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Wie Deutschland Corona eindämmen will

Die Bundesregierung hat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus einen Krisenstab eingerichtet. Infektionsketten in und nach Deutschland sollen unterbrochen werden

von Tina Haase, aktualisiert am 28.02.2020
Informationen über das Coronavirus Flughafen München

Aufklärung: Bereits seit Ende Januar werden Reisende am Flughafen München auf Tafeln in mehreren Sprachen über den Coronavirus informiert


Nach den neuen Ausbrüchen herrscht Unsicherheit über die Auswirkungen des Coronavirus hierzulande. Die Folgen, die ein Übergreifen von Sars-CoV-2 auf größere Teile der Bevölkerung hätte, sind schwer abzuschätzen. Zudem gibt es anders als bei der Grippe weder einen Impfstoff noch speziell dafür entwickelte Medikamente. Dennoch: "Bisher ist das Virus in Deutschland noch nicht außer Kontrolle", beruhigte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Professor Lothar Wieler auf einer Pressekonferenz in Berlin. "Aber wir wissen noch nicht, wie es sich entwickelt."

Die Strategie der Eindämmung

Es sei daher wichtig, die Strategie der Eindämmung weiterzuverfolgen: Erkrankte werden im Krankenhaus isoliert. Gesundheitsbehörden ermitteln zudem die Kontaktpersonen. Zeigen sie keine Krankheitsanzeichen, bleiben sie in häuslicher Quarantäne, bis eine Infektion ausgeschlossen ist. Beim ersten Coronavirus-Fall in Bayern blieben zum Beispiel 241 Menschen in Quarantäne. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg werden es weit mehr Menschen sein. In mehreren Bundesländern wird nach möglichen weiteren Sars-CoV-2-Infizierten gesucht. Und es ist nicht klar, ob alle Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden können.

Die Bundesregierung stellt die Bevölkerung in Deutschland auf eine fortschreitende Verbreitung des Coronavirus ein. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich die Epidemie auch in Deutschland ausbreite, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer. Beide Ministerien richteten einen gemeinsamen Krisenstab ein.

Ziel ist es, die Infektionsketten zu unterbrechen

Seehofer erklärte, nach dem Auftreten des Virus in Europa und in Deutschland habe sich "die Lage deutlich verschärft". Die Regierung werde alles "Menschenmögliche" zum Schutz der Bevölkerung tun. Es gehe vor allem darum, die Infektionsketten in und nach Deutschland zu unterbrechen, erklärte Seehofer.

Künftig werden nicht mehr nur die Daten von landenden Fluggästen aus China in Deutschland erfasst. Auch ankommende Fluggäste aus Südkorea, Japan, dem Iran und Italien müssten nun ihre Daten abgeben, so Spahn. Mithilfe der Aussteigekarten könnten alle Reisenden schnell kontaktiert werden, wenn sich herausstellt, dass ein Fluggast infiziert ist.

"Aussteigekarten" für Reisende, die in Deutschland ankommen

Solche Karten sollten auch im grenzüberschreitenden Zug- und Busverkehr ausgefüllt werden, sagte Seehofer. Hier hoffe er auf eine Selbstverpflichtung der Transportunternehmen. Im Schiffsverkehr werde dies angeordnet. Für das Unterbrechen der Infektionsketten sei so ein Schritt unverzichtbar.

Sollte sich das Virus hierzulande weiter verbreiten, müssen weitere Maßnahmen getroffen werden: Man müsse zum Beispiel überlegen, Großveranstaltungen abzusagen, so RKI-Chef Lothar Wieler. Risikogruppen, zum Beispiel ältere Menschen, würden dazu angehalten, nur noch ein Mal pro Woche einkaufen zu gehen, Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern erlauben im Homeoffice zu arbeiten. "Wir würden versuchen, das öffentliche Leben und Kontakte unter Menschen zu reduzieren, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden oder zumindest zu verlangsamen", so Wieler.

Wer in einem Risikogebiet war, sollte sich selbst beobachten

Dennoch mahnt Lothar Wieler zu besonnenem Handeln: "Wir haben es mit einer schweren Krankheitsform zu tun. Wir sind dem aber nicht schutzlos ausgeliefert." Alle Menschen könnten etwas tun, um sich vor Ansteckungen zu schützen, etwa durch regelmäßiges Händewaschen oder Desinfizieren der Hände, wenn gerade kein Waschbecken in der Nähe ist. Zudem sollte man in die Armbeuge niesen und husten, wenn kein Taschentuch zur Hand ist.

Menschen, die in den vergangenen zwei Wochen in der Lombardei oder in anderen Risikogebieten waren, sollten sich selbst beobachten und zum Beispiel regelmäßig Fieber messen. Stellen Sie Symptome einer Atemwegserkrankung fest, sollten Sie Kontakt mit einem Arzt aufnehmen, aber nicht in die reguläre Sprechstunde gehen, um keine weiteren Personen anzustecken.