so die Frauenärztin. Hier unser Überblick über einige wichtige Erreger – und was sich tun lässt, um das Risiko zu minimieren.

Checkliste: Welche Impfungen sollte ich vor/während der Schwangerschaft machen bzw. überprüfen lassen?

Bei Kinderwunsch:

Lassen Sie Ihren Impfschutz im Hinblick auf Röteln, Masern, Mumps und Windpocken (Varizellen) kontrollieren. Nach einer zweimaligen Masern-Mumps-Röteln-Impfung und Varizellen-Impfung besteht in der Regel ausreichend Immunität. Da es sich bei diesen Impfungen um Impfungen mit so genannten Lebendimpfstoffen handelt, sollten sie bereits vor der Schwangerschaft geimpft werden. Wer noch nicht gegen Covid-19 geimpft ist, sollte dies am besten auch bereits vor der Schwangerschaft erledigen.

Während der Schwangerschaft ausdrücklich empfohlen (wenn nicht vorab erfolgt):

Impfung gegen Covid-19 – ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Wird die Schwangerschaft erst nach einer Covid-19-Erkrankung oder bereits erfolgten Covid-19-Impfung festgestellt, schließt sich eine zweite Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel an. Booster sind für Schwangere und Stillende drei Monate nach der letzten Impfung oder auch nach einer Erkrankung möglich. Die Impfung erfolgt mit mRNA-Impfstoff.

Influenza/Grippe – ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei bestimmten Vorerkrankungen bereits ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel empfohlen.

Keuchhusten – einmalige Impfung ab der 28. Woche in jeder Schwangerschaft (nicht nur bei der ersten) empfohlen. Nur als Kombinationsimpfstoff mit Tetanus und Diphtherie verfügbar, diese Kombi gilt laut Stiko als sicher für Schwangere.

Covid-19

Die akuten Symptome umfassen unter anderem Fieber, Husten, Atemnot, Geschmacks- und Geruchsstörungen, Müdigkeit, aber auch Magen-Darm-Beschwerden. Einige Erkrankte berichten selbst Monate nach der Infektion noch von Langzeitbeschwerden wie Konzentrationsschwäche und Muskelschmerzen (Long Covid).

Für Schwangere ist das Risiko eines schweren Verlaufs höher. Laut Metaanalyse der Universität Montreal steigt die Gefahr einer Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“) um 33 Prozent. Kindliche Wachstumsverzögerungen und Frühgeburten treten bei infizierten Müttern wohl ebenfalls häufiger auf, laut Cornelia Hösemann erhöht sich das Frühgeburtsrisiko sogar um bis zu 80 Prozent. „Eine Coronaimpfung wird deshalb, wenn nicht schon vorab erfolgt, während der Schwangerschaft etwa ab der 15. Woche ausdrücklich empfohlen, auch das Boostern ist möglich – selbst in der Stillzeit“, erklärt die Expertin.

Damit möchte man einerseits einen schweren Krankheitsverlauf bei der Mutter, der auch Folgen für das ungeborene Kind haben kann, so gut wie möglich vermeiden. Andererseits reduziert sich auch die Gefahr, dass eine hohe Virenlast durch die Nabelschnur auf das Baby übergeht.

Toxoplasmose

Toxoplasmose wird durch Parasiten verursacht, die zum Beispiel durch Katzen und rohes oder nicht vollständig durchgebratenes Fleisch übertragen werden. Für Erwachsene ist die Infektion meist harmlos. Sie kann sich durch grippeähnliche Symptome – etwa Fieber, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellung – bemerkbar machen. Da die Erkrankung jedoch in vielen Fällen gänzlich symptomlos bleibt, bemerken viele Menschen sie nicht einmal. Hat man die Infektion einmal durchgemacht, ist man üblicherweise zeitlebens dagegen immun. Infiziert sich allerdings eine Frau während der Schwangerschaft das erste Mal mit den Toxoplasmose-Erregern, können diese zu schweren Schädigungen beim Ungeborenen führen oder eine Fehlgeburt auslösen.

Toxoplasmose gondii

Toxoplasmose

Eine Toxoplasmose wird durch Parasiten verursacht. Die Infektion verläuft oft unbemerkt. Problematisch ist sie vor allem für Menschen mit geschwächter Immunabwehr und in der Schwangerschaft

Ob Sie die Infektion bereits durchgemacht haben, kann der Arzt anhand einer Blutuntersuchung feststellen. Da der Toxoplasmose-Test nicht Teil der gesetzlichen Schwangerenvorsorge ist und zu den Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) zählt, müssen werdende Mütter selbst dafür aufkommen. Nur falls während der Schwangerschaft der Verdacht entsteht, sie könnten sich frisch mit Toxoplasmose infiziert haben, bezahlt die Kasse eine entsprechende Blutuntersuchung.

Alle Schwangeren, die nicht gegen Toxoplasmose immun sind, sollten sich an folgende Tipps halten: Falls Sie eine Katze haben: Lassen Sie das Katzenklo während der Schwangerschaft wenn möglich von Ihrem Partner säubern. Dies sollte täglich und mit heißem Wasser erfolgen. Füttern Sie die Katze nur mit Trocken- und Dosenfutter. Waschen Sie Obst und Gemüse vor dem Essen gründlich. Dasselbe gilt auch für Ihre Hände vor dem Verzehr und der Zubereitung von Mahlzeiten sowie nach dem Kontakt mit rohem Fleisch, mit Erde oder dem Besuch von Sandspielplätzen. Tragen Sie bei der Gartenarbeit besser Handschuhe.

Röteln

Bei Röteln handelt es sich um eine Virusinfektion, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird.

Die Rötelninfektion kann beim ungeborenen Kind zu schweren Fehlbildungen führen, beispielsweise in Form von Herzfehlern, körperlichen und geistigen Behinderungen oder Einschränkungen des Seh- oder Hörvermögens. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby durch die Infektion Schaden nimmt, hängt vor allem vom Schwangerschaftsalter ab: Je früher sich die werdende Mutter mit dem Virus infiziert, desto häufiger ist eine Schädigung des Ungeborenen. So kommt es bei einer Ansteckung innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen bei bis zu 90 Prozent der Feten zu Schäden.

Kinderkrankheit: Röteln

Röteln (Rubella)

Röteln sind eine meist harmlos verlaufende Virusinfektion, die bei Erkrankung in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind aber schwere Schäden zufügen kann. Gegen Röteln gibt es eine Impfung

Frauen mit Kinderwunsch wird deshalb geraten, ihren Röteln-Impfschutz bereits vor der Schwangerschaft überprüfen und gegebenenfalls vervollständigen zu lassen. Da es sich bei der Impfung um einen Lebendimpfstoff handelt, ist eine Impfung während der Schwangerschaft nicht mehr möglich.

Übrigens existiert noch eine weitere Viruserkrankung mit ähnlichem Namen: die Ringelröteln. Steckt sich eine Schwangere mit dem Virus an, kann die Blutbildung beim Baby lebensgefährlich beeinträchtigt werden. Hier gibt es im Gegensatz zu den Röteln keine verfügbare Impfung, allerdings kann man auf eigene Kosten eine mögliche Immunität überprüfen lassen.

Zytomegalie

Zytomegalie (CMV) ist eine Virusinfektion, die für gesunde Erwachsene in der Regel harmlos ist. Übertragen wird das Virus über etwa über Speichel, Harn, Muttermilch, Blut und sexuelle Kontakte. Bei vielen Menschen verläuft die Infektion gänzlich unbemerkt. Bei manchen treten Symptome auf, die an eine leichte Grippe erinnern: zum Beispiel Fieber, Abgeschlagenheit, Husten. Ist ein Mensch einmal an Zytomegalie erkrankt, trägt er das Virus lebenslang in sich, was in den meisten Fällen keine weiteren Konsequenzen hat. In Deutschland besitzt etwa die Hälfte der Erwachsenen Antikörper gegen CMV, hatte also schon mit dem Erreger Kontakt.

Steckt sich eine Schwangere jedoch erstmalig mit dem Virus an, kann es beim Ungeborenen zu Missbildungen kommen. Neugeborene, die sich bereits vor der Geburt mit CMV infiziert haben können beispielsweise unter Hirnschädigungen, Gelbsucht oder Vergrößerungen von Milz und Leber leiden. Auch Frühgeburten können eine Folge von CMV sein. Entwarnung geben Gynäkologen für Frauen, die die Erkrankung bereits vor der Schwangerschaft durchgemacht haben: In einem solchen Fall kann dem Baby in der Regel nichts passieren: Selbst wenn sich die Mutter in der Schwangerschaft erneut infizieren sollte, was eine Seltenheit sein dürfte, beträgt das Risiko einer Übertragung auf das Kind in diesem Fall nur etwa ein Prozent. Von den tatsächlich infizierten Kindern erleiden nur 10 Prozent dann tatsächlich Schäden.

Ob Sie gegen CMV immun sind, kann der Arzt mit einem Bluttest herausfinden. Die Kosten für den Test werden jedoch meist nicht von den Krankenkassen übernommen. Falls Sie überlegen, einen solchen Test zu machen, lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt beraten. Er weiß, ob er für Sie sinnvoll ist. Sprechen Sie mit ihm auch darüber, welche Konsequenzen das Testergebnis für Sie haben könnte. Eine Impfung gegen CMV gibt es bisher nicht.

Chlamydien

Eine Infektion mit dem Bakterienstamm Chlamydia trachomatis zählt zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen, weltweit geht man jährlich von über 100 Millionen Neuerkrankungen aus. Die Erkrankung bleibt häufig unbemerkt, da sie oft keine oder nur unspezifische Symptome wie vaginalen Ausfluss und Juckreiz, Brennen beim Wasserlassen oder Zwischenblutungen mit sich bringt. Nach einem schweren Verlauf mit Beteiligung von Eileiter oder Eierstock kann es zur Unfruchtbarkeit kommen.

In der Schwangerschaft erhöht eine Chlamydien-Infektion die Gefahr von Fehl- oder Frühgeburten, unter anderem bedingt durch Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaften. Außerdem kann die Krankheit bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden und Bindehaut- oder auch Lungenentzündung hervorrufen. Glücklicherweise lässt sich das Bakterium aber auch während der Schwangerschaft mit bestimmten Antibiotika bekämpfen. Der Partner muss gleichzeitig mitbehandelt werden, sonst könnte bei sexuellem Kontakt eine gegenseitige Neuansteckung erfolgen.

Um eine Chlamydieninfektion auszuschließen beziehungsweise nachzuweisen, wird bereits in der Frühschwangerschaft im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ein mikrobiologischer Test gemacht, der das Bakterium im Morgenurin nachweist. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenkasse.

Herpes

Beim Wort Herpes denken die meisten Menschen wohl an die juckenden, unter Umständen schmerzenden und unschönen Bläschen an der Lippe. Doch Herpes ist nicht gleich Herpes: "Es gibt das Herpes-simplex-Virus Typ 1 und Typ 2", erklärt Professor Klaus Vetter, Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin. Die Viren vom Typ 1 sind verantwortlich für das Lippenherpes – die Bläschen können jedoch auch an anderen Stellen des Gesichtes oder Körpers auftauchen, etwa an der Nase. Typ 2 hingegen führt meist zu Genitalherpes.

Hat man sich einmal mit Herpes angesteckt, bleiben die Viren ein Leben lang im Körper. Ist das körpereigenen Abwehrsystem geschwächt, beispielsweise durch eine Erkältung oder Stress, kann die Krankheit wieder zum Ausbruch kommen und die typischen Bläschen zeigen sich erneut. Sowohl die Lippenherpes- als auch die Genitalherpes-Infektion kann unbemerkt verlaufen. Treten beim Genitalherpes Symptome auf, sind dies zum Beispiel schmerzhafte, kleine Bläschen im Genitalbereich, juckende, brennende Haut oder Beschwerden beim Wasserlassen.

Hat sich eine Frau bereits vor der Schwangerschaft mit dem Herpesvirus infiziert und kommt es während dieser Zeit zu einem wiederholten Ausbruch der Krankheit, stellt dies nur ein geringes Risiko für das Ungeborene dar, da es ebenfalls Antikörper besitzt. „Hier genügt eine lokale Behandlung mit sogenannten Virustatika, die es zum Beispiel als Salben gibt“, erklärt Vetter. Problematisch kann es jedoch werden, wenn sich die werdende Mutter kurz vor der Geburt erstmals mit Herpes ansteckt – vor allem, wenn es sich um Genitalherpes handelt: „Denn bei der Geburt gelangen die Viren dann über Haut und Augen des Babys in sein Blut und können vor dort bis ins Gehirn wandern und eine Gehirnentzündung auslösen“, warnt der Experte. Deshalb kann bei einer akuten Erstinfektion mit Genitalherpes ein Kaiserschnitt notwendig sein.

Dasselbe kann unter Umständen auch bei einem frisch wieder aufgeblühtem Herpes gelten, sofern die Krankheit kurz vor dem Geburtstermin auftritt und der Geburtskanal betroffen ist: denn trotz der vorhandenen Antikörper besteht kein absolut sicherer Schutz für das Kind. „95 Prozent der Säuglinge mit einer Herpeserkrankung haben sich während der Geburt infiziert. Lediglich fünf Prozent schon im Mutterleib“, sagt Vetter.

Das Blut jeder Schwangeren routinemäßig auf Herpes-Antikörper zu untersuchen, mache laut Vetter jedoch keinen Sinn, da bei einer Herpes-Neuinfektion noch keine Antikörper nachgewiesen werden könnten: „Die gefährlichste Situation kann auf diese Weise also nicht entdeckt werden“.

Syphilis

Die Syphilis – auch Lues, harter Schanker oder Ulcus durum genannt – ist eine Geschlechtskrankheit. Der Erreger dieser Infektionskrankheit ist das Bakterium Treponema pallidum, welches durch sexuellen Kontakt oder direkten Kontakt mit infiziertem Blut übertragen wird. Hat ein Mensch sich mit der Krankheit angesteckt, verläuft diese meist in drei Phasen: der Primären Syphilis, der Sekundären Syphilis und der Tertiären Syphilis. Da unser Immunsystem keine dauerhaften Antikörper gegen den Erreger bildet, kann man sich immer wieder neu mit der Krankheit infizieren.

Paar im Bett

Syphilis (Lues)

Syphilis zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Zahl der Infektionen steigt seit Jahren. Mehr zu Ansteckung, Symptomen und Therapie

Steckt sich eine werdende Mutter während der Schwangerschaft mit Syphilis an, kann der Erreger über die Plazenta auf das Ungeborene übergehen. In einem solchen Fall sprechen Mediziner von einer konnatalen, also angeborenen, Syphilis. Die Kleinen können sich jedoch auch erst bei der Geburt infizieren.

Folgen einer Syphilis des Kindes können Früh- oder Fehlgeburten sein. Weitere Symptome der angeborenen Syphilis sind beispielsweise hochinfektiöse Bläschen an Handtellern und Fußsohlen mit gelblichem, flüssigen Inhalt, Hautausschläge oder blutiger Schnupfen. Weitere Beschwerden können hinzukommen, etwa Fehlbildungen der Zähne, Schwerhörigkeit oder eingeschränktes Sehvermögen. Die Syptome treten häufig erst nach einigen Wochen bis Monaten oder gar Jahren auf.

Da all dies nur durch eine rechtzeitige Therapie verhindert werden kann, ist es sehr wichtig, eine Syphiliserkrankung der werdenden Mutter so früh wie möglich zu erkennen.

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