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Wie steckt man sich mit dem Coronavirus an?

Seit in Deutschland die ersten Fälle des neuen Coronavirus aufgetreten sind, dreht sich vieles darum, wie viele Leute neu infiziert sind. Experten nennen vermutliche Übertragungswege und sinnvolle Gegenmaßnahmen

von Regina Wank und Sabine Dobel, dpa, 30.01.2020
Hände waschen mit Seife

Ansteckung mit dem Corona-Virus verhindern: Experten empfehlen gründliches Händewaschen


Für Hannelore Scharnagl ist es eine klare Sache. Ohne Mundschutz geht sie am Tag zwei nach Bekanntwerden der ersten Coronavirusfälle in Gauting bei München nicht auf die Straße. Ein 33 Jahre alter Webasto-Mitarbeiter hatte sich wohl bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die mit ihm gemeinsam an einer Schulung teilgenommen hatte. Inzwischen wurde bei drei weiteren Mitarbeitern die Lungenkrankheit festgestellt.

«Ich muss vorsorgen», sagt die Rentnerin. «Corona ist hier. Corona ist überall. Wir müssen alle aufpassen.» Sie hat die Kapuze ihrer gelben Verkehrshelferuniform übergezogen, der Mundschutz verdeckt den Rest des Gesichts, nur die Augen sind frei. Aber wie ansteckend ist das neue Virus tatsächlich?

Vermutlich Übertragung per Tröpfcheninfektion

«Wir gehen davon aus, dass man über einige Zeit Kontakt auf einer Entfernung unter einem Meter haben muss», meint der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger. Dazu gehöre zum Beispiel eine Unterhaltung am gleichen Tisch. Er beruhigt aber auch: «Das Virus ist sicherlich nicht so ansteckend wie die Masern.» Bislang wird vermutet, dass das neuartige Coronavirus mit Tröpfcheninfektion übertragen wird.

Ansteckend, noch bevor sich Symptome zeigen

Der erste Fall in Bayern am Anfang der Woche sei dennoch «äußerst beunruhigend», meint der Medizinprofessor an der Norwich Medical School an der Universität von East Anglia, Paul Hunter. Denn zum einen war es eine der ersten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen außerhalb Chinas. Zum anderen steckte sich der Mann wohl bei der Chinesin an, noch bevor sie Symptome zeigte. Wenn sich das Virus aber schon zu dieser frühen Zeit ausbreite, mache das die Standardkontrollstrategien weniger wirksam.

Ansteckender als SARS, aber harmloser

Genau das unterscheidet das Virus auch vom Sars-Erreger, meint Salzberger. Das neue Coronavirus ist demnach zwar ansteckender als der Sars-Erreger. Allerdings sei bei Sars die Rate von schweren Krankheitsverläufen höher gewesen. Nach Einschätzung von Experten verläuft die neue Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, zum Teil sogar ohne Symptome.

Virus bleibt auch kurze Zeit auf Oberflächen

Wie lange genau das Virus auf Oberflächen bleibt, ist bislang unklar. «Wenn man in die Hand hustet oder niest und dann eine Türklinke anfasst oder sein Telefon anfasst und weiterreicht, kann das Virus so übertragen werden. Aber eine halbe Stunde später sollte das kein Problem mehr sein», meint der WHO-Sprecher Christian Lindmeier.

Händehygiene und Hustenetikette

Deswegen sollte man die gleichen Schutzmaßnahmen ergreifen wie bei der Grippe: Händehygiene und für die Erkrankten eine gewisse Hustenetikette, sagt Martin Hoch, Leiter der Task-Force Infektiologie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Ein Mundschutz sei nicht sinnvoll. Auch das Robert-Koch-Institut schätzt die Gesundheitsgefahr weiterhin als gering ein.

Weitere Tipps zur Vermeidung einer Ansteckung mit Corona, Grippe und co

  • Größere Menschenansammlungen meiden
  • Auf das Händeschütteln verzichten
  • Um andere zu schützen: In ein Taschentuch husten und niesen (notfalls in die Ellenbeuge)