So wirken Hautpflegeprodukte

Hautpflegeprodukte sollen uns schöner, faltenfreier, frischer machen. Doch wie funktionieren sie? Neun Fragen und Antworten zu Inhaltsstoffen und ihrer Wirkweise

von Aglaja Adam, 01.02.2018

Hautpflege: Wer weiß schon genau, mit was er sich eincremt?


Wie hilft Harnstoff trockener Haut?

Es handelt sich um eine körpereigene Substanz. Harnstoff (Urea) steckt in der äußersten Hautschicht jedes Menschen und stammt hauptsächlich aus unserem Schweiß. "Er ist ein natür­licher Feuchthaltefaktor", sagt Ursula Kindl, Apothekerin in München.

Harnstoff stabilisiert die Hautbarriere. Diese besteht zu 70 Prozent aus Wasser und enthält Lipide (Fette). Zu häufiges Waschen, chemische Substanzen oder Krankheiten können sie zer­stören. Dann trocknet die Haut aus und juckt. "Eine Urea-Salbe führt Lipide zu, die diese ­Barriere wieder abdichten", erklärt Kindl. Der Harnstoff dringe in die oberste Hautschicht ein und verhindere Feuchtigkeitsverlust.

Harnstoff wird nicht aus Urin hergestellt, ­sondern aus Kohlendioxid und Ammoniak ­synthetisch gewonnen. Cremes und Salben ­gegen Juckreiz und trockene Haut enthalten bis zu zehn Prozent Harnstoff.

Warum machen Silikone in Shampoos und Spülungen die Haare glatt?

"Sie legen sich wie ein Film über den Haarschaft und wirken nur äußerlich", sagt Martina Kerscher, Hautärztin und Professorin für Kosmetikwissenschaft an der Universität Hamburg. Sie repa­rieren also nichts, sondern glätten lediglich die Oberfläche.

Wer die Inhaltsstoffe studiert, erkennt Silikone an Endungen wie -cone oder -xane, etwa Cyclomethicone oder Siloxane. Diese werden unter anderem aus Erdöl gewonnen. Apothekerin Ursula Kindl kennt ihre Nachteile: "Das Silikon lagert sich in den Haaren ab und erschwert etwa das Färben." Silikonhaltige Produkte gelten nicht als gesundheitsschädlich, aber als schwer abbaubar.

Was kann Koffein gegen Cellulite ausrichten?

Es soll zu einer Verkleinerung der Fettzellen führen. "Es gibt allerdings nur wenige wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Koffein  wirklich den Stoffwechsel der Haut verbessern kann", sagt Dermatologin Kerscher.

Cellulite entsteht zwischen Dermis (Lederhaut) und Subcutis (Unterhaut). Um das Eindringen in diese Schichten zu ermöglichen, muss das Koffein in sogenannte Liposomen verpackt werden. "Das ist aber teuer", sagt Apothekerin Kindl. Liposomen sind kleine Kügelchen mit einer speziellen Membran. Sie schließen Wirkstoffe ein und können sie in tiefere Hautschichten transportieren.

Weshalb braucht es Azeton im Nagellackentferner?

Azeton ist ein Lösungsmittel. Es wird auch in der Industrie verwendet, um Fette, Harze und andere Stoffe zu lösen. Doch die farblose Flüssigkeit ist giftig. Selten benutzt, sei sie relativ unbedenklich, sagt Ursula Kindl. Dennoch rät sie zu azetonfreien Alternativen: "Der Stoff entzieht dem Nagel Fett und macht die Nagelplatte spröde."

Sie empfiehlt organische Azetate, wie zum Beispiel Butylazetat oder Ethylazetat. Sie werden oft mit rückfettenden Substanzen kombiniert, die den Nagel beim Entfernen der Farbe schonen.

Wieso haben Fruchtsäuren einen Peeling-Effekt?

Sie lösen die Verbindung der obersten Hornzellen auf und beschleunigen die Erneuerung der Zellen. "Fruchtsäuren werden deshalb auch gerne als Anti-Aging-Maßnahme ­genutzt", sagt Apothekerin Kindl.

Verwendet werden oft Glycol-, Salicyl-, Milch- und Apfelsäure sowie Vitamin C. "Ihre Wirkung ist umso stärker, je höher die Konzentration und je saurer die Zubereitung ist, also je nied­riger der pH-Wert", so Kindl. In frei verkäuflicher ­Kosmetik sind Konzentrationen von bis zu zehn Prozent zugelassen. Ein zu hoher Gehalt kann zu Hautirritationen führen.

Wie lassen Cremes Pigmentflecken verblassen?

Alters- oder Pigmentflecken entstehen meist durch zu viel UV-Licht. "Das braune Farbpigment Melanin wird ­­gebildet, um die Zellen vor den schädigenden ­Strahlen zu schützen", so Apothekerin Kindl. Bildet es sich un­regelmäßig, entstehen Flecken.

Bei diesen Prozessen setzen aufhellende Wirkstoffe an.  Die meisten hemmen das Enzym Tyrosinase, das an der Melaninbildung beteiligt ist. Zu den am häufigsten angewandten Stoffen zählt Hydrochinon. "Es ist ­umstritten, weil es Allergien auslösen kann", sagt Johannes Müller-Steinmann, Dermatologe aus Kiel. Daneben kommen etwa Koja- und Fruchtsäure, Rucinol sowie der natürliche Bleichstoff Arbutin zum Einsatz. "Alle diese ­Substanzen wirken oberflächlich. Sie können aufhellen, aber die Flecken nicht beseitigen", erklärt er.

Auf welche Weise stoppt Aluminium Schweiß?

Es verengt die Schweißporen. Kindl: "Alu­miniumverbindungen bilden mit dem Keratin der Hornzellen unlösliche Verbindungen, die sich an den Ausgängen der Schweißdrüsen ablagern."

Immer wieder gerät der Inhaltsstoff in Verruf; manche behaupten, er verursache Krebs. ­Wissenschaftlerin Kerscher beruhigt: Aluminium könne gesunde Haut kaum durchdringen, es ­gelange also nicht in den Organismus. "Nur bei frisch ­rasierter Haut lieber nicht anwenden."  Als Alternative wird Aluminium aus Natur­stoffen eingesetzt. Lassen Sie sich dazu beraten.

Antioxidanzien gelten als Faltenkiller – wieso?

Weil sie die Haut vor freien Radikalen  schützen. "Das sind aggressive Sauerstoffmoleküle, die unser Körper selbst bildet", sagt Medizinerin Kerscher. Besonders viele ­werden etwa bei zu starker Sonnenlicht- oder Nikotinbelastung ausgeschüttet. Freie ­Radi­kale bremsen den Kollagenstoffwechsel der Haut, sie erschlafft und bekommt Falten.

Antioxidanzien fangen die freien Radikale ein. In Kosmetika werden verschiedene Anti­oxidanzien eingesetzt. "Für viele gibt es keine Dosis-Wirkungs-Studien", sagt Kerscher. Wissenschaftlich belegt sind die Effekte von Vitamin C ab einer Konzen­tration von fünf Prozent. Auch die Vitamine E, A und B3 sowie verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe (etwa Polyphenole) sollen verjüngend wirken.

Wie wirkt Selbstbräuner?

Dank einer chemischen Reaktion. Oft steckt in Selbstbräunern Dihydroxyazeton (DHA), eine Zuckerart. Der Stoff reagiert mit Eiweiß­­bausteinen und Aminosäuren in der Hornschicht der Haut – das ergibt nach einigen Stunden eine oberflächliche Braunfärbung. Je höher die DHA-Konzentration und je dicker die Hornschicht, desto dunkler das Ergebnis. "Fingerkuppen oder Fußsohlen verfärben sich deshalb extrem", sagt Apothekerin Kindl.

Eine Alternative zu DHA ist zum Beispiel die Zuckerart Erythrulose. Selbstbräuner kühl und dunkel lagern und nach Ablauf des Verfallsdatums entsorgen. "DHA kann Formaldehyd abspalten", sagt Kindl. Und das steht im Verdacht, Krebs zu verursachen.