Nebenwirkung

Krank werden auf kubanisch


Kuba ist stolz auf sein Gesundheitssystem. Mein Bruder und ich reisten vergangenen Herbst über die Insel. Plakate, Wände und Einheimische verkündeten überall: Die Versorgung ist kostenlos, die Ärzte sind hervorragend ausgebildet, die Säuglingssterblichkeit ist niedriger als in den USA. Wenn krank werden, dann auf Kuba.

Dann lag mein Bruder mit einem Magen-Darm-Infekt im Bett. Unser mitgebrachtes Durchfallmittel war schon eine Woche zuvor aufgebraucht. Vor Reisebeginn hatte ich nur das Nötigste aus der Apotheke besorgt – vieles braucht man ja dann sowieso nicht. Das hatte ich nun davon.

Mangels Internet suchte ich mithilfe des Reiseführers eine Apotheke. Schon von außen sah der Laden wunderschön aus mit seinen hohen Fenstern und dem großen Schild über der kunstvoll geschnitzten Tür. Ich trat ein. Zwei adrett im Retro-Apotheken-Stil gekleidete Verkäuferinnen lehnten am ebenso reich verzierten Tresen unter einem Kristalllüster. Hinter ihnen deckenhohe Vitrinen. Alle leer. Klar, dachte ich, wie in den Supermärkten halt.

"Haben Sie ein Mittel gegen Magen-Darm-Infekte?", wollte ich wissen. Und erntete Kopfschütteln. Ich war mitten in Havanna, in einer belebten Touristenstraße. "Kann ich denn hier nirgendwo ein Durchfallmittel bekommen?", fragte ich entsetzt und dachte an meinen dehydrierenden Bruder. "Vorne beim Parque Central ist am Hotel eine internationale Apotheke", sagte eine der beiden Frauen.

Nach längerem Suchen fand ich an einem Seiteneingang des teuren Hotels den winzigen Laden. Nicht schön, aber mit vollen Regalen. Das Durchfallmittel kostete 30 Euro. Krank werden ist auf Kuba wohl doch keine so gute Idee.