Fuchsbandwurm auch in der Stadt ein Problem

Eine Fuchsbandwurmerkrankung kommt sehr selten vor, ist aber potenziell lebensgefährlich. Was viele nicht wissen: Füchse leben nicht nur auf den Land, sondern hausen auch in Städten. Wie Sie sich schützen können

von Bastian Fersch, aktualisiert am 19.10.2018
Fuchs im Wald

Neben Füchsen können auch Hunde oder Katzen den Fuchsbandwurm übertragen


Früher steckten sich vor allem Landwirte und Jäger mit dem Fuchsbandwurm an. Heute trifft es auch Menschen in der Stadt. Der Grund: Füchse, die den Parasiten in sich tragen, wandern in die Städte. In ihrem Kot finden sich die Eier des Wurms, der beim Menschen die potenziell lebensgefährliche Echinokokokkose, zu deutsch: Fuchsbandwurmerkrankung, auslösen kann.

Laut dem Robert Koch-Institut gab es 2016 circa 30 Fälle einer Fuchsbandwurmerkrankung in Deutschland, der Großteil wurde aus Bayern oder Baden-Württemberg gemeldet. Auch wenn gerade in Süddeutschland ein Risiko besteht, Professor Klaus Brehm, Biologe am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg beruhigt: "Die Infektion mit dem Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas."

Infektion mit dem Fuchsbandwurm

Als Zwischenwirt für den Fuchsbandwurm dienen hauptsächlich Mäuse, Ratten und andere Nagetiere. Wird eine infizierte Maus von einem Fuchs oder einem Hund gefressen, findet der Parasit in ihnen einen genetisch idealen Endwirt. Über die Ausscheidungen der infizierten Füchse oder Hunde gelangen Wurmeier in die Umwelt. Diese sind widerstandsfähig genug, um selbst eisige Temperaturen von unter -20 Grad zu überstehen. Eine Ansteckung erfolgt üblicherweise durch die versehentliche Aufnahme der Eier über den Mund. Aber nicht alle infizierten Personen mit positiven Bluttests erkranken wirklich an der alveolären Echinokokkose. Die ersten Symptome wie Oberbauchschmerzen oder Gelbsucht zeigen sich frühestens nach fünf bis zehn Jahren.

Fuchsbandwurm und seine Übertragung

Kaum Ansteckung durch Waldbeeren

Entgegen der vielen Gerüchte ist von keinem Fuchsbandwurm-Patienten bekannt, dass er oder sie sich durch Waldbeeren angesteckt hätte. "Beeren, die hoch am Strauch hängen, scheiden als Infektionsweg aus", stellt Experte Brehm klar. "Es ist schwer vorstellbar, wie etwa Fuchskot an hoch hängende Beeren gelangen soll." Die weit verbreitete Angst vor Waldfrüchten ist daher fast immer unbegründet. Erdbeerfelder in Waldnähe könnten ein kleines Risiko darstellen, da Füchse und Mäuse in Berührung mit den nahe am Boden wachsenden Früchten gekommen sein können. Fleißige Pflücker sollten die Erdbeeren nicht direkt vom Feld naschen. Auch in Sandkästen oder dem heimischen Gemüsebeet können sich Bandwurmeier finden. Deshalb gilt: Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich abwaschen und ebenso die Hände waschen, nachdem sie mit Erde in Kontakt gekommen sind. Keine Gefahr ist bei selbstgekochter Erdbeermarmelade zu befürchten: Die Eier des Fuchsbandwurms sterben ab Temperaturen über 60 Grad Celsius zuverlässig ab.

Übertragung vom Haustier zum Menschen

Wenn man von einer Gefahr durch den Fuchsbandwurm sprechen kann, so geht diese am ehesten von Haustieren aus. "In China spielen vor allem Hunde, die Mäuse fressen, eine große Rolle bei der Übertragung auf den Menschen", sagt Klaus Brehm. In Deutschland geraten Hunde seltener in Kontakt mit Mäusen, wobei Haustiere auf dem Land häufiger auf Erreger treffen als in der Stadt. Ob der Haushund im Wald einen toten Fuchs entdeckt oder das apportierte Stöckchen zuvor an einer durch Fuchskot verschmutzten Stelle gelegen hat: Die Weitergabe des Fuchsbandwurms durch den Hund an den Menschen ist möglich. Daher sollten Hunde wie Katzen regelmäßig entwurmt werden. Nach Spaziergängen in Risikogebieten den Hund abduschen.

Prof. Dr. rer. nat. Klaus Brehm

Wer gefährdet ist

Zu den sogenannten Endemie-Gebieten des Fuchsbandwurms gehört der gesamte süddeutsche Raum, vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Stark betroffen sind die ländlichen Gebiete der Schwäbischen Alb. Landwirte, Jäger und Waldarbeiter gelten immer noch als besonders gefährdet, weil sie direkt in Kontakt mit Wurmeiern kommen können. Die Infektion ist bei Landwirten zum Beispiel als Berufskrankheit anerkannt. "Rund zwei Monate nach dem Kontakt, zum Beispiel mit einem toten Tier, ist im Blut feststellbar, ob die Person Wurmeier aufgenommen hat", erklärt Biologe Brehm. Vorsichtig sollten aber auch Menschen sein, die nahe am Wald wohnen oder im heimischen Garten schon einen Fuchs gesehen haben – beispielsweise am Komposthaufen. Wer Fuchskot im Garten findet, sollte ihn mit einer Schaufel entfernen und die Stelle mit heißem Wasser übergießen, um mögliche Erreger abzutöten. Kinder sollten von Fuchswelpen die Finger lassen – auch wenn sie noch so süß sind. Brehm mahnt: "Eine Familie kam mit Wurmeiern in Kontakt, weil sie junge Füchse mit Hundewelpen verwechselte und mit nach Hause nahm."