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Mundflora: Schwer was los

Schätzungsweise 1.000 unterschiedliche Bakterienarten können im Mund leben. Manche sind gut und wichtig, andere verursachen Krankheiten. Wir stellen einiger der Superhelden und Bösewichte vor

von Claudia Doyle, 13.11.2020
Eine gute Mundhygiene und eine gesunde Ernährung halten Mund und Zähne gesund und fördern gesunde Bakterienkulturen

Eine gute Mundhygiene und eine gesunde Ernährung halten Mund und Zähne gesund und fördern gesunde Bakterienkulturen


Vom Mikrobiom im Darm hat wohl jeder schon einmal gehört. Die Bakterien sind unverzichtbar für die Verdauung und für die Entwicklung einer guten Immunabwehr. Mindestens genauso wichtig – aber nicht ganz so bekannt – sind die Mikroben in der Mundhöhle. Sie heften sich an die Zähne, sitzen auf der Zunge oder schwimmen im Speichel.

Im Mund leben durchschnittlich 150 unterschiedliche Bakterienarten. "Die Mundflora ist höchst individuell, manche Menschen haben sehr viele verschiedene Arten, andere deutlich weniger", erklärt Georg Conrads, Professor für Orale Mikrobiologie und Immunologie an der Uniklinik der RWTH Aachen. "So wie es einen Fingerabdruck gibt, gibt es auch einen Mundflora­Abdruck."

Ausgewogene Ernährung für eine bunte Mundflora

Neben aller Individualität kommen einige Bakterien bei nahezu jedem Menschen vor. Wenn die guten dominieren, dann halten sie die schlechten in Schach. Ob diese eine Krankheit auslösen, hängt also auch davon ab, ob sich die Mundflora insgesamt im Gleichgewicht befindet.

Denn das Zusammenspiel der Bakterien ist nicht statisch, sondern ändert sich mit jeder Mahlzeit und jedem Zähneputzen. Es wird von Stress genauso beeinflusst wie vom Küssen. "Isst man zum Beispiel etwas Zuckerhaltiges, dann profitieren davon nur die Bakterienarten, die auf die Verdauung von Zucker spezialisiert sind", erläutert Conrads. Sie teilen sich schnell und verdrängen die Konkurrenz. Mit dem nächsten Zähneputzen wird quasi die Reset-Taste gedrückt.

Zähneputzen hilft gegen Prodontitis

Wie sich die Zusammensetzung unserer Mundbakterien im Lauf der Evolution verändert hat, ist das Forschungsgebiet von Christina Warinner, die am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena arbeitet. Die Professorin analysiert dafür den Zahnstein von Neandertalern, Urmenschen oder Schimpansen.

"Schimpansen haben zwar zum Beispiel ähnliche Bakterien in der Mundhöhle wie Menschen, aber in ganz anderen Proportionen", sagt sie. Vermutlich hängt das vor allem mit der Ernährung zusammen. Außerdem finden sich im Zahnstein unserer Vorfahren wesentlich mehr Parodontitis-Bakterien als bei heutigen Menschen. "Zähne putzen hilft!", sagt Christina Warinner. "Die werden heute einfach weggeputzt."

Welche Bösewichte das Putzen besonders nötig machen und welche Stars dadurch besonders glänzen, erfahren Sie in der Infografik – außerdem wo die jeweiligen Bakterien sitzen. Mund auf!


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