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Welche Pflanzen gegen Nervosität helfen

Gegen Anspannung ist nicht nur ein Kraut gewachsen, sondern gleich mehrere. Wie Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Lavendel, Melisse und Passionsblume gegen innere Unruhe helfen – früher und heute

von Ute Essig, 28.01.2020
Baldrian Pflanze Landschaft Natur

Baldrian: Der germanische Gott Baldur gilt in einigen Quellen als Namens­geber für den Baldrian. Baldur bedeutet "der Hilfsbereite"


Zuverlässig in der Wirkung, sanft zum Körper: Viele Menschen versuchen, Nervosität, innere Unruhe und Schlafstörungen mithilfe der Natur zu bekämpfen. Denn im Pflanzenreich wächst so einiges, was den Ruf eines Ruhestifters hat. Manche Heilkräuter werden schon jahrtausendelang gegen trübe Stimmungen und nervöse Beschwerden genutzt. Mythen und Sagen ranken sich um diese Pflanzen. Doch längst gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirkungen. In der modernen Pharmazie spielen sie deshalb eine wichtige Rolle, erklären Apotheker Jan Harbecke aus Münster und Apothekerin Cornelia Steinrück aus Zeuthen (Brandenburg).

Apotheker

Baldrian gegen Geister und Unruhe

Der botanische Name Valeriana officinalis beschreibt die Heilkraft des Baldrians: Valere bedeutet "gesund sein", officinalis meint: "als Arzneimittel verwendet". Seine Wirkstoffe sind in der krakeligen Wurzel enthalten, die einen strengen Geruch verströmt. Dieser brachte dem Kraut einst den Ruf ein, gegen Hexen und böse Geister zu wirken. Katzen, die den Blütenduft riechen, führen sich wie toll auf, weshalb Baldrian die Beinamen Tollerjan oder Katzenkraut hat.

Seit der Antike setzte man die Pflanze gegen Verdauungsstörungen, Augenbeschwerden und Kopfschmerzen ein. Auch als Aphrodisiakum wurde sie genutzt. Die beruhigenden und schlaffördernden Effekte, für die der Baldrian heute bekannt ist, entdeckte man erst Ende des 18. Jahrhunderts.

Rat des Apothekers Jan Harbecke: "Baldrian hilft in niedriger Dosierung gegen nervöse Beschwerden am Tag. In hoher Dosierung von circa 440 mg eignet es sich als Mittel gegen Ein- und Durchschlafstörungen."

Hopfen Pflanze

Hopfen für Bier und Beruhigung

Der Hopfen ist eine alte Nutz- und Heilpflanze. Schon um 2000 vor Christus sollen ihn die Babylonier wegen seiner konservierenden und fein-herben Bitterstoffe zur Herstellung von Getränken genutzt haben. Seit dem 8. Jahrhundert nach Christus wird er in Deutschland angebaut und zum Bierbrauen genutzt. In Bibliotheken legte man Hopfendolden übrigens hinter die Bücher, weil sie Feuchtigkeit aufnehmen und Schädlinge abwehren. Als Schlaf­- und Nervenmittel wird Hopfen erst seit dem 18. Jahrhundert angewendet.

Apothekerin

Heute geht man davon aus, dass Hopfen einen ähnlichen Effekt hat wie das körpereigene Schlafhormon Melatonin. Wer die Pflanzenpräparate einnimmt, um seinen Schlaf zu verbessern, darf nicht sofort eine Wirkung erwarten – diese tritt erst nach zwei bis vier Wochen ein.

Rat der Apothekerin Cornelia Steinrück: "Hopfen wird häufig mit Passionsblume und Baldrian kombiniert. Die Präparate sind leicht dosiert und bewirken eine sanfte Entspannung am Tag. Die im Hopfenzapfen enthaltenen Bitterstoffe regen zudem den Appetit an und fördern die Verdauung."

Pflanze Johanniskraut

Johanniskraut für Licht und Laune

In vorchristlicher Zeit wurde Johannis­kraut wegen seiner gelben Blütenblätter als Symbol für Licht und Sonne verehrt. Der Volksglaube besagt, dass Johanniskraut den Teufel vertreibt. Aus Wut darüber soll dieser die Pflanze mit Nadeln oder einem Dreizack zerstochen haben. Die Blätter des echten Johanniskrauts sehen wie zerlöchert aus, was sich im lateinischen Namen Hypericum perforatum ("durchlöchert") widerspiegelt. Doch handelt es sich nicht wirklich um Löcher, sondern um Öldrüsen, die auch auf den Blüten vorkommen. Zerreibt man Blatt oder Blüte, tritt roter Saft aus. Er soll traditionell leichte Verletzungen und Verbrennungen lindern.

Heute werden innere Unruhe und leichte bis mittelschwere Depressionen mit Trockenextrakten aus Blättern, Blüten und Trieben des Krauts behandelt.

Rat der Apothekerin Cornelia Steinrück: "Johanniskraut muss regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, bevor sich Effekte zeigen. Da es die Haut lichtempfindlich macht, ist es bei Herbst­ und Winterdepression besonders empfehlenswert. Wichtig: Wechselwirkungen beachten!"

Lavendel Pflanze Blume Duft

Lavendel sorgt für dufte Entspannung

Der Lavendel machte durch seinen Duft Karriere. Als Räucherpflanze oder einfach auf den Boden gestreut, sollte er die Raumluft klären. Frauen, die in Ohnmacht fielen, hielt man ein Büschel "Schwindelkraut" unter die Nase, damit sie wieder zu sich kamen. Im Mittelalter schützte man sich mit Lavendel vor Läusen, im 16. und 17. Jahrhundert vor Pest und Cholera – vergeblich. Königin Elisabeth I. wird nachgesagt, dass sie Lavendeltee trank, um ihre Migräne zu lindern. Und während des Ersten Weltkriegs nutze man das Öl zur Wunddesinfektion.

Die moderne Pharmazie setzt neben der leicht desinfizierenden vor allem auf die entspannenden und angstlösenden Effekte des Lavendels. Er wirkt zudem leicht antidepressiv – nicht zuletzt durch seine wohlriechenden ätherischen Öle.

Rat der Apothekerin Cornelia Steinrück: "Lavendel funktioniert gut als Monopräparat. Die beruhigende Wirkung tritt relativ schnell ein. Jedoch muss man den intensiven Geruch der ätherischen Öle mögen. Empfindliche Personen reagieren manchmal mit Aufstoßen und Magen-­Darm­-Beschwerden.

Pflanze Melisse

Melisse beruhigt Kopf und Magen

Die duftende Melisse zieht Bienen an. Deshalb und wegen ihrer desinfizierenden Wirkung pflanzte man die Gewürz- und Heilpflanze früher oft in der Nähe von Bienenkörben. Nicht zuletzt wegen ihrer herzförmigen Blätter vertrauen die Menschen seit mehr als 2000 Jahren auf ihre heilkräftige Wirkung bei Herzbeschwerden. Im Mittelalter galt sie sogar als Allheilmittel: Hildegard von Bingen schrieb ihr die Heilkraft 15 anderer Kräutern zu. Eine lange Tradition haben auch alkoholische Zubereitungen als Stärkungstrank – sie wurzeln in der Klostermedizin.

Wegen des hohen Gehalts an ätherischen Ölen wirkt sie zum Beispiel bei Verdauungsproblemen und nervösen Magenbeschwerden wohltuend. Außerdem beruhigen Extrakte der Melissenblätter bei nervlicher Überlastung, Stress und Unruhe.

Rat des Apothekers Jan Harbecke: "Die Melisse hilft gegen Angst­zustände und nervöse Magen­beschwerden. Häufig kommt sie in Kombinationspräparaten zusam­men etwa mit Hopfen und Baldrian vor."

Passionsblume Pflanze

Passionsblume für Konzentration

Im Christentum wird die Pflanze wegen ihrer auffälligen und schönen Blüten verehrt. Die zehn Blütenblätter sollen die zehn treuen Jünger Jesu symbolisieren, der Fadenkranz die Dornenkrone und der Fruchtknoten den Pfahl der Geißelung. Andere Namen lauten deshalb Leiden Christi oder Golgathablume. Die Passionsblume ist in Südamerika beheimatet und soll bereits von den Azteken bei Harnverhalten, Knochenbrüchen und Prellungen verwendet worden sein.

Heute weiß man, dass sie Wirkstoffe enthält, die die Bildung von stressdämpfenden Botenstoffen anregen. Laut Studien können ihre Extrakte bei nervöser oder ängstlicher Unruhe sowie Reizbarkeit helfen und das Einschlafen erleichtern. Als pflanzliche Arznei dienen alle Pflanzenbestandteile außer der Wurzel.

Rat des Apothekers Jan Harbecke: "Präparate mit Passionsblume eignen sich gut für eine Einnahme über den Tag. Sie machen nicht müde. Sehr hilfreich sind sie bei nervöser Unruhe mit Konzentrationsstörungen und Prüfungsangst."


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