Pflaster: 7 Tipps zur Anwendung

Ein kleiner Schnitt am Finger, eine Blase oder eine OP-Wunde: Pflaster kommen oft zum Einsatz, um die Heilung zu unterstützen. Antworten auf häufige Fragen

von Anne Wüstmann, 19.09.2016
Pflaster

Gut geklebt: Pflaster schützen eine Wunde vor Bakterien


1. Wie oft sollte man ein Pflaster wechseln?

Das kommt auf die Art der Wunde und die Körperstelle an. Bei einer Schnittverletzung am Finger erneuert man es am besten mehrfach jeden Tag. Denn dort tummeln sich schon nach kurzer Zeit jede Menge Bakterien, und das Pflaster wird schnell schmutzig. Am Rücken beispielsweise hält es länger. "Solange die Wunde sich nicht entzündet hat und das Pflaster sauber bleibt, kann man es auch mal zwei bis drei Tage drauflassen", sagt Sabine Kirchniawy, Apothekerin aus der Nähe von Hannover.

Je länger ein Pflaster kleben bleibt, desto effektiver die Heilung – vorausgesetzt, man verspürt weder Brennen, Jucken noch Wärme. Nach kleinen Laseroperationen, etwa dem Entfernen eines Muttermals, das Pflaster erst nach Anweisung des Arztes abnehmen. Auch Klammerpflaster bei Platzwunden sollte lieber der Arzt wechseln.

2. Wie lassen sich Pflaster schmerzfrei entfernen?

Bei kleineren Wunden ist das schnelle Abreißen die einfachste Methode. Dabei nicht nach oben ziehen, sondern möglichst nahe an der Haut bleiben und in Wuchsrichtung der Haare vorgehen. Das reizt die Wunde weniger.

Wer sehr schmerzempfindlich ist oder sehr dünne Haut hat, sollte den Kleber des Pflasters aufweichen, rät Kirchniawy: "Geben Sie mit einem Wattestäbchen seitlich zwischen Pflaster und Haut etwas Öl (zum Beispiel Babyöl), so löst sich das Pflaster Stück für Stück von alleine. Das Öl darf aber nicht in die Wunde fließen."

Generell lösen sich hypoallergene Pflaster für empfindliche Haut besser, da hier die Klebemasse nicht aus Kautschuk, sondern aus Polyacrylaten besteht. Dadurch kommt es auch zu deutlich weniger Ausschlägen und Hautreizungen.

3. Was tun, wenn das Pflaster mit der Wunde verklebt ist?

Jetzt ist Vorsicht geboten, denn die Heilung hat schon eingesetzt. Reißen Sie das Pflaster auf keinen Fall ab: "Wenn man das verklebte Pflaster abzieht, kann dabei die ganze Wunde aufreißen. Dadurch verzögert sich die Heilung, und es können zusätzlich neue Keime eindringen. Auch die Narbenbildung wird dadurch begünstigt", warnt Kirchniawy.
Sie empfiehlt, die Verkrustung einzuweichen, am besten mit einer Kochsalzlösung. "Bei verklebten OP-Wunden verwenden wir im Praxisalltag auch häufig mit Desinfektionsmittel getränkte Kompressen", sagt Dr. Anja Leiber, Dermatologin aus München. "Nach zehn Minuten Einweichen löst sich das Pflaster problemlos ab."

Pflasterkunde: Checkliste für Ihre Hausapotheke

  • Der Klassiker: Beim Obstschneiden den Finger erwischt? Universalpflaster versorgen kleinere Alltagsverletzungen.
  • Herpes-Hilfe: Transparente Patches sollen bei Bläschen auf der Lippe die Heilung beschleunigen und übermäßige Schorfbildung vermeiden.
  • Blasenpflaster: Sie fördern ein Abheilen der Blase und schützen vor erneuter Reibung.
  • Fuß-Freund: Ein Hühneraugenpflaster nimmt den Druck von Hühneraugen oder anderen schmerzenden Stellen am Fuß.
  • Sterile Kompresse: Damit lassen sich auch größere Wunden sorgfältig abdecken.
  • Mull- oder Fixierpflaster: Befestigt Kompressen, Mullbinden und Bandagen auf der Haut.
  • S.O.S.-Spray: Sprühpflaster sind schnell und einfach zu handhaben. Sie verschließen oberflächliche Wunden wasserfest und schützen sie vor Bakterien.

4. Wie lassen sich größere Verletzungen abdecken?

Bei manchen Wunden reicht auch das Auflegen großer Pflaster nicht aus. Mehrere Exemplare aneinanderzukleben ist ebenfalls nicht möglich. Ärztin Leiber hat für solche Fälle folgenden Tipp: "Eine Salbengaze auf die Wunde legen, eine sterile Kompresse darübergeben und das Ganze mit Mullpflaster befestigen. Da Sie dieses zuschneiden können, lassen sich problemlos Pflaster für jede Größe herstellen."

Auch wasserabweisende Duschpflaster gibt es leider nicht in allen beliebigen Formaten. Für größere Verletzungen empfiehlt Apothekerin Kirchniawy daher spezielle Duschfolien. Diese werden über den Verband oder das Pflaster gezogen und mit Klebestreifen fixiert, um so die Wunde gut vor Wasser zu schützen.

5. Wann machen Sprühpflaster einen Sinn?

"Sie dienen der Akutversorgung, da sie einen wasserabweisenden, aber luftdurchlässigen Film bilden – ideal für oberflächliche Wunden", sagt Sabine Kirchniawy. Wenn Sie eine Flasche Sprühpflaster zum Beispiel im Wanderrucksack oder in der Fahrradtasche dabeihaben, können Sie oberflächliche Abschürfungen im Nu verschließen. Nur auf stark blutende Wunden sollte man es nicht geben.

"Wir verwenden Sprühpflaster in der Praxis auch oft bei Operationen an behaarten Stellen wie dem Kopf, wo kein Pflaster kleben kann – aber auch an Stellen, die viel Bewegung ausgesetzt sind, etwa an Gelenken", sagt Dermatologin Lieber. Nachteil: Der gepolsterte Schutz fehlt.

6. Genügt bei einer Blase ein normales Pflaster?

Nein. Das Pflaster kann sich durch den Fußschweiß lösen. Außerdem verstärkt es die Reibung möglicherweise sogar noch. Spezielle Blasenpflaster enthalten sogenannte Hydrokolloidpartikel, die überschüssige Flüssigkeit aufnehmen und dadurch eine Art schützendes Gelpolster bilden, das den Druckschmerz lindert und die Blase vor Reibung und anderen äußeren Einflüssen schützt.

Feuchte Wundheilung ist für kleine Blessuren wie eine Blase ideal: "Das Gewebe unter einer geschlossenen Blase heilt viel schneller, als wenn man sie öffnet", erklärt die Ärztin. Ist eine Wunde noch frisch und wurde desinfiziert, tut eine feuchte Kammer besonders gut. "Bei infizierten Wunden wäre es allerdings fatal, sie luftdicht abzuschließen", so Leiber.

7. Gehört unter jedes Pflaster noch eine Salbe?

Nicht immer. Moderne Pflaster wirken zusammen mit Körperflüssigkeiten, wie etwa Pflaster mit einer speziellen Silberbeschichtung: Kommt das Metall mit Blut oder Wundsekret in Berührung, lösen sich Ionen und wirken antibakteriell. "Bei tieferen Schnittwunden kann man zur Feuchthaltung eine Salbe mit Dexpanthenol oder Jod auftragen, sofern keine Allergie besteht", rät Dermatologin Leiber.