Kopfschmerzen: Diese Hausmittel können helfen

Pfefferminzöl statt Schmerztablette? Welche Naturheilverfahren wann helfen und was Sie bei der Anwendung beachten sollten
von Tanja Pöpperl, 25.07.2017

Kann Kopfweh lindern: Ein Glas mit kaltem Wasser an die Stirn halten

dpa Picture-Alliance/Jo Kirchherr

Sie können sich stechend, hämmernd oder dumpf anfühlen, hinter der Stirn, im Nacken oder einseitig an der Schläfe auftauchen: Kopfschmerzen kommen in ganz unterschiedlicher Ausprägung vor und betreffen verschiedene Bereiche des Kopfs. Nach Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) lassen sich heute über 200 Arten unterscheiden – vom weit verbreiteten Spannungskopfweh bis hin zum eher seltenen Gewichtheberkopfschmerz, der durch körperliche Anstrengung ausgelöst wird.

"Treten Kopfschmerzen sehr stark, erstmalig länger anhaltend oder in ungewohnter Form auf, sollten Sie sie immer zuerst abklären lassen und nicht ohne ärztliche Rücksprache mit Hausmitteln experimentieren", rät Allgemeinmedizinerin Dr. Miriam Ortiz von der Hochschulambulanz für Naturheilkunde der Berliner Charité.

Handelt es sich aber um leichtes oder mittelstarkes Kopfweh, das Sie in der Vergangenheit immer mal wieder nach einem stressigen Arbeitstag oder einer schlaflosen Nacht erlebt haben, können natürliche Mittel aus der Hausapotheke durchaus Linderung bringen.

Wärme

Wärmeeinwirkung hat sich vor allem bei Spannungskopfschmerz bewährt, da sie die Muskelspannung senkt. "Eine wärmende Anwendung im Nacken tut dann gut, etwa ein erwärmtes Kirschkernkissen, eine feucht-warme Kompresse oder ein Nackenguss durch einen warmen Duschstrahl", sagt Miriam Ortiz. "Mit einem heißen Bad hingegen, das oft empfohlen wird, wäre ich vorsichtig. Dabei kann der Blutdruck abfallen und bestehende Kopfschmerzen können sich noch verstärken." Als Hausmittel für Migräne werden traditionell auch warme Fußbäder oder Senfmehlfußbäder empfohlen. Ebenso können Wechselduschen nach Kneipp sowie Fuß- und Armbäder mit ansteigender Temperatur helfen.

Kälte

Pocht der Schädel zum Beispiel nach langer Bildschirmarbeit, kann Kühlung angenehm sein. Ein Gelkissen aus dem Kühlschrank oder ein kalter Waschlappen für mehrere Minuten auf Stirn oder Schläfen halten – das kann die Schmerzwahrnehmung verringern. "Ein kaltes Armbad nach Kneipp verstärkt die Durchblutung der Arme und sorgt dadurch für veränderte Kreislaufverhältnisse in der oberen Körperhälfte. Diese kreislaufanregende und erfrischende Anwendung kann hilfreich sein, wenn zum Kopfschmerz Müdigkeit und niedriger Blutdruck kommen", so die Ärztin.

Dazu nacheinander oder gleichzeitig die Arme von der Hand bis zur Mitte des Oberarms in kaltes Wasser tauchen, etwa am Waschbecken. Warten, bis ein Kältegefühl eintritt, dann die Arme abstreifen und zum Wiedererwärmen mit einem Handtuch bedecken oder bewegen. Kneipp-Anwendung nur durchführen, wenn Hände und Arme warm sind. "Es kommt als Reaktion auf den Kältereiz im Anschluss zu einer Mehrdurchblutung der Arme", erklärt Ortiz.

Ätherische Öle

Der schmerzlindernde Effekt von Pfefferminzöl konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden und ist vergleichbar mit der Einnahme einer Schmerztablette. "Entscheidend ist das großflächige Auftragen auf Stirn und Schläfen, dabei darf man nicht zu sparsam sein", weiß die Medizinerin. "Vorsicht vor Augen- und Hautreizungen – verwenden Sie kein reines, sondern verdünntes Minzöl." In Apotheken finden Sie beispielsweise Präparate mit zehnprozentigem Anteil an Pfefferminzöl. Vorsicht: Für Kleinkinder sind ätherische Öle nicht geeignet. Auch Menschen, die an Asthma leiden, sollten vorab mit dem Arzt klären, ob entsprechende Mittel für sie infrage kommen. Das Auftragen und Einreiben mit den Händen unterstützt die entspannende Wirkung. "Man weiß, dass Minzöl die Kälterezeptoren auf der Haut anregt, was wahrscheinlich für einen Teil der schmerzlindernden Wirkung verantwortlich ist", sagt Ortiz.

Pflanzliche Mittel

Eine Art pflanzliches Schmerzmittel ist die Weidenrinde. Sie enthält Salicylate, das sind Vorläufer des bekannten Schmerzhemmers Acetylsalicylsäure, kurz ASS. Die Inhaltsstoffe aus der Weidenrinde wirken ähnlich, jedoch nicht so intensiv wie ASS. Wer sich für Weidenrindentee entscheidet, muss mit dem bitteren Geschmack zurechtkommen, angenehmer ist die Tabletten- oder Kapselform. Nicht empfohlen wird die Anwendung für Menschen, die Blutverdünner einnehmen und auch für Kinder eignen sich Weidenrindenpräparate nicht.

"Leidet man während eines grippalen Infekts unter Kopfweh, haben sich Tees mit der Heilpflanze Mädesüß bewährt", ergänzt Miriam Ortiz. Mädesüß enthält ebenfalls Vorstufen der Acetylsalicylsäure und wirkt leicht schmerzlindernd. Wichtig: Wer allergisch auf Salicylate reagiert, sollte Weidenrinde und Mädesüß nicht anwenden.

Lassen Sie sich beim Arzt oder in der Apotheke beraten, ob etwas gegen die Einnahme der pflanzlichen Mittel spricht.

Mädesüß

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Weide (Salix species)

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Die Weidenrinde enthält Substanzen, die dem Arzneistoff Acetylsaliclysäure ähnlich sind. Die Heilpflanze wird unter anderem bei Rückenschmerzen und Arthrose eingesetzt »

Koffein

Gerade bei jungen Frauen löst häufig ein zu niedriger Blutdruck Kopfschmerzen aus. "Dann bessert ein Espresso oder Kaffee die Beschwerden, da Koffein die Gefäße verengt und den Blutdruck erhöht", sagt die Expertin. Der Effekt ist laut Studien jedoch vor allem bei Menschen spürbar, die Kaffee nicht gewohnheitsmäßig und in eher kleinen Mengen trinken. Beim regelmäßigen und höheren Konsum verpufft die Wirkung durch Gewöhnung oft. Warum manche dem Espresso noch Zitronensaft hinzuzufügen, lässt sich laut Miriam Ortiz aus wissenschaftlicher Sicht bislang nicht erklären.

Bewegung

Ein schmerzhaftes "Schraubstockgefühl" an Scheitel, Hinterkopf und Nacken lässt sich in vielen Fällen gut durch Bewegung, Dehn- und Lockerungsübungen beheben. "Manchmal genügt schon ein zwanzigminütiger Spaziergang an der frischen Luft, wenn Sie den ganzen Tag drinnen am Schreibtisch gesessen haben", so der Tipp von Miriam Ortiz. Die erhöhte Sauerstoffversorgung im Freien regt Stoffwechselvorgänge und die Durchblutung an. Und der Blick in die Weite erholt die Augen, denn eine Überlastung durch ständiges Nahsehen am Computer kann ebenfalls zu Kopfschmerz führen.

"Schulterkreisen vorwärts und rückwärts, den Nacken durch Kopfneigen bewusst dehnen, den Brustkorb öffnen, indem Sie die Arme weit nach hinten führen: Solche einfachen Übungen können schnelle Entlastung und damit Schmerzlinderung bringen", sagt die Ärztin. "Am besten machen Sie tagsüber alle anderthalb Stunden eine kurze Pause und planen eine Lockerungseinheit ein."

W&B/Privat

Unsere Expertin: Dr. Miriam Ortiz, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde der Hochschulambulanz für Naturheilkunde vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité Universitätsmedizin Berlin

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