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Tabakerhitzer: Das bessere Rauchen?

Sie setzen weniger Schadstoffe frei als Zigaretten. Doch auch sie schaden der Gesundheit

von Achim G. Schneider, 14.11.2018
Tabakerhitzer

Studien zufolge setzen Tabakerhitzer weniger krebserregende Schadstoffe frei als herkömmliche Zigaretten


Ende November 2016 versetzte der Vorstandschef eines internationalen Tabakkonzerns die Welt in Erstaunen: Er kündigte das Ende der Zigaretten-Ära an. Das Me­diengetöse, das darauf folgte, war beabsichtigt. Denn fast zeitgleich brachte der Unternehmer ein neuartiges Produkt auf den europäischen Markt: ein batteriebetriebenes Gerät, das ­sogenannte Tabak-Sticks auf rund 300 Grad erhitzt. Dabei sollen weniger Schadstoffe entstehen als beim Verbrennen von Tabak in Zigaretten.

Weniger schädliche Alternative

Seit einigen Monaten liegen unabhängige Studien vor, die das für die wichtigsten krebserregenden Stoffe im Tabak bestätigen: So werden nur 5 bis 20 Prozent der Aldehyde freigesetzt, die beim Zigarettenrauchen entstehen. Bei flüchtigen organischen Substanzen wie Benzol und Butadien sind es maximal 10 Prozent des Werts von Zigaretten, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Mai im Fachblatt  Archives of Toxicology. Kann man Rauchern also empfehlen, auf den Tabakerhitzer umzusteigen?

Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-­­Kollaborationszentrums für ­Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, ist skeptisch. "Wir wissen jetzt, dass die Hauptschadstoffe des Tabakrauchs in dem Erhitzer deutlich reduziert sind. Doch es ist unklar, inwieweit das auch die Gesundheitsgefährdung senkt."

Geringeres Krebsrisiko

Vieles sei noch zu prüfen, bevor man verlässliche Aussagen treffen könne. Zum Beispiel, ob die Metall- und Kunststoffteile des Erhitzers oder der Plastikfilter zusätzliche Schadstoffe freisetzen.

Tabakerhitzer

Immerhin: Ersten Abschätzungen zufolge könnte der Wechsel von Zigaretten auf Tabakerhitzer zumindest das Krebsrisiko senken. Freilich bleibt es im Vergleich zu Nichtrauchern erhöht – wie sehr, lässt sich noch nicht genau beziffern. Man hätte also diesbezüglich ein bisschen für seine Gesundheit gewonnen.

"Doch das Rauchen birgt viele weitere Gefahren", betont Expertin Mons. "Wir können nicht davon ausgehen, dass die Risiken für Herz-Kreislauf- und Lungen-­Erkrankungen in gleichem Maß sinken", ergänzt Dr. Frank Henkler-­Stephani, der am BfR Tabak­erzeugnisse bewertet.

Doch ein Gesundheitsrisiko?

Auch Forschern in den USA fehlt der Beweis, dass das Rauchen mit dem Erhitzer weniger gefährlich ist als das Qualmen von Tabakzigaretten. Ein Expertengremium der US-Arzneimittelbehörde FDA sprach sich im Januar dagegen aus, dem Tabakprodukt ein vermindertes Gesundheitsrisiko zuzusprechen. Demnächst wird die FDA darüber entscheiden.

In Deutschland hat der Hersteller der Tabak-Sticks immerhin erreicht, dass diese wie Pfeifentabak behandelt werden und damit gegenüber Zigaretten steuerlich begünstigt sind. Für Expertin Mons ein Ärgernis: "Meines Erachtens ähneln Tabak­erhitzer eher Zigaretten als Pfeifen. Hier hat man dem Hersteller ein Geschenk gemacht." Die Einstufung als Pfeifentabak bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Auf den Verpackungen der Tabak-Sticks müssen keine abschreckenden Fotos beispielsweise von Raucherlungen und verfaulten Zähnen abgebildet sein.

Mittel zur Schadensbegrenzung

Dennoch sehen Experten in dem neuen Produkt einen gewissen möglichen Nutzen. "Wir sagen dem Kettenraucher: Wenn es wirklich nicht ohne Tabak geht, können Tabakerhitzer ­eine Alternative sein", so Henkler-­Ste­phani. "Doch es muss jedem klar sein, dass Tabakrauchen ein vermeidbares Gesundheitsrisiko ist."

Als Mittel zur Schadensbegrenzung taugen die Erhitzer ohnehin nur, wenn man nicht nebenbei noch Zigaretten raucht. Expertin Mons ergänzt: "Denen, die nicht aufhören wollen oder den Rauchstopp mit bewährten Methoden nicht schaffen, können die Tabak­­erhitzer möglicherweise dabei helfen, die mit dem Rauchen verbundenen Risiken zu reduzieren."

E-Zigaretten kommen ohne Tabak aus

Doch E-Zigaretten, die oft mit den Erhitzern verwechselt werden, eignen sich dafür vermutlich noch besser: Sie enthalten keinen Tabak, sondern meist den Suchtstoff Nikotin und ein paar andere Substanzen. Die Inhaltsstoffe werden als Dampf eingeatmet.

Schätzungen zufolge sind E-Zigaretten rund 20 Mal weniger schädlich als Tabakzigaretten.
Wer wirklich gesundheits­bewusst leben will, hört allerdings ganz mit dem Rauchen und Dampfen auf – oder fängt erst gar nicht damit an.


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