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Anekdoten von geretteten Apotheken

Apothekenschließungen sind in Deutschland nicht selten. Wir berichten davon, wie Anwohner dafür kämpfen, dass sie geöffnet bleiben. Mehr Geschichten gibt es auch im Apotheken Umschau-Heft vom 15. Oktober

14.10.2019
Geschichte der Apotheke

Sachkundige Beratung und Treffpunkt: Gerade in kleinen Gemeinden kann eine Apotheke vor Ort ein großes Stück Lebensqualität bedeuten


1. Leutersdorf: Gemeinde kauft Apothekengebäude

Not macht erfinderisch – das war auch im sächsischen Leutersdorf so. Als die Apotheke dicht machte, ging Bürgermeister Bruno Scholz selbst auf die Suche nach einem Nachfolger, und hatte dafür nur eine Woche Zeit. Denn die Besitzerin wollte das Gebäude rasch loswerden. "Ich musste mir unbedingt was einfallen lassen", erzählt er.

Einstimmig entschied der Gemeinderat schließlich, das Gebäude zu kaufen – um so das unternehmerische Risiko für den Nachfolger zu verringern. Der Plan ging auf: Die Geschwister Stephan Hampel und Bettina Lindecke mieteten die Apotheke – selbstverständlich zu machbaren Konditionen.

Die Aesculap-Apotheke war gerettet. "Die Einwohner sind alle unheimlich dankbar", sagt Scholz. Ein kleiner Plausch, ein guter Rat – für viele ist das ein wichtiges Stück Lebensqualität. "Die Apotheke ist ein Anlaufpunkt – richtig toll", sagt er.

2. Unsleben: Apotheke zieht ins Rathaus

Noch einen Schritt weiter ging Bürgermeister Michael Gottwald in der 950-Seelen-Gemeinde Unsleben. Er räumte sein Rathaus für Pflaster und Tabletten. Als die neue Inhaberin der Kreuz-Apotheke nicht sofort in das angestammte Gebäude einziehen konnte, fand diese dort vorübergehend einen Unterschlupf.

Seine eigene Sprechstunde verlegte Gottwald kurzum zu sich nach Hause. Denn eins war ihm wichtig: Dass nicht nur der Dorfladen und das Wirtshaus bleiben – sondern auch die Apotheke.

3. Hohenlinden: Nachfolgerin in letzter Minute

Eigentlich war das Ende der Forst-Apotheke im bayerischen Hohenlinden schon besiegelt. Apotheker Uwe Scheerschmidt wollte seine Apotheke aus gesundheitlichen Gründen schließen. Zwei Jahre suchte er nach einem Nachfolger, vergeblich. 2016 dann kündigte er schweren Herzens seinen Mitarbeitern und wollte die Apotheke auflösen.

Doch dann kam es anders, dem Zufall sei Dank. Von einem Kollegen erfuhr er von einer jungen Apothekerin aus Augsburg, die auf der Suche nach einer Landapotheke war. Wenige Tage später schon kam Katharina Rorer, um die Forst-Apotheke in Augenschein zu nehmen.

Sie sah sich den Ort an, die Apotheke, erlebte die Kunden und sagte kurz darauf zu."Vom Bauch her waren da nur Argumente für eine Apotheke auf dem Land", sagte sie. Noch heute freuen sich die Kunden über die Rettung in letzter Minute. Katharina Rorer hat ihre Entscheidung nicht bereut. "Da hat einfach alles gepasst."