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Fliegen: Tipps zum Druckausgleich

Eine Erkältung hält viele Passagiere nicht davon ab, ins Flugzeug zu steigen. Was sie beachten sollten, um problemlos abzuheben

von Ute Essig, 08.05.2019
Flugzeug

Wenn's im Ohr drückt, dann schlucken, kauen oder gähnen, heißt es. Wem das nicht hilft, der kann spezielle Atemmanöver wie beim Tauchen anwenden


Der Hals schmerzt, die Nase ist dicht. Doch deshalb eine lang ersehnte Urlaubs- oder eine wichtige Geschäftsreise absagen? Das mag kaum jemand in Kauf nehmen. Dabei kann es bei einer starken Erkältung im Flugzeug zu Belüftungsstörungen im Mittelohr und Problemen mit dem Druckausgleich kommen. Die Folgen: Ohrenschmerzen, Wattegefühl und vermindertes Hörvermögen.

Dr. Dirk Heinrich, Präsident des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen- Ohren-Ärzte, rät deshalb: "Grundsätzlich sollte man mit einer Erkältung nicht fliegen." Hinter dem Trommelfell könne sich Flüssigkeit sammeln. Schlimmstenfalls entstehe infolge der Belüftungsstörung eine Mittelohrentzündung.

Apotheker Jens Bielenberg aus Westerhorn in Schleswig-Holstein hat am ­­eigenen Leib erlebt, was es bedeutet, wenn man solche Ratschläge in den Wind schlägt. "Als ich trotz eines Mittelohrkatarrhs geflogen bin, hatte ich heftige Schmerzen. Auch bei den Flugreisen danach traten noch ständig Symptome eines sogenannten Barotraumas auf." Hier erklären Pharmazeut und Mediziner, was angeschlagene Flugreisende beachten sollten.

Druck ausgleichen

In der Passagierkabine treten vor allem beim Start und bei der Landung starke Druckveränderungen auf. Normalerweise gleicht die eustachische ­­Röhre – ein etwa dreieinhalb Zentimeter langer Verbindungsweg zwischen Nasen-­Rachen-Raum und Ohr – diese Differenzen aus. Durch Bewegungen beim Gähnen, Schlucken und Kauen kann sich die Röhre öffnen – der ­­Druckausgleich gelingt. Vielflieger nehmen oft Gummibärchen mit an Bord, die sie ausgiebig kauen. Zahnfreundlicher sind zuckerfreie Kaugummis.

"Wenn der Druckausgleich durch Gähnen, Schlucken oder Kauen nicht funktioniert, sollten Sie versuchen, ihn anderweitig herbeizuführen", rät HNO-Arzt Heinrich. Das geht mithilfe spezieller Atemdruckmanöver wie beim Tauchen: "Mund und Nase zuhalten, dann Luft dagegen anpressen – ohne sie rauszulassen", erläutert Heinrich. Der Druck, der so aufgebaut wird, presst aktiv Luft durch die Ohrtrompete ins Mittelohr. Die Übung bei der Landung anwenden.

Video: So funktioniert's mit dem Druckausgleich

Nasenspray und Ohrenstöpsel

Manche Flugreisende vertrauen bei Problemen mit dem Druckausgleich auf abschwellendes Nasenspray. Allerdings ist es wissenschaftlich nicht belegt, dass es einer Funktionsstörung der eustachischen Röhre entgegenwirken und damit einem Barotrauma vorbeugen kann. Ein Versuch lohnt sich mitunter dennoch, um die Luftwege im Nasen-Rachen-Raum freier zu halten. Das Spray am ­besten jeweils eine Stunde vor dem Start beziehungsweise vor dem Sinkflug in die Nase sprühen.

Die Helfer, die in der Apotheke erhältlich sind, sollen die Druckverteilung im Ohr bei Start und Landung optimieren und damit Schmerzen vorbeugen. Auch bei diesem Hilfsmittel gibt es keine eindeutigen Einschätzungen im Hinblick auf seine Wirksamkeit. Apotheker Bielenberg jedoch schwört darauf: "Seit ich diese Stöpsel benutze, habe ich beim Fliegen keine Probleme mehr mit dem Druckausgleich."

Abklärung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt

Wer sehr stark erkältet ist, sollte vor dem Flug einen HNO-Arzt aufsuchen und die Flugfähigkeit klären lassen. Der Arzt misst, ob und wie das Trommelfell sich bewegen kann, um Druckdifferenzen auszugleichen. Präventiv kann der HNO-Arzt einen kleinen Schnitt ins Trommelfell machen, damit das Ohr besser belüftet wird.

Bei Menschen mit chronischen Belüftungsstörungen des Mittelohrs hilft ein operativer Eingriff. Dabei wird die Ohrtrompete mithilfe eines Katheters aufgedehnt. Erkenntnisse über Langzeiterfolge dieser relativ neuen Methode fehlen jedoch noch.